Breaking Bad – Wie wird Walter White sterben?

In drei Wochen wird Breaking Bad endgültig vorbei sein, so viel ist sicher. Aber was passiert bis dahin? Wir haben Bekannte und Freunde gefragt, wie sie glauben, dass alles aufgelöst wird.

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13 September 2013, 11:47am

Breaking Bad ist die Mona Lisa unserer Epoche. Ein Vergleich, den ihr (wenn ihr die Serie noch nicht gesehen habt) vielleicht für übertrieben haltet. Aber lasst mich euch versichern, dass das einzige, was an dem Vergleich hinkt, der Umstand ist, dass ich mir nicht sicher bin, ob das Gemälde von Leonardo da Vinci schon zu seinen Lebzeiten als absolutes Meisterwerk gegolten hat, das wirklich jeder sehen wollte. Denn im Zuge der letzten fünf Jahre hat Breaking Bad es geschafft, dass wir eine persönliche Beziehung zu Walter White aufbauen und ihn auf allen seinen moralischen Abgründen begleiten. Und wie in besten Lost-Zeiten sind im Laufe der Zeit die eigentartigsten Theorien in Bezug auf die Serie aufgetaucht, was wohl daran liegt, dass Vince Gilligan ein pedantischer Freak ist, der nichts dem Zufall überlässt und sogar den kleinsten Furz noch mit Bedeutung auflädt. Aber die Spitze des Eisbergs besteht darin, dass der zweite Teil der letzten Staffel mit einem Blick in die Zukunft begonnen hat, was natürlich Milliarden Synapsen auf diesem Planeten in so helle Aufregung versetzt, als hätten sie etwas vom ominösen Blue genommen (sorry, ich konnte mich nicht zurückhalten). Womit wir aber schon beim eigentlichen Thema wären: In knapp drei Wochen wird die Serie ihr ultimatives Ende nehmen (das ihr euch übrigens alle gemeinsam im Filmcasino bei der SKY Night am 3. Oktober anschauen könnt – an sich gratis, aber bei beschränkter Ticketzahl, weshalb wir 5x2 fixe Sitzplätze sowohl für Wien als auch für Graz verlosen. Dafür müsst ihr nur eine Mail an win@vice.at mit Betreff HEISENBERG schicken und im Mail neben eurem Namen auch die gewünschte Stadt angaben) und deshalb haben wir Bekannte und Freunde gefragt, wie sie glauben, dass alles aufgelöst wird. Und nein, natürlich glaubt von diesen Menschen ernsthaft daran, dass Breaking Bad ein Malcolm in the Middle Prequel ist...

UND FASST DIESES BILD BITTE ALS RIESIGEN SPOILER ALERT AUF. Wer noch nicht bis zu Folge 13 der letzten Staffel geschaut hat, sollte hier nicht weiterlesen.

Christoph Prenner führt mit Christian Fuchs gerne Kamingespräche und hat unlängst das Filmresort im Gap übernommen. Das heißt, er hat wenig Zeit und dementsprechend kurz fallen auch seine Ausführungen aus:

Was klar ist: Hank wird zerkugelhagelt (famous last words hatte er ja schon mit Marie), Gomi überlebt wohl schwerverletzt, kann im Koma aber auch nix mehr ausrichten. Walt muss im Anschluss für Todd und seinen Nazi-Clan wieder Meth kochen um seinen Teil des Vertrags zu erfüllen. Aber ab diesem Zeitpunkt ists nix mehr mit Drugpin und Heisenberg wird zum einfachen Hilfsschackl (womöglich auch in Kombi mit Jesse, der für seine Mithilfe am Leben gelassen wird). Dass Mr. White das nicht lang ertragen kann, legen schon die Previews nahe, in denen er groß aufmunitioniert rumläuft. Die Rolle von Jesse scheint mir dabei das größte Fragezeichen, möglich ist da vieles: Vom finalen Showdown mit Walt bis zur sehr unwahrscheinlichen Reunion mit selbigem, die ihn nach Walts Tod (Krebs?) womöglich sogar als neuen Crimelord dastehen ließe, wobei mir ein Krebstod dann doch dramaturgisch zu wenig zwingend erscheinen würd.

Sylvia Buchacher vom Blog dontyouwishyouhadsomemore wird sich nicht nur die nächsten Folgen direkt in den USA anschauen, sondern auch die Breaking Bad Ausstellung in NY.

Gegen die aktuelle Breaking Bad Folge (S05E13) war das Red Wedding Kinderkram! Literally! Keine andere Serie nimmt mich psychisch und physisch so mit, wie Breaking Bad, und ich rege mich auch gar nicht darüber auf – im Gegenteil. Ich will das wieder – nein, IMMER – bei jeder einzelnen Serie die ich mir anschaue und für die ich meine kostbare Jugend opfere!

