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Frauen erzählen uns, wie und warum sie fremdgegangen sind

In einer aktuellen Studie behaupten Evolutionsbiologen, dass Frauen von Natur aus zu Seitensprüngen neigen, um das bestmögliche Sperma zu finden. Wir haben uns deswegen mal umgehört.

von Salma Haidrani
16 September 2016, 9:00am

Foto: imago | Blickwinkel

Menschen gehen fremd. In einer aktuellen Studie stellen Evolutionsbiologen die Theorie auf, dass Frauen von Natur aus so programmiert sind, immer nach Ersatzpartnern zu suchen. Im Zuge der Studie haben die Forscher herausgefunden, dass heterosexuelle Frauen dazu neigen, Ersatzpartner zu "kultivieren" und zu einem neuen zu wechseln, sobald der vorherige Partner nichts mehr taugt. In anderen Worten: Wenn einer Frau bewusst wird, dass das Sperma ihres Partners nicht mehr den Anforderungen entspricht oder er aufgrund einer Krankheit nicht mehr den idealen Mann darstellt, dann ist sie weg.

In unserer Gesellschaft herrscht seit langer Zeit die Vorstellung, dass Männer fremdgehen, um ihrem Sperma die größtmögliche Chance auf eine Fortpflanzung zu geben. Verfolgen untreue Frauen ähnlich zweckmäßige Ziele? Um das herauszufinden, habe ich mit einigen solcher Frauen gesprochen.

"Vor meinem geistigen Auge tat sich meine sexlose Zukunft auf"

Ich befand mich drei Jahre lang in einer sexlosen Beziehung. Am Anfang sagte er, dass Sex vor der Ehe für ihn nicht in Frage käme. Ich hatte damit kein Problem. Zwar stamme ich auch aus einer recht traditionellen Familie, aber ich dachte, dass ich ihn irgendwann schon überzeugen könnte. Damit lag ich falsch.

Rückblickend ist es mir richtig peinlich, wie viele schlaflose Nächte ich darüber gegrübelt habe, ob ich ihm nicht gut genug sei, und wie wenig Selbstbewusstsein ich im Laufe der gesamten Beziehung hatte. Außerdem wollten wir kurz nach unserem Uniabschluss heiraten. Deshalb konnte ich die Beziehung meines Erachtens nach gar nicht beenden, weil ich ja schon so viel investiert hatte.

Ich fühlte mich wie eine Gefangene und vor meinem geistigen Auge tat sich meine sexlose Zukunft auf. Als mir dann irgendein Typ in einer Bar schöne Augen machte, nutzte ich die Gelegenheit und wir landeten im Bett. Der Sex war nicht die Bombe, aber es fühlte sich dennoch toll an, begehrt zu werden. Mich störte es auch nicht, dass er noch Jungfrau war. Und mein schlechtes Gewissen sollte mich auch nicht lange plagen, denn es stellte sich heraus, dass mich mein Freund mit einem Mädchen aus einer seiner Vorlesungen betrog. So viel zum Thema "Kein Sex vor der Ehe".
– Surjit*, 23

"Je dünner ich wurde, desto mehr interessierten sich andere Männer für mich"

Mit Anfang 20 war ich noch ziemlich dick. Und wenn ich mal wegging, machten sich die Leute oft über mein Aussehen lustig. Dementsprechend war ich auch eher verschlossen. Als dann jedoch dieser ganze "Clean Eating"-Trend aufkam, bin ich voll auf den Zug aufgesprungen und dazu noch ins Fitnessstudio gegangen.

Innerhalb eines Jahres verlor ich knapp 20 Kilo und sah aus wie ein anderer Mensch. Anfangs wollte ich vor allem aus gesundheitlichen Gründen abnehmen, aber dann fiel mir auf, dass das Ganze noch einen weiteren Effekt hatte: Je dünner ich wurde, desto mehr interessierten sich andere Männer für mich. Das war mir erst noch ziemlich egal, da ich mich ja bereits in einer Langzeitbeziehung befand. Ich hatte Rowan während des Studiums kennengelernt und wir waren seit gut zwei Jahren zusammen. Wir planten sogar schon unsere erste gemeinsame Wohnung.

Je mehr Komplimente ich bekam, desto härter trainierte ich. Und bald fing ich damit an, die Flirtversuche zu erwidern. Für mich war das auch nichts Schlimmes, denn ich hatte nicht vor, mit Rowan Schluss zu machen. Er war mit mir im wortwörtlichen Sinn ja durch dick und dünn gegangen und ich redete mir ständig ein, keine dieser Frauen zu sein, die ihren Freund in die Wüste schicken, sobald sie richtig gut aussehen.

