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Hangover-News, 07. November 2016

Ein witzig gemeinter WLAN-Name bringt einen 18-Jährigen in Haft, Münchner bauen eine Mauer um eine Flüchtlingsunterkunft und Diplomaten verwenden für Putin ein bestimmtes Emoji.

von VICE Staff
07 November 2016, 7:10am

Während du dich am Wochenende in den Club oder die Lieblingsbar deiner Stadt verzogen hast, bieten dir die folgenden Meldungen so viel Diskussionsbedarf, dass er bis zum kommenden Wochenende reichen dürfte: Ein 18-Jähriger landete wegen eines witzigen WLAN-Names vor Gericht, dreißig Deutsche griffen drei Geflüchtete an, Diplomaten nutzen Emojis, um sich über Wladimir Putin auszutauschen, 170 Hooligans standen 300 Polizisten gegenüber und eine hohe Mauer soll den Lärm von Geflüchteten in München aufhalten. Wir werden noch viel mehr zum Diskutieren haben, sollte Donald Trump in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch der nächste US-Präsident werden. Wollen wir hoffen, dass es nicht so weit kommt. Bis dahin: Willkommen bei den Hangover-News.

Neos-Abgeordneter bezeichnet Adoption durch gleichgeschlechtliches Paar als "gesellschaftliche Abartigkeit"

Nachdem zu Jahresbeginn das Adoptionsverbot für homosexuelle Paare in Österreich aufgehoben wurde, wurde am Wochenende erstmals ein Wiener Kind von gleichgeschlichen Eltern adoptiert. Das siebenjährige Mädchen hatte bereits seit sechs Jahren als Pflegekind bei dem Paar gelebt. Neos-Abgeordneter Christoph Vavrik empörte sich darüber in Form eines mittlerweile gelöschten Facebook-Postings, in dem er die Adoption als "gesellschaftliche Abartigkeit" bezeichnete und sie mit Sklaverei verglich.

"O tempora, o mores! Künftige Zivilisationen werden auf solche gesellschaftliche Abartigkeiten mit demselben Unverständnis blicken wie wir heute auf die Sklaverei ...", so der Wortlaut. Auf heftige parteiinterne Kritik und eine Rücktrittsforderung seitens der Grünen reagierte der Abgeordnete mit einer Entschuldigung. Er habe in der "Eile und in der Verknappung auf einen Satz" die falsche Wortwahl als auch den falschen historischen Bezug gewählt. Generell positionieren sich die Neos für das Adoptionsrecht für Homosexuelle.

Eine vier Meter hohe Mauer schottet Flüchtlinge von Nachbarn ab

Screenshot: Guido Bucholtz | Neuperlach.info

Im Münchner Ortsteil Neuperlach sollen bald 160 unbegleitete, minderjährige Geflüchtete in ein Heim ziehen und offenbar öffnet keine Unterkunft mehr, ohne dass Anwohner dagegen klagen. Sieben Nachbarn hatten schon vor zweieinhalb Jahren begonnen, gegen die jetzt umgesetzte Unterkunft vor Gericht zu ziehen. Der Kompromiss gegen den befürchteten Lärm durch Minderjährige ist eine vier Meter hohe Mauer, die die Grundstücke trennt. In der unmittelbaren Nähe zur neuen Unterkunft gibt es noch ein weiteres Heim für Geflüchtete, das wenige Meter von der Autobahn entfernt liegt: Die Schallschutzmauer zwischen Heim und Autobahn ist drei Meter hoch.

Der parteilose Lokalpolitiker Guido Bucholtz hatte mit seiner Drohne ein Video von dem Mauerbau auf seiner Website hochgeladen, das den Titel "Im Namen des Volkes—Refugees Wall" trägt. Bucholtz zieht in seinem Film einen Vergleich mit der Berliner Mauer und wirft Fragen auf: "Die Flüchtlingsmauer in München: zum Schutz der Nachbarn vor der Gemeinschaftsunterkunft? Oder zum Schutz der Flüchtlinge vor den Nachbarn?". Spiegel Online gegenüber sprach er von einem "Symbol des Abschottens". Sein Film solle jedoch nicht bewirken, dass Neuperlach in Verruf gerät, er wolle die Bürger des Stadtteils zum Nachdenken anregen.

Wie der Klimawandel die Schweizer Skisaison verändern soll

Bild von Adrian Michael | Wikimedia | CC BY-SA 3.0

Heute erscheint ein neuer Bericht über die Folgen der Klimaerwärmung für die Schweiz. Laut der NZZ am Sonntag gehen Klimaforscher davon aus, dass viele Wintersportressorts bis zum Ende des 21.Jahrhunderts gezwungen sind, die Schneesaison um vier bis acht Wochen zu verkürzen. Der Grund sei der Anstieg der Schneefallgrenze um 500 bis 700 Meter.

Gemäss den Forschungsergebnissen des Mitautors Reto Knutti, dürfte der grösste Teil der Skigebiete in tieferen Lagen bis in 80 Jahren nicht mehr schneesicher sein. Besonders problematisch werde es für alle Skigebiete in den mittleren Lagen von 1000 bis 2000 Metern, von denen es beispielsweise im Berner Oberland sehr viele gibt. Der Einsatz von Schneekanonen sei bei zu warmen Temperaturen physikalisch nicht mehr möglich, sagt ETH-Klimaforscher Knutti. Insofern müsse man sich in naher Zukunft vom Bild der verschneiten Schweizer Winterlandschaften verabschieden und in vielen Skigebieten müsse man in naher Zukunft mit grünen Weihnachten rechnen.

