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Einen Lügner zu entlarven, ist leichter, als du denkst

Wir haben einen Körpersprache-Profi, eine Privatdetektivin und einen Lügendetektor-Experten nach den offensichtlichsten Anzeichen von Schwindel und Unehrlichkeit gefragt.

von Katherine Gillespie
09 Dezember 2016, 10:51am

Alle Illustrationen: Ben Thomson

Wir Menschen haben (hoffentlich) viele positive Charaktereigenschaften. Ehrlichkeit gehört jedoch eher nicht dazu. Wir lügen eigentlich ständig—den ganzen Tag lang, ohne eine Sekunde zu zögern. Egal ob nun in Bezug auf unser Alter, unsere Essgewohnheiten oder unsere sexuellen Beziehungen. Wir sagen, dass es uns gut geht, obwohl wir eigentlich am Boden zerstört sind. Wir melden uns krank, wenn wir ein Drei-Tage-Wochenende wollen. Wir sagen unseren Beziehungspartnern, dass wir sie "für immer" lieben, aber meinen damit eigentlich nur "bis zum nächsten Sommer". Ein wahrlich verachtenswertes Verhalten.

Wenn man darüber nachdenkt, wie viele Lügen wir—vor allem von vermeintlichen Freunden und geliebten Menschen—täglich zu hören bekommen, dann fragt man sich natürlich auch, wie man diese Lügen entlarvt. Zum Glück gibt es Experten, die sich hauptberuflich damit beschäftigen, unser komplexes Netz der Unwahrheiten zu entwirren.

Wir haben diese Experten nach ihren besten Entlarvungs-Tipps gefragt.

Der Körpersprache-Profi

David Alssema ist ein Experte für Körpersprache und deshalb bin ich auch sehr froh, dass wir uns nur am Telefon unterhalten. Er kann den Wahrheitsgehalt einer Aussage erkennen, indem er einfach nur den Augenkontakt und die Gestik analysiert. Im Grunde könnte man ihn auch als Gedankenleser bezeichnen—und das macht mir doch irgendwie Angst.

"Wenn es um das Entlarven einer Lüge geht, dann ist die Sprechweise ein großer Indikator", erklärt Alssema. "Sprechpausen und ein Zögern in der Stimme sind eindeutige Anzeichen. Wenn die sprechende Person jedoch zügig und ohne Unterbrechung redet, dann sagt sie sehr wahrscheinlich die Wahrheit."

Dennoch ist der Augenkontakt angeblich der eindeutigste Hinweis. Laut Alssema kann man tatsächlich trainieren, einen Lügner innerhalb von wenigen Minuten zu erkennen. Man muss nur beobachten, wo die betreffende Person hinschaut.

So beschreibt es Alssema: Es ist wichtig zu wissen, dass die Augen eines Menschen nach links oder nach rechts gehen—je nachdem, ob er sich an etwas erinnert oder sich eine Lüge aus den Fingern saugt. "Wenn du deine Freunde eine Zeit lang beobachtest, findest du schnell heraus, wann sie auf welche Seite schauen", sagt Alssema.

"Mit der Zeit wird dir klar, wohin sie schauen, wenn sie sich an etwas erinnern bzw. wenn sie lügen. Wenn sie die Wahrheit sagen, sprechen sie zügig und die Augen sind auf der Erinnerungsseite. Und wenn sie nicht die Wahrheit sagen, wandern ihre Augen in Richtung Lügenseite."

Wenn Lügner denken, dass man ihnen auf der Schliche ist, dann berühren oder kratzen sie sich häufig im Nacken.

Um herauszufinden, welche Seite welche ist, musst du die betreffende Person nur fragen, wie ihr Tag war, ob sie viel zu tun hatte und was sie am Wochenende macht. "Die ersten beiden Fragen beziehen sich auf die Vergangenheit, also erinnert sich der Befragte zurück. Die dritte bezieht sich allerdings auf die Zukunft und deshalb kann man nicht wissen, ob die Antwort wirklich zutrifft oder nicht. Sie ist also fabriziert", erklärt Alssema.

"Bei unseren Freunden wissen wir irgendwann Bescheid und erkennen das Muster im Unterbewusstsein. Bei Leuten, die wir allerdings erst vor Kurzem kennengelernt haben, helfen diese drei Fragen immens weiter."

Es gibt aber auch noch andere, leichter zu erkennende Indikatoren, auf die du achten kannst. Wenn Lügner denken, dass man ihnen auf der Schliche ist, dann berühren oder kratzen sie sich häufig im Nacken. "Das ist ein Anzeichen von Unsicherheit", sagt Alssema.

Wir wollen hier jetzt niemanden anstiften, aber durch diese Tipps kann man Lügner nicht nur besser erkennen, man wird auch selbst zu einem besseren Schwindler.

