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Popkultur

Ein Rückblick auf ‚BattleBots‘, die beste Roboter-Kampfshow aller Zeiten

Da die Sendung im Sommer neu aufgelegt wird, haben wir uns mit zwei ehemaligen Teilnehmern über ihre Zeit bei der Show unterhalten, in der furchterregende Kampfmaschinen aufeinander losgelassen werden.

von Jacob Harper
24 März 2015, 10:30am

Zwei Roboter stehen sich in einer zweckmäßigen Arena gegenüber. Besagte Arena ist eigentlich nur ein bloßer Metallkäfig, der die über 90 Kilogramm schweren Kampfmaschinen auf engstem Raum zusammenhalten soll. Auf der einen Seite sehen wir ein riesiges rotierendes Sägeblatt, das auf einem dreirädrigen Fahrgestell montiert ist—der Roboter wurde auf den Namen Nightmare getauft. Auf der anderen Seite befindet sich eine Metallbox ohne sofort erkennbare Waffe. Sie ähnelt einem dieser Staubsaugerroboter und wird Biohazard genannt.

Der Kampf beginnt und Biohazard rast durch die Arena. Er kracht mit Nightmare zusammen und dabei wird auch die Angriffsstrategie klar: Das Ding rammt dich—und zwar richtig hart. Biohazard schiebt sich unter Nightmare, während sich dessen theoretisch gefährliches Sägeblatt im Leerlauf dreht und eher wie sinnlose Dekoration daherkommt. Dann wird Nightmare in eine der „Fallen" gedrängt, die in der ganzen Arena verteilt sind. In diesem Fall handelt es sich um eine Kreissäge, die aus dem Boden geschossen kommt. Biohazard nimmt Anlauf und rammt seinen Gegner erneut mit beeindruckender Geschwindigkeit. Nightmares einzige Waffe wird immer langsamer und hört schließlich ganz auf, sich zu drehen. Der Roboter ist jetzt total hilflos. Biohazard hat sich dank seiner anscheinend überlegenen Bauweise durchgesetzt und den Kampf gewonnen. Biohazards Erbauer, der bescheidene Carlo Bertocchini, lächelt wie ein stolzer Vater. Sein Baby hat soeben das Heavyweight-Viertelfinale gewonnen. Letztendlich sollte Biohazard auch noch zum Champion gekrönt werden.

Wir reden hier natürlich von BattleBots, einer TV-Serie über erwachsene Männer, die ihre ferngesteuerten Roboter gegeneinander antreten lassen. Als die Show im Jahr 2000 ihre Premiere feierte, war sie die einzige Sportsendung auf Comedy Central und gleichzeitig die erste Serie, in der Roboter Kämpfe austrugen.

Zur Jahrhundertwende war so etwas wie BattleBots ein Novum. Die Vorstellung von ausgeklügelten Robotern war im Grunde noch immer futuristische Fantasie. In der Show stand der damals noch extrem junge Sport des Roboterkampfes im Fokus und das bedeutete, dass viele Dinge erst noch erforscht werden mussten—quasi wie Baseball damals um 1870 herum, bloß eben mit hydraulischen Vorschlaghämmern.

Während meiner Schulzeit gehörte BattleBots zu meinen Lieblingssendungen und vor allem das Chaos des Ganzen sagte mir so sehr zu. Also jetzt nicht nur das Chaos während der Kämpfe, sondern auch das Chaos beim Bau der Roboter—wenn beim Versuch, den Sieg einzufahren, alles komplett über den Haufen geworfen wurde. Ein Waschbottich mit ein paar Kreissägen? Oder doch lieber ein Gravitron mit Stacheln? Scheiß drauf, lass uns doch einfach ein paar Räder an einen riesigen Türkeil schrauben! So lange wir gewinnen, ist das doch egal.