Witzig gemeinter WLAN-Name bringt jungem Mann dreimonatige Haftstrafe

Foto: pixabay | CC0 Public Domain

Es gibt nur zwei Arten von Menschen. Die einen haben WLAN-Netzwerke mit Namen wie "FRITZ!Box 7324", die anderen gehören zur WLAN-Spaßvogel-Fraktion à la "Ich_kann_euch_beim_Ficken_hören". Einem 18-jährigen Franzosen aus der zweiten Kategorie wurde sein wohl lustig gemeinter WLAN-Name "Daesh21" an diesem Wochenende zum Verhängnis. "Daesh" ist ein in unter anderem französischen Medien verbreitetes Akronym für die Terrormiliz Islamischer Staat. Nach den Anschlägen in Paris und Nizza war das vielleicht nicht die cleverste Idee, auf die der 18-Jährige gekommen ist. Das WLAN-Netzwerk verunsicherte einen Nachbarn und der verständigte die Polizei. Allerdings konnte die Polizei keinerlei Verbindungen zum IS feststellen. Dennoch schlug der Arm des Gesetzes zu: Weil der Junge sich weigerte, 100 Sozialstunden abzuleisten, wurde er an diesem Wochenende zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt.

Dritte Halbzeit – 300 Polizisten nehmen 170 Hooligans in Gewahrsam

170 Fußball-Hooligans der Vereine Eintracht Braunschweig und Hannover 96 hatten vor, sich auf einem Baumarkt-Parkplatz in Hildesheim Ochtersum bei Hannover zu prügeln. Da die Polizei jedoch rechtzeitig von den Plänen erfuhr, reisten sogar Polizei-Mannschaftsbusse und Helikopter mit Suchscheinwerfern aus Hannover zur Verstärkung an. Bevor die Fußball-Keilerei losging, die von der Polizei oft als "Dritt-Ort-Auseinandersetzung" bezeichnet wird, konnten die Beamten alle Beteiligten in Gewahrsam nehmen.

Für 48 Stunden sollten die Hooligans auf unterschiedliche Standorte verteilt festgehalten werden, damit sie das Fußball-Spiel (das 2:2 ausging) verpassen—vor allem Polizeidienststellen, aber auch Gefängnisse kamen dafür in Frage. Schon im Vorfeld hatte die Polizei 144 Personen aus dem Umkreis der Fußball-Fans mit einem Betretungsverbot belegt, da die aggressive Rivalität der beiden Fußball-Vereine schon häufiger zu Sicherheitsproblemen geführt hatte.

Wie Diplomaten dissen – das "offizielle" Emoji für Wladimir Putin

Putin am 04. November 2016 | Foto: imago | ITAR-TASS

Die vor wenigen Monaten eingeführte "Ende-zu-Ende"-Verschlüsselung unserer alltäglichen Chat-App WhatsApp hat auch Diplomaten auf den Plan gerufen, das Netzwerk für interne Angelegenheiten und einen schnellen Plausch untereinander zu nutzen. "Man kann sich mittlerweile über WhatsApp sicherer austauschen als über herkömmliche Informationsdienste der Regierungen", erklärte der ehemalige Diplomat der Vereinten Nationen Jon Alterman gegenüber dem britischen Guardian. So soll es unter den einzelnen Diplomaten viele WhatsApp-Gruppen geben, um schnell Dokumente versenden zu können und Gespräche auch abseits von Tagungen zu führen.

Der Guardian erfuhr zudem, dass Diplomaten in ihrem Alltag Wörter mit Emojis ersetzen, um Zeit zu sparen. So soll Wladimir Putin in Gesprächen oft mit dem Alien-Emoji abgekürzt werden.

erneut Krawall gegen Geflüchtete im deutschen Heidenau –Bürgermeister sieht darin kein Rassismus-Problem

Heidenau im August 2015 | Foto: imago | epd

Schon wieder Heidenau. Im August 2015 geriet das sächsische Städtchen in den Fokus der Öffentlichkeit, weil es dort zu tagelangen Ausschreitungen gegen Geflüchtete gekommen war. Als schließlich Politiker die Stadt besuchten, unter anderem Angela Merkel, beschimpften Bürger die Kanzlerin als "blöde Schlampe" und "Volksverräterin".

An diesem Wochenende kam es zum Streit zwischen drei jungen Afghanen und dreißig Bewohnern der Stadt. Nach anfänglichen Beleidigungen gegen die Geflüchteten griffen die Bewohner sie an. Die Polizei konnte den Konflikt stoppen—die drei Afghanen erlitten leichte Verletzungen. Die Gruppe aus Heidenauern soll bekannt dafür sein, sich öfter im Park zum Biertrinken zu treffen. Ein Supermarkt in der Nähe verkauft dort bis in die späten Abendstunden Getränke.

Die Konsequenz des Bürgermeisters Jürgen Opitz: mehr Kontrolle durch mehr Polizei. "Ich werde am Montag mit der Polizei sprechen und sie auffordern, in diesem Bereich, insbesondere in den Abendstunden, Streife zu fahren, um zu beobachten, was sich dort für Leute treffen", sagte er dem MDR. Weiterhin betonte er, Heidenau habe kein Problem mit Rassismus—und Alltagsrassismus wäre in der ganzen Bundesrepublik Deutschland verbreitet. Na dann.

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