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Was wir 2014 über den Tod gelernt haben

2014 tauchten Leichen an den merkwürdigsten Orten auf, viele Menschen sind viel zu früh von uns gegangen und die Umstände unseres unaufhaltsamen Todes wurden uns nur zu klar vor Augen geführt.

von Mike Pearl
02 Januar 2015, 10:00am

Wir haben uns nicht nur über den Tod Gedanken gemacht, sondern haben noch viel mehr Jahresrüchblicke für euch: #BestOf2014

Laut meiner eigenen groben Hochrechnungen anhand der verlässlichsten Zahlen, die ich finden konnte, werden im Jahr 2014 genau 56.756.662 Menschen gestorben sein. Im Vergleich zu den läppischen 55.973.000, die 2013 ums Leben kamen, kann man sagen, dass Sterben dieses Jahr ziemlich in war.

Das ist auch gut so. In nicht allzu ferner Zukunft könnte es tatsächlich ein Jahr geben, in dem weniger Menschen sterben als im vorhergehenden Jahr. Das wäre eine seltene Anomalie, die auf einen beunruhigenden Trend der Langlebig- oder sogar Unsterblichkeit hinweisen könnte. Doch im Jahr 2014 und in der vorhersehbaren Zukunft droht noch keine um sich greifende Unsterblichkeit, egal was Aubrey de Grey euch glauben machen möchte. Tödliche Krankheiten können uns immer noch alle betreffen. Das Gleiche gilt für Kugeln, Stürze aus großer Höhe, fortgeschrittenes Alter, Vergiftungen, Depressionen, betrunkene Autofahrer und so weiter.

Das haben wir 2014 über den Tod gelernt:

Ruhm kann euch nicht retten

Das Zweitschlimmste am Sterben ist wahrscheinlich, dass sich die Lebenden im Angesicht des Todes schlecht fühlen. Das ist besonders bei Stars der Fall und insbesondere bei denjenigen, die wir 2014 verloren haben. Selbst das Abtreten der Betagteren unter ihnen wie Joan Rivers, Alexander Shulgin (den wir endlos betrauerten) und Mike Nichols nahmen wir als persönlichen Angriff des Sensenmannes auf uns wahr.

Doch 2014 haben wir auch viele Menschen zu früh verloren: Die Rock-and-Roll-Erbin Peaches Geldof und natürlich Philip Seymour Hoffman. An natürlichen Ursachen, denen eine bewegte Vergangenheit wohl nachgeholfen hat, starben der britische Schauspieler und Komiker Rik Mayall und Skateboard-Legende Jay Adams. Die Modedesignerin L'Wren Scott, die 25-jährige Sängerin Simone Battle, Scott Kalvert (der Regisseur von Basketball Diaries) und (was uns wohl am meisten erschüttert hat) Robin Williams haben Selbstmord begangen.

Foto: Nate Miller

Leichen tauchen an den verrücktesten Orten auf

Besonders bemerkenswert war wohl der Fall einer Studentin der Winona State University, deren Leiche in einem Speiseaufzug in einem Restaurant in Wisconsin gefunden wurde. Der tragische Tod der 21-jährigen Brooke Baures wurde von den rätselhaften Umständen ihres Todes überschattet und niemand konnte bis jetzt erklären, wie oder weshalb die junge Frau in den Speiseaufzug gelangte.

Im Juni wurden zwei Leichen in einem Koffer im Stuttgarter Schlossgarten gefunden. In München hatte eine Frau fünf Jahre lang tot im Bett gelegen, bis ein Sozialarbeiter die Wohnung aufbrechen ließ und den bereits komplett mumifizierten Leichnam fand.

Auf dem griechischen Olymp wurde die Leiche einer Französin entdeckt. Die Frau hatte sich vor vier Jahren während eines Schneesturms auf dem Berg verlaufen und war trotz Suchaktion nicht gefunden worden. Eine weitere Französin wurde in Australien auf einem Baum gefunden, nachdem sie von einer Klippe gestürzt war. In Detroit wurde die Leiche eines vermutlich obdachlosen Mannes in einem Dixi-Klo an einem Schiffsanlegeplatz gefunden. All diese Tode mögen tragisch für die Angehörigen gewesen sein, die meisten von uns waren nur verwundert.

Es wird immer wahrscheinlicher, dass wir allein sterben werden

Im Juni wurde die Leiche von Anne Leitrim in ihrer Wohnung in einer englischen Kleinstadt gefunden. Laut Behördenangaben war die Dame allerdings schon 2008 von uns gegangen, kurz bevor Barack Obama zum Präsidenten gewählt worden war. Ihre Nachbarn haben ihre Wocheneinkäufe also fünf oder sechs von sieben Verwesungsstadien lang an der Leiche vorbeigetragen.

Das hat Fay Schopen dazu veranlasst, einen aufrüttelnden Artikel für den Guardian zu schreiben, indem sie zu bedenken gibt, dass wir in einer „Zeit der Isolation leben", in der wirklich jeder allein sterben kann, nicht bloß die einsamen Menschen unter uns.

Es gibt natürlich die weitverbreitete Meinung, dass ein Gefühl der Einsamkeit in unseren letzten Tagen unumgänglich ist. Doch eine lebenslange Partnerschaft oder zumindest eine, die wir im Herbst unseres Lebens führen, sollte doch sicherstellen, dass jemand bei uns ist, wenn wir sterben. Zumindest, wenn wir zuerst sterben. Doch wird es immer unwahrscheinlicher, dass uns dieser (oder irgendein anderer) Vorteil der Ehe zuteil wird, weil laut einer neuen Studie erstaunliche 25 Prozent der Millennials niemals heiraten werden.

Foto: A of DooM | Flickr | CC BY 2.0

Wir werden mit viel Vorlauf erfahren, dass wir abtreten müssen

Julianne Moore wird wahrscheinlich einen Oscar für ihre Hauptrolle im Film Still Alice erhalten. Der Film erzählt die Geschichte einer temperamentvollen Frau in ihren frühen Fünfzigern, deren Leben in die Brüche geht, als bei ihr eine frühmanifeste Form von Alzheimer festegestellt wird. Ich weiß nicht, was schlimmer wäre: verhältnismäßig früh an Alzheimer zu erkranken oder schon Jahrzehnte vorher zu wissen, dass diese qualvolle Krankheit irgendwann bei mir ausbrechen wird. 20 Jahre vor Krankheitsausbruch eine Alzheimer-Diagnose stellen zu können, ist ein zweifelhafter Segen, den uns neue medizinische Entwicklungen bescheren.

Natürlich ist es wunderbar, wenn heilbare oder behandelbare Krankheiten dank molekularer Bildgebung diagnostiziert werden können, bevor sich klinische Symptome einstellen. Medizinische Bildgebungsverfahren entwickeln sich rasant und lassen uns immer früher wissen, an welchen Krankheiten wir leiden oder leiden werden. Das gilt für Krankheiten wie Krebs oder rheumatische Arthritis. Wenn es allerdings um neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Huntington geht, ist Unwissenheit meiner Meinung nach dann doch ein Segen.