Fünf Fragen zu ... zwei Studierenden, die beim Vögeln eingepennt sind

Mitten auf dem Flur eines Wohnheims, natürlich.

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Dez. 4 2018, 1:37pm

Kurz vorm vergangenen Wochenende machte in britischen WhatsApp-Gruppen ein kurzer Videoclip von zwei Studierenden die Runde. Beide schlafend, aber in innigster Kopulationsposition vereint. Erinnerungen an den Typen aus Pompeji werden wach, der beim Wichsen von einer Aschewolke für die Ewigkeit erhalten wurde.

Aus offensichtlichen Gründen können wir den Clip hier leider nicht einbetten, aber vielleicht kennst du Leute in britischen WhatsApp-Gruppen. Frag sie einfach nach "that shagging clip" und schon hast du das Video. Für alle anderen haben wir diese sehr zensierte Version, die dir eine gute Vorstellung von der Situation liefern dürfte:

shaggers

Die abgebildete Szenerie strahlt eine stille Schönheit aus, nicht wahr? Sie hat etwas von einer Statue oder einem wunderschönen Gemälde. Um die im Dornröschenschlaf erstarrten Fickenden verteilt sehen wir Artefakte dringlicher Geilheit, Beweise einer Runter-mit-der-Hose-JETZT-Lust, die schlagartig in tiefem Schlummer endete. Ist irgendjemand bei diesem Flur-Techtelmechtel auf seine oder ihre Kosten gekommen?

Ziemlich sicher nicht. Ist irgendjemand nach vier Stunden mit extrem steifen Beinen vom Wegpennen in einer katatonischen Hockposition aufgewacht? Ich würde darauf wetten, dass die oben liegende Person immer noch Probleme beim Gehen hat und auch vier Tage nach dem Schlummer-Exzess wie ein Cowboy durch die Gegend humpelt. Aber ich habe noch viel mehr Fragen:

Beim Ficken einschlafen? Eine kurze schematische Abhandlung

Das Offensichtliche vorweg: Beim Vögeln wegzupennen, ist ein sehr seltener Vögel-Move. Wenn Beim-Vögeln-Wegpennen eine Pokémon-Karte wäre, hätte sie einen kleinen schwarzen Stern in der Ecke und würde glitzern: Es kann passieren, klar, aber dass es passiert, ist statistisch gesehen extrem unwahrscheinlich. Der Geschlechtsakt an und für sich lässt sich problemlos zu den Hochintensitäts-Aktivitäten zählen. Die Wahrscheinlichkeit, dabei einzuschlafen, ist etwa so hoch, wie beim Badmintonspielen einzuschlafen oder wenn du einen Haufen Dreckwäsche in inniger Umarmung zur Waschmaschine trägst, weil du Wäschekörbe irgendwie überflüssig und spiessig findest, aber ein paar Socken bleiben dann doch immer auf der Strecke und müssen auf die nächste Maschine warten, weswegen du selten ein passendes Paar trägst. Aber gut, in der Regel vögelt man in einem Bett, was immerhin auch der Ort ist, an dem du normalerweise schläfst.

Wenn du jedoch zu gleichen Teilen hundemüde und rattig bist, kannst du schon mal wegdämmern. Das kuschelig-weiche Bett unter dir, sinnlich-schläfrig halboffene Augen, semi-einfühlsame Stoss- und Wippbewegungen, du driftest innerlich ab und pennst weg. Das ist zwar das Sex-Äquivalent einer vernichtenden Yelp-Review der Person, mit der du es gerade treibst, aber es ist möglich.

Aber gleich zwei Menschen, die beim Vögeln einschlafen? Quasi gleichzeitig? Stell dir vor, du siehst, wie jemand beim Sex unter dir wegschlummert. Du wärst irritiert, eventuell auch gekränkt. Geschenkt. Du würdest vor allem absteigen und dich woanders schlafen legen. Du würdest dir nicht einfach "Na gut" denken und in deiner latent unbequemen Vögelstellung obendrauf einpennen – oder untendrunter mit blankem Hintern auf kaltem Linoleum-Boden.

Dieses Ereignis ist so selten wie diese Blumen, die nur alle acht Jahre blühen, oder eine Sonnenfinsternis. Wenn zwei Menschen derartig kopulierend einschlummern – ein Prozess, der einige Minuten dauert, im besten Fall –, müssen beide zu mehr oder weniger exakt der gleichen Zeit weggedämmert sein. Ihnen müssen gleichzeitig die Lider schwer geworden, die Gedanken von ihrer eigentlichen Aktivität – Sex! – abgedriftet und die Körper erschlafft sein.

Es ist ein wunderschönes Bild der Synchronisation. Möglicherweise sind ihre Seelen ein uraltes Paar, Atome des Yin und Yangs, die seit der Entstehung des Universums durchs All irren, sich einander suchen, ihr Gegenstück, ihr Gleiches. Nur um sich gegenseitig in den Körpern von zwei todesdichten 19-Jährigen zu finden, die noch nicht mal das erste Semester hinter sich haben.


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Ist er immer noch ... im Einsatz?