Wenn du die eben erwähnten Anzeichen vermeidest, bist du quasi undurchschaubar. Laut Alssema gewinnst du noch mehr Vertrauen, wenn du deine Hände immer offen zeigst. "Verschränke deine Hände nicht hinterm Rücken und stecke sie nicht in die Hosentaschen. Schaue deinem Gesprächspartner in die Augen und vermeide es, in irgendeiner Form zu überkompensieren", rät er.

Die Privatdetektivin

Die ehemalige Polizeibeamtin Julia Robson ist die Chefin von Online Investigations, einer Privatdetektei mit Fokus auf untreue Ehepartner. Und obwohl es sich bei Ehebruch direkt um das Worst-Case-Szenario handelt, kommt es traurigerweise häufiger dazu, als du vielleicht denkst. Deshalb haben wir Robson nach etwaigen Warnzeichen gefragt.

Im Gespräch mit ihr wird schnell deutlich, dass es eigentlich ziemlich einfach ist, einen lügenden Ehepartner zu entlarven. Unser Bauchgefühl alarmiert uns nämlich direkt, wenn in der Beziehung etwas nicht stimmt. Leider wollen wir bloß nie auf dieses Bauchgefühl hören.

"Man geht nicht einfach so zu einem Privatdetektiv", sagt Robson. "Die Leute sind sich eigentlich sehr sicher, dass ihre Partner fremdgehen. Aber weder sie noch besagte Partner wollen sich dann eingestehen, dass da tatsächlich irgendetwas im Busch ist." Laut der Privatdetektivin wollen beide Parteien selbst dann nichts zugeben, wenn man sie mit Foto- und Videobeweisen konfrontiert.

Wenn du verliebt bist, vertraust du deinem Partner bzw. deiner Partnerin ganz instinktiv. Du glaubst an das Beste in ihm bzw. ihr, weil du gar keine andere Wahl hast. Und selbst wenn euer soziales Umfeld den Fehltritten gegenüber nicht so blind ist, wird es euch nichts erzählen—weil es das nicht als seine Aufgabe ansieht.

"Ich hatte mal eine Klientin, der bei Arbeitsveranstaltungen aufgefallen war, dass sich ihre Kollegen immer komisch verhalten haben, wenn sie ihren Mann dabei hatte. Wie sich später herausstellte, wussten natürlich alle Bescheid, dass der eine Affäre mit einer anderen Angestellten hatte", erzählt Robson.

In Endeffekt verhalten sich Menschen, die sich in der glücklichen Phase einer Affäre befinden, sehr vorhersehbar. Laut Robson treffen alle bekannten Klischees auch wirklich zu.

"Sie kaufen sich neue Klamotten, sie gehen ins Fitnessstudio, sie nehmen ab, sie achten verstärkt auf ihr Äußeres und sie präsentieren sich immer von ihrer besten Seite", sagt sie. "Manchmal bedeutet das, dass sie bereits eine neue Bekanntschaft gemacht haben und nun gut dastehen wollen. Vielleicht haben sie sich aber auch erst auf die Suche begeben."

Wenn jemand einen untreuen Eindruck macht, dann trifft das wahrscheinlich auch zu. Menschen sind nun mal scheiße.

Wenn sich dein Partner bzw. deine Partnerin komisch verhält, dann höre auf dein Bauchgefühl. Robson zufolge endet bei ihr nur einer von fünfzig Fällen mit einem Happy End. Aber ganz ehrlich, ich glaube, dass sie diese Statistik nur erfindet, damit ich mich besser fühle.

"Nur ganz selten kommt es vor, dass lediglich eine Überraschung für den Ehepartner geplant wurde und deswegen die ganze Geheimniskrämerei nötig war", sagt sie. "Normalerweise bestätigen wir jedoch den Fremdgeh-Verdacht."

Laut Robson gibt es aber auch einen finalen Test: Konfrontiere deinen Partner bzw. deine Partnerin mit deinem Verdacht und warte die Reaktion ab. Wenn er bzw. sie sauer und aggressiv wird, dann ist das ein Zeichen, dass er bzw. sie etwas zu verbergen hat—also sehr wahrscheinlich fremdgeht.

"Wir fragen unsere Klienten immer, wie es nach der Konfrontation weitergeht. Verhält sich der Partner danach anders? Verbringt er plötzlich wieder mehr Zeit zu Hause und vernachlässigt das Training? Das sind alles Zeichen eines schlechten Gewissens. Und der Schuld. Es sollen Spuren verwischt und der Verdacht ausgeräumt werden."

Unterm Strich lässt sich sagen: Wenn jemand einen untreuen Eindruck macht, dann trifft das wahrscheinlich auch zu. Menschen sind nun mal scheiße.

