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Vorliebe

Warum stehen manche Männer ausschließlich auf Asiatinnen?

Wir haben mit Experten darüber gesprochen, welche evolutionären Gründe hinter der Vorliebe für asiatische Frauen stecken.

von Julie Zhang
02 Februar 2017, 8:11am

Collage: Marta Parszeniew, Fotos: John Kline | Pixabay | Public Domain; Wikimedia Commons | CC BY 2.0; Michell Zappa | Flickr | CC BY-SA 2.0; Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0

Ich habe meinen ersten festen Freund mal gefragt, was seine Freunde über mich als Asiatin dachten. Sie fanden es witzig, dass er mit einer Chinesin zusammen war, zogen ihn damit auf, dass er mich "wie eine Kawasaki" fahren würde. Durch diese geschmacklose Fixierung auf meine Ethnie fühlte ich mich erniedrigt – und dabei hatten sie nicht mal das richtige Land erwischt.

Ich bin in Neuseeland aufgewachsen und hatte oft damit zu kämpfen, anders zu sein. Im späten Teenageralter fand ich heraus, dass ich als Chinesin wohl eine "typische" sexuelle Identität habe: schüchtern, aber insgeheim versaut.

Während des Studiums hörte ich dann zum ersten Mal vom sogenannten "Gelbfieber". Dass ein Slang-Ausdruck für (vornehmlich weiße) Männer existiert, die sich nur zu asiatischen Frauen hingezogen fühlen, überraschte mich nicht. Immerhin gibt es mehrere Dating-Websites, die sich auf solche Männer spezialisieren, und in Pornhubs Jahresrückblick gehören "Japanese" und "Asian" zu den 20 beliebtesten Suchbegriffen von 2016.

"Gelbfieber" ist also real. Und eine Frage habe ich mir schon immer gestellt: Warum ist das so?

Dr. Ed Morrison, ein Professor für Evolutionspsychologie an der Portsmouth University, erklärt, dass die Partnerwahl evolutionär gesehen darauf basiert, einen ähnlichen, aber nicht zu ähnlichen Partner zu finden. Das heißt, dass wir normalerweise auf Menschen aus der gleichen Bevölkerungsgruppe stehen, genetische Verwandte aufgrund des Mutationsrisikos beim Nachwuchs jedoch meiden.

Weiße Männer könnten sich also zu asiatischen Frauen hingezogen fühlen, weil die genetisch ausreichend anders sind. Das erklärt allerdings nicht die Typen, die sich ausschließlich auf Asiatinnen stürzen. Morrison sagt nämlich: "Selbst in multikulturellen Gesellschaften ist es wahrscheinlicher, letztendlich mit einem Menschen der gleichen Ethnie zusammenzukommen."

Wie bei allen großen Mysterien des menschlichen Verhaltens mischt hier noch ein anderer wichtiger Faktor bei unserer Evolutionsgeschichte und unseren genetischen Veranlagungen mit: die Kultur.

Zwar gibt es auch andere überzeugende Erklärungsversuche in Bezug auf "Gelbfieber", aber mich interessiert vor allem der Einfluss von Pornografie. In asiatischen Pornos gibt es einen bestimmten roten Faden: Frauen sind immer lammfromm, feminin und jungfräulich, gleichzeitig aber zu allen Schandtaten bereit. Und mein Gott, in keiner anderen Porno-Kategorie schreien die Darstellerinnen so viel und laut herum.

Natürlich ist das alles nur gespielt. Als Asiatin kann ich sagen, dass mich Penisse nicht zum Weinen bringen. Auch Erika Nishimori, eine japanische Porno-Darstellerin, bestätigt, dass die Zurückhaltung und das Gekreische zum Job dazugehören. "Ich habe schon in echt peinlichen Szenen mitgespielt – inklusive Weinen und vorgetäuschter Angst", erzählt sie. "Das soll die Männer anturnen. Der Realität entspricht es jedoch kaum."

Asiatische Pornos sind also nur Fiktion. Solche verzerrten Darstellungen von Asiatinnen können aber ein völlig falsches Bild erzeugen. Eine aktuelle Studie aus Großbritannien hat ergeben, dass die Mehrheit der jungen Porno-Konsumenten Pornos für realistisch halten. Was bedeutet das nun für Liebhaber asiatischer Erotikfilmchen? 

Dr. Elena Martellozzo, eine Mitverfasserin der Studie und Kriminologin an der Middlesex University, erklärt: "Wenn junge Männer wiederholt Pornografie schauen, in der die Darstellerinnen extrem unterwürfig agieren, dann können sich bei diesen jungen Männern unrealistische sexuelle Erwartungen an die Frau entwickeln." Was jedoch noch schlimmer ist: Auch in normalen Theaterstücken, Filmen, Büchern und Fernsehserien werden asiatische Frauen ständig als gehorsam, verletzlich und hypersexuell dargestellt.