Ich kann schlecht in das Foto reinzoomen, weil ... jetzt echt mal, du Ferkel. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass besagter Typ noch immer ... einsatzbereit ist? Will heissen: Er ist immer noch voll bei der Sache. Zwei Erklärungen sind möglich:

1. Unser guter Freund hier ist etwa 19 und wenn du 19 bist, ist es ziemlich unmöglich, nicht mit einem Dauerständer rumzulaufen. Das Dasein als wandelnde Erektion kann durchaus von Vorteil sein – zum Beispiel in Situationen wie dieser hier, wenn du Sex mit einer anderen Person hast. Peinlich bis problematisch wird es, wenn du normale Dinge tust, wie Donuts beim SB-Bäcker kaufen oder deine sterbende Grossmutter trösten.

2. Unser guter Freund ist da unten immer noch wach und einfach zu höflich, um irgendetwas zu sagen oder tun.

Normalerweise würde mir 1. als Erklärung für das Erektions-Mysterium vollkommen genügen, aber dieser kurze Videoclip wurde ja in Grossbritannien aufgenommen, wo viele Menschen über alle Masse und den gesunden Menschenverstand hinaus höflich und konfliktscheu sind. Was ich als Brite damit sagen will: Wenn eine Frau beim Vögeln auf mir einschlafen würde und ich noch immer wach wäre, ich glaube, ich würde einfach irgendwie ... still liegenbleiben, bis die Sonne aufgeht? Sie einfach da schlafen lassen? Ich würde auf keinen Fall irgendwas sagen, um ja nicht irgendwie unhöflich zu erscheinen – genau, wie ich überkorrekt und stumm bleibe, wenn sich in einer Schlange jemand vordrängelt. Das gehört sich halt einfach nicht. Und das gilt auch für dieses Vögelszenario. "Reiss dich halt zusammen, Junge", geht es ihm durch den Kopf. "Lieg hier im Flur mit deinem Dödel draussen und reiss dich zusammen."

Wie wacht man von so etwas auf?

Wenn wir davon ausgehen, dass beide zusammen eingeschlafen sind, können wir auch davon ausgehen, dass beide gemeinsam aufwachen werden. Sie schlafen offenbar beide derartig tief, dass selbst nüchterne Menschen, die feixend Videos der innig Umschlungenen machen, nichts daran ändern. Mich macht das jedenfalls stutzig.

Kennst du das nicht auch, wenn du zu schlafen versuchst, während irgendjemand ein oder zwei Zimmer weiter vor sich hinbrabbelt? Keine Sorge, wenn du über Weihnachten bei deinen Eltern bist, fällt es dir wieder ein. Du hörst eine Stimme. Erst ist sie weit weg, eine Alien-Spezies oder was weiss ich, wovon du träumst. Langsam kommt sie näher und du allmählich zu Sinnen. Du nimmst das Licht durch deine Augenlider wahr, die Geräusche um dich herum. Immer deutlicher und immer klarer. Du machst die Augen auf, die Welt um dich herum steht in Flammen und ... "Fuck! Fuck! Jemand schläft auf mir, unsere Geschlechtsteile verkeilt, irgendwer lacht und filmt alles."

Kurzum: Es gibt schönere Arten aufzuwachen. Ihr werdet euch gegenseitig hochhelfen müssen, still und mit gesenktem Kopf die jeweiligen Geschlechtsorgane wieder einpacken und versuchen, den restlichen Tag und das restliche Leben ohne den ständigen Schatten glühender Scham zu überstehen.

Können sich die beiden Turteltäubchen nach der Aktion noch in die Augen schauen?

Das Studium ist die beste Zeit deines Lebens, richtig? Du schüttest dir an einem Abend richtig die Birne zu und machst am nächsten Tag genau das Gleiche. Du kommst endlich in Clubs, ohne ständig befürchten zu müssen, dass der Türsteher deinen Ausweis kontrolliert. Und du hast wahrscheinlich zum ersten Mal einen belanglosen One-Night-Stand mit einer angetüdelten Person, der du dann drei Jahre lang mindestens einmal die Woche über den Weg läufst. Da steht sie in der Mensa-Schlange hinter dir. Aus irgendeinem Grund schreibt sie die gleiche Prüfung wie du, obwohl ihr andere Kurse habt. Du schwänzt eine Vorlesung, um ein paar Runden Billard im Studierendenwohnheim zu spielen. Rate mal, wer sich als einzige noch mit im Gemeinschaftsraum befindet: Es ist die Person, mit der du zur Hälfte Pulp Fiction geguckt und zur anderen Hälfte unbeholfen rumgefummelt hast.

Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es unseren beiden verschlafenen Bumsbärchen nach
ihrem Viral-Ruhm ergeht. Versuchen sie jetzt bei jedem Aufeinandertreffen im
Studicafé krampfhaft, jeglichen Augenkontakt zu vermeiden, bis einer der
beiden endlich ein Auslandssemester anfängt? Oder ist es genau andersrum und
die beiden sind durch ihr Abenteuer für immer miteinander verbunden und
heiraten kurz nach ihrem Abschluss wie diese komischen Pärchen, die sich in der
ersten Studienwoche kennenlernen und dann mit niemand anderem mehr in die Kiste
springen? Ich müsste eine Münze werfen. Alles ist möglich.

Gibt es etwas Schöneres, als sich richtig zu besaufen und dann mit einer Person zu schlafen, die man erst eineinhalb Stunden kennt?

Nein, nicht wirklich. Genau deswegen begeistern mich unsere beiden vom Schlaf übermannten Flurvögelnden auch so sehr. Mögen sie für immer weiterschnackseln. Amen.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE UK.

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