Das alles war—vor allem damals—richtig faszinierend. YouTube gab es noch nicht und der Anblick von richtig funktionierenden Robotern war etwas komplett Neues. Und dann hauten sich diese Roboter auch noch gegenseitig den Blechfrack voll! Das Ganze hatte etwas Fortschrittliches, aber gleichzeitig auch etwas richtig Amateurhaftes an sich. Es handelte sich um einen Kampfsport, der keine bleibenden Schäden hinterließ (zumindest in den meisten Fällen, aber dazu später mehr).

Nach fünf Staffeln war für BattleBots im Jahr 2002 schließlich Schluss. Die meisten Teilnehmer kehrten einfach wieder zum dem zurück, was sie vorher gemacht hatten—nämlich ihre Arbeit im Silicon Valley. Will Wright schickte damals seinen Roboter namens Chiabot ins Rennen. Vor der Show hatte er das Spiel SimCity erfunden und nach seinem Auftritt wandte er sich wieder seiner Arbeit im Gebiet der Interaktion zwischen Roboter und Mensch zu. Christian Carlberg, der für die Roboter Knee-Breaker, OverKill und Minion verantwortlich war, fing mit dem Bau eines „Open-Source-Lichts" an. Jim Smentowski, der damals Nightmare erschaffen hatte, zog nach Florida und eröffnete den Online-Store RobotMarketPlace, ein Paradies für angehende Roboterbauer.

Einige andere Personen, die ebenfalls einen Auftritt in der Show hatten, wurden schließlich große Namen im Geschäft der wissenschaftlichen TV-Sendungen: Bill Nye (bei BattleBots der „technische Experte") sowie Jamie Hyneman und Adam Savage von Mythbusters. Die Zeit der Roboterkämpfe—zumindest im Kontext einer Fernsehshow—schien jedoch vorbei.

Bis jetzt! Im Februar hat der US-Fernsehsender ABC angekündigt, die Show ab dem Sommer wieder auszustrahlen. Seit dem originalen BattleBots auf Comedy Central sind jetzt schon über zehn Jahre vergangen. Ich wollte wissen, welchen Einfluss die Show auf das Leben einiger Teilnehmer gehabt hat, und die alte Garde fragen, wie sich ihr Leben seit dem Ende von BattleBots entwickelt hat und wie sie den Status von Roboterkämpfen heutzutage einschätzen würden. So kam ich mit den BattleBots-Champions Charlie Tilford und Gage Cauchois ins Gespräch.

Charlie Tilford lebte und arbeitete im Silicon Valley, als er seinen Roboter Mauler ins Rennen schickte und der schnell zum Publikumsliebling avancierte. Vor BattleBots war er auch im britischen Vorgänger Robot Wars zu sehen.

„Wir waren beim ersten Kampf, den Heavyweight-Championships, dabei", erinnert sich Tilford. „Ich hatte im Wired-Magazin davon gelesen. Dann habe ich ein Bild vom Robot Wars-Erfinder Marc Thorpe zusammen mit einer Kettensäge auf einem ferngesteuerten Fahrgestell gesehen." Damals waren Tilfords zwei Söhne zehn und vierzehn Jahre alt und natürlich total Feuer und Flamme. „Die Veranstaltung dauerte zehn Tage. Man musste eine Startgebühr von 50 Dollar zahlen und durfte dann ein vierköpfiges Team mitbringen. Wir konnten also einfach einen Roboter in unserer Garage bauen, mit dem wir dann bei Robot Wars im nahegelegenen San Francisco antraten."

Tilford war angefixt. Mit seinem verlässlichen Roboter Mauler—eine sich drehende Scheibe mit mittelalterlichen Dreschflegeln und einem recht primitiven Graffiti-Look—war er ein Stammgast in der TV-Show. Er gewann zwar nur einen im Fernsehen ausgestrahlten Kampf, aber der war legendär: Mauler besiegte den oben erwähnten Nightmare. (Nightmare erarbeitete sich während seiner Zeit bei BattleBots respektable acht Siege, aber auch acht Niederlagen.)

