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Leute in Beziehungen erklären, was sich durchs Zusammenziehen ändert

„Zusammenzuziehen ist mit Abstand das Beste, das ich je getan habe. Es hat mein Leben auf jede erdenkliche Art verbessert ... aber es nervt verdammt noch mal, dass sie die Eiswürfelform nie auffüllt. So schwierig ist das doch nicht. Jesus."

von Zach Sokol
11 August 2015, 4:00am

Foto via flickr via Tobias Steinhoff | Umzug Tag 3 - 14

Foto via flickr via Tobias Steinhoff | Umzug Tag 3 - 14

Mit dem Partner oder der Partnerin zusammenzuziehen, ist einer der letzten großen Schritte auf dem langen Weg zum Erwachsensein—es mag niedlich sein, „Ich liebe dich" zu sagen, während man sich bei Sonnenuntergang auf einem öffentlichen Parkplatz romantisch betrinkt, doch sich ein Badezimmer und Rechnungen zu teilen, ist etwas Echtes. Wenn du erst einmal mit jemandem zusammenziehst, dann verkündest du der Welt, dass du zu einem gewissen Grad sesshaft geworden bist und dich in einer Lebensphase befindest, in der Heirat, Kinder, Altwerden und all der Scheiß tatsächlich in deinen Karten stehen könnten, vielleicht sogar in naher Zukunft.

Ich bin noch nie mit jemandem zusammengezogen, aber vor ein paar Wochen haben meine Freundin und ich uns um den Hund eines zusammenlebenden Paares gekümmert, und ich muss sagen: Danke, das war mir schon echt genug. Doch die Erfahrung brachte mich ins Grübeln: Wie zum Teufel ist es eigentlich, zum ersten Mal mit jemandem zusammenzuziehen? Wie ändert man sich als Mensch? Wie zwingt man die andere Person dazu, sich zu ändern? Was, wenn man masturbieren will?

Ich habe keine Ahnung, also habe ich einen Haufen Leute in Beziehungen, darunter verschiedene Altersgruppen und sexuelle Orientierungen, gefragt, wie es war, als sie sich das erste Mal mit einer Partnerin oder einem Partner eine Wohnung geteilt haben. Hier sind ihre Antworten, und zwar anonym, damit der Haussegen nicht in die Schieflage gerät.

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Was hat sich geändert, als ihr zusammengezogen seid?

„Ich bin viel mehr zu Hause. Es ist seltsam: Wenn du alleine lebst, gibt es nichts Erbärmlicheres, als einen Samstagabend damit zu verbringen, in Unterwäsche Netflix zu gucken und dabei Lieferessen zu verdrücken. Aber wenn du mit deiner besseren Hälfte zusammenwohnst, dann ist das eine total legitime (und sehr spaßige!) Wochenendbeschäftigung. Es fühlt sich an, als würdest du ‚etwas tun', selbst wenn du gar nichts tust, einfach weil da noch jemand bei dir ist. Die andere große Veränderung ist, dass ich mehr darauf achte, meine Haare aufzukehren. Ich haare viel, aber das ist mir nie aufgefallen, bis mein Freund und ich zusammengezogen sind und er fragte: „WAS ZUR HÖLLE IST DAS FÜR EIN ROLLGRAS AUS HAAREN IM BAD?"

„Ich schätze, ich esse nicht mehr so viel ungesunden Dreck wie früher."

„Meine Masturbationsgewohnheiten wurden definitiv beeinflusst. Das war auf jeden Fall eine große Änderung. Ich liebe meine Frau zwar, aber ich wollte etwas Besonderes, das sie mir nicht wegnehmen konnte. Ich wollte auch so viel Sex wie möglich haben, aber trotzdem wollte ich Zeit für mich. Ich konnte nicht einfach offen loslegen, also versuchte ich, es zu verstecken, indem ich auspackte, wenn sie auf dem Klo oder duschen war. Ich habe angefangen, mein Handy zu sperren und im Inkognito-Modus zu surfen. Ich bin zum Masturbations-Ninja geworden."

„Plötzlich gab es viele Dinge, die mich auf die Palme brachten, auf die ich vorher gar nicht gekommen wäre."

„Ich habe komplett vergessen, wie Kochen geht. Meine Freundin ist aus Haiti und kocht unfassbar gutes haitianisches Essen. Leckere, gesunde Mahlzeiten zu kochen, macht ihr nicht nur Spaß, sondern fällt ihr auch noch leicht. So frustrierend! Es funktioniert, weil ihr Kochen so viel Spaß macht. Aber ich muss trotzdem wieder lernen, wie ich Mahlzeiten plane, weil sie im Herbst ihr Studium anfängt."

Wann hat es sich echt angefühlt?

„Das war ganz kurz nach dem Zusammenziehen. Ich kam eines Abends aus der Arbeit und meine Freundin, die damals von zu Hause arbeitete, umarmte mich ganz lang. Die Art von Umarmung, bei der keiner von beiden etwas sagt, aber beide fühlen dasselbe. Es war kein besonders bemerkenswerter Moment, einfach nur zwei Leute, die sich umarmen, doch in dem Augenblick schoss es mir durch den Kopf: ‚Wow. Ja, ich wohne jetzt wirklich mit dieser Person zusammen.'"

