Blogging

Der 'Madonna' Blogger Award wirft viele Fragen auf

Das 'Oe24'-Portal vergibt einen Award an Blogger und nominiert den eigenen Agentur-Chef, der Fake-Follower hat. Und das Online-Voting lässt sich sehr leicht manipulieren.

von Iwona Laub
24 März 2017, 5:00am

Dieser Text erschien erstmals auf ivy.at.

Das Wort "Award" löst ja in Österreich bei vielen Bloggern regelrecht einen Pawlow'schen Sabbereffekt aus. Und weil die Zusammenarbeit mit Bloggern und Influencern in Österreich wieder mal dem internationalen Geschehen hinterherhinkt, machen sich natürlich viele Medien, Agenturen und Unternehmen erst jetzt Gedanken darüber, wie man mit diesen teilweise reichweitenstarken Personen zusammenarbeiten kann. Unter Zusammenarbeit verstehen viele natürlich nicht "zusammen arbeiten", sondern die Fragestellung "Wie schaffe ich es, einen Blogger bestmöglich auszunutzen, um so viel wie möglich davon zu profitieren und dem Blogger so wenig wie möglich zurück zu geben". 

Und weil es auch sehr schwer ist, über den Tellerrand zu blicken, hat sich Oe24-Tochter Madonna in ein Fettnäpfchen gesetzt, das entweder von Dilettantismus auf hohem Niveau oder aber von ganz bewusster Manipulation zeugt.

Aber fangen wir mal ganz vorne an:

Das (Frauen)Magazin Madonna vergibt seit einiger Zeit einen Blogger Award. An sich eine begrüßenswerte Initiative. Bei solchen Awards muss man aber meines Erachtens immer ein bisschen schauen, was im Hintergrund so abläuft. Madonna lässt sich nicht lumpen und lädt in die Jury – neben einem Publikumsvoting, dazu später mehr – niemand Geringeren als den deutschen Blogger-Promi Sami Slimani ein. 

Auch das ist immer noch nichts Verwerfliches, im Gegenteil: Es zeigt eigentlich, wie ernst das Magazin die Sache nimmt, weshalb sich der Vorwurf des Dilettantismus hier etwas von selbst auflöst. Dem Magazin scheint der Award außerdem so wichtig zu sein, dass man es als eigenen Menüpunkt auf der Seite hat – neben Fashion, Beauty und anderen Themen, für die sich Frauen aus Boulevard-Sicht interessieren.

Schon im Jahr davor gab es immer wieder Probleme und Kritik am Publikums- beziehungsweise Online-Voting, das mehrere Kategorien umfasst, in denen man sich für seinen Favoriten entscheiden kann. Interessant dabei ist dieses Jahr, dass es Philipp Ploner in die Liste der Nominierten geschafft hat – Kategorie "New Faces". Philipp Ploner ist Chef der Social-Media-Agentur Ploner Communications, einer auf Influencer Relations, Reichweite und andere Buzzwords spezialisierte Agentur, zu dessen Kunden – Überraschung! – Madonna gehört. Und natürlich sind auch einige der Award-Sponsoren unter Ploners Kunden zu finden.

Den Firmenblog von Ploner kennt eigentlich kaum jemand. In der Bloggerszene ist Ploner nicht nur nicht sonderlich bekannt, sondern wird vor allem im Zusammenhang mit dem Award zurecht dafür kritisiert, Fake-Follower auf Instagram zu kaufen und die Reichweite seiner Kunden dazu zu nutzen, seinen eigenen Blog zu pushen, wie eine Madonna-Leserin kommentiert hat und was mit diversen Tools einfach nachzuweisen ist

Zudem ist das Voting an sich selbst zu kritisieren. Mittels kostenlosem VPN Service wie ZenMate und einem selbst gebastelten Script kann man unendlich voten. Man kann einfach das Ding laufen lassen und am Ende gewinnt der, der am besten programmieren (lassen) kann. Am Handy kann man nicht abstimmen, schreibt Madonna., Der ständige IP-Wechsel unterwegs könnte dazu führen, dass man von unterwegs noch einmal mehr voten könnte. 

