Ecstasy: Das sind die Pillenwarnungen zum vierten September-Wochenende

Unsere Nachbarländer warnen vor 16 Pillen. Vier von ihnen enthalten kein oder nur teilweise MDMA. Fünf sind extrem hoch dosiert.

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21 September 2018, 2:08pm

Pillenfotos: Checkit! | DIB+ | DIZ | Drogenarbeit Z6 | The Loop | Trimbos | Energy Control || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Schmeissen Konsumierende eine Ecstasy-Pille, liegen sie sich oft kurze Zeit später in den Armen, halten Händchen oder haben das Bedürfnis zu kuscheln. Durch den Konsum von MDMA schüttet der Körper deutlich mehr Serotonin aus, auch bekannt als Glückshormon. Man fühlt sich besser, Musik und Umgebung werden intensiver. MDMA regt den Körper ausserdem an, Prolactin zu bilden, ein Hormon, das auch bei der emotionalen Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern eine Rolle spielt. Ecstasy-Konsumierende verspüren deshalb einen Drang, Menschen, die sie mögen, zu berühren. MDMA stellt den "post-orgasmischen Zustand" nach, wie die Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) festgestellt hat, eine Organisation zur Erforschung der Folgen von Psychedelika für die menschlichen Emotionen.

Lässt die Droge nach, verschwinden mit ihr auch die positiven Gefühle. Nicht selten fühlen sich Konsumierende deshalb auch ein paar Tage später noch ziemlich beschissen. Zusätzlich dazu nehmen Partywütige oft andere Drogen, was das Runterkommen zu einer noch schlimmeren Erfahrung macht.

Neben dem MDMA-Kater kann auch die Einnahme von verunreinigten Ecstasy-Pillen zum Problem werden. Leider können Konsumierende in Deutschland ihre Pillen noch immer nicht auf deren Zusammensetzung testen lassen – in anderen europäischen Ländern geht das längst.

Deswegen veröffentlichen wir an dieser Stelle jede Woche die aktuellen Drogenwarnungen aus unseren Nachbarländern und aus Grossbritannien. Getestet wurden die Pillen von The Loop, Eurotox in Belgien, dem niederländischen Trimbos Institut, "Checkit!" von der Suchthilfe Wien, der Innsbrucker Drogenarbeit Z6, Energy Control auf Mallorca, dem Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) und der Drogeninfo Bern Plus (DIB+).

Die folgenden Pillenwarnungen wurden in den letzten sieben Tagen veröffentlicht. Alle Warnungen seit Mai dieses Jahres – einschliesslich der neuen – haben wir in diesem Artikel zusammengefasst. Jede Pille ist entweder hoch oder extrem hoch dosiert, oder sie enthält gar kein oder nicht nur MDMA. Wenn eine Pille nicht gelistet ist, heisst das nicht, dass sie rein und niedrig dosiert ist. Der Artikel enthält zudem eine Reihe sogenannter Safer-Use-Regeln, um unnötige Risiken und mögliche Schäden durch Ecstasy-Konsum zu reduzieren. Wir erklären dort auch, warum wir überhaupt Pillenwarnungen veröffentlichen.

Die Seite pillen.sauberdrauf.com der bayerischen Drogenberatungsstelle mindzone und das Drug-Checking-Tool von saferparty.ch listen viele weitere und ältere Pillentests. Saferparty veröffentlicht im Laufe des Wochenendes regelmässig zusätzlich neue Warnungen und Meldungen.

Die Pillenwarnungen der vierten September-Woche 2018

Rosafarbene "Audi"

Pillenfotos: Checkit! | DIB+ | DIZ | Drogenarbeit Z6 | The Loop | Trimbos | Energy Control || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Eine Pille mit dem Logo des Autoherstellers "Audi" wurde Ende September in Brüssel auf eine hohe Dosis von über 150 Milligramm MDMA getestet. Im August wurde in Innsbruck eine altrosafarbene Pille dieser Form auf 319 Milligramm MDMA getestet, das ist eine wirklich extrem hoch dosierte Pille. Eine lilafarbene Variante enthielt im Juni in Wien weniger als die Hälfte MDMA.

Rosafarbene "Chupa Chups"

Nicht zu verwechseln mit den bunten Lutschern. Bei einer Pille mit diesem Logo fand Eurotox in Belgien eine extrem hohe Dosis von mehr als 200 Milligramm MDMA.

Rosafarbenes Hanfblatt

In einer solchen Pille mit aufgedrucktem Cannabisblatt ist kein THC enthalten, dafür aber eine hohe Menge an MDMA. Das DIB+ in Bern fand Mitte September 199 Milligramm MDMA in einem solchen Exemplar.