Mittlerweile werden über das Season Finale am 29.09 schon Wetten abgeschlossen und ich weiß noch immer nicht, ob ich jetzt eigentlich Team Jesse oder Team Walt bin. Eigentlich war ich ja immer Team „Jesse + Walt“ but those days are over, oder? Ich meine, scheiß auf Brock. Ist natürlich nicht ganz okay gelaufen, aber er ist nicht gestorben – Walt weiß schließlich, was er tut. Oder weiß er es nicht mehr? Eigentlich würde er ja im Knast sitzen, ein fades Trial bekommen und in der Zelle an Krebs sterben, wenn nicht Todds Onkel mit seiner Crew aufgetaucht wäre und den Shitstorm eröffnet hätte.

3 Folgen noch und ich habe keinen blassen Schimmer, wie sich das alles noch ausgehen soll, dass a) Walts Haare wieder nachwachsen (siehe Opening Sequence in Episode 9), b) das Haus von ihm doch noch abgebrannt ist und c) er sich für irgendjemanden (oder für sich selbst?) das Rizin holt! Ich glaube ja, dass Hank stirbt. Marie daraufhin komplett austickt (eigentlich war sie schon immer eine der ärgsten Bitches in der Serie) und das Haus von den Whites in Brand steckt, 1 – 2 Kinder + evtl. Skyler (ich hoffe nicht, ich mag sie seit der Staffel wieder) dabei sterben, Walt von dem Ganzen nichts mitbekommt, weil er von der Nazibrut um Todds Onkel verschleppt wird und wieder in irgendeinem unterirdischen Meth-Labor kochen muss. Jesse wird während der Schießerei (mal wieder) von Walt gerettet bzw. verschont und haut ab – ein offenes Jesse Ende wäre mir am liebsten. Als Walt endlich raus kommt aus dem Methcooking-Loch und erfährt was passiert ist, holt er das Rizin und fährt damit zu Marie – oder nimmt er es selbst und bringt vorher einfach noch jeden um, aus seiner Breaking Bad Vergangenheit?

So oder so - Walt stirbt auf alle Fälle – anders geht’s nicht und die letzte Einstellung wird eine Wüstenlandschaft in New Mexiko sein (+ 3 4 ∞ 5 9 2 2 0 . 0 0 3 , - 1 0 6 ∞ 3 6 2 5 2), mit einem auffallenden kleinen Busch mitten in der Wüste ... . Irgendwie wäre das ein versöhnliches Ende für mich.

Josef Zorn, unser Film-, Games- und Serienmeister hofft auf ein Dada-Ende (aber dann eh nicht wirklich).

Ich wäre ja für ein Scooby Doo Ende, in dem Skyler sich eine Maske vom Kopf reißt und rauskommt, dass sie die ganze Zeit Gus Fring war. Der hat mittlerweile ein Terminator-Laserauge und deshalb braucht Walt auch die fette Minigun um den wiederbelebten Cyborg wegzumähen. Gut, das wäre dann aber vielleicht ein anderes Breaking Bad als das, das wir kennen. 

Ich bin ja echt fasziniert wie die Schreiber und Showrunner diese Serie perfekt dramaturgisch zusammenstricken, alles Sinn macht und jeder kleine Scheiß eine wertvolle Auflösung bekommt ohne auch nur in kleinster Weise auf das Ende zu verweisen. Mehr als eine Spekulation auf mehrere Tote ist nicht möglich. 

Pragmatisch betrachtet, man sieht im letzten Flash Foward Walt mit vollem Haar (offenbar ohne Krebs) und Designerbrille in seinem alten Haus vermeintlich seine Giftreserven ausgraben. Die Nachbarin macht sich fast in die Leggins als sie ihn sieht, weil er wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt schon Most Wanted ist. Die Frage ist: Für was wird er gesucht (vielleicht wegen der Auslöschung eines ganzen Polizeipräsidiums?) und wen will er jetzt noch vergiften? Vielleicht wird ja echt Skyler NOCH böser als Mister White und es gilt sie auszuschalten oder wird sogar der Krückensohn ein fieser Michael Corleone mit der Nazigang als Helfer!?
Ansonsten gibt es eben noch Hank und Jesse als feindliche Front, wobei ich aber glaube, da Walter zum Zeitpunkt des Flash Fowards ein (medial) berüchtigter Mann zu sein scheint, er die beiden mitsamt exekutiven Anhang bereits ausgeschalten hat und das mit einem ziemlich fetten Bums. Wie auch immer das ausgeht, ich werde es höchstwahrscheinlich ziemlich super finden.

Nina Nawara versuchen wir schon lange dazu zu überreden, etwas für uns zu schreiben. Endlich ist es uns gelungen:

Hank wird sterben. Abgesehen von all den anderen spekulativen Toden, bin ich von diesem einen absolut und vollkommen überzeugt. Wenn Hank nicht stirbt, fühle ich mich fast ein bisschen verarscht, denn ich bin auf den alten „Final-Game-Talk between Husband and Wife“-Trick reingefallen.

