Selbstbefriedigung

Wir haben Menschen nach ihren peinlichsten Masturbationserlebnissen gefragt

"Ich wollte nicht 'Jalapeño-Sauce in Vagina' bei Google eingeben, um meinen Suchverlauf nicht zu ruinieren."

von Mica Lemiski
14 April 2017, 7:20am

Foto: Standbild aus 'American Pie'

Wenn du den Akt der Selbstbefriedigung auf seine grundlegenden Elemente runterbrichst – Privatsphäre, etwas Inspiration, bei Bedarf ein bisschen Spucke und zum Abschluss ein paar rudimentäre Reinigungshandgriffe – gibt es nicht viel, was einem peinlich zu sein hat. Für junge Menschen allerdings, die noch nicht so routiniert an ihre Genitalien herangehen, birgt jedes Flötensolo, jede Handentspannungsübung das Potential tiefe Scham und/oder körperliche Schäden zu hinterlassen.

Als eine Art Dienst für die Öffentlichkeit hat VICE ein paar selbsterklärte Onanistinnen und Onanisten darum gebeten, ihre peinlichsten Masturbationsgeschichten zu teilen. Denn selbst jene, die heute Virtuosen sind beim Bedienen der Wählscheibe, dem Würgen der Schlange – oder wie man den Vorgang der Selbstliebe auch nennt – sind nicht als Profi vom Himmel gefallen.

Johnny, 24

Nach einer durchfeierten Nacht musste ich unfassbar verkatert 300 Kilometer durch Kanada von Calgary nach Edmonton fahren. Ich hatte das Fenster runtergekurbelt, die Musik raufgedreht und auch sonst alles getan, um mich irgendwie wachzuhalten. Trotzdem drohte ich immer wieder hinter dem Steuer einzunicken und einen grausamen Unfalltod zu sterben.

Also überlegte ich: Womit kann ich mich noch vor dem Sekundenschlaf abhalten? Dann hatte ich eine Idee: Ich werde mir einfach einen runterholen. Das hält mich garantiert wach. Wenn ich es dazu noch besonders langsam angehe, habe ich richtig lange was davon. Also machte ich mich ans Werk und ich muss sagen: Es war super. Auch, weil ich unglaublich gut darin war, mein Treiben vor den anderen Autofahrern zu verstecken. Irgendwann wurde ich allerdings nachlässig – ich war viel zu sehr beschäftigt. Plötzlich tauchte nämlich dieser Sattelschlepper neben mir auf. Viel zu nah. Ich drückte also aufs Gas und versuchte, möglichst unauffällig an ihm vorbeizukommen.

Foto: Rennett Stowe | Flickr | CC BY 2.0

Er beschleunigte allerdings auch, blieb mit mir gleichauf und sah definitiv, was ich hinter dem Steuer machte. Als Nächstes ließ er nämlich zweimal sein Horn erklingen. Ich packte meinen Schwanz sofort wieder weg und musste loslachen. Aber ich war eben noch nicht fertig. Sobald der Lastwagen verschwunden war, holte ich meinen Penis wieder raus und machte weiter, wo ich aufgehört hatte. Aber ich konnte einfach nicht kommen. Und das war das Schlimmste für mich: Ich hatte mir selbst blaue Eier gegeben. Immerhin bin ich lebend in Edmonton angekommen.

Kendra, 28

Als wir so 13 oder 14 waren, haben meine Freundin und ich zu zweit diese kunstvollen Masturbationspartys gefeiert. Wir erzählten uns gegenseitig diese aufwändig-üppigen Fantasien und machten dann einfach jeweils, na ja, eben unser Ding. Da wir beide große Theaterfans waren, war eine unserer Lieblingsfantasien eine, in der sich das Phantom der Oper von den Burgzinnen schwang und uns beide (auf die erdenklich höflichste Art und Weise!) um Sex bat. Dann riss sich das Phantom natürlich die Maske vom Gesicht und entpuppte sich als unser aktueller Schwarm.

Wie auch immer, dieses eine Mal feierten wir unsere "Party", nachdem wir Stolz und Vorurteil gesehen hatten. Mr. Darcy hatte es uns angetan. Wie kann er das auch nicht? Als wir nach dem Film wieder im Zimmer meiner Freundin waren, begannen wir, an uns rumzuspielen. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ihre Eltern super religiös waren. Jedenfalls kam die Mutter meiner Freundin an diesem Tag früher von der Arbeit nach Hause und stand plötzlich direkt vor der Zimmertür. 

Als sie reinkam, sprangen wir vom Bett. Es war aber eindeutig, was wir getan hatten. Wir waren beide total verschwitzt. Zum Glück waren wir angezogen, aber trotzdem. Wir wussten, dass sie es wusste. Trotzdem war es nichts, was irgendjemand dort jemals angesprochen hätte. Dafür war ihre Familie viel zu sexfeindlich.

Der Vorfall hielt uns allerdings nicht davon ab, weiter unsere Partys zu veranstalten. Ernsthaft, ich spiele an mir rum, seit ich denken kann. Ich habe es schon mit Möbeln getrieben. Ich brauche das.

Dom, 25

Als ich 10 oder 11 war, hatte mein großer Bruder ein paar seiner Freunde zum Übernachten eingeladen. Die waren alle in dem Alter, in dem Jungs anfangen, über Sexkram zu reden und Sexwitze und so Zeug zu machen. Ich hing unauffällig bei ihnen ab, als ich plötzlich hörte, wie jemand einen Witz machte und dann sagte: "Oh, du holst dir heute Nacht einen runter?" Dazu machte er die typische Wichs-Handgeste vor dem Schritt. Ich hatte damals keine Ahnung, wie man sich einen runterholt, und dachte, mit dieser Geste die perfekte Anleitung bekommen zu haben.

