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Sextipps von alten Menschen, die es seit Jahrzehnten tun

"Ich kann wirklich nur empfehlen, einfach abends auszugehen und alle möglichen Leute abzuschleppen."

von Yasmin Jeffery und Salma Haidrani
28 Juli 2016, 11:22am

Foto: angrylambie1 | Flickr | CC BY 2.0

Alte Menschen stehen auf Sex. Das liegt daran, dass sie genauso wie junge Leute eben Menschen sind. Und Menschen macht der Geschlechtsverkehr mit anderen Menschen im Allgemeinen viel Spaß. Es fühlt sich schön an und ist dazu noch gut für Knochen, Herz und Seele. So hat eine aktuelle Studie aus Großbritannien auch ergeben, dass dort 26 Prozent der Menschen über 60 mit ihrem Leben unzufrieden sind, weil sie nicht genügend Sex haben. Und so ist fehlender Bettsport im späteren Leben tatsächlich ein größerer Stressfaktor als das einsame Stubenhocken, ärmliche Verhältnisse oder ein Dasein als Witwe bzw. Witwer.

Eine Studie der University of Manchester aus dem Jahr 2015 besagt außerdem, dass 54 Prozent der befragten Männer und 31 Prozent der befragten Frauen (jeweils über 70) sexuell aktiv sind. Für den Rest muss es da schon ziemlich frustrierend sein, jahrzehntelang Erfahrungen zu sammeln und dann nichts damit anstellen zu können. Da man nie zu viel zum Thema Geschlechtsverkehr wissen kann, haben wir ein paar Leute um die 60 darum gebeten, ihren Wissensschatz in Bezug auf Sex mit uns zu teilen und uns ein paar wertvolle Tipps zu geben. Gleichzeitig stellten wir ihnen noch die Frage, ob und wie sich die Sexualität im Laufe ihres Lebens verändert hat.

Sue, 67

Foto: Agnieszka Chabros für Catalogue Mag

"In den späten 60er Jahren hatten noch ausschließlich die Männer das Sagen. Deshalb haben sie die Frauen auf Dates eingeladen und man ist damals noch auf Tanzbälle und so weiter gegangen. Gleichzeitig kam aber auch dieses ganze radikale Hippie-Ding auf und damit auch Orgien inklusive Marihuana, LSD und sexy Tänzen.

Die Männer konnten damals nicht viel sexuelle Erfahrung vorweisen, weil sie keine Erfahrung mit reiferen Damen sammeln konnten. Deshalb dachten wir Frauen auch, dass es schon OK sei, was die Männer da im Bett machten. Sie wussten es ja nicht besser. Und da junge Menschen damals noch bei den Eltern wohnten, gab es keine Möglichkeit, irgendwelchen ausgefallenen Sex zu haben oder den Küchenboden als Spielwiese zu nutzen.

Mitte der 60er Jahre kam dann eine Veränderung, weil die Musik auch ein wichtiger Indikator dafür war, was anders lief. Das Ganze hatte jedoch auch einen etwas komischen Touch, weil die Menschen im Allgemeinen trotzdem immer noch sehr konservativ dachten. Ich meine, Frauen schrieben weiterhin Kochbücher und häkelten. Dann hielt jedoch LSD Einzug und dadurch trauten sich die Frauen endlich zu sagen, dass sie nicht heiraten, Kinder bekommen und für immer Hausfrauen bleiben wollten. Nein, jetzt äußerte man auch den Wunsch, sich stattdessen einen Job zu suchen und die Welt zu bereisen.

In den 70ern lebten meine Schwester und ich in einem Ort am Meer. So hatten wir ein Jahr lang jeden Abend Sex mit einem neuen Typen. Da kam natürlich schon einiges an Erfahrung zusammen. Man saß eben nicht mehr einfach nur zu Hause rum und ließ sich vom Fernseher berieseln. Dafür war man nun ständig draußen unterwegs, tanzte bis in die Morgenstunden und fickte so viel wie nur möglich.

Am meisten lernt man über Sex, indem man viel Sex hat. Ich kann wirklich nur empfehlen, einfach abends auszugehen und alle möglichen Leute abzuschleppen. Außerdem muss man über alles reden, denn das kann nichts ersetzen. Außerdem ist ein Muss, Selbstbefriedigung zu üben—das ist nämlich eine richtige Kunst. Du musst ganz genau wissen, was du willst und was mit deinem Körper passiert.

Wenn du zum Beispiel mit einem Menschen im Bett bist, bei dem du das Kribbeln in den Füßen nicht spürst, dann musst du diesen Menschen verlassen. Sex ist nämlich ein guter Indikator für die Qualität einer Beziehung. Zudem solltest du seinen Körper lieben und wirklich überall und auf alle erdenklichen Arten und Weisen erforschen. Sexspielzeuge sollten nichts Fremdes sein und ein Trip nach Amsterdam lohnt sich immer, nicht nur, weil es dort die besten Sexshops gibt.

Es ist obendrein nie verkehrt, mal mit dem eigenen Geschlecht zu schlafen. Einmal im Leben sollte man das mindestens gemacht haben. Im Allgemeinen sind viele One-Night-Stands immer gut. Abschließend will ich noch sagen, dass man auf jeden Fall mal Bondage-Spielchen antesten muss, denn mit dem richtigen Partner bzw. der richtigen Partnerin ist das eine unglaubliche Erfahrung. Oh, sich beim Sex zu filmen, kann auch seinen Reiz haben. Letztendlich gibt es beim Sex nur eine Regel, die man beachten sollte: Wenn es einen nicht anturnt, sollte man es lassen."

