Foto: Viktoria Grünwald

Ich war auf einer Gangbang-Party und es ist völlig ausgeartet

Auf der einen Seite ploppende Bierflaschen und Gekicher, auf der anderen Seite dieser stöhnende Pumper und mittendrinn ein Pärchen, das im Stehen fickt.

|
29 November 2018, 9:51am

Foto: Viktoria Grünwald

Die Vorbereitung

Es klingt komisch, aber: Wir haben unseren Gangbang organisiert wie eine Grillparty. Mit einer Whatsapp-Gruppe und der Frage "Wer organisiert was?". Es gibt bei einer Gangbang-Party viele Sachen zu organisieren. Es ist ja körperlich anstrengend. Also: Du brauchst genug Essen, Handtücher, Kondome, du brauchst Getränke. Salziges, weil man so viel schwitzt. Und im besten Fall stehen die Sachen nicht so lieblos rum wie bei Aldi. Sondern du machst ein schönes Büffet. Es soll ein bisschen festlich sein, weil das ja ein besonderer Tag ist. Wie Weihnachten. Nur mit dem Unterschied, dass du Weihnachten jedes Jahr erlebst. Eine Gangbang-Party erlebst du vielleicht nur einmal. Bei mir wird es eher kein zweites Mal geben.

Wir kannten uns fast alle, mindestens über eine Ecke. Im Mittelpunkt stand ein aktives Swinger-Pärchen, beide keine Vierzig. Beide eigentlich ziemlich cool und offen. Sie würde ich als resolut bezeichnen. Als ein Mensch, der immer die Kontrolle behält. Er ist so ein tätowierter Dandy. Die haben schon immer mal wieder in Clubs bei Herrenüberschuss-Partys mitgemacht. Der Reiz lag jetzt darin, dass sie sich im Freundeskreis ein paar Jungs zusammensuchten. Und er lag darin, nicht nur Singles zu fragen. Sondern, sehr heimlich, auch Freunde, die verheiratet sind oder in Beziehungen stecken. Ich war damals Single. Meinen Namen will ich trotzdem nur verändert hier lesen.

Das Beschnuppern

Die Aufgabe ist, dass man ein bisschen angetrunken ist, wenn es los geht aber auf keinen Fall besoffen. Besoffen kriegst du da gar nix gerissen. Ich schüttel' beim Sekt immer die Kohlensäure raus, weil ich keinen Bock habe, beim Sex dauernd aufstossen zu müssen. Das kann sehr viel kaputt machen. Der eine Typ, den ich an diesem Tag kennengelernt habe, ein Freund vom Swingerpärchen, ein Fussballer, ein ziemlicher Holzkopf, ging mir eigentlich von Anfang an auf den Sack. Er schaute mich so an, als ich das Fläschchen schüttelte und fragt: "Was bist denn du für einer?" Und kicherte so dumm, mit ganz hoher Stimme. Er sass in seiner zu engen Boxershorts auf dem Sofa und dachte, er sei David Beckham. So ein Ossi, so ein Aufgepumpter. Ich darf das sagen, ich bin auch Ossi.

Wir Jungs sassen auf dem Sofa. Manche nackt, manche noch in Unterwäsche. Wie viele wir genau waren, das will ich nicht sagen. Aber weniger als zehn, mehr als fünf. Das Pärchen fing an, rumzumachen und wir schauten zu. Sie war auf den Knien und blies seinen Schwanz. Es machte mich weniger geil, als ich dachte. Der Beckham-Typ massierte seinen Penis durch die Unterhose und stöhnte wie ein drittklassiger Porno-Darsteller. Der sagte immer so: Oh yes, oh yes, oh yes. Was soll das? Dann nahm er seinen Schwanz raus. Die anderen Jungs waren okay aber auch nicht gerade Hengste. Die wirkten eher, als wären sie auf Klassenfahrt. Die nahmen das Ganze nicht richtig ernst. Aber schon eine skurrile Situation: Auf der einen Seite ploppende Bierflaschen und Gekicher, auf der anderen Seite dieser stöhnende Pumper und mittendrinnen ein Pärchen, das im Stehen fickt.

Die ersten Berührungen

Niemand wollte den Anfang machen. Das Pärchen bumste fröhlich vor sich hin und wir sassen auf dem Sofa, als guckten wir Fussball. Sie hielt sich am Türrahmen fest und er nahm sie von hinten im Stehen. Es war klar, dass der Pumper als Erster aufstehen würde. Er stellte sich mit seiner Latte neben die beiden und sagte dann: "So jetzt lass mich mal ran, mein Guter." Was ich als extrem komisch und unpassend wahrgenommen habe. Und der Typ wohl auch, weil er nahm seine Freundin einfach weiter und ignorierte den Pumper so lange, bis der sich wieder hinsetzte. Ich fand sie schon heiss, aber seltsamerweise vor allem deshalb, weil sie bereit war zu so einer Sache. Das machte mich an. Und, dass sie Lippenstift aufgetragen hatte. Nagellack, Lippenstift, schöne grosse Ohrringe, das find' ich gut. Sie hatte auf jeden Fall Spass.