Mauler war zwar kein Dauerchampion wie zum Beispiel Biohazard, aber dank seiner persönlichen Popularität wurde Tilford in dem Sport relativ schnell erfolgreich. In einem Jahr verdiente er allein durch Spielzeug-Lizenzen 28.000 Dollar und hatte durch ein lukratives Seagate-Sponsoring noch weitere Einnahmen. Zur gleichen Zeit wuchs auch Tilfords Fan-Schar von wissenschaftlich interessierten Jugendlichen. „Bei BattleBots fand ich es immer so toll, dass die jungen Fans so etwas nicht nur im Fernsehen anschauen, sondern sich auch mit echten Menschen unterhalten konnten", erzählt er mir und bezieht sich dabei auf die Anhänger, die bei den Veranstaltungen direkt auf ihr Lieblingsteam zugingen und fachsimpelten.

Und Tilford liebte es, über Roboter zu reden. Auch heute erzählt er noch voller Stolz von seinem Auftritt in der Tonight Show mit Jay Leno und den Baha Men. Bis zum Ende von BattleBots war Tilford begeisterter Roboterkämpfer.

„Einer unserer letzten Kämpfe war gegen einen Typen, der den Radkranz eines Sattelschleppers aus einer geschmiedetem, ungefähr zwei Zentimeter dicken Aluminium-Legierung an den Start brachte", sagt er. „Wir sind voll reingekracht und haben so zwei faustgroße Löcher reingeschlagen. Das hat richtig viel Spaß gemacht."

Es blickt jedoch nicht jeder Teilnehmer mit einem solchen Stolz auf die Show zurück. Tilfords Zeitgenosse Gage Cauchois hat eine eher bittersüße Meinung von seiner BattleBot-Teilnahme.

Cauchois war als Teilnehmer sehr erfolgreich und gewann insgesamt drei Championships. Sein letzter Roboter mit dem Namen Vladiator gewann dank seiner verblüffenden Fähigkeit, den Gegner auf den Rücken zu werfen, und Cauchois' Finesse an der Fernsteuerung in der dritten Staffel die „Gewichtsklasse" Superheavyweight. Cauchois' Roboter Vlad the Impaler und Vladiator gehörten zu den beliebtesten Maschinen in der ganzen Geschichte des Sports.

Als Vladiator gegen einen Roboter namens Techno Destructo antrat, wurde allen klar, wie dominierend Cauchois' Konstruktion sein konnte. Am Anfang des Kampfes brachte Techno Destructo Vladiator zum Überschlagen, aber der flache, vierrädrige Roboter steckte diesen Rückschlag locker weg und blieb weiterhin mobil. Nur 30 Sekunden später warf Vladiator dann Destructo mit einem gut getimten Stoß auf dessen Seite. Destructo war nun komplett wehrlos. Vladiator nahm Anlauf und rammte Destructo so lange, bis die Metallplatten kaputt waren, die Destructos komplizierte Innereien schützten. Der Kampf war somit entschieden.

Seine Erfolge scheinen Cauchois jedoch ziemlich egal zu sein. „Ich habe das nur fürs Geld gemacht", erzählt er mir. Die Boni für Championships waren großzügig und zusammen mit dem Geld der Sponsoren (die Roboter waren im Normalfall mit Werbung zugepflastert) konnten die Teilnehmer theoretisch von dem Geld leben, das sie durch BattleBots verdienten—das schien jedoch nur selten der Fall gewesen zu sein, denn viele von ihnen arbeiteten nebenher oder waren Freiberufler. Für Cauchois wurde der Drang zu gewinnen immer anstrengender und als der Konkurrenzkampf ebenfalls immer erbitterter ausfiel, waren Roboterkämpfe schon bald ein teures Vergnügen.