Leo*, 59

"Die Menschheit hatte schon immer Sex. Ich bezweifle, dass die Leute heutzutage irgendetwas machen, das die Generation vor ihnen nicht gemacht hat. Und die Generation davor und so weiter. Ich glaube auch nicht, dass sich Dating irgendwie verändert hat. Es sind ja immer noch die gleichen Orte und der gleiche Blödsinn.

Ein solches Date zu finden, ist aber auf jeden Fall nicht mehr das Gleiche. Apps wie etwa Tinder machen es jetzt möglich, sich ein Date klarzumachen, ohne dafür von der Couch aufstehen zu müssen. Das kommt vielen Leuten sicher gelegen, aber wo bleibt da der Sportsgeist? Für mich sind die besten Aspekte des Datens doch eher der Nervenkitzel, die Feinheiten des Flirtens und das Risiko, dass sich das Objekt der Begierde bereits in festen Händen befindet. Bei Tinder fällt all das weg. Wie langweilig!

Ich hatte in meinem Leben sehr viel Glück. Ich will hier jetzt nicht überheblich klingen, aber es ist mir nie schwergefallen, Frauen von mir zu überzeugen. Sexuell gesehen habe ich so ziemlich alles gemacht, was es zu machen gibt. Wenn ich jüngeren Männern einen Ratschlag mit auf den Weg geben müsste, dann wohl folgenden: Pornos spiegeln nicht die Realität wider. Die Frauen, die ihr im richtigen Leben kennenlernt, sind keine Porno-Stars und der Sex wird nicht so ablaufen wie in den ganzen einschlägigen Filmchen. Nehmt euch Zeit für eure Partnerinnen bzw. Partner und seid keine Arschlöcher."

Jo*, 60

"Immer wenn in den späten 60er Jahren die Sommerferien anstanden, ging ich zusammen mit meinen Freundinnen in die Parks, wo wir uns mit Jungs trafen und mit ihnen in den Büschen knutschten. Aber auch der Jugendclub war ein beliebter Treffpunkt und immer wenn es uns möglich war, versuchten wir, in die Clubs zu kommen. Manchmal kontrollierte dort nämlich niemand die Ausweise. Damit unsere streng christlichen Eltern nichts merkten, legten wir Mops mit Perücken in unsere Betten. Die Jungs haben uns aber immer nach Hause gebracht—und zwar ohne dass wir uns dabei irgendwie Sorgen um unsere Sicherheit machen mussten. So etwas gab es damals einfach nicht.

Früher war alles anders. Ich wurde mit 16 zum ersten Mal schwanger. Bei uns ging es also früh los, obwohl das unseren Eltern natürlich gar nicht gefiel. Die Hauptsache war, Regeln zu missachten und das zu tun, was wir wollten. Ich habe immer mein bestes Kleid angezogen, Make-up draufgemacht und los ging's! Das war wirklich die beste Zeit. Alles war einfacher und keiner hatte Angst davor, dass irgendetwas Schlimmes passieren würde. Es war halt unwahrscheinlich. Heutzutage muss man viel mehr Vorsicht walten lassen. Man hört ja ständig irgendwelche Horror-Storys und ich will alle meine Enkel fast schon anweisen, nicht mit Fremden fortzugehen und das zu machen, was ich damals gemacht habe. Das ist so nämlich einfach nicht mehr drin.

Wenn du aber jemanden findest, den du magst und mit dem du dich gut verstehst, dann muss du im Falle des Falles immer verhüten! Außerdem solltet ihr euch gegenseitig sagen, auf was ihr steht und auf was nicht. Das ist unglaublich wichtig. Als ich schwanger wurde, hatte ich erst ein paar Mal Sex gehabt und mir hat das Ganze nicht mal wirklich Spaß gemacht. Wenn einem etwas nicht gefällt, dann sollte man es einfach lassen. Und Freunde kommen immer zuerst. Das sind die wichtigsten Dinge, die es zu beachten gilt!"

Ron*, 59

"Heutzutage ist es auf jeden Fall einfacher, Sex zu haben. Zwar daten die Menschen schon seit jeher, aber Sex war da nie wirklich drin—außer es bestand die Hoffnung auf eine richtige Beziehung. Jetzt ist es jedoch egal, Geschlechtsverkehr ist immer im Bereich des Möglichen. Wahrscheinlich ist das auf die Fleischeslust zurückzuführen. Oder sie wollen sich davon überzeugen, dass da auch eine körperliche Verbindung besteht.

Die bequeme Verfügbarkeit von sexuellen Dienstleistungen im Internet hat aber auch neue Schwierigkeiten geschaffen. Sex ist doch eigentlich etwas Wunderschönes, aber diese Entwicklung hat das Ganze irgendwie minderwertiger gemacht. Mehr ist meiner Meinung nach halt nicht immer besser.

Wenn es um Sextipps geht, dann sollte man nichts überstürzen, nur weil man den Gegenüber körperlich attraktiv findet oder einfach nur ein sexuelles Verlangen spürt. Man muss auch über die möglichen Konsequenzen nachdenken. Am wichtigsten ist jedoch folgender Ratschlag: Du kannst auch ein gutes Sexleben haben, ohne diesen Faktor als die höchste Priorität in deiner Partnerschaft anzusehen. Liebt, lebt, lacht und genießt eure Beziehung!"

*Name geändert