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The Tight Squeeze Issue

In Donezk heisst McDonald's jetzt 'DonMak' und verkauft Burger-Plagiate

"Sie erinnern sich vielleicht: Kinder liebten dieses Fastfood! Es gab früher ein spezielles Menü für Kinder, mit Spielzeug. Das heisst ab sofort … na ja, 'Kindermenü.'"

von Alex Swerdloff
28 April 2017, 10:59am

Foto via Getty Images

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Wer in der ukrainischen Industriestadt Donezk lebt, hat in letzter Zeit wohl kaum viel Fastfood gegessen. Die knapp eine Million Einwohner leben seit 2014 faktisch unter der Kontrolle der Volksrepublik Donezk (VRD), einer Gruppe pro-russischer Separatisten.

Die Stadt lag an der vordersten Front der russischen Militärintervention in der Ukraine und ihre Einwohner litten Hunger. Bald darauf folgten die Sanktionen des Westens und die McDonald's-Filialen der Stadt wurden dichtgemacht. Fastfood ist heute in allen russischen Einflussgebieten umstritten und gilt als Symbol westlicher Dekadenz. Der Ministerpräsident der nahegelegenen Krim, Sergej Aksjonow, brachte die prorussische Sicht zum Ausdruck, als er 2014 über den Fast-Food-Stopp erklärte: "Wir werden gesünder leben."

Aber das Leben geht weiter, und einige Unternehmer beabsichtigen nun, die Marktlücke zu füllen: Unter dem Namen DonMak übernehmen sie die verlassenen McDonald's-Filialen der Stadt. Goldene Bögen? Klar. Happy Meals? Selbstverständlich. Ganz wie bei McDonald's, nur eben im Stil prorussischer Separatisten.

In dem Werbeclip für die frisch umbenannte Burger-Kette erklärt ein Sprecher: "Sie erinnern sich vielleicht: Kinder liebten dieses Fastfood! Es gab früher ein spezielles Menü für Kinder, mit Spielzeug. Das heisst ab sofort … na ja, ‚Kindermenü.' Ganz einfach. Diese tollen, bunten Verpackungen sind in der VRD hergestellt, in der Druckerei bei Donezk."

Die Verpackung ist kyrillisch beschriftet, die Zutaten sollen regional sein, und der Vermieter für die DonMak-Restaurants ist der Liegenschaftsfonds der Volksrepublik Donezk.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich McDonald's – wo man trotz wiederholter Anfragen auf eine Stellungnahme verzichtete – mit mutmasslichen Markenschutzverletzungen und Fälschungen auseinandersetzen muss. In ganz Russland sieht sich die Kette mit einer politisch motivierten Hassliebe zum westlichen Fastfood konfrontiert – in Donezk aber geschieht das Ganze unter dem Zeichen eines großen goldenen M.

Anna, Geschäftsführerin einer der drei DonMak-Filialen in Donezk, erzählt VICE, alle drei Restaurants würden gut laufen. Die Kette habe von McDonald's keine Schreiben oder Klagedrohungen erhalten. Ziel von DonMak ist laut Anna nicht nur, den Menschen in Donezk wieder tröstliches Fastfood zu bieten, sondern auch eine Art Alltagsflucht, "sodass sie nicht spüren, wie stark sie vom Rest der Welt abgeschnitten sind".

Der Schlüssel zu DonMaks Erfolg? "Wir sind völlig unpolitisch", sagt sie.

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