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Kranker Scheiß aus dem Leben einer Sex-Shop-Mitarbeiterin

Eine Sex-Shop-Mitarbeiterin erzählt, wie es ist, täglich Einblicke in das Sexleben der Österreicher zu bekommen.

von Verena Bogner
27 Januar 2016, 11:40am

Illustration von Luft Fabrik

Wir haben in den letzten Monaten schon viel kranken Scheiß gehört— Würstelstandverkäufer, Kosmetikerinnen und auch Zahnärzte haben uns ihre ärgsten und besten Geschichten aus dem Arbeitsalltag erzählt. Nun haben wir uns mit denjenigen Menschen unterhalten, bei denen ihr eure Vibratoren, Buttplugs und Netzstrümpfe kauft.

Sex-Shop-Mitarbeiter helfen Menschen dabei, sich ihre intimsten Wünsche zu erfüllen und mithilfe von Spielzeugen, Outfits und anderen Utensilien ihre Fantasien auszuleben. Genauso, wie die Wünsche, Fantasien und Vorlieben der Menschen unterschiedlich konventionell sind, sind es auch die Kunden. Selbst erfahrenen Mitarbeitern verschlägt es da schon mal die Sprache, wenn Kunden detailliert beschreiben, wie sie es gerne haben oder was sie in ihrer Freizeit mit diversen Silikon-Nachbildungen von Körperteilen und -Öffnungen anstellen. Ich habe mit einer Sex-Shop-Mitarbeiterin darüber gesprochen, wie es ist, täglich Einblicke in das Sexleben der Österreicher zu bekommen. Das sind ihre Lieblingsgeschichten in ihren eigenen Worten.

Der Arsch

Es war ein ganz normaler Tag, als die Tür aufging und ein Mann den Shop betrat. Sein Blick war entschlossen und er trug eine ziemlich große Tasche um die Schulter. Er kam auf mich zu, stellte die Tasche auf die Kasse und ein Produkt aus der Serie „Fuck Me Silly" kam zum Vorschein: Der Nachbau eines Hinterns von zirka fünf Kilo Gewicht. Er hatte eine Reklamation zu machen: „Damit ich mich nicht nur mit meiner Hand zufrieden geben muss, wenn ich Sehnsucht nach meiner Freundin habe, habe ich beschlossen, mir die Beverly zu kaufen." (So nannte er den nachgebauten Hintern.) „Das Problem ist nur, dass die Beverly nicht so viel aushält wie meine Freundin."

Er drehte den Hintern um, sodass ich die beiden künstlichen Öffnungen sehen konnte und zeigte mir, dass der Damm zwischen Vagina und Anus eingerissen war—was ihn sichtlich zornig machte: „Ich hab die Beverly jetzt seit zwei Wochen und schon ist sie eingerissen! Das kann doch nicht sein. Die Löcher gehören eindeutig verstärkt, das müssen Sie dem Produzenten mitteilen!" Um herauszufinden, ob es sich wirklich um einen Material- oder doch um einen Anwendungsfehler handelt, musste ich erst einmal herausfinden, welches Gleitgel er verwendet, wie er das Produkt gereinigt hat und wie er es gelagert hat. Auf seine Antwort war ich nur bedingt vorbereitet:

„Schauen Sie, es ist so. Die Beverly schläft bei mir im Bett, weil ich einfach darauf stehe, wenn ich mit einer Latte wach werde und mich nur rüber drehen muss und ihr meinen Schwanz reinstecken kann. Ich nehme dann meistens ein Gleitgel auf Wasserbasis oder spuck mir auf den Schwanz, das tut's zur Not auch, wenn es schnell gehen muss. Danach geh ich immer duschen und nehm die Beverly mit, dann wasch ich sie immer mit Wasser und Seife aus. Den restlichen Tag über trocknet sie dann auf einem Handtuch vor dem Handtuchtrockner. Wenn ich dann am Abend heimkomme, hol ich sie vorm Schlafen wieder ins Bett und vögel sie noch einmal so richtig durch, damit ich gut einschlafen kann. Am Wochenende fahr ich dann zu meiner Freundin, da hat die Beverly dann ihre Ruhe."

Ich muss sagen, das war mir fast ein bisschen zu viel Information. Da er bei der Benutzung aber grundsätzlich nichts falsch gemacht hatte, musste ich ihm eine neue Beverly mitgeben. Eine Woche später stand er wieder im Shop—auch die neue Beverly war gerissen. Dann habe ich ihm einen anderen Masturbator gezeigt, bei dem immerhin nur der Anus eingerissen ist—die Vagina hat diesmal überlebt.

Der Laufsteg

Dass es in einem Erotik-Shop unter anderem überdurchschnittlich aufreizende Dessous zu kaufen gibt, ist wohl bekannt. Hier findet man auch sogenannte Ouvert-Lingerie—also Bodys, Höschen und Catsuits, die zwischen den Beinen offen sind, um unnötige Wartezeiten zu verkürzen. Ein Pärchen, das in meinen Shop kam, interessierte sich genau für diese Art von Wäsche. Das sichtlich gut gelaunte und verliebte Pärchen kam rein und lief direkt in die Dessous-Abteilung. Ich gab den beiden ein bisschen Zeit, um sich umzusehen und ging dann zu ihnen—vielleicht wollten sie ja beraten werden.

