Dieses virale Video rechnet mit Sexarbeit in der Schweiz ab – Was Sexarbeiterinnen dazu sagen

Das Video fordert eine Schweiz ohne Freier.

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29 Juni 2018, 4:39pm

Mit diesem Video fordert die Frauenzentrale Zürich eine Schweiz ohne Freier | Screenshot von Frauenzentrale Zürich

"Vielleicht waren wir mal brutale Wikinger, aber ihr lebt echt noch im Mittelalter!" – So echauffiert sich ein Schwede in einem Video, das die Zürcher Frauenzentrale am Donnerstag auf Facebook gepostet hat. Die Rede ist von Sexarbeit, die in der Schweiz ab 18 Jahren legal ist. Das Video wurde bisher über 1.000-mal geteilt und spielt damit, dass die Schweiz und Schweden gerne verwechselt werden. Was aber die Rechte von Frauen angeht, sei die Schweiz klar im Rückstand. Der Clip ist Teil der neuen Kampagne der Frauenzentrale, die zum Ziel hat, Sexarbeit in der Schweiz zu stoppen – "für eine Schweiz ohne Freier".

Hierzulande sollen laut swissinfo zwischen 13.000 und 25.000 Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen aktiv sein, offizielle Zahlen gibt es jedoch keine. Wie aber eine Studie der Universität Zürich herausgefunden hat, leiden Sexarbeiterinnen fast dreimal so oft an Depressionen und Angststörungen als der Durchschnittsbürger. Dass der Schutz der Sexarbeiterinnen an oberster Stelle steht, darüber sind sich wohl alle einig. Sexarbeit abzuschaffen oder gar zu verbieten sollte nicht das Ziel sein, zumindest wenn es nach einer Expertengruppe des Bundes geht.

Soweit scheinen alle eine Meinung zum Verbot von Sexarbeit zu haben. Doch wie sehen das die Betroffenen selbst? Wir waren an der Langstrasse, einem der Zürcher Hotspots für Sexarbeiterinnen. Wir wollten von ihnen wissen, was sie zum Verbot von Sexarbeit zu sagen haben. Auf Wunsch der Frauen wurden ihre Namen geändert.

Kleotilda Love

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"Ein Verbot wäre eine Katastrophe! Kann schon sein, dass es Frauen gibt, die das nicht machen wollen, aber ich verdiene damit mein Geld. Wenn die Behörden das verbieten, würden die Zahl der Vergewaltigungen nach oben gehen und wir hätten keine Arbeit mehr. Wenn ich dann trotzdem weitermachen würde, was würden sie dann mit mir machen? Ich muss jetzt schon Bussen bezahlen, wenn ich zur falschen Zeit arbeite."


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Michaela

Wollte kein Foto

"Ich habe früher in Hamburg gearbeitet. Da hiess es über Jahre hinweg immer wieder, dass sie Prostitution verbieten wollen. Durchgekommen ist es jedoch nie. Wenn es hier durchkommen würde, wäre das dumm! Dann müsste alles schliessen. Also auch das Lokal, wo wir unsere Zimmer haben. Was sollen wir dann machen? Dann müssen wir noch mehr Geld für ein Zimmer bezahlen, denn weitergehen würde es mit der Sexarbeit trotzdem."

Beldana

"Wenn ich die ganz jungen Mädchen sehe, die das machen, finde ich das natürlich nicht gut. Aber ich mache die Sexarbeit ja auch nicht für immer. Ich komme für einige Monate hierher, arbeite und verdiene gutes Geld damit. Vielleicht habe ich ja eine Familie, die ich damit unterstütze oder ein Kind? Es ist nicht ein Job, den ich weiterempfehlen würde, aber Prostitution zu verbieten ist nicht das Richtige. Du kannst hingehen, wo du willst – Prostitution gibt es überall auf der Welt, ob es verboten ist oder nicht"

"Aber wieso wollen sie mir Prostitution verbieten? Es ist mein Körper, mit dem kann ich machen, was ich will!"

Mariana

Wollte kein Foto

"Ich finde ein Verbot total dumm! Wir sind selbstständig und machen das freiwillig. Für die meisten Transsexuellen gibt es hier ohnehin keine Zuhälter. Wir können also über uns selbst bestimmen. Dass die Frauen aus Bulgarien, Rumänien und so weiter hierher kommen, keine Aufenthaltsbewilligung bekommen und dann illegal hier sind, das ist ein Problem. Von denen hat es viele hier. Aber wieso wollen sie mir Prostitution verbieten? Es ist mein Körper, mit dem kann ich machen, was ich will!"

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