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Kranker Scheiss aus dem Leben von Flugbegleiterinnen

"In dem Moment spritzte die ganze Kotze durch die Bordküche und auch auf mich. Super ekelhaft!"

von Yannah Alfering
14 Mai 2018, 3:05pm

Symbolbild: imago | Westend61

Viele Menschen schmeissen sich vor Flügen Beruhigungsmittel ein, um ihre Flugangst in den Griff zu kriegen. Wackelige Flugzeuge und flackernde Lichter wirken jedoch fast wie eine Wohltat im Vergleich zu dem, was uns zwei Flugbegleiterinnen über ihren Job erzählt haben.

Es gibt wohl viele Menschen, die denken, sie hätten neben ihrem Flugticket auch die Person gekauft, die ihnen den Tomatensaft serviert. Eine Studie der amerikanischen Flugbegleitergewerkschaft AFA hat 3.500 Flugbegleiter verschiedener Airlines zu sexuellen Übergriffen während der Arbeit befragt. Zwei Drittel von ihnen haben in ihrem Beruf Erfahrung damit gemacht. Deswegen hält es das FBI laut der Seattle Times sogar für nötig, Plakate an Flughäfen aufzuhängen, auf denen steht, was jedem ohnehin klar sein sollte: "Achtung: Sexuelle Übergriffe im Flugzeug sind ein Verbrechen". Wie sehr sich die Zahl sexueller Übergriffe in Deutschland von denen in den USA unterscheidet, ist nicht bekannt.

Wir haben mit zwei Flugbegleiterinnen über ihren Beruf gesprochen. Milla* ist 30, arbeitet seit zwei Jahren als Flugbegleiterin. Elena*, ebenfalls 30, macht den Job seit zehn Jahren. Beide möchten anonym bleiben.

Aufdringliche Männer und sexuelle Belästigung

Milla: Der Job der Flugbegleiterin weckt Fantasien – und das siehst du den Leuten manchmal an. Während ich die Sicherheitsdemonstration mache, spüre ich die Blicke der Männer und weiss genau, was sie denken. Ein Typ sass mal neben seiner Freundin, die beiden waren auf dem Weg nach Nizza in den Urlaub, und er hat mich so hart angegafft. Total unangenehm. Je nachdem wie meine Tagesform ist, finde ich das manchmal genauso schlimm wie einen Spruch.

Einmal hat ein Passagier auf eine Kotztüte geschrieben: "Hier arbeitet jemand, den ich sofort ficken würde." Das ist irgendwie respektlos. In einer Arztpraxis würde man sowas ja auch nicht auf die Serviette schreiben.

Elena: Es sind eher die älteren Herren im Anzug, die einen anmachen. Es kann passieren, dass sie einem ihre Karte zustecken oder einen schmierigen Spruch hinterherrufen. Man muss dann einen Weg finden, damit umzugehen – professionell und freundlich. Ich sag denen in dem Moment nicht, dass ich das total unangebracht finde. Ich nehm die Karte einfach und schmeisse sie später in den Müll.

Einmal sprach ich in der First Class mit einem älteren Herren im Anzug, den ich schon einige Male auf Flügen nach Teheran getroffen hatte. Er erzählte mir von seinen Kindern, die etwa in meinem Alter waren. Seine Tochter studierte wie ich Medizin. Er meinte dann, dass er Flugbegleitern oft anbieten würde, ihnen Teheran zu zeigen. Ich mag die Iraner und die Stadt. Viele Kollegen wollen aber nach dem Flug nichts mehr machen, deswegen habe ich mich über das Angebot gefreut. Er hat mir dann ein paar Sachen gezeigt. Irgendwann wollte er wissen, ob ich einen Freund hätte, und wie alt die Männer immer waren, mit denen ich zusammen war. Plötzlich meinte er: "Du denkst jetzt vielleicht, dass ich älter bin. Ich bin aber gut situiert und als Studentin wäre es doch total super, jemanden zu haben, der einen unterstützt und finanziert. Ich bin auch noch total jung geblieben und fit in allen Lebenslagen. Vielleicht solltest du mich einfach küssen." Zum Glück hat er mein Nein akzeptiert und mich wieder ins Hotel bringen lassen.

