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So bleibt dein Penis beim Sex heil

Wir haben uns mit den gefährlichsten Stellungen auseinandergesetzt und analysiert, wie man sich im Bett keine bleibenden Schäden zuzieht.

von Mark Hay
28 Mai 2015, 6:00am

Ein Auszug aus dem Kamasutra, Bild: Wikimedia Commons | Public Domain

Eine Gruppe brasilianischer Ärzte hat vor Kurzem eine Abhandlung in der akademischen Zeitschrift Advances in Urology veröffentlicht, in der „Frau obenauf" (aka Reiterstellung) als die gefährlichste Sexstellung ermittelt wurde—wenn man die bloße Zahl an Penisbrüchen als Maß nimmt, die während des eigentlichen Aktes passiert sind. Nachdem sie die Daten von drei Notaufnahmen der brasilianischen Stadt Campinas aus den vergangenen 13 Jahren zu eindeutigen Penisbruch-Fällen (bei denen die Bänder im Penis oftmals mit einem lauten Knacken entweder reißen oder überdehnt werden) analysiert hatten, kamen die Ärzte zu dem Ergebnis, dass die Hälfte dieser Frakturen bei der Reiterstellung, 29 Prozent bei übereifrigem Sex von hinten und 21 Prozent in der Missionarsstellung passiert sind.

Diejenigen, die sich die schmerzhafte Studie komplett durchgelesen haben, können sich zumindest immer noch damit trösten, dass man sich beim Sex nur selten verletzt. Das stimmt jedoch auch nicht so ganz. Allein die Urologen der University of Washington Medical School berichten von mindestens einem oder zwei Penisbrüchen pro Monat. Bei einer britischen Studie wurde herausgefunden, dass sich jedes Jahr bis zu fünf Prozent der Arbeiterschaft aufgrund von beim Sex zugezogenen Verletzungen krankschreiben lässt. Und obwohl viele Zwischenfälle entweder gar nicht gemeldet oder selbst behandelt werden, wird in den meisten Schätzungen davon ausgegangen, dass bis zu 33 Prozent aller Erwachsenen beim Bettvergnügen irgendeine Art Verletzung erleiden werden—und dabei die Schmerzen dank der lieben Endorphine häufig erst am nächsten Morgen spüren.

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Viele dieser Verletzungen müssen an sich gar nichts mit dem guten alten Rein-Raus-Spiel zu tun haben, zum Beispiel Teppichschrammen, Muskelzerrungen, Verstauchungen und so weiter. Andere sind jedoch viel schwerwiegender, werden mit bestimmten sexuellen Szenarien in Verbindung gebracht und können mit der entsprechenden Vorbereitung definitiv vermieden werden.

Um euch allen Schmerz und Leid zur unpassendsten Zeit zu ersparen, haben wir uns eingehend mit der Literatur zu Sex-Verletzungen beschäftigt und in diesem Zug auch direkt noch mit der Sex-Therapeutin Dr. Kat van Kirk gesprochen, um eine Liste mit den Stellungen und Situationen zusammenzustellen, die das höchste Verletzungsrisiko bergen.

Unsere Aufzählungen basieren dabei auf dem Verletzungsgrad und auf der Häufigkeit, mit der diese Verletzungen auftreten. Wir haben außerdem die sicherste Stellung ermittelt und geben euch noch ein paar ganz einfache Tipps mit auf den Weg, damit ihr euch beim Sex da unten garantiert nichts kaputt macht—egal in welcher Stellung.

DIE GEFÄHRLICHSTEN STELLUNGEN

Foto: Abhishek Singh Bailoo | Flickr | CC BY 2.0

FRAU OBENAUF / REITERSTELLUNG

Die Jungs aus Brasilien haben Recht: Es passiert schnell, im falschen Winkel anzusetzen und dann einen Penisbruch zu erleiden, wenn sich die Frau mit ihrem vollen Körpergewicht auf das beste Stück des Manns setzt.

„Das Problem hier ist im Grunde das Schambein der Frau", erklärt Dr. Kat. „Es liegt immer ein bisschen anders. Manchmal ist die Frau nicht feucht genug, wenn sie sich auf den Penis niederlässt. Wenn dann genügend Kraft oder Reibung auftritt oder der Penis auf das Schambein stößt, dann kommt es zum Knick. Das Ganze passiert häufiger, als man vielleicht annimmt."

Nur zur Info: Der Winkel der umgedrehten Reiterstellung ist noch gefährlicher als der der normalen Reiterstellung.