Rosafarbene "Minion"

Die kleinen gelben Dinger aus den Universal Picture Studios werden auch auf Pillen gedruckt. Ein Exemplar in Rosa wurde von Eurotox in Brüssel Ende September auf eine hohe Dosis von mehr als 150 Milligramm MDMA getestet.

Rosafarbene "Plus/Minus" *KEIN MDMA

Ein solches Exemplar wurde Mitte September in Belgien getestet. Die Forscher und Forscherinnen fanden kein MDMA, dafür aber 2C-B, was stärker halluzinogen wirkt als Ecstasy und damit bei Einnahme noch gefährlicher ist.

Orangefarbene, runde Pille ohne Logo oder Namen *KEIN MDMA

Auch in einer orangefarbenen, runden Pille wurde in Brüssel kein MDMA gefunden, sondern der Stoff 25I-NBOMe. Diese Substanz wirkt ebenfalls halluzinogen, die Wirkung tritt bereits nach dem Konsum sehr geringer Mengen auf. Es besteht also ein erhöhtes Risiko überzudosieren – es ist extreme Vorsicht geboten.

Goldene "Philipp Plein"

Die Forscher und Forscherinnen von Eurotox haben in einer goldenen Pille mit dem Logo des deutschen Fashionlabels Mitte September eine extrem hohe Dosis von über 200 Milligramm MDMA gefunden. Auf der Rückseite ist ein Totenkopf aufgedruckt. Ende Mai fand das DIZ in Zürich in einer solchen Pille sogar 282 Milligramm MDMA .

Gelber Goldbarren

Nicht so gross und schwer wie ein echter Goldbarren, dafür mit einer extrem hohen Dosis MDMA: Eine solche Pille ist Mitte September in Belgien aufgetaucht. Dort wurden mehr als 200 Milligramm MDMA festgestellt.

Gelbe "Spongebob"

Ein Exemplar des quirligen Schwamms wurde Mitte September in Bern auf eine hohe Dosis von 159 Milligramm MDMA getestet. Andere Exemplare mit diesem Aufdruck wurden Anfang Juli und Ende August ebenfalls in Zürich getestet. Damals enthielten die Pillen 143 Milligramm und 155 Milligramm MDMA.

Gelbe "Supreme"

Eine solche Pille wurde Anfang September vom Risiko-Reduktions-Projekt Energy Control auf Mallorca getestet. Sie enthielt 74 Milligramm MDMA und Spuren der Chemikalie n-Methyl Pentylon. Bei Einnahme dieser Pille besteht ein unberechenbares Gesundheitsrisiko.

Grünes Hanfblatt

Kein THC, dafür aber eine hohe Dosis von mehr als 150 Milligramm MDMA fand Eurotox in Brüssel Mitte September in einer solchen grünen Pille.

Grüne "Volkswagen"

Logos von Autos finden sich auf vielen Pillen. Egal ob Mitsubishi, BMW oder Mercedes. Mitte September wurde eine grüne Pille mit VW-Logo in Brüssel auf eine hohe Dosis von mehr als 150 Milligramm getestet.

Blaue "Louis Vuitton" *KEIN MDMA

In einer Pille mit dem Logo des französischen Designerlabels fanden die Forscher und Forscherinnen in Belgien Mitte September kein MDMA, dafür aber eine Dosis 2C-B.

Blaue "Porsche"

Bereits Anfang Juli wurde in der Schweiz eine grüne Pille mit Porsche-Logo auf 157 Milligramm MDMA getestet. In Bern wurde Mitte September nun eine hohe Dosis von 134 Milligramm MDMA in einer blauen Porsche gefunden.

Blaue "Warner Brothers"

Eine blaue Pille in Form des Logos der US-amerikanischen Film- und Fernsehgesellschaft testete Eurotox in Belgien Mitte September auf eine extrem hohe Dosis von mehr als 200 Milligramm. "Checkit!" in Wien testete im Mai bereits zwei Tabletten dieser Art, eine hatte einen MDMA-Gehalt von 127 Milligramm, die andere enthielt 117 Milligramm.

Graue "Dom Pérignon"

Unter Pillen-Produzenten erfreut sich die Champagnermarke Moët & Chandon grosser Beliebtheit. Mitte September fanden Eurotox in Brüssel eine hohe Dosis von mehr als 150 Milligramm MDMA in einer Pille mit Dom Pérignon-Logo. Das DIZ hatte Mitte Mai bereits 144 Milligramm MDMA in einem Exemplar nachgewiesen. Und Anfang Juni kam eine gelbe Pille gleicher Prägung auf 155 Milligramm.

Wenn du schon einmal ambulant behandelt werden musstest, nachdem du Drogen genommen hast, (oder Freunde von dir) und du mit VICE über deine Erfahrung sprechen möchtest, erreichst du unseren Redakteur Thomas Vorreyer per E-Mail oder Twitter-DM.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.