Man geht zusammen schlafen und wacht zusammen auf, und man erlebt die traurigsten und schwierigsten Momente mit.

„Definitiv als ich den Wasserhahn laufen lassen musste, während ich auf dem Klo war, damit er mich nicht beim Kacken hört. Unser Bad ist nicht besonders weit vom Bett entfernt."

„Einmal habe ich die Wohnung verlassen, während sie auf dem Sofa saß und einen Film sah. Als ich heimkam, hatte sie mein Zeug durchgesehen. Wenn ich alleine gewohnt hätte, dann hätte sie das nicht gemacht. Plötzlich war alles, was meins war, auch ihres—meine seltsamen Vorbelastungen, meine Nostalgie für Ex-Beziehungen. Ich dachte: ‚Heilige Scheiße, warum tust du so etwas?' Aber dann dachte ich: ‚OK, wir wohnen zusammen; es ist unser Zeug, unser Computer.'

„Seine Mutter starb unerwartet, ein paar Monate nachdem wir zusammengezogen waren. Ich weiß noch, wie ich mit ihm auf dem Boden saß, nachdem er den Anruf bekommen hatte. Er ist ein ziemlich großer Kerl und verhält sich meist ziemlich stoisch, doch er fiel einfach in sich zusammen und weinte. Ich war schon mit Leuten zusammen gewesen, die große, schlimme Schicksalsschläge wie diesen erlitten hatten, aber wenn man nicht zusammenwohnt, kriegt man nur die geschönte Version mit, nachdem sich derjenige schon ein bisschen eingekriegt hat. Wenn wir nicht zusammengewohnt hätten, wäre es mir schwergefallen, ihn mir weinend am Boden vorzustellen. Da wurde mir wahrscheinlich zum ersten Mal klar, was es bedeutet, mit jemandem zusammenzuleben—man geht zusammen schlafen und wacht zusammen auf, und man erlebt die traurigsten und schwierigsten Momente mit."

Musste sich jemand in eurer Beziehung ändern, um es dem/der Anderen rechtzumachen?

„Er war Marathonläufer und Alkoholiker, also fing ich an, viel mehr laufen zu gehen und zu trinken. Ich liebe Katzen, also haben wir eine aus dem Tierheim geholt. Als ich damit drohte, ihn zu verlassen, weil er ein schlampiger, ekliger, chaotischer Trinker war, ließ er mich ein Kätzchen aufnehmen. Danach waren wir noch ein Jahr lang zusammen. Er ist immer noch Alkoholiker, aber er geht nicht mehr laufen. Ich bin jetzt Läuferin und habe zwei Katzen."

„Ich hatte plötzlich das Gefühl, Rechenschaft darüber ablegen zu müssen, was ich mit meiner Zeit anstelle. Es ist mir egal, was Andere sagen: Wenn du total betrunken und auf Drogen nach Hause getorkelt kommst, während deine Partnerin nüchtern im Wohnzimmer sitzt, dann stimmt was nicht. Das ist eine schlechte Idee. Wenn wir uns zusammen abschießen, ist das OK, aber nicht alleine. Ich bin nicht mehr so viel ausgegangen und hab nicht mehr so viel gefeiert, außer sie war dabei."

„Ich gehe jetzt früher schlafen. Früher habe ich etwa fünf Stunden pro Nacht geschlafen, so ab 2 oder 3 Uhr morgens, aber er schläft viel mehr und legt sich um Mitternacht ins Bett. Meine Schlafgewohnheiten waren sowieso irgendwie doof, also habe ich mich an seine angepasst. Jetzt wache ich einfach vor ihm auf, mache ein paar Sachen allein und verursache nach ein paar Stunden Lärm, damit er ‚von alleine' aufwacht. Er weiß, was ich tue, aber wir tun beide so, als seien die Geräusche unabsichtlich."

Wie haben sich deine Masturbationsgewohnheiten und dein Sexleben geändert?

„Ich glaube, bei uns beiden hat sich da gar nichts geändert. Ich masturbiere selten, und er macht es so gut wie jeden Morgen, und nichts davon hat sich durchs Zusammenleben geändert. Er wacht einfach mit einer Erektion auf und masturbiert, bevor er aufsteht. Ich denk mir immer so: ‚Ich hab keine Zeit für den Scheiß' und geh dann Zähneputzen oder mache mich fertig. Wir fühlen uns einfach übertrieben wohl mit einander."

Ich vermisse es, schlecht drauf zu sein und auch sichtbar schlecht drauf zu sein, ohne dass gleich eine Unterhaltung daraus wird.

„Die Heimlichtuerei ist bei mir ums Zehnfache angestiegen. Sie wusste meist, dass ich mir einen runterhole, obwohl ich mich für so listig hielt. Wir hatten mehr Sex, bevor wir zusammengezogen sind...:("

„Wir nehmen beide Antidepressiva, also hat keiner von uns eine besonders starke Libido, doch er scheint die Zeit zu finden, sich einen runterzuholen. Ich verspüre selten die Motivation dazu, aber wenn, dann bin ich meist betrunken und er schläft. Wir haben immer noch nicht so besonders oft Sex, aber es ist leichter, jetzt wo wir zusammenwohnen und jede Nacht in einem Bett schlafen."