Als ich in dieser Nacht ins Bett ging, packte mich die Neugier. Ich machte meine Hand zu einer Faust und begann, auf meinen schlaffen Penis – nicht vergessen: Ich war 10! – einzuschlagen. "Das tut verdammt weh", dachte ich. Als Folge ließ ich das mit dem Masturbieren die nächsten beiden Jahre erst mal sein. "Das ist wohl nichts für mich", dachte ich.

Foto: Marc Roberts | Flickr | CC BY 2.0

Margaret, 24

Es war ein verregneter Sonntag und ich hatte mich dazu entschieden, ein Chili zu machen. Ich mag mein Chili scharf – "muy picante", wie es so schön heißt. Also habe ich einen Haufen Gemüse, inklusive diverser Jalapeños zerhackt und alles in einen Topf geworfen. Danach habe ich mir gründlich die Hände gewaschen und mich vor eine Folge Project Runway gesetzt, während das Chili auf dem Herd kochte.

Die Folge war etwas öde und so dachte ich: "Och, ich liege hier in meiner Gammelhose rum, warum also nicht eine kleine Handarbeitssession einlegen?" Nach ein paar Minuten war ich bei der Sache. Allmählich merkte ich allerdings ein leichtes Berennen in meiner Vagina. "Hmmm, was ist das denn?" Ich ignorierte es, aber dann fing es an, RICHTIG weh zu tun – als würde zwischen meinen Schenkeln ein Feuer brennen. Jetzt hatte ich Schiss. Aber schon bald kombinierte ich, dass ich Jalapeño-Reste an meinen Fingern haben muss. Also fragte ich Dr. Google um Rat. Da ich allerdings nicht "Jalapeño-Sauce in Vagina" eingeben wollte, um meinen Suchverlauf nicht zu ruinieren, gab ich irgendwas in der Art von "Jalapeño-Sauce Haut Brennen aufhören" ein.

Auf WikiHow fand ich schließlich den Tip, kalte Milch auf "die betroffene Hautpartie" zu gießen. Ich füllte also einen Messbecher mit Milch, setzte mich aufs Klo und kippte sie mir zwischen die Beine. Es war eine ziemlich sonderbare Erfahrung, aber die Milch linderte meine Schmerzen wirklich. Danach duschte ich und gönnte mir einen Teller Chili.

Anouk, 30

Ich war mal Babysitter bei dieser super reichen Familie, die in einem riesen Anwesen wohnte. Im Badezimmer hatten sie so einen tollen, flauschigen Teppich. Sobald die Kinder eingeschlafen waren, bin ich ins Badezimmer gegangen, habe mich auf den Teppich gelegt und masturbiert. Die Tür habe ich dabei immer ein bisschen offen gelassen, damit ich die Kinder im Fall der Fälle noch hören kann. 

Einmal kam allerdings der Hund – der den selten bescheuerten Namen Buddy hatte – rein, während ich an mir zugange war. Es war ein Bichon Frisé, ein unfassbar hässliches Vieh. Buddy wurde offensichtlich beim Anblick von mir, wie ich schwerbeschäftigt auf dem Teppich lag, ganz aufgeregt. Er fing nämlich prompt an, sich an meinem Bein zu vergehen. Es war schrecklich. Meine Lust war sofort verflogen.

Von diesem Tag an begrüßte mich Buddy jedes Mal, wenn ich ins Haus kam, indem er mein Bein besprang. Egal, was ich tat – den Abwasch, Putzen – er machte sich über mich her. Es war mir peinlich, weil ich dadurch das Gefühl hatte, die Eltern wüssten, dass ich ihr Haus als Masturbationsstation benutzt hatte. Warum sollte ich sonst über Nacht zum Sexsymbol für ihren Hund geworden sein?

Eine Symbolsocke, nicht Theos Socke | Foto: Eugene Peretz | Flickr | CC BY-SA 2.0

Theo, 25

In meiner Jugend war die Methode des Sockenwichsens ziemlich angesagt. Rein von der Physiognomie erschien eine Socke auch durchaus geeignet. Mit 14 machte ich den Selbstversuch. Und tatsächlich, was die Endreinigung anging, war die Socke eine wahre Offenbarung. Aber jetzt hatte ich dieses besudelte Kleidungsstück. Ich konnte sie ja nicht einfach in die Wäsche packen, weil meine Mutter sie darin finden und wissen würde, dass ich als junger Mann junge-Männer-Sachen mache. Das Gleiche galt für den Müll.

Da unser Grundstück an einen Wald grenzte, meinte ich den passenden Orten für meine Socke gefunden zu haben. Ich ging zum Rand unseres Gartens und warf das beflecke Stück Stoff so weit ich konnte. Blöderweise war gerade Winter und die Bäume entsprechend kahl. Die Socke wickelte sich um eine besonders hohe Birke. Ich rede hier von etwa 10 Metern. Dort oben blieb sie monatelang hängen und wehte wie eine schneeweiße Flagge des Schams, bis die Sommerstürme kamen und sie endlich vom Wipfel holten. Meiner Mutter war sie natürlich aufgefallen. Ständig fragte sie alle im Haus, was die Socke im Baum zu suchen hat? Mein Strategie war simpel: leugnen.

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