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Die längste Wahl der Welt

"Norbert Hofer hat bei meinem Uterus nichts zu sagen" – Frauen gegen Hofer

"Wir wollen auf die Scheinheiligkeit und Doppelmoral hinweisen, weil die FPÖ ja in Wahrheit keine Politik für Frauen macht." – #frauengegenhofer

von Verena Bogner
22 November 2016, 10:45am

Foto mit freundlicher Genehmigung von #frauengegenhofer

Wir könnten an dieser Stelle die hundertste generische Einleitung zum Bundespräsidentschaftswahlkampf schreiben. Aber natürlich wisst ihr längst, dass Wahlkampf ist, dass Van der Bellen und Hofer gegeneinander antreten und dass wir das alles bald überstanden haben.

Nun mobilisieren noch alle ihre letzten Kräfte, Initiativen werden gestartet, Selfie-Apps programmiert, TV-Duelle ausgefochten. Was ihr jedoch vielleicht noch nicht wisst: Seit wenigen Tagen ist nun auch eine neue Facebook-Page online—Frauen gegen Hofer. Das Motto der Initiative: "Weil wir unsere Rechte behalten wollen".

Die Page teilt auf Frauen bezogene Zitate von der FPÖ und einiger ihrer Funktionäre—beispielsweise die Aussage, dass die Gebärmutter "der Ort mit der höchsten Sterbewahrscheinlickeit in unserem Land" sei. Dieser Satz steht im Handbuch freiheitlicher Politik zum Thema Abtreibung. In dem Handbuch ist außerdem vom "Schildbürgerstreich Binnen-I" oder von "Selbstbewusstsein statt Quote" die Rede. Laut dem Vorwort von Parteiobmann Heinz-Christian Strache hat Norbert Hofer "federführend die Ausarbeitung dieser neuen Ausgabe initiiert und endredigiert."

Auch Norbert Hofers Aussage, dass Frauen, die sich für eine Abtreibung entscheiden, eine mehrtägige Bedenkfrist auferlegt werden solle, wird auf der Page diskutiert. Schon als er die Aussage im Mai dieses Jahres in einer Diskussionssendung auf Puls 4 tätigte, sorgte sie für Aufsehen. Beispielsweise reagierte die Autorin Stefanie Sargnagel mit "Ich glaub, ich setz die Pille ab, nur damit ich noch ein paar mal abtreiben kann, bevor Hitler Präsident wird" auf Facebook und wurde dafür von FPÖ-Fans attackiert und von Facebook gesperrt.

Auch ein Interviewausschnitt zum Beziehungsleben von Norbert Hofers Töchtern wurde auf der Page veröffentlicht. Aber nicht nur bei einer Wahlkampfveranstaltung wurde das Beziehungsleben einer seiner Töchter thematisiert. In der Homestory auf oe24 TV wurde bei einer Hausführung von Norbert Hofers Ehefrau Verena das Liebesleben der 13-jährigen gemeinsamen Tochter thematisiert, als Moderatorin Katrin Lampe fragte, ob sie denn einen Freund habe. Daraufhin schrieb ATV-Moderator Martin Thür auf Twitter, dass er in keinem Land leben wolle, in dem "Kandidaten die Zimmer und das Liebesleben ihrer 13-jährigen Töchter offenbaren müssen, um zu gewinnen." Norbert Hofer fand diese Aussage ungeheuerlich.

Die Reaktionen auf ein mittlerweile knapp 75.000 Mal aufgerufenes Video, das Frauen am Viktor-Adler-Markt zeigt, also dem Platz, auf dem traditionell die FPÖ-Schlusskundgebungen stattfinden, wie sie Aussagen von FPÖ-Funktionären über Frauen vorlesen, haben die Initiatoren der Page nun dazu veranlasst, ein Statement zu verfassen—darüber, wer sie sind und warum sie die Page gegründet haben:

Auf Nachfrage von VICE heißt es von den BetreiberInnen, sie haben beschlossen, das Projekt zu starten, als die FPÖ begann, sich mit Kampagnen à la "Wir müssen unsere Frauen vor den Flüchtlingen beschützen" auf das Thema Frauenrechte zu stürzen. "Wir wollen einfach auf die Scheinheiligkeit und Doppelmoral hinweisen, weil die FPÖ ja in Wahrheit keine Politik für Frauen macht."

Auch Userinnen werden dazu aufgerufen, unter dem Hashtag #frauengegenhofer Fotos, Statements oder Videos zu veröffentlichen. Generelles Ziel sei es, auch diejenigen Frauen zu erreichen, die nicht ohnehin schon Van der Bellen wählen. "Weil Frauenrechte nicht zur Debatte stehen!", wie es in der Beschreibung der Page so treffend heißt.

Verena auf Twitter: @verenabgnr

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