Eigentlich bin ich ja der Meinung, dass jeder Mensch hinter verschlossenen Türen das machen soll, was gefällt – so lange alles einvernehmlich geschieht und niemand zu Schaden kommt. Wenn sich Männer jedoch nur zu asiatischen Frauen hingezogen fühlen, weil sie davon ausgehen, dass wir alle exotische, ungefährliche, schüchterne, unterwürfige und (sehr beunruhigend!) kindliche Pflänzchen sind, dann finde ich das gar nicht gut.

Asiatische Erotikmodels bei den AVN Awards 2016 | Foto: Baldwin Saintilus | Flickr | CC BY 2.0

Da es sich bei Pornografie allein in Japan um eine milliardenschwere Industrie handelt, können sich Veränderungen nur schwer durchsetzen. Wo eine Nachfrage, da auch ein Angebot. Verfälscht dieser stetige Fluss an asiatischen Pornos aber nun wirklich die Vorstellungen von weißen Männern, die auf Asiatinnen stehen?

Max* erklärt seine Vorliebe mit der Präferenz für bestimmte körperliche Merkmale – etwa dunkles Haar oder ein schlanker Körperbau. Er ist sich dem Stigma bewusst und musste schon auf die harte Tour erfahren, dass man als weißer Mann mit Fokus auf Asiatinnen nicht gerade für Begeisterungsstürme sorgt. Adam* steht ebenfalls ausschließlich auf Frauen mit asiatischen Zügen. Seiner Meinung nach ist das Konzept des "Gelbfiebers" jedoch idiotisch: "Haben weiße Männer, die nur auf weiße Frauen stehen, dann Weißfieber?", fragt er sarkastisch.

Zwar verstehe ich die beiden, aber dennoch kann man sich meiner Meinung nicht so eindeutig festlegen. Zum einen ist es zu vereinfachend, von einer ausschließlichen Vorliebe für die körperlichen Merkmale asiatischer Frauen zu sprechen. Das impliziert nämlich fälschlicherweise, dass alle Asiatinnen zierlich, dunkelhaarig und faltenlos sind. Zum anderen frage ich mich, ob Attraktivität tatsächlich nur rein körperlich sein kann. Wir machen uns beim Anblick einer anderen Person doch automatisch Gedanken über deren Persönlichkeit.

Letztendlich sind die Gründe, warum wir uns zu anderen Menschen hingezogen fühlen, sehr komplex. Dr. David Frederick, ein Psychologie-As­sis­tenz­pro­fes­sor an der Chapman University, erforscht, wie sich biologische und soziale Faktoren darauf auswirken, was wir attraktiv finden. Neben dem Stereotyp der Unterwürfigkeit spielen bei der Präferenz für Asiatinnen laut ihm noch andere Umstände mit rein. Wenn weiße Männer im Umfeld von weißen Frauen groß werden, dann "besitzen Frauen anderer Ethnien einen gewissen Reiz". 

Frederick weist außerdem darauf hin, dass gute zwischenmenschliche Beziehungen einen positiven Einfluss haben können: "Wenn ein Mann eine besonders positive Beziehung mit einer asiatischen Frau pflegt, dann verstärkt das seine Vorliebe. Die typischen körperlichen Merkmale von Asiatinnen werden dann mit positiven Gefühlen verbunden und die betroffenen Männer konzentrieren sich in Zukunft weiter auf asiatische Frauen."

Bei so vielen nachvollziehbaren Erklärungen ist eine Sache klar: Vorlieben bei der Partnersuche lassen sich nicht mit Überbegriffen wie eben "Gelbfieber" verallgemeinern. Und Ausdrücke, die Männern willkürlich einen Stempel aufdrücken und gleichzeitig Frauen objektivieren, sind sowieso Mist. Ich habe mal mitbekommen, wie einige Typen bei ihrem Kumpel "Gelbfieber" diagnostizierten, weil der eine vorbeilaufende Asiatin gut fand. Warum wurde die Ethnie der Frau in dieser Situation direkt reflexartig sexualisiert, so wie damals, als man mich mit einem japanischen Motorrad verglich? Ich bin mir sicher, dass ein Mann eine asiatische Frau auch dann attraktiv finden kann, wenn er keine tief verwurzelte Vorliebe für diese Ethnie besitzt.

Es ist sehr beleidigend, anderen Menschen "Gelbfieber" zuzuschreiben. Der Begriff wird willkürlich herumgeworfen und er objektiviert asiatische Frauen. Außerdem ist es nicht witzig, die Vorliebe für Asiatinnen mit einer potenziell tödlichen Krankheit zu vergleichen. Denn selbst wenn unsere Vaginas wirklich besonders eng sein sollten, umbringen werden sie dich sicher nicht.

*Name geändert

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