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Hier besteht die Gefahr vor allem darin, dass die energische Penetration im falschen Winkel laut Dr. Kristi Latham, eine Beckenspezialistin der Beyond Therapy & Wellness Clinic in Dallas, zu Scheidenrissen führen kann (bei der Reiterstellung ist das Risiko einer solchen Verletzung übrigens am geringsten, da hier die Frau mehr Kontrolle über die Bewegung und die Tiefe der Stöße hat). Dazu meint Dr. Kat noch, dass tiefe und kräftige Penetration in kurzen Scheidenkanälen den Gebärmutterhals verletzen oder sogar Blutungen verursachen kann. Aber Moment, es geht noch weiter!

„Es ist auch schon häufig vorgekommen, dass der Penis beim Sex von hinten aus Versehen in den Anus rutscht", meint Dr. Kat. „Wenn die Frau nicht darauf vorbereitet ist, dann kann es zu analen Verletzungen kommen."

Foto: Abhishek Singh Bailoo | Flickr | CC BY 2.0

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Oralsex kann ganz schnell zur Eintrittskarte ins Land der Bindehautentzündungen werden, wenn dein Partner oder deine Partnerin nicht so hygienisch ist, wie er oder sie es sein könnte—und damit für winzige Fäkalpartikel auf der Hornhaut sorgt. Wenn sich das Pärchen allerdings gleichzeitig oral befriedigt, dann ist die Chance auf eine Verunreinigung dieser Art natürlich auch doppelt so groß.

TITTENSEX

Damit hätte man(n) jetzt wohl nicht gerechnet, aber es kann auch zu Komplikationen kommen, wenn der Penis und die Brüste aufeinandertreffen.

„Ich hatte es schon mit Penisfrakturen zu tun, die passiert sind, als der Mann der Frau gerade die berühmte ‚Perlenkette' verpassen wollte", sagt Dr. Kat. „Manchmal wird mit einer solchen Wucht gegen das Brustbein gestoßen, dass der Penis bricht. Ohne den Einsatz von Gleitgel kann die auftretende Reibung ebenfalls Probleme bereiten."

MISSIONARSSTELLUNG

Selbst die augenscheinlich langweiligste, sicherste und heiligste aller Stellungen birgt ein gewisses Risiko. Laut Dr. Kat kann es bei Frauen mit kurzen Scheidenkanälen durch tiefes Stoßen schnell zu Gebärmutterhalsverletzungen oder Abreibungen kommen—auch wenn das Ganze beim Sex von hinten viel häufiger vorkommt.

DIE GEFÄHRLICHSTEN SEX-SITUATIONEN

Foto: Abhishek Singh Bailoo | Flickr | CC BY 2.0

FEHLENDE FEUCHTIGKEIT

„Mal ganz abgesehen von der Stellung werden die meisten vaginalen und penilen Abreibungen vor allem durch fehlende Feuchtigkeit verursacht", meint Dr. Kat. „Wenn nicht genügend Gleitgel im Spiel ist und man die Dinge erzwingen will oder einfach so ohne Feuchtigkeit und Vorspiel loslegt, dann kann es zu schlimmen Abreibungen kommen. Ich habe auch schon oft gesehen, wie sich diese Abschürfungen dann entzündet haben."

Leider kann auch noch viel schiefgehen, wenn man Gleitgel einsetzt: Viele Leute reagieren allergisch auf frei verkäufliche Mittel (sowie Kondome und Sexspielzeuge), wodurch noch weitere Reizungen auftreten.

AUßERGEWÖHNLICH AKROBATISCHER SEX

Hier ist die ganze Sache ziemlich einfach: Wenn man außer Form ist oder etwas Neues ausprobiert, dann besteht natürlich ein Verletzungsrisiko. Wenn man seine Partnerin falsch hochhebt oder falsch anpackt, dann kann das im besten Fall zu gezerrten Muskeln und im schlimmsten Fall zu gebrochenen Knochen oder Herzinfarkten führen—vor allem, wenn man an zweifelhaften Orten wie Treppen oder auf dem wackeligen Küchentisch intim wird.

„Die Leute wollen mal was ausprobieren und haben deshalb in der Dusche oder im Auto Sex", erzählt Dr. Kat. „Allein dieses Ausprobieren von Sachen, die außerhalb der normalen Routine liegen, kann für gebrochene Knochen sorgen."

UNGEÜBTER FETISCH-SEX

Auch wenn beim exzessiven Spanking oder beim Haareziehen kleinere Verletzungen normal sind, versuchen sich die Leute manchmal gleich an Peitschen oder Ketten, ohne sich vorher über die genaue Handhabung zu informieren. Dieser Trend war vor allem nach den Veröffentlichungen der 50 Shades-Bücher und -Filme spürbar, scheint jetzt allerdings generell auf dem aufsteigenden Ast zu sein. Das liegt wohl am immer größer werdenden medialen Bewusstsein für Fetische (leider wird nicht dementsprechend auch mehr über sicheren Fetisch-Sex gesprochen).

