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Eine Nacht mit italienischen Erdbeben-Rettungstrupps

Das verheerende Erdbeben vergangene Woche hat vor allem die italienische Kleinstadt Amatrice getroffen. Wir haben die Helfer mit der Kamera begleitet.

von Alessandro Iovino
30 August 2016, 10:00am

Während der nächtlichen Rettungsaktionen nach der Erdbebenkatastrophe vom vergangenem Mittwoch haben die Helfer in der italienischen Kleinstadt Amatrice noch mit mehreren Nachbeben zu kämpfen | Alle Fotos: Alessandro Iovino / Cesura

Das Erdbeben, das das Zentrum Italiens vergangenen Mittwoch erschütterte, hat bis jetzt mindestens 292 Menschenleben gefordert. Die Rettungstrupps sind in und um Amatrice immer noch im Einsatz. Die italienische Kleinstadt liegt in den Bergen und gleicht nach der Naturkatastrophe einem Haufen Schutt und Asche.

Inzwischen kommt man nur noch mit einem Minibus des nationalen Katastrophenschutzes in das Krisengebiet. Die Passagiere sind dabei vor allem Helfer und Journalisten, die dann knapp einen Kilometer vor der Stadt aussteigen müssen, denn eine sichere Weiterfahrt ist nicht gewährleistet.

Leichtverletzte kommen in anliegende Feldlazarette, während man Schwerverletzte in den weiter entfernten Krankenhäusern von Rieti, Norcia oder Rom behandelt. Die Tatsache, dass Amatrice nur so schwer zu erreichen ist, erklärt auch, warum die Rettungstrupps erst so spät nach dem ursprünglichen Erdbeben dort eingetroffen sind.

Als ich am Mittwoch, den 24. August, um 19:00 Uhr in Amatrice ankomme, arbeiten sich Polizisten, Feuerwehrmänner, Soldaten und Mitarbeiter des Katastrophenschutzes durch die Trümmer und versuchen, die Rettungsaktionen so gut wie möglich zu koordinieren. Freiwillige Helfer aus ganz Italien wollen ihnen dabei unter die Arme greifen—so treffe ich zum Beispiel Rotkreuz-Mitglieder aus Rom oder Feuerwehrmänner aus Mailand.

Und auch Zivilisten packen da mit an, wo es ihnen aus sicherer Entfernung möglich ist. Die Anstrengungen ziehen sich durch die ganze Nacht, während die Sporthalle der Kleinstadt—das einzige noch intakte große Gebäude in Amatrice—als provisorisches Lager herhalten muss. Solche Lager dienen als temporäre Unterkunft für die Menschen, die ihr Zuhause verloren haben oder darauf warten zu erfahren, ob es ihren Angehörigen und Freunden gut geht.

Ich habe die Rettungsteams eine Nacht lang mit der Kamera bei ihrer Arbeit in Amatrice begleitet.

Der Großteil der Opfer kommt aus Amatrice, einer Kleinstadt mit ungefähr 2.650 Einwohnern. Nur die neuesten Gebäude sowie die Sporthalle sind nach dem Erdbeben noch intakt

Freiwillige Helfer sind aus ganz Italien nach Amatrice gekommen

Der Katastrophenschutz hat das Fußballfeld vor der Sporthalle in ein provisorisches Lager verwandelt. Dort haben bis zu 300 Personen Platz. In die Halle selbst passen noch einmal genau so viele Menschen

In Sant'Angelo, einem Vorort von Amatrice, gibt es noch weitere Lager—und es werden ständig mehr. Hier wartet ein älteres Ehepaar auf Neuigkeiten über seine vermissten Angehörigen und Freunde


Bei den Rettungsaktionen kommen viele Suchhunde zum Einsatz. Journalisten und Zivilisten müssen einen gewissen Sicherheitsabstand einhalten, um kein Risiko einzugehen und die Tiere nicht abzulenken. Wenige Momente nach der Entstehung dieses Fotos ziehen die Rettungskräfte eine noch lebende Frau aus den Trümmern

Die Armee ist mit Baggern und Panzern angerückt. Die Präsenz der Soldaten soll außerdem verhindern, dass Plünderer in verlassene Häuser eindringen und durch immer noch drohende Nachbeben unnötig in Gefahr geraten

Abgesehen von den Rettungsteams ist Amatrice quasi menschenleer. Die einzigen Leute, die noch ab und an durch die Straßen streifen, sind auf der Suche nach Verwandten und Freunden. In der Nähe dieses Gebäudes treffe ich zum Beispiel auf zwei Brüder, die die Katastrophe überlebt haben, und nun nach ihrer Mutter suchen

Ein ziviler Helikopterpilot

Ein Zeltlager von außen. Die Menschen aus den umliegenden Gegenden haben Unmengen an Decken, Windeln und anderen Hilfsgütern nach Amatrice geschickt

Die Reste eines eingestürzten Hauses