Sie fragten mich nach Ouvert-Dessous, die viel Haut zeigen und ihr Wunsch war mir Befehl. Ich ließ die beiden alleine und ließ sie sich in Ruhe umsehen. Nach einer Viertelstunde waren einige Kunden in den Shop gekommen und schauten sich um, der Shop war mittlerweile also etwas voller geworden. Auf einmal wollte die Dame von vorhin meine Expertise, ich zeigte ihr den ersten Style und sie verschwand mit einem heißen Ouvert-Body mit Spitze, Schnürungen und süßen Peek-a-Boo-Cups in der Kabine. Währenddessen erzählte mir ihr Mann sehr ausführlich von all ihren Vorlieben und ihren regelmäßigen Swinger Club-Besuchen. Als Sex Shop-Verkäuferin bin ich es zwar gewohnt, sexuelle Vorlieben erzählt zu bekommen, aber das war selbst mir fast ein bisschen zu detailliert. Aber: Solange es alle Beteiligten glücklich macht, solls mir recht sein.

Plötzlich ging die Umkleide auf und da war sie—die Frau im Ouvert-Body. Unter dem Body trug sie absolut nichts, was sie nicht daran gehindert hat, durch den ganzen Shop zu flanieren. Jeder konnte sie in ihrer vollen Pracht sehen. Sie schien es wirklich zu genießen. Sie zog alle Blicke auf sich und ich merkte, wie ihr Begleiter sich so richtig an ihr aufgeilte. Sie bückte sich nach vorne, ging arschwackelnd herum und räkelte sich ohne Scheu vor allen anderen Kunden im Shop. Ich war in dem Moment wie versteinert und wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Sie verschwand wieder in der Kabine, zog sich um, drückte mir das Teil in die Hand und fing an, wild mit ihrem Mann zu schmusen. Sie bezahlten und verließen eng umschlungen den Shop.

Der Direkte

Die meisten meiner Kunden drücken sich sehr gewählt aus und reden gern um den heißen Brei, wenn es um ihre intimsten Wünsche und Probleme geht—mit einer Ausnahme. Der Mann sah sich mit seiner Partnerin im Shop um und als ich ihnen meine Beratung angeboten habe, wollte die Frau schon abwinken, der Mann kam ihr aber zuvor und war einer Beratung nicht ganz abgeneigt.

Er erklärte mir direkt und ohne Ausschweifungen, was ihr Problem ist: „Wissen Sie, Fräulein, meine Frau hat vor Kurzem das zweite Kind bekommen. Wir haben jetzt endlich wieder ein paar Mal miteinander geschlafen. Das Problem ist jetzt folgendes: Sie spürt mich nicht mehr und auch ich spür fast nix mehr, weil sie durch die Schwangerschaften einfach so weit geworden ist. Mein Schwanz ist immer noch gleich groß, also an mir kann's nicht liegen. Ich möchte meine Frau einfach wieder so ficken können wie früher."

Seiner Frau war die Situation sichtlich unangenehm. Erst wollte ich ihnen die Wirkung von Liebeskugeln nach einer Schwangerschaft schmackhaft machen. Nach längerer und regelmäßiger Anwendung festigen Liebeskugeln nämlich die Muskulatur und so entsteht wieder mehr Gefühl für beide. Diese Lösung war ihm aber zu langwierig und zu mühsam. Er unterbrach mich: „Fräulein, das ist ja alles schön und gut, dass meine Frau jeden Tag mit Kugeln in der Muschi herumlaufen soll, nur wie lang soll ich noch warten, bis ich wieder was spüre? So geht das nicht. Wir wollen etwas, das wir beide noch heute beim Sex anwenden können, damit alles wieder so ist wie vorher." Die Gesichtsfarbe seiner Frau wechselte nach dieser Aussage zu dunkelrot.

Ich zeigte den beiden entsprechendes Paarspielzeug, das war ihm aber immer noch nicht genug. Auch ein Dildo oder Vibrator kam nicht in Frage, da sein Penis ja offensichtlich nicht das Problem war. Da kam mir der Gedanke an Penishüllen, die die Breite des Penis erhöhen und den Mann durch Noppen und Rillen auch noch zusätzlich stimulieren. Nach einiger Überzeugungsarbeit wollte er die Hülle schließlich in Kombi mit einem Paarvibrator ausprobieren und erklärte mir noch einmal lautstark: „Das passt sicher gut, weil in meiner Frau eh so viel Platz ist!" Seine Frau kämpfte daneben immer noch mit der Fassung.

Erzählt Verena kranken Scheiß aus eurem Leben auf Twitter: @verenabgnr

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