skateboard

Skaterinnen erzählen, was Skateboarden für sie bedeutet

Die Fotografin Anita Fuchs begleitete die jungen Frauen mehrere Tage in München.

von Yannah Alfering; fotos von Anita Fuchs
18 November 2019, 2:19pm

Wer 2019 noch zwischen Männer- und Frauensportarten unterscheidet, hat in den letzten Jahren so viel über Gleichstellung gelernt wie Barbara Schöneberger. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass die Skateszene ziemlich männerdominiert ist – und das schreckt viele Frauen ab.

Um Mädchen und junge Frauen zu empowern und ihr Interesse am Skateboarden zu stärken, hat die Action-Sport-Agentur Further das Girls Rule Project ins Leben gerufen. Dabei geht es nicht nur ums Skaten selbst, sondern auch das Drumherum: Kunst, Film und Fotografie.

Im Juni 2019 trafen sich knapp 20 Mädels aus Europa und den USA in München, um die besten Spots der Stadt zu skaten und ihre eigenen Designs zu entwerfen. Immer mehr Skaterinnen seien laut Further dazu gekommen – am Ende waren es fast 40. Begleitet wurden sie während dieser Zeit von einem ausschliesslich weiblichen Foto- und Videoteam. Dadurch seien "eine ganz eigene Dynamik und ein Freiraum" entstanden, "in dem sich den jungen Frauen eine geschützte Umgebung bot, um sich frei auszutauschen und neue Freundschaften zu finden", schreibt die Agentur.

Wir haben die Teilnehmerinnen nach ihren Erfahrungen auf dem Skateboard und in der Szene gefragt.

Eine Frau skatet einen Pool

"Ich war immer schon sehr sportlich und es gibt viele Sportarten, die von Männern dominiert werden. Als ich zum ersten Mal Vert-Skateboarding gesehen habe, haben die Frauen einfach das Gleiche wie die Typen gemacht. Das war ein Wendepunkt für mich und hat vieles für mich verändert." – Alana Smith

Eine Skaterin in einer Beton-Skateanlage

"Ich habe immer schon gerne mit Frauen geskatet und die ganze Reiserei macht es natürlich noch besser. Ich ermutige Mädchen zum Skaten – ohne Druck, einfach um eine gute Zeit zu haben. Es ermöglicht einem eine Auszeit von der Realität und bringt Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten." – Alana Smith

Eine Frau mit tätowierten Beinen skatet

"Skateboarding hat mir beigebracht, hartnäckig zu sein, über Schmerzen hinwegzukommen und wieder aufzustehen, wenn du hinfällst – egal in welcher Lebenslage du dich gerade befindest." – Carla Calero

Skaterinnen am Münchener Siegestor

"Wenn du als Frau skatest, triffst du auf zahlreiche kulturelle Hindernisse. Menschen werden dich dafür kritisieren, dass du einen 'männlichen' Sport machst; sie werden dir sagen, dass du einen Trick nicht landen kannst; sie werden dir vielleicht sogar sagen, dass du schwach und zerbrechlich bist. Wenn du diese Stimmen nicht an dich heranlässt, wirst du dir selbst und anderen beweisen, dass das alles nicht stimmt. Frauen können alles machen, was sie wollen. Und wenn du skatest, fühlst du dich sehr, sehr stark." – Carolina Velez

Skaterinnen an einem Obelisk

"Ich glaube, wenn du als Frau skatest, kannst du auch andere Mädchen dazu inspirieren. Und selbst wenn sie nicht skaten, werden sie verstehen, dass sie alles machen können, was sie wollen: eine CEO werden, eine Vorreiterin, eine Hausfrau – was auch immer sie verdammt noch mal machen wollen." – Carolina Velez

Eine Skaterin hängt sich an ein Fahrrad

"Als Skaterin nimmst du die Stadt auf eine ganz besondere Art wahr. Du schaust ständig nach Spots, an denen du deinen aktuellen Lieblingstrick machen kannst. Die Stadt wird zu deinem persönlichen Spielplatz. Wenn du genau hinschaust, siehst du manchmal, dass andere schon an diesen Spots geskatet haben. Da sind Spuren von Wachs, Zerstörung, abgerundete Ecken oder einfach nur ein Schild, auf dem steht: 'Skaten verboten'." – Imke Leerink

Skaterinnen sitzen auf einer Bank

"Skaten ist Kreativität. Es geht darum, deinen persönlichen Stil zu finden. Niemand skatet genau gleich und das ist das Grossartige daran. Es ist ein sehr persönlicher Sport und deswegen ist es auch eine Form, sich auszudrücken." – Daniela Gonzalez

Eine Skaterin springt über Treppenstufen

"Skaten ist das Beste, was mir bisher passiert ist. Man lernt so viele Dinge, die man auch sonst überall im Leben anwenden kann: hinfallen und gleich wieder aufstehen, geduldig sein, nicht aufgeben und es vielleicht mal auf den nächsten Tag verschieben. Manchmal verletzungsbedingt sogar länger auszusetzen. Aber das, was ich am meisten am Skateboarden liebe, ist die Community. Egal ob verletzt, Profi, Beginnerin oder Beginner: Jede und jeder ist herzlich willkommen und kann sich Tipps und Tricks von anderen holen." – Kaltrina Rexja

Eine Skaterin stürzt

"Egal auf welchem Niveau man ist, die anderen freuen sich immer für einen. Und sie unterstützen dich so gut sie können. Je mehr Leute dabei sind, die einen anfeuern und mitfiebern, desto motivierter ist man und man schmeisst sich auch Stufen runter, die man sich alleine vielleicht nicht getraut hätte.

Bevor ich anfing zu skaten, hatte ich Angst, ausgelacht zu werden, weil ich ja ein Mädchen bin und noch nicht mal geradeaus fahren konnte. Ohne Skateboarden wäre ich heute weder da, wo ich bin noch die, die ich bin. Skaten macht mich stärker und glücklicher." – Kaltrina Rexja

1573824271593-image9

"Skaten gibt dir die Freiheit, dich so auszudrücken, wie du willst." – Carla Calero

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.

Tagged:
München
Female Empowerment