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Menschen erzählen, wie sie Sex in der Öffentlichkeit hatten

"Als mein Freund unserem Zuschauer zuwinkte und den Daumen hoch zeigte, marschierte der so schnell durch den Flur, als habe er nicht zwei Fremde beim Sex gesehen, sondern seine Eltern."

von VICE Staff
25 April 2019, 2:45pm

Fotos: Paar | imago | Westend 61 || U-Bahn | imago | Michael Eichhammer || Montage: VICE

Sommerzeit ist nicht nur Sorbetzeit, sondern zumeist auch angenehmer für öffentliches Schnackseln als der kalte Winter. Wer träumt nicht davon, in knisternden Roggenfeldern zu rammeln, in fremden Vorgärten zu vögeln und auf Freibadwiesen zu … äh… kopulieren? Vermutlich ein nicht unerheblicher Teil der Menschheit. Allen anderen sei gesagt: Achtet darauf, dass euch keine Kinder sehen – und auch keine Polizistinnen oder koitusfeindlichen Rentner. Wer es darauf anlegt, beim Sex erwischt zu werden, kann wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr(!) aufgedrückt bekommen. Ein Paar, das im Frühjahr 2018 in einer Berliner S-Bahn Oralsex hatte, wurde am Mittwoch verurteilt. Und muss für den Verkehr im öffentlichen Verkehr insgesamt 7.500 Euro zahlen.

Ob sich der Einsatz dafür gelohnt hat, wissen wir nicht. Aber wir haben andere Menschen nach ihren eigenen Erlebnissen mit Sex in der Öffentlichkeit gefragt. Komischerweise wollte nur niemand seinen richtigen Namen angeben.

Tina, 26: "Wir waren bestimmt nicht die Ersten, die das Zimmer mit Fensterfront für eine Live Sex Show genutzt haben"

"Mein Freund und ich verreisen manchmal übers Wochenende für einen Städtetrip und buchen uns dafür Zimmer in krassen Hotels. In einer spanischen Stadt hatten wir eines im 16. Stock, mit einer grossen Fensterfront direkt neben dem Bett. Von diesem Zimmer aus hatten wir einen fantastischen Blick aufs Meer – und auf die Flure auf der gegenüberliegenden Seite des Hotels, über die Gäste vom Fahrstuhl zu ihren Zimmern liefen. Mein Freund und ich nutzten die Bühne schon am ersten Nachmittag für eine öffentliche Sex-Show.

Ich war nackt, stützte mich mit den Händen am Fenster ab (sorry, Reinigungsperson), mein Freund nahm mich von hinten. Wenige Minuten später spazierte die erste Frau durch den Flur auf der anderen Seite des Gebäudes. Sie war allerdings so in ihr Handy vertieft, dass sie unseren Auftritt verpasste. Kurze Zeit später kam aber ein Paar aus dem Fahrstuhl gegenüber. Der Typ schaute direkt auf unsere schwitzigen Körper und schien so erschrocken, dass er kurz mitten auf dem Flur stehen blieb und uns anstarrte. Seine Partnerin lief weiter, wahrscheinlich hatte sie uns nicht gesehen.

Als mein Freund unserem Zuschauer zuwinkte und den Daumen hoch zeigte, marschierte er, die Augen immer noch weit aufgerissen, so schnell durch den Flur, als habe er nicht zwei Fremde beim Sex gesehen, sondern seine Eltern. Aus dem Hotel sind mein Freund und ich nicht geflogen. Und ich bin mir sicher, dass wir nicht die Ersten waren, die das Sexkasten-Zimmer mit Meerblick für eine Live Show genutzt haben."

Oliver, 31: "Wir packten ein paar Sachen in den Rucksack und liefen an den Waldrand neben unserem Dorf"

"Sex im Freien ist eine trügerische Verheissung, es klingt deutlich besser als es ist. Man kann nur scheitern, es enttäuscht mit Sicherheit. Wobei: Man soll nicht 'man' sagen, wenn man 'ich' meint. Also ICH war enttäuscht. Es war Sommer, es war heiss, es war ungefähr Mitternacht. Meine Jugendliebe und ich packten ein paar Sachen in den Rucksack und liefen an den Waldrand, fünf Steinwürfe entfernt vom Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Wir breiteten sorgfältig eine Decke aus, wie beim Picknick. Wir legten uns nebeneinander und schauten in die Sterne, bis wir merkten, dass wir ja eigentlich miteinander schlafen wollten. Huh, aufregend, Sex im Freien.