Es passiert öfter, dass Männer sich für mein Studium interessieren und mir anbieten, mich später zu unterstützen. Ich bin da immer ziemlich naiv und finde das im ersten Moment nett. Am Ende stellt sich aber meistens raus, dass sie Hintergedanken hatten.

Kacke und Kotze

Milla: Einmal hat sich ein Typ total betrunken und etwas die Kontrolle verloren. Er hat sich dann in die Kotztüte übergeben. Nach der Landung kam er zu mir und hielt mir die Kotztüte vors Gesicht. Keine Ahnung wieso, aber plötzlich sagte er "Ich habe gekotzt" und schlug mit beiden Händen auf die Tüte. In dem Moment spritzte die ganze Kotze durch die Bordküche und auch auf mich. Super ekelhaft!

Elena: Ein Gast hat sich mal komplett eingeschissen. Ich weiss nicht, ob er dement war, aber der ganze Flieger hat gestunken und alle Gäste sind komplett ausgerastet. Das war schon hart eklig.

Beleidigende Gäste

Elena: Ein Gast hat mich mal "whore" genannt. Das war jemand, der den höchsten Vielfliegerstatus bei uns hat. Während wir die Gäste begrüssten, fing er an, mich nachzuäffen. Er fand das unglaublich witzig. Ich habe ihn natürlich gebeten, das zu lassen, hat er aber nicht. Dann wollte er sich umsetzen, weil er nicht neben seiner Frau sitzen wollte. Während des Starts beschimpfte er mich und meinte, ich sei "dumm" und ein "whore head". Da habe ich mich im Cockpit beschwert. In so einem Fall wird ein Bericht geschrieben und es kann passieren, dass die Person ihren Reisestatus aberkannt bekommt. Wären wir nicht schon in der Luft gewesen, hätte mein Kapitän ihn rausgeschmissen.

Ein anderes Mal hatte ich auf einem Flug nur noch Pasta im Angebot. Da hat eine Frau mich angeschrien: "Ich vertrage keine Pasta! Ich vertrage nur Hühnchen!" Sie hat mich runtergemacht und als dumm beschimpft. Ein anderer Gast ist sogar dazwischen gegangen. Ich war so wütend, dass ich meine Tränen unterdrücken musste und mich in der Toilette eingesperrt habe. Man ist in dem Moment so sauer, darf vor den Gästen aber nicht ausrasten. Wir haben nur begrenzt Essen an Bord. Es kann also vorkommen, dass die hinteren Reihen nicht mehr die Auswahl haben. Da sitzen dann erwachsene Menschen, die dich anbrüllen, weil sie ihr Essen nicht bekommen.

Flugbegleiterin zu sein, ist ein bisschen wie zu kellnern. Nur dass der Raum relativ eng ist. Deshalb musst du die Konflikte so klein wie möglich halten. Die zahlen ja nicht nach kurzer Zeit ihre Rechnung und verpissen sich. Die hast du noch zehn Stunden an der Backe.

Manche Gäste glauben, das Gepäckfach über ihrem Sitz wäre nur für sie bestimmt. Ein Typ kam mal rein – Geschäftsmann, gut gekleidet – nimmt einen Koffer aus dem Gepäckfach, schmeisst ihn einfach auf den Boden, legt seinen eigenen Koffer rein und setzt sich mit den Worten: "Mein Platz!" Da haben wir tatsächlich überlegt, ob der überhaupt mitfliegen darf. Das ist ja schon ein deutlich erhöhtes Aggressionspotential.

Milla: Rentner sind sehr spezielle Gäste. Bei Flügen ins Warme sind oft 150 Senioren an Bord, die alle auf die Aida gehen. In der Regel sind die gut gelaunt. Wenn die aber nichts zu essen bekommen und glauben, ein Anrecht darauf zu haben, obwohl sie es nicht gebucht haben, werden Renter ganz schnell zu Terroristen. Es gab deswegen mal einen Aufstand, der ging wirklich über fünf Reihen. Ich hatte ernsthaft Sorge, dass die gleich aufstehen und mich mit ihren Handtaschen verkloppen.

