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Fuckbuddys erklären, wie man es richtig macht

"Unterm Strich kann man sagen: Keine Gefühle entwickeln und sich zusammen ordentlich besaufen."

von Tom Usher
09 September 2017, 7:44pm

Sex ist wohl eine der einfachsten Freuden des Lebens. Das weiß Rihanna, das weiß D'Angelo und das weiß selbst der komische Sänger der Bloodhound Gang. Genau deshalb ist es ja auch so komisch, dass die Natur des Menschen eine Sache verkompliziert, die eigentlichen ganz simpel sein sollte. Anstatt das Ganze einfach nur zu genießen, zerstören wir unsere zwanglosen Sexbekanntschaften oftmals dadurch, dass wir plötzlich Gefühle füreinander entwickeln und mehr wollen als nur etwas Bettsport.

Aber was wäre, wenn man wirklich Sex ohne weitere Verpflichtungen haben könnte? In anderen Worten: Wenn man eine "Freundschaft mit gewissen Vorzügen" entwickeln könnte, ohne dass dabei einer der beiden involvierten Menschen irgendwann mehr will als der andere? Klingt ziemlich unmöglich, oder?Nein, als Ding der Unmöglichkeit kann man dieses Szenario auf keinen Fall abtun. Wir haben uns nämlich von drei erfolgreichen Freundschaftspärchen erklären lassen, wie man eine solche Abmachung auch wirklich einhält.

Hans und Grace

VICE: Hey Leute! Wie habt ihr euch kennengelernt?
Hans: Das war vor gut zwei Jahren bei Tinder.

Wann hattet ihr dann zum ersten Mal Sex?
Grace: Gute Frage! Ich glaube, nachdem wir zweimal miteinander abgehangen hatten? Ich weiß noch, wie wie ich ihn zufällig getroffen habe ... An den Club kann ich mich jedoch nicht mehr erinnern.

Habt ihr diese Sache zwischen euch jemals wirklich besprochen?
Grace: Alles entspannt, keine Verpflichtungen. Es ist halt einfach irgendwie passiert. Gesprochen haben wir darüber nie wirklich.
Hans: Wir haben nie vereinbart, von nun an Freunde mit gewissen Vorzügen zu sein. Es war anfangs so ein Freitagabend-Ding, manchmal aber auch nur alle zwei Wochen oder gar nur einmal im Monat.

Wie oft lief da was zwischen euch?
Grace: Früher habe ich noch wirklich oft bei ihm übernachtet, weil ich häufig in der Gegend unterwegs war, in der er wohnte. Das war für mich einfach viel bequemer, als den langen Heimweg anzutreten.
Hans: Häufig freitags oder wenn wir halt unterwegs waren.

Wie habt ihr sichergestellt, dass da nicht mehr draus wird? Und haben sich bei irgendeinem von euch jemals Gefühle entwickelt?
Hans: Es gab mit Sicherheit schon ein paar echt abgefahrene Unterhaltungen zu diesem Thema. So etwas wie intensive Gefühle ließen wir zwischen uns jedoch gar nicht erst aufkommen. Inzwischen sind wir sogar richtig gute Freunde.
Grace: Stimmt! Ich weiß noch, wie ich dieses Thema im volltrunkenen Zustand angeschnitten habe. Wirklich auf den Punkt gekommen bin ich dabei jedoch nicht.
Hans: Eigentlich sind wir nun eher so etwas wie Kumpels. Wir übernachten beieinander, ohne Sex zu haben.
Grace: Jawohl, Gammeln ohne Rammeln.

Wurde es jemals irgendwie unangenehm?
Grace: Nein, nie.
Hans: Wirklich nie. Nicht mal dann, als wir beide mit anderen Leuten zusammen waren. Wir hatten doch einfach nur Spaß.