„Wenn die Leute solche Praktiken schon lange machen oder sich zumindest einer der Partner gut auskennt, dann kommt es kaum zu Verletzungen", sagt Dr. Kat. „Wenn man den Penis oder andere Extremitäten zu lange oder zu hart in irgendwelche Sachen einwickelt, dann sind Blutergüsse, Prellungen und so weiter keine Seltenheit. Die meisten Praktiken sind bei verantwortungsvoller Ausführung allerdings schon ziemlich sicher."

VERGESSLICHKEIT

Männer und Frauen vergessen oft, dass sie etwas in sich gesteckt haben, und finden dann oft erst viel später festsitzende Dinge vor—egal ob nun in der Vagina oder im Anus.

„Ich hatte es schon mit verschollenen Kondomen, verschwundenen Tampons, abhandengekommenen Sexspielzeugen und manchmal auch mit Gegenständen zu tun, die man lieber nicht zur Penetration einsetzen sollte", erzählt Dr. Kat. „Vor allem nach dem Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen können die Leute die Situation nicht mehr richtig einschätzen und ihre Empfindung ist verändert. Folgendes Szenario ist schon häufig vorgekommen: Die betreffenden Personen realisieren gar nicht, dass da etwas in ihnen feststeckt. Sie gehen davon aus, dass das Kondom weggeschmissen wurde oder sie den kleinen Vibrator irgendwann schon rausgenommen haben."

„Dann tauchen sie aufgrund infektionsartiger Symptome bei mir auf—darunter Juckreiz und Ausfluss. Der Gebärmutterhals kann sich so entzünden, dass er blutet. Für die Entfernung ist dann Notfallpersonal vonnöten, denn es müssen Ultraschalluntersuchungen oder Röntgenaufnahmen gemacht werden. Es kann ja schließlich auch der Darm betroffen sein, wenn man sich etwas in den Anus gesteckt hat." Na hoffentlich bist du gut versichert!

Foto: Abhishek Singh Bailoo | Flickr | CC BY 2.0

UNHYGIENISCHER SEX

Wenn beim Sex Fäkalpartikel auftreten, dann können so die Harnwege verunreinigt werden und (vor allem bei Frauen) Harntraktinfektionen auftreten. Bei der Hygiene dreht es sich jedoch nicht nur ausschließlich um umherfliegende Fäkalartikel: Es kommt auch häufig vor, dass scharfe Essensreste auf den Lippen oder an den Fingern während des Liebesspiels zum Problem werden.

STRESSIGER SEX

Wie man sich vorstellen kann, ist Sex einfach nicht so gut oder entspannend, wenn man gestresst ist. Laut Dr. Latham steckt da allerdings noch viel mehr dahinter: Wenn der Beckenboden zu sehr zusammengezogen ist, dann kann das schnell schmerzhaft werden, die Orgasmen fühlen sich krampfhafter an und die verminderte Beweglichkeit verursacht bei der Frau während der Penetration zusätzlich noch ein unangenehmes Gefühl.


EINE WENIGER GEFÄHRLICHE STELLUNG

Diejenigen unter euch, die jetzt um ihre sexuelle Gesundheit fürchten, können aufatmen: Es gibt eine Stellung, die von den Erzählungen her und komplett unwissenschaftlich gesehen sicherer ist als der Rest.

DIE LÖFFELCHEN-STELLUNG

„Die Löffelchen-Stellung ist wohl noch besser als die Missionarsstellung", meint Dr. Kat. „Sie wird ja nicht umsonst auch schwangeren Pärchen empfohlen."

„Auf kein bestimmtes Gelenk wird zu viel Druck ausgeübt. Die Penetration erfolgt zwar im Normalfall von hinten, aber trotzdem hat man durch den Körper ein gewisses Polster. So trifft der Penis nicht so schnell auf den Beckenknochen und der Gebärmutterhals wird nicht so oft in Mitleidenschaft gezogen."

Aber nur weil diese Stellung sicherer als die meisten anderen zu sein scheint, bedeutet das nicht, dass man von jetzt an nur noch löffeln sollte. Jede Stellung ist sicher, so lange ein paar grundlegenden Vorkehrungen getroffen werden (und somit auch die Voraussetzungen für guten Sex geschaffen sind).

„Alle Stellungen sind sicher, wenn genügend Feuchtigkeit vorhanden ist", erklärt Dr. Kat. „Dazu liegt der Schlüssel außerdem noch in der Kommunikation. Man darf nichts erzwingen und muss auf seinen Partner Rücksicht nehmen."

Falls es dann doch mal zu einer Verletzung kommen sollte, geht die Welt auch nicht gleich unter. Die meisten Blessuren kann man mit einfachen Mitteln wie Kühlung, Ruhe oder Cranberry-Saft behandeln. Bei ernsthaften Schmerzen ist ein Besuch beim Arzt jedoch unumgänglich. Man will sich sein Sexleben ja nicht für immer versauen, oder?

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