Ein Lügendetektor-Profi

Nachdem er sich beim FBI, bei der Polizei von Los Angeles und beim US-Geheimdienst zu einem Lügendetektor-Experten entwickelt hatte, wurde dem ehemaligen Mordermittler Steve van Aperen eine Sache klar: Man braucht keine Maschine, um einen Schwindler zu entlarven. "Eines Tages dachte ich mir, dass es doch sehr nützlich wäre, Lügen auch ohne den Einsatz eines Lügendetektors erkennen zu können", erklärt er. Nachdem er bei den Ermittlungen in über 77 Mordfällen sowie gegen zwei Serienkiller beteiligt war, bringt van Aperen nun Polizisten auf der ganzen Welt bei, wie man einen Lügner auch ohne die Hilfe einer Maschine entlarvt.

"Forschungen zeigen, dass Menschen im Allgemeinen nicht sehr gut darin sind, eine Lüge zu erkennen: Sie liegen nur in 49 bis 53 Prozent der Fälle richtig", sagt er. "Das liegt daran, dass wir von unserem sozialen Umfeld beeinflusst werden und wir es oft gar nicht glauben wollen, dass man uns anlügt—vor allem dann nicht, wenn die Lügner uns nahestehende Personen sind."

Sie lügen aber wirklich und kommen ganz leicht damit davon. Durch seine Arbeit mit Lügendetektoren weiß van Aperen das aus erster Hand. "Die Leute tricksen den Lügendetektor-Test nicht aus", erklärt er. "Das ist im Grunde ja nur ein Gerät, das automatische Körperreaktionen wie etwa den Puls, den Blutdruck oder die Schweißbildung misst. Nein, die Leute tricksen stattdessen den Ermittler aus, der nicht erkennt, was da gerade passiert, oder die Fragen falsch formuliert."

Um menschliche Lügendetektoren zu werden, müssen wir auf die Formulierung achten. "Die Fragen müssen klar und deutlich gestellt werden, damit der Lügner keinen Spielraum hat", erklärt van Aperen. Ein Beispiel: Wenn man Bill Clinton fragt, ob er eine sexuelle Beziehung zu Monica Lewinsky hatte, könnte er theoretisch Nein sagen und der Lügendetektor würde nicht anschlagen. Warum? Weil das Wort "Beziehung" nur schwer zu definieren ist und Clinton von daher der Überzeugung sein kann, dass seine Liaison mit der Praktikantin keine Beziehung war. Wenn man den ehemaligen US-Präsidenten jedoch genauere Fragen zu den Geschehnissen im Oval Office stellt, dann könnte er sich nicht so einfach herauswinden.

Dann gilt es noch, die Worte und die Körpersprache der betreffenden Person genau zu analysieren. Kommuniziert sie in einer glaubhaften Art und Weise? Oder schiebt sie immer wieder Pausen oder Fülllaute wie etwa "Ähm" ein? Lügendetektor-Experten achten auch sehr genau auf den Sprachrhythmus der befragten Leute.

"Ehrliche Leute erzählen nicht nur von den Geschehnissen, sondern auch davon, was sie dabei dachten und fühlten. Lügner verhalten sich da anders."

Van Aperen berichtet in diesem Zusammenhang auch von Eltern entführter Kinder. Wenn sie nichts mit der Entführung zu tun haben, dann reden sie ganz persönlich vom Kind ("meine Tochter" anstelle von "das Mädchen") und verhalten sich außerdem so, als ob es noch am Leben und nicht in Gefahr oder bereits tot ist. "Sie sprechen im Präsens und haben Erwartungen bzw. Hoffnung", sagt der Lügendetektor-Experte.

"Ehrliche Leute erzählen nicht nur von den Geschehnissen, sondern auch davon, was sie dabei dachten und fühlten. Lügner verhalten sich da anders: Sie spulen ihre Geschichte herunter und distanzieren sich emotional gesehen davon."

Falls du den Verdacht hast, dass dich jemand anlügt, dann hake einfach nach. Stelle der Person eine ganze Reihe an Fragen, denn bei jeder Antwort muss sie sich eine neue Lüge einfallen lassen, die den vorhergegangenen Aussagen nicht widerspricht. Das ist schwierig und der dadurch verursachte Stress wird sich schnell bemerkbar machen. "Da laufen viele kognitive Prozesse ab", sagt van Aperen. "Es ist mir egal, wie gut sich jemand seine Lügen zurechtgelegt hat. Es ist nämlich unmöglich, alle Fragen zu antizipieren, die ich stellen könnte. So läuft es nunmal im Spiel der falschen Tatsachen, der Übertreibung und der Erinnerungen, die nicht der Wahrheit entsprechen."

Das Fazit

Menschen sind von Natur aus Lügendetektoren. Wenn du nur auf dein Bauchgefühl hörst, dann entlarvst du ganz schnell die Leute, denen du keinen Glauben schenken solltest. Manchmal ignoriert man dieses Bauchgefühl jedoch bewusst—vor allem dann, wenn Freunde oder Beziehungspartner involviert sind. Hier musst du dann auf eine gute Beobachtungsgabe, auf die Körpersprache sowie auf die Sprachanalyse setzen. Bleibe immer wachsam, denn manchmal machen selbst die kleinsten Gesten einen großen Unterschied.