Dann ging ich jedoch auf eine private Kunstausstellung und lernte dort einen Kunsthändler kennen, der nicht locker lassen wollte. Er war richtig nett (und besaß auch ordentlich Kohle) und deshalb gab ich ihm letztendlich meine Nummer. Wir schrieben im Laufe der nächsten zwei Wochen ziemlich eindeutige Nachrichten hin und her und irgendwann hatten wir ein Date. Als Rowan herausfand, dass ich den Kunsthändler geküsst hatte, musste ich mich nicht mal sonderlich entschuldigen, weil er mir sofort verzieh. Dadurch hat er bei mir an Respekt verloren. Wenn so etwas noch mal passieren sollte, dann wäre die Beziehung zu Ende. Was habe ich nun aus der ganzen Sache gelernt? Eigentlich nichts. Ich schreibe nämlich genau in diesem Moment mit besagtem Kunsthändler und wir treffen uns nächste Woche für unser zweites Date.
– Samia*, 24


"Ich habe meinen Freund dann das ganze Wochenende stillschweigend gehasst"

Weil ich quasi ständig pleite bin, hat mein Freund mir ein Festivalticket geschenkt. Deswegen fühlte ich mich auch irgendwie dazu verpflichtet, dort nur mit ihm rumzuhängen. So habe ich es kaum geschafft, mich mit meinen eigenen Leuten zu treffen. Außerdem deutete er an, mich nicht mehr mit in seinem Zelt schlafen zu lassen, wenn ich einfach so verschwinden würde. Ich bekam ernsthafte Zweifel daran, dass unsere Beziehung eine Zukunft hat, wenn er davon ausgeht, mich nach Lust und Laune herumkommandieren zu können, nur weil er mir das Ticket gekauft hat. Gleichzeitig wollte ich mich aber auch nicht komplett von ihm trennen.

Ich habe meinen Freund dann das ganze Wochenende stillschweigend gehasst und als wir wieder zu Hause waren, ging ich direkt in meine Lieblingsschwulenbar und schmiss mich dort an Xavier, einen heißen Spanier, ran. OK, er ist mit 21 zwar etwas jünger als ich, aber das machte er durch anderen Qualitäten auf jeden Fall wieder wett. Auf der Tanzfläche ging es dann heiß her—was unser Umfeld mit lauten "Das hier ist kein Hetero-Club"-Rufen kommentierte.

In den darauffolgenden Tagen hatte ich einen richtig steifen Hals und die "Kampfspuren" waren ebenfalls recht deutlich zu sehen. Dazu kam eine Hitzewelle, durch die ich keinen Rollkragenpullover tragen konnte. Als ich mich mit meinem Freund traf, zog ich trotzdem einen an. Leider schlug mein Plan fehl und er wollte direkt wissen, woher die Knutschflecken stammten. Ich log ihm etwas von der "verwirrten Sexualität" meiner besten Freundin vor. Komischerweise glaubte er mir und wir sind heute noch zusammen. Ich folge Xavier allerdings immer noch auf Instagram und ich werde hier gar nicht erst so tun, als ob ich ihm nicht ab und an mal eine versaute Nachricht zukommen lasse, wenn ich wuschig bin.
– Charlie, 25

"Natürlich bereue ich meinen Seitensprung, aber er hatte auch positive Folgen"

Ich wurde streng religiös erzogen. Als ich mein Studium anfing, war ich mir über meine sexuelle Orientierung nicht im Klaren und meine übertrieben christlichen Eltern hatten mir dazu noch eine Menge Homophobie eingetrichtert.

Während des ersten Semesters lebte ich mit gut 12 Mädels zusammen und hatte unglaubliche Angst davor, "aufzufliegen". Aber dann fand ich einen Freund. Mit der Beziehung wollte ich mich vor allem selbst überzeugen, dass ich heterosexuell sei. Seine homophoben Ansichten waren dabei allerdings keine große Hilfe. Ironischerweise lernte ich dann in der Kirche eine junge Frau kennen, die sich ihrer sexuellen Orientierung ebenfalls nicht sicher war. Wir verstanden uns auf Anhieb super und kamen schließlich auch zusammen.

Natürlich bereue ich meinen Seitensprung, aber er hatte auch positive Folgen: Zum ersten Mal mal in meinem Leben fühlte ich mich wohl in meiner Haut. Außerdem fand ich den Mut, mich vor meinen Freunden und meiner Familie zu outen. Die Beziehung ging zwar irgendwann in die Brüche, aber ich habe meiner Ex-Freundin trotzdem unglaublich viel zu verdanken.
– Maria, 26

*Name geändert