Japan verschenkt verlassene Häuser

Im Land der aufgehenden Sonne stehen über acht Millionen Immobilien leer. Die Regierung versucht, mit Dumping-Preisen gegen diesen Trend anzukämpfen. Es gibt aber auch Haken.

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Dez. 4 2018, 11:49am

Ein traditionelles japanisches Landhaus | Symbolfoto:Qu1m | Flickr | CC BY 2.0

Du hast dich aufgrund deines Kontostands und deiner eher bescheidenen finanziellen Zukunftsaussichten eigentlich schon damit abgefunden, niemals ein Haus zu besitzen? Dann haben wir gute Nachrichten: Auf nach Japan, dort gibt es nicht nur das beste Sushi, sondern auch quasi kostenlose Häuser und Wohnungen.

Immer mehr leerstehende Immobilien in ganz Japan werden derzeit in Online-Listen – sogenannten "Akiya Banks" – gesammelt und zum Verkauf angeboten. Tausende dieser Akiyas [auf Deutsch so viel wie "leerstehendes Haus"] befinden sich dabei in gutem Zustand und kosten nur sehr wenig bis gar nichts. Das berichtet die Website Insider. Die Preise auf einer Akiya Bank liegen zum Beispiel alle unter 3 Millionen Yen [rund 23.300 Euro], einige Häuser werden sogar als "Gratis Transfer" aufgeführt. In diesem Fall kostet das Objekt keinen einzigen Yen. Du musst lediglich etwas Steuern und eine Maklergebühr bezahlen und schon bist du Hausbesitzer.

All das ist Teil einer Initiative der japanischen Regierung im Kampf gegen eine aussergewöhnliche Immobilienkrise: 2013 schätzten die Behörden, dass es in ganz Japan mehr als acht Millionen leerstehende Häuser und Wohnungen gibt. Viele dieser Objekte befinden sich dabei in ländlichen Gegenden oder am Rande von Grossstädten. So steht es in der Zeitung The Japan Times. Das Fujitsu-Forschungsinstitut geht zudem davon aus, dass diese Zahl bis zum Jahr 2033 auf 20 Millionen anwachsen wird. Das entspräche fast einem Drittel aller Häuser und Wohnungen in Japan.


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Als Grund für die schiere Akiya-Flut gilt dabei die alternde Bevölkerung des asiatischen Landes. Weil immer mehr Japaner und Japanerinnen entweder sterben oder in Seniorenheime ziehen müssen, stehen immer mehr Häuser leer. Es gibt nicht genügend junge Menschen, um diese Lücke zu schliessen. Und der Familiennachwuchs kommt nicht schnell genug hinterher. In anderen Worten: zu viele Häuser und Wohnungen für zu wenige Menschen.

Zudem muss man noch den Faktor des Aberglaubens berücksichtigen. In der japanischen Kultur ist es so, dass Häuser und Wohnungen, in denen Tragödien wie Suizide, Morde oder "einsame Tode" passiert sind, Pech bringen. Das erschwert den Weiterverkauf und erhöht die Anzahl von leerstehenden Immobilien, die mit der Zeit immer weiter verfallen. In einigen Fällen bietet die japanische Regierung sogar finanzielle Zuschüsse an, damit mehr Leute alte Häuser und Wohnungen kaufen und renovieren. Allerdings kann eine solche Renovierung sehr schnell sehr teuer werden, weil sich viele der Immobilien aufgrund des Alters in einem mehr als baufälligem Zustand befinden. Zudem heisst es in dem Immobilienblog Rethink Tokyo, dass man bei der Objektauswahl immer vorsichtig sein muss, weil die Yakuza-Mafia oft auch noch ihre abgetrennten Finger mit im Spiel haben kann.

In Japan geht man davon aus, dass das Problem mit den Akiyas erstmal schlimmer wird, bevor sich die Lage bessert. Dagegen können auch die immer weiter fallenden Dumping-Preise nichts ausrichten.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE AU.

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