Was vermisst du am meisten am Alleinewohnen?

„Ich vermisse es, schlecht drauf zu sein und auch sichtbar schlecht drauf zu sein, ohne dass gleich eine Unterhaltung daraus wird. Wenn ich zu Hause traurig oder sauer bin, dann gibt es eine Unterhaltung darüber, weil sie sich natürlich fragt, was los ist. Ich habe keine emotionale Privatsphäre und das fehlt mir. Jetzt ist alles in meinem Kopf und ich muss mich entscheiden, ob ich diese Gefühle mit anderen Leuten teile. Ich glaube, ich habe mehr Zeit zu Hause verbracht, als ich alleine gewohnt habe. Dann musst du dich nicht in deinen Kopf zurückziehen—ich konnte in meinem Zimmer wüten, wenn ich sauer war."

„Was ich am meisten am Alleinewohnen vermisse, ist die akzeptable Stummheit nach einem ganzen Tag voller Gequassel."

„Es gab eine Zeit, da musste ich niemandem irgendwas erklären. Niemand fragte sich, was mich dazu bewegte, bis 3 Uhr aufzubleiben, um etwas Kreatives zu machen oder nach der Arbeit noch auszugehen. Du bezahlst eine mentale Steuer, wenn du mit einer Person zusammenlebst, die ein gutes Recht darauf hat, neugierig zu sein, was du treibst. Keine einzelne Frage ist unvernünftig, doch die Gesamtlast der Fragen fühlt sich schwer an."

„Das Schlimmste—und ich will das hier vorsichtig ausdrücken—am Zusammenziehen ist, dass du diese Änderung deiner Beziehung nicht rückgängig machen kannst. Ich bin sehr, sehr verliebt in meinen Freund und bin glücklich darüber, mit ihm zusammen zu sein, und ich rechne nicht damit, dass wir uns trennen—aber was, wenn doch? Es gibt nicht wirklich ein ‚Zurück', wenn du mit jemandem zusammengezogen bist. Ich verbringe nicht viel Zeit damit, über meine beziehungstechnische Zukunft (Heirat, Familienleben, was auch immer) nachzudenken, doch ich schätze, es gibt nur eine Richtung, in die sich das Ganze entwickeln kann, jetzt wo wir zusammenwohnen."

Was ist das Beste daran, mit einem Partner oder einer Partnerin zusammenzuwohnen?

„Einer der tollsten Aspekte ist, dass wir ein queeres Zuhause haben. Da sind wir und dann zwei total coole, queere Mitbewohner (wir sind das einzige Paar). Ich konnte es mir noch nie leisten, alleine zu leben, und habe mich jahrelang mit schrecklichen Untermiet-Situationen herumgeschlagen. Unser Zuhause fühlt sich an wie eine Zuflucht vor dem ganzen Scheiß auf der Welt: die Blicke und die Belästigung, denen wir als Butch-Femme-Paar unterschiedlicher Hautfarbe ständig ausgesetzt sind, die misogyne und homophobe Belästigung, die wir einzeln abkriegen, und der alltägliche Bullshit, den das Stadtleben so mit sich bringt: verspätete Züge, schreckliche Arbeitswege, und so weiter. Aber wenn ich zu Hause bin, fühle ich mich immer sicher. Ich fühle mich wahrhaft zu Hause und kann vollkommen ich selbst sein. Sie ist mein Zuhause."

„Die kleinen Dinge und die großen Dinge wären schwieriger und schlimmer ohne ihn."

„Der wirkliche Vorteil des Zusammenlebens ist metaphysisch. Es geht darum, was dieser Schritt für die Beziehung bedeutet. Man wird mehr zu einer Familie, statt einander Sex-Partner zu sein. Dein Wohlergehen ist untrennbar mit dem Wohlergehen der anderen Person verbunden."

„Wenn ich eine Sache aussuchen müsste, die ich am meisten schätze, dann würde ich sagen, es ist die Tatsache, dass viele Dinge, die ich zu Hause mache, gar nicht passieren würden, wenn ich alleine leben würde. Es versickert im Äther oder bleibt in meinem Kopf stecken. Mein Leben zu Hause ist jetzt ein Teil der umfassenden Geschichte der Beziehung. Dadurch haben die Dinge, die ich zu Hause tue, Bedeutung. Wenn ich zu Hause Musik hören will, dann hat das in unserer Beziehung und in unser beider Leben Bedeutung. Es ist wie diese Sache mit dem Baum, der im Wald umfällt. Wenn ich etwas ganz alleine mache, dann könnte es genau so gut nicht passiert sein. Mit einer Partnerin zusammenzuziehen, ist mit Abstand das Beste, das ich jemals getan habe. Es hat mein Leben auf jede erdenkliche Art verbessert ... aber es frisst mich verdammt an, dass sie die Eiswürfelform nie auffüllt. So schwierig ist das doch nicht. Jesus."