Die Variante mit dem Script hat also keiner bedacht, wobei es schon so viele Fälle in der Vergangenheit gab, die Agenturen und Unternehmen bezüglich Publikumsvoting einfach verkackt haben. Daraus hätte man lernen können.

Eine Leserin hat zudem nach dem Veröffentlichen des Beitrags darauf aufmerksam gemacht, dass die Kategorie, in der Herr Ploner nominiert ist, erst später hinzugefügt wurde. Das sieht natürlich jetzt so aus, als hätte man für ihn eine eigene Kategorie geschaffen. Sehr fishy ist auch die Tatsache, dass die Schwester des berühmten Jurors Slimani in einer Kategorie nominiert ist.

"Wenn man sich die anderen Nominierten ansieht, kommt man drauf, dass es auch dort etliche mit Fake-Followern gibt".

Mit den Vorwürfen konfrontiert, erklärt Ploner, mehr Transparenz und mögliche neue Schlüsse und Lösungen für einen besseren Ablauf solcher Online-Vorings wären eine "richtig geniale Sache". Er freue sich auf eine spannende Diskussion. Denn das eigentliche Thema laute ja: 

"'Warum glauben viele Blogger, ihre Like-Zahlen künstlich und mit Tools steigern zu müssen und worauf kommt es wirklich an?' Schön ist es, dass dieser Anlass zu einem offeneren Umgang mit dem Thema führt und wir weiterhin mit unserem Blog (und jede/r die/der ihn liest wird das bestätigen können) unglaublich viel Freude haben. Er macht uns einfach unglaublich große Freude und wird weder für Marketing noch für Kooperationen benützt."

"Warum glauben viele Blogger, ihre Like-Zahlen künstlich und mit Tools steigern zu müssen und worauf kommt es wirklich an?"

Bei Oe24, der "Mutter" des Madonna Magazins, sagt man auf Anfrage zu den Vorwürfen bezüglich des Naheverhältnisses des Mediums zu Herrn Ploner, dass die Nominierten in einigen Kategorien von den Sponsoren gekommen seien – im Fall "New Faces" war es das Unternehmen Dr. Handle. (Anmerkung: Dr. Handle ist auch Kunde von Ploner Communications.) Jenny Magin, Herausgeberin von Madonna, sagt zudem, die Zusammenarbeit mit Herrn Ploner habe bereits vor zwei Jahren stattgefunden. Bei den Mama-Bloggern zum Beispiel hätte Hipp als Partner auch Mitspracherecht gehabt.

Den Vorwurf der Fake-Follower hat Magin schlussendlich so kommentiert: "Wenn man sich die anderen Nominierten ansieht, kommt man drauf, dass es auch dort etliche mit Fake-Followern gibt". Dass Juror Sami Slimani seine Schwester ins Rennen in der Beauty-Kategorie geschickt hat, wies man ab: Die Idee sei von den Usern gekommen und auch die Redaktion habe sich für die Bloggerin entschieden. Slimani werde sich auch zurückhalten, seine Schwester aus den Nominierten als Siegerin zu küren.

Die Manipulierbarkeit des Votings habe man eigentlich von Vornherein zu verhindern versucht, so Magin. Was dabei am meisten überrascht, ist, mit welcher Selbstverständlichkeit Blogger so ein Vorgehen akzeptieren. 

Eigentlich sollte man derartige Aktionen, bei denen Blogger eigentlich nur ausgenutzt werden, um die eigene Plattform zu bewerben, boykottieren. Sehr professionell und vertrauenswürdig scheint die ganze Causa nicht zu sein. Und dass sich Blogger für diese Votings instrumentalisieren lassen, schadet uns allen.

Iwona auf Twitter: @iwonalaub