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Ich habe das „Hoverboard“ ausprobiert, wegen dem Wiz Khalifa festgenommen wurde

Zwar wurde für die zweirädrigen, selbstbalancierenden Elektro-Gefährte noch kein passender Name gefunden, aber ich hatte trotzdem richtig viel Spaß damit.

von Drew Millard
26 August 2015, 5:47am

Foto: Mike Pearl

Vor zwei Wochen war ich bei einem Wiz-Khalifa-Konzert und sah dort dabei zu, wie der 27-jährige Rapper auf einem zweirädrigen, selbstbalancierenden Elektro-Gefährt über die Bühne fuhr. Wahrscheinlich war das Ganze nur protziges Gehabe—Wiz trug dabei nämlich kein Shirt, sondern nur teuer aussehende Mariachi-Hosen, und ließ zwei riesige aufblasbare Joints ins Publikum fliegen—, aber es war auch deutlich zu sehen, dass der Musiker das kleine Gerät wirklich verdammt gern hatte. Während des Liedes „You and Your Friends" führten er und vier seiner Freunde dann einen synchronisierten Tanz auf den Scootern auf und Pete Wentz von Fall Out Boy kam zum Bassspielen ebenfalls auf einem solchen Teil auf die Bühne gerollt.

Am Wochenende bekam Wiz Khalifa von der Polizei am Flughafen von Los Angeles schließlich Handschellen angelegt—angeblich, weil er nicht von genau diesem zweirädrigen, selbstbalancierenden Elektro-Gefährt absteigen wollte. Jeder bezeichnet diese technische Neuheit als „Hoverboard", wahrscheinlich weil Wiz folgende Aussage twitterte: „I stand for our generation and our generation is gonna be riding hover boards so if you don't like it eat a dick!" Ich habe das Plattenlabel des Rappers um eine Stellungnahme gebeten, bekam jedoch keine direkte Antwort.

Mit einem einzigen Tweet hat es Wiz Khalifa geschafft, zwei essentielle Eigenschaften der zweirädrigen, selbstbalancierenden Elektro-Gefährte auf den Punkt zu bringen:

1.) Die Teile sind—bizarrerweise—unglaublich beliebt.
2.) Niemand weiß, wie man sie nun nennen soll.

Diese kleinen umherrollenden Dinger sind nur schwer zu beschreiben und noch schwerer zu benennen. Ich habe schon gehört, wie sie als „die Teile, die wie Segways ohne Lenker aussehen" bezeichnet wurden. Mein Kumpel David nennt sie „Rap Scooter", weil Rapper so darauf abfahren. Mein Kumpel Eric spricht immer von einem „Skywalker", mein Kumpel Jamie hingegen von einem „Airglider". Gebaut werden die Gefährte von verschiedenen komplett unbekannten Firmen wie Phunkeeduck, IO Hawk oder Monorover und in einem aktuellen Wired-Artikel wird darauf hingewiesen, dass viel mehr Unternehmen diese Teile vermarkten, als es tatsächliche Hersteller gibt.

Für alle Ahnungslosen: Diese Dinger sehen aus wie von Aliens entwickelt oder wie etwas, auf dem man in einem Sciene-Fiction-Extremsport-Film stehen würde, um ein Schutzschild gegen Laser aufzubauen. Falls du diversen Rappern, HipHop-Produzenten und EDM-DJs bei Instagram folgst, dann laufen dir die Gefährte ständig über den Weg. Hier fahren Young Thug und einer seiner Freunde zusammen auf einem solchen Teil herum. Hier macht Skrillex damit eine Art Heelflip. Und hier steht Soulja Boy—der übrigens eine eigene Reihe an Scootern namens „Soulja Boards" herausgebracht hat—mit leuchtenden Schuhen auf besagtem Gefährt.

Aufgrund des ziemlich hohen Preises (der Phunkeeduck und der IO Hawk kosten jeweils 1500 Dollar oder mehr; ein durchschnittliches Modell ist bei Amazon schon für gut 300 Dollar zu haben) trifft man im Alltag doch eher selten auf diese Teile. Vom Besitz eines solchen brauchen wir gar nicht erst anzufangen. Dank der Macht des Journalismus (sprich: Ich habe jedes existierende Scooter-Unternehmen um ein Testmodell gebeten, bis ich wirklich eins zugeschickt bekam) konnte ich mir jedoch ein solches Ding besorgen und fand auf diesem Weg auch heraus, wieso Wiz Khalifa so sehr darauf steht, dass er nicht mal nach Aufforderung der Polizei davon absteigen wollte.

Mein Testobjekt, ein Monorover R2, sah im Grunde genauso aus wie jedes andere zweirädrige, selbstbalancierende Elektro-Gefährt auch: Weiß mit blauen Frontlichtern, die beim Druck meiner Füße aufleuchteten. Wenn man erstmal auf einem solchen Teil steht, dann fährt man vorwärts, indem man seine Zehen nach unten drückt und sein Gewicht nach vorne verlagert. Rückwärts fährt man dementsprechend, indem man sein Gewicht auf die Fersen legt. Um nach links oder rechts zu fahren, richtet man den jeweiligen Fuß in Richtung Boden. Das klingt jetzt vielleicht komplizierter, als es eigentlich ist—wenn man erstmal den Dreh raus hat, dann geht das Ganze direkt in Fleisch und Blut über.

