Korrupter Polizist soll Hausdurchsuchung gefakt und Leute bestohlen haben

Die Anklage im Gericht wirft dem Hamburger Beamten vor, unter anderem 13.000 Euro erbeutet und bei einem Überfall Schmiere gestanden zu haben.

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09 Januar 2019, 1:41pm

Foto: Geld: imago | ZUMA Press || Polizist: imago | Manngold

Polizisten und Polizistinnen haben auf den ersten Blick so kriminelle Energien wie Oma Hilde aus Heilbronn. Aber wenn es Rentner gibt, die kiloweise Kokain über die niederländische Grenze schmuggeln, gibt es auch Polizisten, die Durchsuchungsbefehle fälschen, um unschuldigen Bürgern knapp 13.000 Euro und Flugtickets nach Vietnam abzuzocken.

Zumindest einen, über den VICE im Juli berichtete: Erik P. steht seit Dienstag in Hamburg vor Gericht. Die Vorwürfe: Amtsanmassung, gewerbsmässiger und schwerer Bandendiebstahl, Urkundenfälschung, Bestechlichkeit und Bestechung.

Die kriminelle Ader des 31-jährigen Polizisten P. soll sich 2017 entwickelt haben, als er einen Nebenjob in der "Louiskitchenbar" annahm, um seine rund 70.000 Euro Spielschulden abzuzahlen. Dort lernte er laut Welt seinen Komplizen Mehrad K. kennen, der Kontakte ins Hamburger Milieu gehabt haben soll. Wer je einen Krimi über korrupte Polizisten gesehen hat, weiss: das ist ein Match made in heaven, oder: in hell.

Gemeinsam sollen sie zum Beispiel versucht haben, einen Geldautomaten leer zu räumen. Während seine zwei Komplizen das Teil bearbeiteten, soll Polizist P. im Streifenwagen Schmiere gestanden und den Polizeifunk abgehört haben. An einem anderen Tag soll er einen Durchsuchungsbefehl gefälscht haben, um einer Familie in ihrer Wohnung knapp 13.000 Bargeld, drei Handys und Flugtickets nach Vietnam abzuziehen.

P. soll sogar einen seiner Komplizen zu einer echten Wohnungsdurchsuchung mitgenommen und als seinen Azubi ausgegeben haben – was dadurch rauskam, dass die beiden auf dem Weg dorthin geblitzt wurden.


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Die Anklage wirft dem Polizisten in einem anderen Fall vor, eine Strafanzeige gefälscht zu haben, um den Auftraggeber seiner kriminellen Freunde zu verarschen. So soll er denen die Adresse eines Zeugen verraten haben, damit zwei Bandenmitglieder den von seiner Aussage abbringen könnten. Obwohl der Zeuge die Tür nicht öffnete, wollten die Männer die Kohle für ihren Einschüchterungsversuch von ihrem Auftraggeber einheimsen. Daraufhin soll P. eine Anzeige gefälscht haben – die das Opfer der nicht stattgefundenen Einschüchterung angeblich bei der Polizei gemacht habe. Darin enthalten: eine detaillierte Beschreibung der beiden Drohbarone. Mit der Fake-Anzeige sollen die beiden dann zu ihrem Kunden gegangen sein, als "Beweis" für ihren erledigten Job. Danach habe der Polizist die gefälschte Anzeige einfach wieder verschwinden lassen.

Für den Prozess sind insgesamt 22 Tage angesetzt. Danach entscheidet sich, ob und wie lange der kriminelle Polizist P. in den Knast wandert – wenn es nach der Anklage geht, wären das mindestens viereinhalb Jahre.

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