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Fotos von anonymen Craigslist-Sexpartys

Joseph Finegan agiert seit einem Jahr als Vermittler für Männer, die per Craigslist nach anonymem Sex suchen, und fotografiert dann die Begegnungen, die daraus resultieren.

von Joseph Finegan
23 Juli 2015, 4:33am

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Ich habe vor etwa einem Jahr damit angefangen, Fremde beim Sex zu fotografieren. Ich studierte zu der Zeit noch und arbeitete an der Idee, Menschen in ihren Wohnungen zu fotografieren.

Von Tür zu Tür zu gehen, erschien mir nicht als die beste Vorgehensweise—einfach bei Fremden aufzukreuzen und Zugang zu ihren Häusern zu verlangen wirkte nicht besonders erfolgversprechend—, also sah ich mich im Internet um. Schon bald stieß ich auf Craigslist, wo man Kleinanzeigen für alles findet, von Jobs und altem Ramsch bis hin zu Bitten darum, dass jemand vorbeikommen möge und einem so viele „harte, tiefe Schläge, wie mein Bauch ertragen kann" verpassen möge.

Die Sache ist die, es gab für meine Region keine solchen Anzeigen; die einzige Kategorie, in der es überhaupt Posts gab, hieß „Casual Encounters". Wie du dir anhand dieses Titels vielleicht schon denken kannst, ist diese Kategorie für Leute (99,9 Prozent männlich), die Gelegenheitssex suchen, auch bekannt als „NSA", no strings attached. Während für meine Gegend auf der Seite ansonsten totale Leere herrschte, gab es hier vier Mal stündlich Updates mit jeweils mindestens 20 neuen Anzeigen.

Eine der Anzeigen

„Gib mir deine Geschlechtskrankheiten", „Meine Analjungfräulichkeit verlieren" und „Verkauf mich" waren nur ein paar der Anzeigen, die mir beim Durchsehen der Seite ins Auge stachen. Es war faszinierend zu sehen, wie weit die Leute gingen, um ihre Fantasien zu erfüllen. Manche wollten dominiert oder angekackt werden, andere betrieben „bug chasing", wobei Männer nach anderen Männern suchen, die HIV-positiv sind, um Sex mit ihnen zu haben und sich mit dem Virus zu infizieren.

Ich fing an, meine eigenen Anzeigen zu posten, in denen ich gratis Fotoshoots für alle Interessierten bot. Da ich mich hier an Leute richten wollte, deren oberste Priorität Bilder von sich selbst waren, stellte ich ein Foto von mir selbst rein, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Das klappte auch sehr gut: Meine Posteingang war schon bald mit Antworten überflutet, von denen viele von Männern kamen, die viel mehr als nur ein Foto wollten: 300 Pfund, um „abzuhängen", eine Reise und mein eigener Sexsklave waren nur ein paar der Dinge, die mir angeboten wurden.


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Über die nächsten sechs Monate fotografierte ich diese Männer in ihren Wohnungen und Häusern und fing so an, mir auf der Seite ein bisschen einen Namen zu machen. Unter den Männer, denen ich im Laufe dieser Zeit begegnete, waren Geschäftsmänner und Akademiker sowie Bauarbeiter. Alle hätten sich als hetero bezeichnet, manche waren sogar verheiratet. Diese Männer posierten dann nackt vor meiner Kamera. Alle waren zwar ein bisschen seltsam, aber sie waren auch alle ziemlich freundlich und wollten einfach Aufmerksamkeit.

Die Arbeit, die du hier siehst, fing mit einem alten Transvestiten an, der in einem Hotel wohnte und neue Fotos brauchte, um online für sich zu werben. Als ich ankam, war das Zimmer in einem schlimmen Zustand. Er sagte mir, er würde dort immer mal wieder ein paar Tage unterkommen, um seinen Körper zu verkaufen und ein bisschen Geld zu verdienen.

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Nach dem Shoot sagte er mir, ich solle noch bleiben, es käme noch ein Typ und er wolle noch Bilder mit ihm zusammen. Bevor ich mich versah fotografierte ich einen Typen, der nicht viel älter war als ich selbst, wie er Sex mit einem wildfremden als Frau verkleideten Mann hatte. Sobald sie fertig waren, schlug die Stimmung komplett um. Der Typ zog seine Kleidung wieder an und ging, ohne ein Wort zu sagen. Es war, als wäre das, worüber er die ganze Zeit fantasiert hatte, zu einer Sache geworden, für die er sich schämte.

Im Laufe der Zeit fand ich mich in der Rolle des Vermittlers für Craigslist-Transvestiten, die ge-gangbangt werden wollten, wieder. Ich antwortete auf Anzeigen, buchte ihre Hotels und organisierte die Typen, die dazu erscheinen sollten. Es war anfangs nicht leicht: Die meisten von ihnen tauchten nicht auf, sodass ich alleine in schäbigen Hotelzimmern saß und mich fragte, was zur Hölle ich mit meinem Leben anfing. Doch all das war es wert für die paar Male, wo wirklich Leute auftauchten und mich die Ergebnisse anonym im Internet veröffentlichten Worte fotografieren ließen.

Ich mache dieses Projekt jetzt schon ein Jahr lang und habe es geschafft, ein Teil einer Community von Menschen zu werden, die im Internet ein zweites Leben führen und sehr weit gehen, um ihre sexuellen Fantasien zu erfüllen. Allerdings habe ich trotzdem das Gefühl, dass ich noch ganz schön viel daran arbeiten muss, um dem Ganzen gerecht zu werden.

Mehr von Josephs Fotos gibt's auf Instagram und Tumblr (wir können sie hier nicht zeigen, NSFW)