Dann verletzte sich Cauchois schwer, als seine Hand von einem Teil seines Roboter Vladiator getroffen wurde. Schuld daran war laut ihm ein unfähiges Teammitglied, das er auf Drängen der Show hin eingestellt hatte. Die Sehnen seiner Hand wurden durchtrennt. „Ich musste meine Verletzung von einem Handspezialisten behandeln lassen. BattleBots hat zwar meinen Selbstanteil gezahlt, aber gehaftet haben sie für nichts", sagt Cauchois. „Sie boten mir an, alles zu zahlen, aber sie ließen es so klingen, als würden sie mir damit einen Gefallen tun. Ich fand das jetzt nicht wirklich großzügig, schließlich war es ja auch ihr Typ, der den Roboter fallen gelassen hatte."

Beim Rückblick auf seine BattleBots-Karriere scheint es aber auch Momente zu geben, auf die Cauchois besonders stolz ist. „Mein Roboter hat den Boden kaputt gemacht, was auch eines meiner Ziele war", erinnert er sich. „Sie sagten, dass die Arena unzerstörbar sei. Nichts ist unzerstörbar!"

Laut Deadline wird bei der Neuauflage von BattleBots „größeres Augenmerk auf das Design und die Bauelemente der Roboter, auf die Hintergrundgeschichte der Bastler, auf die spannende Jagd nach dem Sieg und das Spektakel der Veranstaltung gelegt." In anderen Worten: weniger Roboterkämpfe und mehr gestelltes, menschliches Drama.

Das klingt definitiv nicht nach der BattleBots-Show, die ich damals geschaut habe. Im Grunde war die Serie nämlich nur ein Wettbewerb um die nützlichste Konstruktion—und die besten Konstrukteure sind nicht immer die besten TV-Persönlichkeiten. Als ich Cauchois auf die Neuauflage anspreche, meint er: „Das würde mir überhaupt nicht gefallen. Ich bin eher introvertiert. Ich finde es nicht gut, wenn man so neugierig ist. Dafür hat man doch die Kardashians."

Auch Tilford wäre für die ABC-Neuauflage nicht zu haben, allerdings aus anderen Gründen: Er will der neuen Generation Roboterenthusiasten nicht im Weg stehen.

Im Bereich der Robotertechnologie hat sich seit Tilfords und Cauchois' Bastlertagen allerdings einiges getan. Beide stimmen in einem Punkt überein: Der größte Unterschied zwischen den Shows von 2002 und 2015 wird wohl die Akkugröße sein. Die bestehen inzwischen aus Lithium-Polymer und laut Cauchois wiegen sie nur noch ein Zehntel des Gewichts von damals. Tilford drückt es folgendermaßen aus: „Mit leichteren Akkus kann man richtig viel Schaden anrichten."

Ich frage Cauchois, was er bei der BattleBots-Neuauflage gerne sehen würde. Er hat ziemlich klare Vorstellungen: „Ein elektronischer Fahrassistent wäre cool. Dann sollten die Roboter mit einem Zielsystem ausgestattet sein, das beim Lenken hilft und Fehler ausbügelt. Man muss quasi nur noch den ‚Abschuss'-Knopf drücken. Das wäre toll." Die Teilnehmern hatten diesmal jedoch nur zweieinhalb Monate Zeit und 7000 Dollar für den Bau ihrer Roboter zur Verfügung. Wer weiß, welche Maschinen dabei herauskommen.

Die BattleBots-Neuauflage scheint sich mehr an einer Reality-Show über Roboterbauer als am Original zu orientieren, und obwohl die beiden Sendungen den gleichen Namen tragen und die gleiche DNA innehaben, werden sie total unterschiedlich sein. Aber egal wie das Format letztendlich aussehen wird, am Ende werden immer noch Roboter andere Roboter zerstören—und mehr will man doch gar nicht. „Ich bin schon gespannt, was sich die Leute einfallen lassen werden", meint Cauchois. „Dreizehn Jahre sind schon eine lange Zeit."


Thumbnail-Foto: Thiago A. | Flickr | CC BY 2.0

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