Ernsthaft? Keine Spur von Eifersucht?
Hans: Meiner Meinung nach kommt es nur darauf an, keine Gefühle zu entwickeln.
Grace: Da er sowieso für sechs Monate weg musste, wäre er auch nicht da gewesen, wenn ich irgendwelche Gefühle entwickelt hätte. Als er dann wieder hier war, freundete er sich mit meinen Freunden an und schon wurden auch wir beste Freunde—und zwar ohne die vorherigen Vorzüge.
Hans: Stimmt. Bevor ich weg musste, hatten wir halt ab und an Kontakt. Damals kannten sich unsere Freundeskreise zwar schon, aber nicht wirklich gut. Nach meiner Rückkehr lernte ich dann ihre Bekannten bei einem Festival in Kroatien richtig kennen. So wurden wir alle richtig enge Freunde und die zweijährige Bettgeschichte verwandelte sich eben in eine gute Freundschaft.

Was hat euch immer wieder zueinander zurückkommen lassen? Der Sex oder das Wissen, dass der jeweils andere immer für einen da sein würde?
Grace: Wohl das Zweite, weil ich manchmal auch einfach nur zu ihm gegangen bin, um zu kuscheln.

Wenn ihr anderen Freunden mit gewissen Vorzügen einen Tipp geben müsstet, dann wohl "Keine Gefühle und viel Alkohol"?
Grace: Gefühle sind ein No-go!
Hans: Außerdem sollte man sich immer respektvoll behandeln!
Grace: Stimmt. Und es ist unglaublich hilfreich zu wissen, woran man beim anderen ist.
Hans: Außerdem ist ein gewisser Abstand ebenfalls wichtig. Für uns war das einfach, weil wir in komplett anderen Stadtteilen wohnten. Aber ja, unterm Strich kann man sagen: Keine Gefühle entwickeln und sich zusammen ordentlich besaufen.

Patrick und Sam

VICE: Wie und wo habt ihr euch kennengelernt?
Sam: Das war bei irgendeiner Uni-Party. Ich weiß schon gar nicht mehr, wer den ersten Schritt gemacht hat, aber er ist letztendlich mit zu mir nach Hause gekommen. Ich glaube, Patrick kann da mehr dazu sagen.
Patrick: Ich erinnere mich noch daran, wie wir im Raucherbereich eines Clubs ins Gespräch kamen. Die Frage nach Feuer ist und bleibt ein guter Gesprächseinstieg.
Sam: Ja, das waren wilde Nächte. Er hatte an besagtem Abend jedoch viel tiefer ins Glas geschaut als ich.
Patrick: Ich war wirklich voll.
Sam: Letztendlich kotzte er in mein Waschbecken und ich schickte ihn nach Hause. Ich bin mir jedoch sicher, dass er mich trotz seines echt übel riechenden Atems noch rumkriegen wollte.

OK, in dieser ersten Nacht ist außer einer Kotzeinlage scheinbar nichts gelaufen?
Sam: Nein, ich warf ihn raus und musste dann erstmal die Sauerei in meinem Waschbecken sauber machen. Und das war echt kein Spaß. Keine Ahnung, warum ich mich überhaupt noch mal bei ihm gemeldet habe. Patrick, kannst du dich noch an das erste Mal erinnern?
Patrick: Du bist ein paar Wochen später zu mir gekommen.

Wie kam es dazu?
Patrick: Das ist einfach so passiert. Und wir haben es beide genossen. Sie war sogar richtig überrascht, wie gut ich im Bett war. Sie meinte: "Ich hätte nie erwartet, dass der Sex so gut sein würde."
Sam: Oh Gott. War das jetzt wirklich nötig?
Patrick: Na klar!

Munchies: Wer eine Stammkneipe hat, dem geht es besser

Wie ging es dann am darauffolgenden Morgen weiter? Habt ihr irgendwie über euer Techtelmechtel gesprochen oder das Ganze eher einfach so abgehakt?
Sam: Eher das Zweitgenannte. Irgendwie dachten wir da wohl gleich. Ich glaube, ich bin auch einfach wortlos abgehauen, als Patrick noch schlief.
Patrick: Ja, so war's. Sie ist auf jeden Fall nicht lange geblieben. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich noch geschlafen habe oder nicht.
Sam: Ich habe mich auf jeden Fall im Dunkeln angezogen.