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Also knutschten wir los, aber immer pikste etwas, verdammt. Ein Strohalm, ein Kieselstein, der Hausschlüssel. Wer liegt oben? Wer liegt unten? Wer darf in die Sterne schauen? Wir zogen uns umständlich aus. Sie sass auf mir und ich sah den Mond und fragte mich, ob uns jemand sehen könnte. Dann lief eine Frau mit ihrem Hund über den nahen Waldweg, die uns auf jeden Fall sah, wie wir dort entblättert im Mondschein so etwas versuchten wie Geschlechtsverkehr. Über der kurzen Flüster-Diskussion, ob wir einfach weitermachen sollten, zerbrach jede Romantik.

Wir zogen uns an, packten die Decke ein, kapitulierten und hatten zu Hause, im Bett, bei geschlossenen Gardinen, den besten Sex seit langem."

Ramona, 28: "Ich klappte das Fenster der Bahn auf, damit das Rauschen uns übertönt"

"Es war eine Fernbeziehung. Zwischen uns lagen nur 25 Kilometer, aber ich war 17, und einen Freund in einer anderen Stadt zu haben etwas besonderes. Jedes Wochenende setzte ich mich in die Regionalbahn, vier Stationen, und fuhr zu ihm. Es kam selten vor, dass wir die Strecke gemeinsam fuhren. Einmal aber war es so weit. Unser Abteil war fast leer, und ich glaube, wir dachten beide das gleiche. Wir wollten etwas haben, an das wir denken können, wenn einer von uns das nächste Mal alleine hier sitzt. Eine Erinnerung.

Damals nutzte die Bahn noch nicht die roten, durchläufigen Regionalexpresse, die heute fahren. Stattdessen gab es Waggons, die durch rappelige Metallkonstruktionen miteinander verbunden waren, und wenn man von einem ins andere wechselte, konnte man die Schienen sehen. Die Sitze waren in in Vierer-Sitzgruppen angeordnet, bei denen sich jeweils zwei Personen gegenüber sassen, die Sessel mit blauem Kunstleder bezogen, die Lehnen hoch – so hatte man in diesem Vierer fast ein bisschen Privatsphäre.

Ich klappte das Fenster auf, damit das Rauschen uns übertönte, öffnete erst seine Hose, dann meine, und setzte mich auf ihn. Wir brauchten uns kaum zu bewegen, der Zug bewegte uns. Einmal kam eine Person ins Abteil, und suchte einen Platz. Wir hielten still, bedeckten uns mit Klamotten, und taten so, als knutschten wir bloss. Dann waren wir wieder allein. Draussen zogen Rapsfelder vorbei, keine Ahnung ob sie blühten, ich war beschäftigt. Als die Fachwerkhausbebauung draussen dichter wurde, bemühte ich mich, das Ganze zu Ende zu bringen, damit wir glücklich aussteigen konnten.

Wir trennten uns zwei Wochen später – wegen der Entfernung."

Zwei Hände halten Brüste
Fotos: Paar | Rebecca Rütten || Parkhaus | imago | Future Image || Montage: VICE

Samuel, 33: "Ich weiss nicht, ob es jemanden im Club interessiert hat, dass wir Sex hatten"

"Im Sommer 2012 befand ich mich gerade auf dem Höhepunkt der Lebensphase, in der man nach Berlin zieht, um dort als Freelancer zu arbeiten, aber tatsächlich nur feiern geht. An einem besonders heissen Abend ging ich in den Techno-Club Renate. Es war keine der Sexpositive-Parties, für die der Club später bekannt werden sollte, sondern ein ganz normaler Samstagabend. Auf einem der Floors sah ich eine blonde Frau mit Kurzhaarschnitt, die von zwei Typen viel zu aufdringlich angemacht wurde. Also bin ich hin, um zu fragen, ob alles OK ist. Das Ergebnis war etwas, das man nur als ein sich auf mich stürzen beschreiben kann. Also nicht die Typen, sondern die Frau.