Der Autor auf seinem Monorover | Alle Fotos: Mike Pearl

Die meisten Probleme hatte ich persönlich beim Aufsteigen, denn das muss man mit einem Fuß nach dem anderen machen. Da die Sensoren des Scooters den Unterschied zwischen „Aufsteigen" und „Gesamtes Gewicht auf einen Fuß verlagern, um in die entgegengesetzte Richtung zu fahren" nicht zu kennen scheinen, führt das Aufsetzen des Fußes allerdings sofort dazu, dass die andere Seite des Gefährts entweder auf dich zu- oder von dir wegschießt. Infolgedessen führte ich eine Art komische Sprung-Tanz-Kombo auf, die in mir unverzüglich Panik aufkommen ließ, welche von der Tatsache, dass ich mich jetzt auf einem extrem empfindlichen und umherfahrenden Gerät befand, nur noch verschlimmert wurde. Das Absteigen ist übrigens etwas einfacher, denn dafür muss man nur in einem Zug abspringen.

MOTHERBOARD: Der rasende Offroad-Rollstuhl aus Österreich.

Nach 20 unangenehmen Minuten der Eingewöhnungszeit war das Fahren des Monorovers wie ein Traum. Man gleitet herum und macht dabei den Eindruck, sich überhaupt nicht zu bewegen—und wenn man sich nicht plötzlich mit Treppen konfrontiert sieht, dann gibt es auch keinen Grund, überhaupt mal abzusteigen. Ich habe fast einen gesamten Tag auf meinem Monorover verbracht: Dank eines Stehpults konnte ich ohne Probleme arbeiten und selbst beim Pinkeln blieb ich meinem Gefährt treu (das Ganze war einfacher, als du dir jetzt vielleicht vorstellst).

Als ich meine Führerscheinprüfung erfolgreich abgeschlossen hatte, stand für mich sofort fest, dass ich der beste Autofahrer aller Zeit bin. Das bedeutete, dass ich diverse Manöver auf jeden Fall drauf hatte—zum Beispiel mit dem Honda Accord meiner Mutter um ein Uhr nachts mit knapp 200 Sachen über die Autobahn zu brettern oder so schnell über die Bodensenke einer Landstraße zu fahren, dass das Auto tatsächlich kurz abhob. Lange Rede, kurzer Sinn: Nachdem ich während eines Autorennens gegen einen Kumpel ins Schleudern geriet und fast einen Unfall baute, bekam ich Schiss—und trotzdem gehe ich bis heute davon aus, eine Wiedergeburt von Evel Knievel zu sein, sobald ich mit irgendeinem Gefährt ein wenig vertraut bin.

Im Falle des Monorovers bedeutete das, dass ich mich dazu entschloss, nie wieder laufen zu müssen—was dazu führte, dass ich einige aufregende Dinge über meinen neuen Wegbegleiter herausfand.

Der Monorover fängt zum Beispiel wie wild an zu piepen, wenn er davon ausgeht, dass man zu schnell unterwegs ist (laut dem Handbuch heißt „zu schnell" hier knapp 10 km/h). Das liegt nicht daran, dass mein Scooter eine Spaßbremse ist, sondern daran, dass das Gefährt beim Überschreiten der empfohlenen Geschwindigkeit anfängt zu bocken, als ob es keinen Morgen gäbe. Das führt unweigerlich dazu, dass man wie ein Kind abgeworfen wird, das die Kontrolle über eine Schaukel verloren hat.

Der Autor versucht, ein Hindernis zu überbrücken.

Außerdem ist die derzeitige Generation der Scooter nicht unbedingt auf Bürgersteige, Asphalt oder eigentliche jede nicht komplett glatte Oberfläche ausgelegt. Im Handbuch des Monorovers wird man dazu aufgefordert, während der Fahrt die Füße zu entspannen und die Knie leicht zu beugen, damit man auch auf einer unebenen Oberfläche die Balance behält. Das hilft allerdings nicht wirklich dabei, wenn man über ein Schlagloch fährt oder vom Gehweg auf Asphalt rollt, um die Straße zu überqueren. Eigentlich muss man schon total vorsichtig sein, wenn man nur in die Nähe eines kleinen Steins kommt. Wenn man zu langsam unterwegs ist, wird eines der Räder auf jeden Fall am Hindernis hängenbleiben und die andere Seite des Scooters schießt unter den Füßen weg. Wenn man jedoch zu schnell über die Hürde fährt, dann wirft der Monorover einen ab. Jeder Fehltritt lässt dich dabei wie einen Vollidioten dastehen.

Und glaub mir, wenn du dich auf einem solchen Ding richtig dumm anstellst, dann sind schnell alle Augen auf dich gerichtet. Zum jetzigen Zeitpunkt der Transportrevolution kann man außerdem auf jeden Fall noch davon ausgehen, dass jeder Besitzer eines Monorovers auf irgendeine Art und Weise ein reiches Arschloch ist. Als ich eines Abends mit meinem Gefährt zum Waschsalon gefahren bin, rief mir ein Typ folgende Worte aus seinem Auto zu: „Hey, wie nennt man so ein Teil eigentlich? Schwanzlutscher?"

Bei Twitter behauptete Wiz Khalifa, dass Hoverboards/Rap Scooter/Skywalker die Technologie wären, die sich jeder Mensch im Laufen des nächsten halben Jahres zulegen würde. Diese Aussage halte ich für etwas zu ambitioniert, aber wenn die Teile in Zukunft noch sicherer, stabiler und etwas günstiger werden, dann könnten sie zu einem ganz normalen Teil des Straßenverkehrs werden—wie etwa Fahrräder, normale Scooter oder Skateboards. Und das ist bei Weitem keine schlechte Sache: Diese Gefährte bereiten einem viel Freude und ich finde alles cool, was den Leuten mehr Spaß bringt. Jetzt muss nur noch ein passender Name gefunden werden.

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