Auch bei VICE: Pornostars verraten ihre besten Sex-Hacks


Sie zog mich dann irgendwann vom Sofa hoch und ging vor mir runter. Ihr Freund holte sich daneben einen runter und es gefiel mir, dass seine Freundin mir gerade einen blies. Ich bin sicher nicht schwul, aber ich guckte auf seinen Schwanz. Und dann kam der Pumper, der ist ein Idiot. Er stellte sich neben mich und streckte den Bauch vor, um deutlich zu machen, dass er jetzt dran war. Und dann machte sie auch an seinem Schwanz rum mit der Hand. Und die anderen Jungs stellten sich auf, massierten ihre Penisse und sie ging reihum und lutschte. Wir nahmen sie teilweise zu zweit auf dem Sofa, vaginal von hinten während sie blies, auf dem Teppich, auf dem Esstisch, der wäre fast zusammengeklappt. Sie gab die Kommandos. So weit, so gut. Hat wirklich Spass gemacht. Dann aber, Auftritt: unser Möchtegern-Beckham. Mister Holzkopf.

Der Knall

Keine Ahnung, ob der vorher was genommen hatte. Der war die ganze Zeit extrem hibbelig und machte dumme Sprüche. Die ganze Zeit dieser lächerliche Porno-Talk: "Jetzt geben wir dir’s mal richtig", "Na, willst du mein Sperma?", "Macht dich das geil? Macht dich das geil?" So redet doch keiner. Die anderen Jungs waren, nach anfänglichen Gealbere, genau so wie sich Männer am besten verhalten sollten bei einem Gangbang: anpackend, aufmerksam, keine Laberbacken, eher still. Unser Hobby-Beckham riss irgendwann die Vorhänge zur Seite. Wir waren zwar in einem Hochhaus, aber es war dunkel draussen und bei uns alles hell erleuchtet wie in einem Konzertsaal. Dann rief er: "Komm mal her Prinzessin, dann besorg' ich's dir am Fenster!" Er wollte, dass die Nachbarn spannen. Naja und da wurde es dem Mann vom Swinger-Pärchen, der verschwitzt auf dem Sofa fläzte, während seine Freundin sich gerade von mir lecken liess, zu bunt. Er stand auf, lief auf den Hobby-Beckham los und zimmerte ihm direkt eine in die Fresse. Der wankte und hielt sich an den Gardinen und riss sie im Fallen runter. Was wiederum Matthias, der in Wirklichkeit anders heisst und dem die Bude gehörte, ziemlich wütend machte. Und so schubste er den Swinger-Mann und schrie: "Was soll die Scheisse denn?". Beide nackt und völlig verschwitzt und mit nicht mehr ganz steifem Penis. Am Boden lag Beckham und hielt sich die Fresse. Eigentlich ein lustiges Bild. Das ist halt der Nachteil an Männerüberschuss: Du hast einen ganzen Haufen potentieller Idioten in einem Raum.

Der Krankenwagen

Niemand hat bemerkt, dass sie in den Flur gegangen ist und einen Krankenwagen gerufen hat. Wahrscheinlich war es die richtige Entscheidung. Vielleicht auch nicht, keine Ahnung. Der Krankenwagen kam, als sich die Situation schon fast wieder etwas beruhigt hatte. Ein Typ hatte seine Sachen gepackt und war gegangen. Ein anderer lag auf dem Sofa, als sei ihm alles egal. Ein dritter rauchte auf dem Balkon. Der Swinger-Mann hatte unseren Hobby-Beckham mit Klopapier verarztet. Der drückte gegen seine Wunde an der Stirn und plapperte die ganze Zeit vor sich hin: "Wenn das keine Gehirnerschütterung gibt, dann weiss ich auch nicht." Und: "Fuck, der sass richtig." Der war richtig Matsche. Die Sanitäter sind ja wahrscheinlich einiges gewöhnt, aber die Szenerie war schon sehr speziell. Unsere Swinger-Frau hatte noch Sperma am Körper, am Hals und an der Stirn, und ein Handtuch umgewickelt, überall standen angegessene Teller rum, Bierflaschen und Gläser. Matthias fing an, im Bademantel wütend durch die Wohnung zu stapfen und alles in eine Mülltüte zu stopfen. Selbst Pfandflaschen. Und die Sanitäter stützten unseren wimmernden Pumper. Er musste ins Krankenhaus, Verdacht auf Gehirnerschütterung. Manchmal denke ich beim Masturbieren noch an unsere Party, an den ersten Teil. Dann denke ich an den zweiten und muss entweder den Kopf schütteln oder lachen. Und manchmal habe ich ein bisschen Schiss, dass jemand Screenshots von unserer Whatsapp-Gruppe gemacht hat. Das wäre ziemlich Scheisse.

Folge VICE auf Facebook, Twitter und Instagram.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.