Ich dachte mir, warum auch nicht, und wir begannen, wild rumzumachen. Schnell steckte sie ihre Hand in meine Hose und ich meine in ihre. Irgendwie passierte dann alles wie von selbst. Sie drehte sich um, lehnte sich an eine Wand und zog ihre enge Hose nach unten. Dann hatten wir Sex. Ob das in dem Club irgendjemand interessiert hat, weiss ich nicht. Wahrscheinlich nicht. Erstaunlicherweise dateten wir dann einige Monate, bis wir uns aus den Augen verloren haben."

Tabea, 25: "Sein Kumpel glotzte und fragte, was wir da machen"

"Eigentlich hatte ich nicht so richtig Lust mitzukommen. Christian, eine ehemalige Affäre, hatte mir kurzfristig Bescheid gesagt und das Wetter war mies. Er wollte mit seinen Kumpels in einen Club. Also raffte ich mich auf. Ich trug einen eng anliegenden Body zu Jeans. An dem Abend war ich Single und Christian in festen Händen. Doch als wir uns wiedersahen, war alles wie immer: Wir waren sofort wieder heiss aufeinander. Und die Tatsache, dass es irgendwie verboten war, weil er eine Freundin hatte, machte es nur noch besser.

In den Tanzpausen sassen wir eng aneinander. Er hat immer anstandsmässig versucht sich dagegen zu wehren und Dinge gesagt wie: 'Das geht nicht, wir dürfen das nicht.' Dennoch haben wir irgendwann rumgeknutscht. Sein Kumpel versuchte noch, uns zu unterbrechen. Christian und ich waren betrunken, hatten ein schlechtes Gewissen, aber waren angeheizt. Wir haben uns in eine einsame Ecke des Clubs verzogen, in der ein ziemlich versifftes Sofa stand.

Wir fühlten uns sicher, uns würde schon niemand sehen. Ausserdem: selbst wenn – so what?

Er zögerte noch kurz, dann hab ich mich auf ihn drauf gesetzt. In dem Moment habe ich das mit dem Body bereut. Es war nicht so einfach, das Teil unauffällig auszuziehen. Christian schien ausgehungert, der Sex war eine schnelle Nummer. Dann entdeckte uns sein Kumpel, glotzte und fragte, was wir da machen. Er wollte einfach nicht mehr gehen. Am Ende mussten wir ihn wegschicken. Christian war daraufhin schnell fertig und wir haben beide versucht, uns unauffällig im Bad frisch zu machen. Der Sex war gut – und aufregend."

Dustin, 24: "Heute bin ich froh, dass niemand einen Unfall gebaut hat"

"10. Klasse, Rückkehr von Klassenfahrt. Meine Freundin holt mich ab. Eine Stunde bevor meine Mutter kommt. Wir wollen zu ihr. Auf dem Weg dahin merken wir, dass die Zeit nicht reichen wird. Wir laufen gerade an dem Fluss entlang, aber auch an der am stärksten befahren Strasse der Stadt. Direkt daneben: eine kleine, bestenfalls hüfthohe Mauer neben der ich mich ins Gras lege und meine Freundin sich auf mich setzt. Heute bin ich über drei Sachen froh: 1. Dass ich das erleben durfte. 2. Dass niemand einen Unfall gebaut hat, weil ihr noch oben und unten wippender Kopf eindeutig auf der Strasse zu sehen war (und dass anscheinend niemand aus der FDP-Zentrale auf dem Felsvorsprung über der Strasse davon mitbekommen hat). 3. Dass meiner Mutter die Flecken nicht aufgefallen sind. Glaube ich zumindest."

Update vom 30. April, 13 Uhr: Eine frühere Version dieses Textes enthielt eine weitere Anekdote. Diese haben wir aus rechtlichen Gründen entfernt.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.