Opferfest

Die schlimmsten Fails des diesjährigen Oktoberfests – bislang

Manche übertreiben es, andere setzen noch einen drauf.

von VICE Staff
29 September 2017, 1:47pm

Symbolfoto: imago | Ralph Peters

Viele unterhaltsame Geschichten beginnen mit Alkohol oder Kostümen. Beim Oktoberfest kommt beides zusammen, in Massen und in Massen. Sieben Millionen Liter Bier dürften am Ende der zweieinhalb Wochen versoffen worden sein – von Millionen Besuchern auf engstem Raum, was soll da schon schief gehen? Einiges.

Der Wildscheisser, der noch Geld übrig hatte

"Geld stinkt nicht", sagt der Volksmund. "Hold my beer", sagt der Wiesn-Gast und wischt sich mit Geldscheinen den Arsch ab. Ab zwei Promille scheint einfach alles eine gute Idee zu sein, und so kam ein Besucher zu der Überzeugung, er müsste zwischen einen Müllcontainer und eine Müllpresse scheissen – trotz der rund 1.400 Toiletten auf dem Fest. Dort gab es kein Klopapier, also nahm er Geldscheine – wenn man schon gerade jämmerlich hinter ein Zelt scheisst, muss man wenigstens zeigen, dass man noch Game und Geld hat. Das zweckentfremdete Papiergeld hat er danach wieder eingesteckt. Die Polizei fand ihn und sackte ihn ein, allerdings nicht wegen Geldwäsche, die kam später, sondern wegen Wildschiss.

Ausschankschummler

Sap­per­lot, bei Deutschlands grösstem Volksfest wird beschissen, dass einem das Plüschhendl auf dem Kopf schlackert. Der Verein gegen betrügerisches Einschenken (VGBE) – ja, der heisst wirklich so – beschwert sich auch in diesem Jahr über "die Schankmoral in den Bierzelten". Statt einen Liter Oktoberfestbier schenkten die Servicekräfte im Test teilweise nur 0,77 Liter in den Masskrug. Im Schnitt bekamen die Tester 0,88 Liter vorgesetzt. Das hält möglicherweise zwar den Kater in Grenzen, allerdings erschwindeln sich die Zeltbetreiber so jährlich mehrere Millionen Euro von den Besuchern – eine Mass, ob korrekt gefüllt oder nicht, kostet immerhin rund 11 Euro.


Aus dem VICE-Videonetzwerk: Der grösste Bierkeller der Welt


Geheimdienstler

Auch der BND ist seit 2005 jedes Jahr dabei und säuft auf Staatskosten. 40 bis 50 Euro Bewirtungskosten bekommt jeder Beamte für den Besuch, davon kann er essen oder trinken, darf aber kein Karussell fahren – nicht dass man zu sehr auffällt. Oder er kann Lokalrunden für befreundete Geheimdienste schmeissen. Ob dabei allerdings nun Kollegen vom MI6 oder vom Mossad abgefüllt werden, dürfen die Beamten nicht verraten: "Bei einer öffentlichen Bekanntgabe weiterer Einzelheiten bestünde die Gefahr, dass Unbefugte Rückschlüsse auf die Interessen der beteiligten ausländischen Nachrichtendienste ziehen könnten", schreibt der BND. Aber was machen die verdeckten Ermittler eigentlich in den Bierzelten? 2015 sollen die feuchtfröhlichen Termine "mit Fachgesprächen" verbunden worden sein, erklärte der damals zuständige Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche.

Die Marschkapelle, die sich kurz "verspielt" hat

Klar, Oktoberfest ist Krieg, aber dann gleich "Hellau, jetzt soll's zum Kampfe gehn" anstimmen? Auf dem traditionellen Trachten- und Schützenumzug hatte eine Kapelle aus dem Zillertal den "Standschützenmarsch" gespielt. Dieser gilt als das musikalische "Emblem für die NS-Zeit in Tirol". Das sei einfach ein "schöner Marsch", fand man in Tirol. Sah man in Bayern anders.