Das ist schon ziemlich fies, Sam.
Patrick: Dem stimme ich zu.
Sam: Hey, immerhin habe ich die Nacht bei ihm verbracht. Normalerweise stehe ich nämlich gar nicht darauf, neben einem Typen einzuschlafen—vor allem dann nicht, wenn der Typ so gerne kuschelt wie Patrick. Er war in dieser Nacht wirklich eine verdammte Klette. Scheiße, es ist vorbei, da muss man sich doch nicht noch ewig miteinander beschäftigen.

Wie ging es dann weiter? Wie oft habt ihr euch danach noch gesehen?
Sam: Ziemlich häufig, also oftmals nach durchzechten Nächten. Keine Ahnung, vielleicht einmal die Woche? Es kam halt immer darauf an, was so los war. Und das war auch gut so. Wir haben uns nie in die Haare bekommen, weil wir uns noch mit anderen Leuten trafen. Außerdem haben wir die ganze Sache nie an die große Glocke gehängt. OK, meine Mitbewohner wussten natürlich Bescheid.

Und ihr habt nie irgendwie Gefühle füreinander entwickelt?
Sam: Oha, das wollte ich schon immer wissen! Nach Jahren des Wartens: War ich denn nie gut genug für dich, Patrick?
Patrick: Klar, Sam ist eine sehr attraktive Frau, die genau weiß, was sie tut. Wir wollten uns jedoch beide nicht an irgendjemanden binden und es hat schon alles so gepasst. Wäre da mehr draus geworden, würden wir heute wohl nicht mit dir sprechen.

Und gab es auch mal unangenehme bzw. komische Momente?
Sam: Ich habe mal mit seinem Mitbewohner geknutscht. Ich konnte mich gar nicht mehr an diesen Zwischenfall erinnern, bis besagter Mitbewohner mich flirtend anschrieb. Patrick hat mich daraufhin wochenlang komplett ignoriert. Ich habe ihn dann sogar im Club beiseite genommen und er hat mir dann irgendwas davon erzählt, dass sein Handy kaputt gewesen wäre. Irgendwann hat er mir aber verziehen und schrieb mir eine Nachricht, während ich in Paris unterwegs war.
Patrick: Abgesehen davon gab es nur noch eine andere Aktion.
Sam: Was meinst du?
Patrick: Als wir damals zu dir gegangen sind und uns irgendwie gestritten haben. Irgendwann hast du dann mein Handy aus dem Fenster geworfen.
Sam: Ach, stimmt! Da wollte ich einfach nur, dass er die Klappe hält und schläft. Aber nein, er musste ja weiter irgendwelchen Blödsinn plappern. Ich war richtig angepisst. Ich habe ihn dann gebeten zu gehen, aber er kam meiner Bitte nicht nach, sondern hing weiter bei mir rum und spielte mit seinem Handy. Dieses Handy flog dann erst gegen die Wand und anschließend tatsächlich aus dem Fenster. Als wir uns danach erneut gesehen haben, war jedoch alles wieder OK. Er ist ja sogar noch in der gleichen Nacht wieder zu mir gekommen. Im Allgemeinen stand er ziemlich oft plötzlich im betrunkenen Zustand vor meiner Tür. Patrick, weißt du noch, wie du mich mal sturzbesoffen angerufen hast und wir dann zusammen Das Dschungelbuch geschaut haben und anschließend eingeschlafen sind?

Patrick: Na klar!

Das klingt ja süß. Wie habt ihr es verhindert, dass sich das Ganze in etwas Ernsteres entwickelt hat?
Sam: Wir haben beide einfach noch mit anderen Leuten geschlafen. Irgendwie kann man das Ganze einfach nicht als etwas Ernstes wahrnehmen, wenn man sich auch noch anderen Sexpartnern widmet.

Welchen Rat würdet ihr anderen Leuten geben, die ebenfalls erfolgreiche Fickfreunde sein wollen?
Sam: Sucht euch dafür nur Personen aus, mit denen ihr auch befreundet sein könnt. Geht das Ganze locker und mit Humor an. Verhaltet euch nicht wie Idioten. Und denkt immer daran: Sowas gibt irgendwann immer eine gute Geschichte ab!
Patrick: Stimmt. Spielt eurem Gegenüber außerdem nie etwas vor. Ich meine, man will ja nicht aufgrund irgendeiner Dummheit eine so schöne Sache kaputtmachen.

