Safer Use

Ecstasy: Die neuen Pillenwarnungen zum Wochenende

Es gibt neun neue Testergebnisse und Warnungen für verunreinigte oder extrem hoch dosierte Pillen. Wir haben sie zusammengetragen.

VICE Staff

VICE Staff

Eine von hundert kennt das Gefühl. 1,3 Prozent aller 15- bis 34-Jährigen haben im letzten Jahr mindestens einmal MDMA konsumiert. Die meisten warfen eine Ecstasy-Pille, zwischen Frauen und Männern gab es keinen merkbaren Unterschied. Das geht aus dem Drogen-Report 2018 für Deutschland der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht in Lissabon (EMCDDA) hervor.

Jede Woche kommen neue Pillen in den Umlauf. Legal testen lassen können deutsche Konsumierende die nicht – deswegen haben wir die Drogenwarnungen aus unseren Nachbarländern zusammengetragen. Getestet wurden sie von der gemeinnützigen britischen Firma The Loop, dem niederländischen Trimbos Institut, "Checkit!" von der Suchthilfe Wien, der Innsbrucker Drogenarbeit Z6, dem Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) und der Drogeninfo Bern Plus (DIB+).

Die folgenden Pillenwarnungen wurden in den letzten sieben Tagen veröffentlicht. Alle Warnungen seit Mai dieses Jahres – einschliesslich der neuen – haben wir in einem Artikel zusammengefasst, der hier zu lesen ist. Jede Pille ist entweder hoch oder extrem hoch dosiert, oder sie enthält gar kein oder nicht nur MDMA. Wenn eine Pille nicht gelistet ist, heisst das nicht, dass sie rein und niedrig dosiert ist. Der Artikel enthält zu dem eine Reihe sogenannter Safer-Use-Regeln, um unnötige Risiken und mögliche Schäden durch Ecstasy-Konsum zu reduzieren. Wir erklären dort auch, warum wir überhaupt Pillenwarnungen veröffentlichen.

Die Seite pillen.sauberdrauf.com der bayrischen Drogenberatungsstelle mindzone und das Drug-Checking-Tool von saferparty.ch listen viele weitere und ältere Pillentests.

Die Pillenwarnungen der zweiten Juli-Woche 2018

Rosafarbenes Herz

Pillenfotos: Checkit! | DIB+ | DIZ | Drogenarbeit Z6 | The Loop | Trimbos || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

In Zürich wurde Anfang Juli eine solche hoch dosierte Pille mit 174 Milligramm MDMA-Gehalt getestet. Nicht nur deshalb gilt besondere Vorsicht: In Grossbritannien hat The Loop eine rosa-rote Herz-Pille getestet, die sich optisch nur wenig von dieser Pille unterscheiden lässt (die von The Loop getestete Pille hatte ein glattere Oberfläche, siehe Liste). Diese enthielt statt MDMA 100 Milligramm des Research Chemicals n-Methyl Pentylone. Es besteht ein unberechenbares Gesundheitsrisiko bei Einnahme dieser Pille.

Rosafarbene "Philipp Plein" *KEIN MDMA

Besondere Vorsicht gilt bei der "Philipp Plein". Pillen mit diesem Logo zirkulieren derzeit auch in Orange, Grün und Gold/Beige (siehe die jeweiligen Farben). Sie alle wiesen in Tests hohe oder extrem hohe Dosen MDMA auf. Für rosafarbene Pillen hat Trimbos in den Niederlanden im März einen "Red Alert", eine ausdrückliche Warnung, herausgegeben: Bei einem Test wurde statt MDMA 2-Fluormethamphetamin in einer Tablette gefunden. Das Research Chemical ist ein Upper und wirkt laut Beschreibungen eher wie Amphetamin statt wie MDMA. Die Substanz ist kaum erforscht. Es besteht ein unberechenbares Gesundheitsrisiko bei Einnahme der Pille. In einer anderen rosafarbenen "PP" wurde Anfang Juli in Innsbruck die hohe Dosis von 125 Milligramm MDMA gefunden.

Orangefarbene "Lieferando"

Orangefarbener Hintergrund: Eddi van W. | Flickr | CC BY 2.0

In den Niederlanden wurde eine orangefarbene Pille in Hausform mit dem Lieferando-Logo getestet. Sie enthielt neben einer hohen Dosis von 150 Milligramm MDMA auch 10 Milligramm 2C-B. Diese Mischung zweier Substanzen kann sehr unterschiedlich wirken und ist schwer kontrollierbar. Das Trimbos Institut hat deshalb einen "Red Alert", eine ausdrückliche Warnung, ausgesprochen.

Orangefarbener oder lachsroter Wikinger

Anfang Juli wurde in Zürich eine solche Pille getestet. Das Ergebnis: Mit einem MDMA-Gehalt von 244 Milligramm ist sie extrem hoch dosiert.

Beiges Auge

201 Milligramm MDMA – eine extrem hohe Dosis, die das DIZ Ende Juni in einer beigen, "einäugigen" Pille gefunden hat.

Beige Champagnerflasche *KEIN MDMA

Vorsicht, wenn diese Pille als Ecstasy verkauft oder rumgegeben wird: Ein Anfang Juli in Zürich getestetes Exemplar enthielt kein MDMA, sondern 12 Milligramm des Halluzinogens 2C-B.

Gelbe "Spongebob"

Mit 101 Milligramm MDMA ist die Pille, die Checkit! im Juni getestet hat, noch immer hoch dosiert. Der Test ergab aber auch, dass sie eine unbekannte Substanz enthält. Wer die Pille schmeisst, geht daher ein unbekanntes Gesundheitsrisiko ein. In Zürich gab jemand Anfang Juli eine gelbe "Spongebob" zum Testen ab, die sich als rein, aber hoch dosiert herausstellte: 143 Milligramm MDMA.

Grün-gelber/hellgrüner "Stewie"

Diese Pille ist nicht harmlos: In einem Exemplar wurde bei einem Test in Zürich Anfang Juli die extrem hohe Dosis von 235 Milligramm MDMA gefunden.

Graue SIM-Karte

Bei diesen Pillen besteht eine sehr grosse Verwechslungsgefahr. Graue "SIM-Karten" sind gerade mit verschiedensten Inhalten und "Marken" auf der Rückseite im Umlauf. Eine mit der Aufschrift "knp" Anfang Juni in Zürich getestete Pille enthielt 178 Milligramm MDMA. Als extrem hoch dosiert erwiesen sich je eine Pille, auf denen "vodafone" bzw. "Lebara" standen. In der Ersten wurden in Innsbruck im Juni 237 Milligramm MDMA gefunden, in der Zweiten Anfang Juli in Zürich 213 Milligramm MDMA.

Folge VICE auf Facebook und Instagram.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.

Mehr VICE
VICE-Kanäle