Die Facebook-Kommentatoren, die den satirischen Post von Matthias Gast nicht verstanden haben – oder nicht verstehen wollen

Matthias Gast engagiert sich gegen den Einsatz von Atomwaffen und ist auch sonst ein politischer Mensch. In Zeiten, in denen Vertreter von CSU und AfD einerseits eine deutsche Leitkultur beschwören und andererseits gegen Geflüchtete hetzen, wollte Gast hinterfragen, was diese Leitkultur überhaupt ausmacht. Also hat er am Dienstag ein altes Foto des Münchener Hauptbahnhofs, wie dieser von lederbehosten Bierleichen übersät ist, auf Facebook gepostet. Dazu schrieb er: "Bin gerade am Hauptbahnhof vorbeigekommen. Hier wurde unsere #Leitkultur von Flüchtlingen bedroht und linksversiffte Gutmenschen haben denen auch noch Blümchen gegeben." Das Oktoberfest hätte allerdings wieder für den Einzug von Leitkultur und Ordnung gesorgt. Das war bissig und sarkastisch gemeint, offensichtlich aber nicht deutlich genug für jeden. Über 11.000 Shares, 3.000 Kommentare und ein paar Zeitungsberichte später muss man konstatieren: Die Zahl derer, die sich über eine Herabwürdigung von wahlweise Bayern, "Asylkritikern" oder Betrunkenen (obwohl deren Gesichter verpixelt sind) erregte, war deutlich grösser als derer, die den Post richtig zu lesen wussten.

Extra-Mega-Fail: Verantwortungslose Eltern

Sollte man Babys und Kleinkinder in Minitrachten stecken und aufs Oktoberfest schleppen? Angesichts von lärmenden Besoffenen, dröhnenden Blaskapellen und alkoholischen Ausdünstungen, die allein schon die Atemluft im Bierzelt auf gefühlte 0,5 Promille heben, ist das sicherlich nicht die beste Idee. Rückt man allerdings doch als junge Familie an, sollten Mama und Papa auf die zweite Mass verzichten, oder – ja zefix nomoi – wenigstens ein Elternteil nüchtern bleiben. Ein Paar Mitte 30 hat das offensichtlich nicht beherzigt und anschliessend mehrfach seinen Kinderwagen umgestossen: Ihr einjähriges Kind fiel auf den Boden und verletzte sich, die Suff-Eltern müssen sich jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Ähnliches wäre wohl auch mit einem Baby geschehen, das Passanten einem betrunkenen 28-Jährigen abnehmen mussten. Der trug das Kind vor sich auf dem Bauch, konnte sich aber selbst im Sitzen nur noch schwer aufrecht halten.

Und dann gibt's da noch:

Leute, die andere sexuell belästigen oder nötigen

Das ist kein Fail mehr, in diese Liste gehört es trotzdem. Wer anderen ungefragt an die Brust packt, in den Schritt oder unter den Rock fasst oder den Arsch begrapscht, begeht eine Straftat, PUNKT. Ohne Aufforderung den eigenen Pimmel vor anderen Leuten rauszuholen, ist auch keine gute Idee. Und wer dann noch "Mei, aber ist doch Wiesn" sagt, ist auch nicht besser. Doch selbst das im letzten Jahr verschärfte Sexualstrafrecht und spottende Twitter-Polizisten konnten ein paar einheimische und internationale Besucher nicht dazu bringen, die Grenzen der mitfeiernden Frauen und Männern zu respektieren, wie etwa dieser Fall und diese Typen hier zeigen. Allein in der ersten Woche des Festes ermittelte die Polizei bei 34 Sexualdelikten, die Dunkelziffer liegt wohl deutlich höher.

Fazit: Jedes Jahr das Gleiche.

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