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Das sagt das Internet zur krebserregenden Wurst

Wenn der österreichische Teil des Internets nur bei allem so leicht erregbar wäre wie beim Thema Krebswurst.

von Markus Lust
27 Oktober 2015, 12:30pm

Screenshot via YouTube

Krebswurst, Wurstkrebs, Weapons of Mass Destruction: Selten hat der österreichische Teil des Internets derart emotional reagiert wie heute, als die Meldung durch die Medien ging, Wurst wäre genauso krebserregend wie Rauchen.

Noch emotionaler wurde es in Sachen Hashtag-Hysterie (zumindest in meiner dem Internet angepassten Erinnerung) nur einmal: Und zwar wenige Minuten später, als die Artikel der Lügenpresse prompt als falsch geoutet und die Wurst als Eckpfeiler des Nahrungsmittel-Westens rehabilitiert wurde.

Die Wurst, um die es auf sprichwörtlicher Ebene im Deutschen ja schon immer geht, ist heute in aller Munde und sorgt für wohlig eskapistischen Fleischgeschmack in den sonst so unlustigen, asylgeplagten Newsfeeds. FlüchtlingsWAS? AsylWER?

Man könnte sogar noch weitergehen und sagen: Das Abendland selbst ist gewissermaßen ein in Darm gehülltes Stück Wohlgenuss, das aktuell von Horden hungriger Wurstwirtschaftsflüchtlingen angeknabbert wird. Das wäre natürlich Schwachsinn, aber hey, es ist immer noch das Internet und ich möchte nicht in einer Welt leben, in der gefühlte Wahrheiten über Wurst mit sowas wie „Fakten" untermauert werden müssen.

Hier sind die schönsten Postings zum Thema Krebswurst, die ich als einzig adäquate Reaktion des Internets auf den österreichischen Nationalfeiertag sehe.

Gestern gemahnte Bundespräsident Fischer die Menschen zu Toleranz gegenüber Hilfesuchenden, die aus Kriegsgebieten zu uns fliehen. Heute zeigt sich Andrä Rupprechter beim demonstrativen Verzehr von Wurst. So gehen Statements, die das Volk versteht. Back on track, Österreich.

Ich kann mich zwar an keine rechtsradikale Partei erinnern und überhaupt wäre mir nicht bewusst, dass irgendwo Wahlen waren, aber falls doch, ist die Reaktion der wurstessenden Mehrheit wohl mehr als berechtigt.

Die Zeichen hätte man natürlich auch schon früher deuten können. Wie so oft hat der Mainstream viel zu lange von der Wurstwahrheit weggesehen.

Unbestätigten Gerüchten zufolge, die der Redaktion in Form einer PowerPoint-Präsentation vorliegen, besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Wurstdampf und Chemtrails. Wo bleibt die Antwort darauf, ATV??!1?! #wakeup #sheeple #illuminati666

Sibylle Berg wittert—zurecht—die mutwillige Entwurstifizierung des deutschen Volkes. Zuerst nimmt man den Leuten die Waffen, dann die Würste. Wisst ihr, wer sicher auch gerne Wurst verboten hätte? Richtig.

Auch das Intellektuellennet hat das Wurstthema für sich entdeckt und den Diskurs um eine Schwelle angehoben: So wie in der Medienwissenschaft seit den 50er-Jahren nicht mehr das Was, sondern das Wie im Mittelpunkt steht—also: Medienrezeptionsforschung statt Medienwirkungsforschung—, hat auch bei der fleischgefüllten Haut inzwischen ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Wurstrezeption statt Wurstwirkung, quasi.

Gut, ja, es mag Wichtigeres auf der Welt geben als Wurst. Aber wie viel Wichtigeres? Und wisst ihr, wer auch immer über Wichtigeres reden wollte? Westlicher als Wurst steht auf der Grundnahrungs-Skala bestenfalls Bier. Das man am besten zu Wurst verzehrt. Quod erat demonstrandum, res ipsa logitur und noch irgendwas Schlaues auf Latein.

Das wird den Medien hoffentlich eine Lehre sein, verzerrende und tendenziöse Artikel zu faktisch eindeutig falschen Behauptungen zu veröffentlichen, nur um ihre eigene Meinung gegenüber einem Hassobjekt zu untermauern, das sich nicht gegen die Anschuldigungen wehren kann.

Markus auf Twitter: @wurstzombie

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