Mitch und Stephanie

VICE: Wie habt ihr beiden euch kennengelernt?
Mitch: Das war bei einem Bewerbungsgespräch für einen Job bei einem Gebäudemanagement-Unternehmen. Weil mehrere Stellen zu vergeben waren, hatten wir beide Erfolg. Und da wir die einzigen beiden jungen Bewerber waren, wurden wir auch schnell zu Freunden.
Stephanie: Er hat mir auch immer Essen für die Mittagspause mitgebracht. Seine Mutter kann echt gut kochen.
Mitch: Bei der Weihnachtsfeier haben wir dann zum ersten Mal miteinander gebumst.
Stephanie: Ja, dafür musste die Putzkammer herhalten.
Mitch: Und die 150 anderen Mitarbeiter befanden sich nur 20 Meter entfernt im angrenzenden Raum.
Stephanie: Ich habe mir dabei auch den Kopf am Waschbecken angeschlagen.
Mitch: Es war allgemein ziemlich chaotisch.

Und wie ging es danach weiter?
Mitch: Danach sind wir noch in einen Club gegangen. Über das Putzkammer-Techtelmechtel haben wir uns noch die ganze Nacht lang amüsiert.
Stephanie: Und das machen wir auch heute noch.
Mitch: Ein paar Tage später haben wir dann sogar über die ganze Sache gesprochen und uns darauf geeinigt, dass es nie wieder passieren wird. Na ja, wenige Monate später haben wir wieder miteinander geschlafen.

Nur noch ein einziges Mal?
Mitch: Ja, genau. OK, in dieser Nacht ist es jedoch ganze acht Mal passiert.

Wow, stramme Leistung!
Mitch: Ja, wir haben quasi bis zum Morgengrauen durchgebumst. Wie bei einem Marathon. Es musste einfach alles raus!
Stephanie: Wir haben den darauffolgenden Tag auch blau gemacht, oder?
Mitch: Stimmt.
Stephanie: ich glaube, wir haben am Morgen noch zweimal gefickt und dann ging es für ihn nach Hause.

Broadly: Wenn dein Vater versucht, mit deinen Freundinnen zu schlafen

Wunderschön. Haben sich bei irgendeinem von euch dabei Gefühle entwickelt?
Stephanie: Ich habe nur Gefühle für das Essen seiner Mutter entwickelt.
Mitch: Auch bei mir war da absolut nichts.
Stephanie: Ja, ich war damals auch mit jemandem "zusammen".

Mit wem?
Stephanie: Einem Arschloch.

Verstehe. Also ist das Ganze nie komisch geworden?
Mitch: Nein, überhaupt nicht. Außerdem sahen wir uns ja noch täglich auf der Arbeit. Unsere Produktivität ging sogar nach oben!
Stephanie: Mitch hat kurz darauf eine Beförderung bekommen. Ich war wohl eine gute Motivationsquelle, weil ich immer an seine Fähigkeiten geglaubt habe.

Wie habt ihr es geschafft, da kein emotionales oder körperliches Chaos entstehen zu lassen? OK, der Sex war ja anscheinend schon ziemlich chaotisch.
Mitch: Ja, der Sex war tatsächlich sehr wild.

Wie blieb es dann bei einer Freundschaft?
Mitch: Das lasse ich jetzt mal Stephanie beantworten.
Stephanie: Wir waren 20 bzw. 21, als wir das erste Mal miteinander Sex hatten. Ich wollte aber auch noch mit anderen Leuten ficken. Und er auch. Wir haben dann sogar auf der Arbeit füreinander getindert. Das Ganze sollte sich nie zu mehr entwickeln. Und ganz ehrlich: Sex macht mir viel zu viel Spaß, als dass ich mich dafür auf einen Menschen festlegen will.

Welchen Rat würdet ihr anderen Fuckbuddys geben?
Mitch: Wilder und spaßiger Sex ist toll. Da gibt es auch nichts zu bereuen, weil es ja letztendlich auch nur Sex ist.
Stephanie: Und falls man irgendwie die Möglichkeit hat, dann sollte man es auf jeden Fall in der Putzkammer treiben. Da geht das Saubermachen nämlich ganz leicht von der Hand.

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