Mein armes gebeuteltes Herz wird ob seines Ausblutens (so und nicht anders wird es nämlich passieren) ein bisserl zerreissen, immerhin hat es der Dicke mit seinen so unverletzbaren Vorstellungen von Richtig und Falsch die letzten paar Episoden richtiggehend in meinen Kopf geschafft. Und zwar in den Teil, der für Ratio und Ethik zuständig ist (und den ich neuerdings beim Crashen von FPÖ-Partys, sonst allerdings nur für Filme und Serien aktiviere.)

Obwohl ich es für abgedroschen halte, bin ich mir außerdem fast sicher, dass es zu einem Showdown zwischen Jesse und Walt kommt. Ablaufen könnte das wie folgt: Establishing Shot Wüste. Walt öffnet Augen, Close-up. Jesse öffnet Augen, auch Close-up. Hank siecht dahin, Totale. Alle anderen hinüber (wurscht, in welcher Einstellung). Dann wird es noch ein bisschen den psychologischen Aufarbeitungsdialog geben, bevor sich (TADA!) Walt schließlich selbst richtet. Skyler wird bis ans Ende ihrer Tage die Autowaschanlage betreiben und Jesse ... Jesse wird zum neuen Heisenberg.

Doch wenn ich so darüber nachdenke, ergibt das überhaupt keinen Sinn. So gerne ich Walt ein bisschen Vernunft annehmen sehen will, ist der Zeitpunkt dafür längst abgelaufen. Ich habe schon in der letzten Episode damit gerechnet, dass er sich irgendwie abdreht, bevor Hank ihn in die Hände bekommt. Da auf mein wackliges Gespür für dramatische Entwicklungen kein Verlass ist, bleibt mir nur soviel zu sagen: Bitte ein Ende zwischen der emotionalen Sintflut von Six Feet Under und dem größten Bluff der Fernsehgeschichte: „Don’t stop believin“.

David Bogner, unser Chefredakteur scheint sich eher auf der dunklen Seite der Macht wohlzufühlen.

Scheiß auf die Farbentheorie, auf die Malcolm in the Middle Theorie oder was sich da noch an abstrusen Ideen in Bezug auf Walter White’s Ende in den diversen Foren dieser Welt findet. Dieses ganze Versteckte-Hinweise-Zeug ist genauso Bullshit bzw geschicktes Marketing wie bei Lost oder Akte X. Zumindest glaube ich das, bis ich in drei Wochen vielleicht eines Besseren belehrt werde und alle anderen sagen, dass man nur die Zeichen richtig deuten hätte müssen. Also, hier meine Ende:

Schlussendlich wird Walter als Sieger im finalen Kampf gegen Hank und mittlerweile auch Jesse hervorgehen. Alles andere wäre komplett inkonsequent. Walter hat sich nicht gewandelt, die im Laufe der Zeit gewonnene Macht hat ihn nicht korrumpiert, sondern er ist ganz einfach seiner, in der ersten Folge entworfenen Agenda treugeblieben. Und die lautet, wie in besten Mafia-Zeiten, La Famiglia. Von Tag 1 an stand der Chemie-Lehrer unzählige Male vor der Option, eine moralisch richtige Entscheidung zu treffen, die ausnahmslos immer zum Nachteil von Skyler und den Kindern gewesen wäre, oder skrupellos eine Grenze nach der anderen zu überschreiten, egal, ob er das eigentlich will oder nicht. Dabei hat er ein ganz klares Verständnis von Gut und Böse und tendiert ursprünglich immer zur moralisch richtigen Entscheidung, bevor er doch das eine ums andere Mal zum Scheusal wird. Breaking Bad hat auch viel mit einer, nein, mit meiner Sicht auf die Welt zu tun. Niemand ist per se schlecht, und wenn, dann ist das eine Krankheit. In den meisten Fällen sind es allerdings einfach gewisse Lebensumstände, die eine komplizierte Kausalkette auslösen. Aber das würde jetzt viel zu weit führen, also besser zurück zu Walter White. Gerade in den letzten Folgen merkt man, zwar, dass Walter schon müde wird, aber sich trotzdem immer wieder durchringt. Zuerst, als Walter sich Hank stellen wollte – und dann mit dem Erpresser-Video indirekt sogar seine Schwägerin bedroht. Noch viel mehr aber in To'hajiilee, als er den Tötungsbefehl an den Nazi-Scum doch zurückziehen will, es aber schon zu spät ist. Und kein Trieb ist stärker als dieses bedingungslose zur Familie stehen. Im dem Sinne ist Breaking Bad auch in einer Reihe mit den großen Mafia-Filmen vom Paten bis Good Fellas zu sehen.

Also wie gesagt: Ich hoffe, dass Hank und seine Familie wie in einem vom Leben geschriebenen Märchen bis ans Ende ihrer Tage glücklich und im Geld schwimmend leben. Die einzige, die das noch verhindern kann, ist Marie. Ihr Hass wird immer brutaler und sollte Hank jetzt wirklich sterben oder zumindest schwer verletzt worden sein, ist sie diejenige, die sich wie ein Racheengel über die Familie White kommen wird. Aber das würde wohl bedeutet, dass noch viele Menschen sterben und die Serie mit einem brachialen Showdown der beiden Schwestern endet.

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