Kriminelle

Milla: Wir hatten mal einen Gast, der gleich doppelt dumm war. Er war mit einem gefälschten Reisepass unterwegs, was allerdings nur aufgefallen ist, weil er während des Fluges auf der Toilette geraucht hat. Meine Kollegin hat ihn dabei erwischt und sich seinen Ausweis geben lassen, den er sich nach der Landung wieder abholen sollte. Dort wollte sie ihm noch einmal erklären, dass sowas nicht geht und man dafür angezeigt werden kann. Als wir uns den Ausweis genauer angeguckt haben, wurden wir stutzig. Auf dem Foto sah der Typ aus wie 18, im Pass stand aber 38. Meine Kollegen riefen die Polizei, der Pass war gefälscht. Spätestens, als er versucht hat, hinten auszusteigen, obwohl wir seinen Pass hatten, wussten wir, da stimmt was nicht.


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Besoffene Passagiere

Elena: Ich bin Flugbegleiterin in der First Class. Meistens finde ich das sehr angenehm, weil ich mich nur um acht Gäste kümmern muss. Dafür werde ich dort häufig überrascht. Da sitzt dann eine Führungskraft eines grossen Unternehmens und säuft sich schon vor dem Start mit zwei Gläsern Champagner einen an. Dann geht es mit einer Flasche Wein weiter und am Ende sitzt da ein elendes Würstchen, das kaum noch alleine aus seinem Sitz aussteigen kann. Manche Gäste sind so besoffen, dass sie Gläser umschmeissen und zu peinlichen Gestalten werden. Meistens sind das Business-Männer um die 50, die sich so abschiessen.

Dann gibt es noch die Seemänner. Eigentlich sind Seemänner super, weil sie medizinisch besonders ausgebildet sind und uns im Notfall helfen könnten. Trotzdem muss man aufpassen, dass sie nicht zu viel trinken.

Einmal wollte sich ein Gast auf dem Weg zur Startbahn nicht anschnallen, stand immer wieder auf und telefonierte. An meine klare Ansage hat er sich nicht gehalten. Während mein Kollege mit unserem Piloten die nächsten Schritte besprochen hat, sind die Gäste total ausgerastet. Unter ihnen waren viele Kreuzfahrer – ein sehr spezielles Publikum. "Jetzt tun Sie doch was!", riefen einige und eine Frau schrie: "Schmeissen Sie den raus, sonst hau ich dem gleich auf die Fresse!" Es ist ziemlich unangenehm, wenn 20 Leute auf dich einschreien. Ich konnte den Mann ja nicht aus dem Fenster schmeissen. Wir sind dann zurückgerollt und haben ihn ausgeladen. Vermutlich stand er unter Medikamenteneinfluss oder Drogen.

Milla: Wir mussten mal wegen eines ultra-besoffenen Typs zwischenlanden, der mit seiner Mutter und seinem Bruder unterwegs war. Manche Leute trinken schon vor dem Flug und können nicht einschätzen, was der Luftdruck da oben mit einem macht. Es kann sein, dass du am Boden nur leicht angeschickert warst, in der Luft aber plötzlich total betrunken bist.

Sex

Milla: Einmal hatte ich ein Pärchen, das sich total betrunken hat. Sie sassen ganz normal in ihrer Reihe und er hat sie unter der Decke gefingert. Voll ekelhaft.

Elena: Ich habe mal mitbekommen, wie ein Paar während eines Nachtfluges in der Business Class Sex hatte. Beide waren um die 50 und sie sass auf ihm drauf. Sowas geht natürlich nicht. Die kriegen dann eine Verwarnung und wenn sie nicht aufhören, hat das Konsequenzen – zum Beispiel eine Anzeige.

Es gab mal einen reichen Gast in der First Class. Zwei von meinen Kolleginnen haben mir unabhängig voneinander erzählt, dass sie was mit ihm hatten. Die eine war dann beleidigt, weil er die andere unter "sweet, blonde, flight attendant" in seinem Handy gespeichert hatte.

Viele Kolleginnen angeln sich einen Typen in der First Class. Die lassen sich dann von einem DJ, den sie während des Fluges kennengelernt haben, abends auf die Gästeliste setzen und verbringen die Nacht mit dem. Die sind einfach geil drauf, sich da einen reichen Typen zu ergattern.

Es gibt aber auch Stewardessen, die darauf aus sind, sich einen Kapitän zu angeln. Die fangen extra deshalb mit dem Job an. Wir nennen die "Cockpit-Mäuschen". Die wollen das Klischee. Es gibt viele Reiseziele, wo wir länger bleiben. Da wird sehr viel betrogen.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.