Nigerias Folterproblem

Auch die Gegner Boko Harams sind nicht gerade Menschenfreunde: Nigeria verhaftet massenhaft Verdächtige und foltert sie.

|
24 Dezember 2014, 7:00am

Der jüngste Anstieg der Produktivität Boko Harams—von Massenentführungen hin zu Bombenanschlägen—zieht ein nicht weniger gruseliges Problem nach sich: Massenverhaftungen und die damit einhergehende massenhafte Folterung durch die nigerianischen Behörden. In dem Bemühen, die Terrorgruppe zu zerschlagen, haben die Polizei und das Militär laut einem aktuellen Bericht von Amnesty International viele der tausend Männer, Frauen und Kinder systematisch misshandelt, die sie im Zuge der großangelegten Suchoperationen festhalten. Der Bericht mit dem Titel „Willkommen in der Hölle" betont, dass die endemische und erschreckende Misshandlung der Gefangenen sich nicht auf Terrorverdächtige beschränkt, sondern auch wegen Mordes oder Raubes Angeklagte trifft. Laut Amnesty ist die Folter so verbreitet, dass es in einigen Gefängnissen und Polizeistationen einen Offizier gibt, der informell als „O/C Torture" bezeichnet wird, als für die Folter verantwortlicher Offizier. Tom Davies von der Stop-Torture-Kampagne sagte: „Die nigerianische Armee und Polizei führen praktisch eine Art Wettstreit miteinander, wer die widerlichsten Formen der Folter an seinen Häftlingen verübt. Alles ist erlaubt, das Herausreißen der Fingernägel gilt schon fast als völlig normal.

Illustration von Chijioke Ugwu Clement