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Drogen

Forschende haben zwei neue Cannabinoide entdeckt

THCP und CBDP zeigen, wie viel wir durch die wissenschaftliche Forschung mit Marihuana noch lernen können.

von Troy Farah
11 Januar 2020, 3:30am

Symbolfoto: Getty 

Die Pflanze Cannabis sativa enthält über 400 Inhaltsstoffe. Aber nur einer davon, nämlich THC, macht dich high. Zumindest war das bis jetzt die Annahme. Am 30. Dezember 2019 verkündete dann aber eine Gruppe italienischer Forschender, dass sie zwei neue Cannabinoide gefunden hätten.

Das erste dieser Cannabinoide nennt sich Tetrahydrocannabiphorol (THCP) und soll laut dem Forschungsteam 30 mal so wirkungsvoll sein wie THC. Ob das jetzt bedeutet, dass dich THCP 30 mal so high macht, oder ob der Inhaltsstoff überhaupt psychoaktiv ist, weiss man noch nicht. Bei Versuchen mit Mäusen hatte es aber den Anschein, dass THCP in niedrigeren Dosen stärker wirkt als THC. Das zweite von den Forschenden entdeckte Cannabinoid heisst Cannabidiphorol (CBDP) und ist ein Cousin des beliebten therapeutischen Wirkstoffs CBD.


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Die Entdeckung von THCP, von der als erstes im Fachblatt Scientific Reports berichtet wurde, könnte erklären, warum man deutlich unterschiedliche Highs verspüren kann, wenn man unterschiedliche Marihuana-Sorten raucht. Zudem werden jetzt möglicherweise einige der medizinischen Wirkungen von THC klarer verständlich. Unter anderem wird mit THC die Übelkeit und der Appetitverlust bei Krebs- und HIV-Patienten behandelt.

Die Cannabispflanze ist wie eine kleine Fabrik, in der Hunderte chemische Stoffe hergestellt werden. Rund 60 davon sind Cannabinoide. Diese gleichen chemischen Substanzen, die der Körper produziert, um gegen Entzündungen vorzugehen. Nur wenige Cannabinoide sind wirklich erforscht, aber die, die erforscht wurden, besitzen vielversprechende medizinische Anwendungsmöglichkeiten.

Tetrahydrocannabivarin (THCV) könnte zum Beispiel dazu beitragen, etwas gegen Fettleibigkeit zu tun, weil das Cannabinoid Glukoseintoleranz senken kann. Doch die THCV-Konzentration ist in den meisten Cannabis-Sorten so gering, dass dich auch ein Joint täglich nicht davor bewahren wird, an Diabetes zu erkranken.

Die bei der Studie gefundenen THCP- und CBDP-Mengen waren ebenfalls niedrig. Die Forschenden analysierten die Cannabis-Sorte FM2, die wenig THC enthält und vom italienischen Militär angebaut wird.

In anderen Sorten ist vielleicht mehr THCP und CBDP enthalten. Das muss man noch herausfinden. Es wäre aber nicht schwer, spezielle Cannabis-Sorten zu züchten, die grosse Mengen der neuen Cannabinoide produzieren. Irgendein Start-up wird vielleicht sogar versuchen, es in einem Fass Hefe herzustellen.

Derzeit ist noch nicht bekannt, für was genau THCP und CBDP nützlich sein könnten. Vielleicht können mit den beiden Stoffen bestimmte Krankheiten noch besser behandelt werden als mit anderen Cannabinoiden. Vielleicht wohnen ihnen völlig neue medizinische Anwendungsmöglichkeit inne. Vielleicht auch gar keine. All das wird erst mithilfe von klinischen Studien sichtbar, die womöglich erst in mehreren Jahren durchgeführt werden.

Anfang 2019 hat dasselbe italienische Forschungsteam schon einmal zwei vorher unbekannte Cannabinoide entdeckt: CBDB und THCB. THCB konnte bei Tests mit Mäusen Schmerzen lindern, aber ansonsten ist bisher ebenfalls nur wenig über die Eigenschaften der beiden chemischen Stoffe bekannt.

All das zeigt, wie viel wir durch die wissenschaftliche Forschung mit Marihuana noch lernen müssen. Leider wird diese Forschung dadurch erschwert, dass Marihuana in vielen Teilen der Welt weiterhin als illegale Droge gilt. Und es ist teuer, illegale Drogen zu erforschen. Dazu kommt, dass im Fall von Cannabis ein Grossteil des Marihuanas, das für die Forschung gedacht ist, von minderwertiger Qualität ist – ganz im Gegensatz zu den hochwertigen Pflanzen, die die Leute rauchen.

Den Forschenden war es vor allem deswegen möglich, die beiden neuen Cannabinoide zu entdecken, weil bei der Massenspektrometrie Fortschritte gemacht wurden. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, mit dem man die Masse von Atomen und Molekülen wiegt und so die einzelnen Bestandteile aufschlüsseln kann. Das Forschungsteam aus Italien will nun als nächstes mehr über die Anwendungsmöglichkeiten der Cannabinoide herausfinden und etwa die krampf- und entzündungshemmende Wirkung von CBDP weiter erforschen.

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