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Beziehungen

Menschen erzählen, wie sie beim Seitensprung erwischt wurden

Die Geschichte in einer Kneipe – vor dem eigenen Freund – einfach selbst auszuplaudern, war nicht die dümmste Variante.

von Amelia Abraham
21 Juni 2017, 4:57pm

Standbild aus dem Film 'Silver Linings'

Seitensprünge sind extrem verbreitet: Verschiedene Studien zeigen, dass etwa 40 bis 60 Prozent aller Männer und Frauen irgendwann untreu werden. Je nach Untersuchung hat mal das eine, mal das andere Geschlecht die Nase vorn. Gerade Jüngere setzen immer häufiger soziale Medien ein, um heimlich mit anderen anzubandeln, doch die Affäre selbst braucht dann schon Körperkontakt. Eine Studie der Kuppelseite ElitePartner hat ergeben, dass 55 Prozent der Frauen finden, Fremdgehen fange beim Küssen an, bei den Männern sind es 46 Prozent. Nur gut fünf Prozent der Männer und drei Prozent der Frauen gaben dort aber zu, ein Problem mit dem Treusein zu haben.

Wir haben uns mit jungen Schwerenötern unterhalten, die ihre Untreue eingestehen – oder besser gesagt: Die es gar nicht mehr abstreiten können, weil sie erwischt wurden.

"Ich habe meinen Freund bei einem Gangbang im Berghain betrogen."

VICE: Wie stand es um deine Beziehung, als du untreu wurdest?
Ben, 23: Ich war seit anderthalb Jahren mit meinem Freund zusammen, als ich ihn betrogen habe. Aus der Beziehung war langsam die Luft raus, zumindest aus meiner Sicht. Er hat schlimme Psychospielchen abgezogen, mir ständig meine eigenen Gefühle erklärt, mich kritisiert und seine Meinung über meine gestellt. Das war mein erster Seitensprung. Ich hatte die Beziehung einfach dermassen satt.

Wo hast du dein Abenteuer denn gehabt?
Zwei Freundinnen und ich gingen in einen grossen, coolen Berliner Techno-Club. Ich will nicht zu viel verraten und sage jetzt mal keinen Namen ... Also, okay, es war natürlich im Berghain. Ich bin schwul und die Freundinnen waren zwei Lesben. Jedenfalls ergab sich dann so eine Art "Beste-Freunde-Orgie" mit einem Haufen anderer Typen. Mit zwei von diesen Typen habe ich mich dann zurückgezogen und eins führte zum Nächsten. Mein Seitensprung war keine kleine Knutscherei, sondern zwei Männer haben es mir von beiden Seiten gegeben, auf einer PVC-Sex-Schaukel.

Hat es dir gefallen?
Der Sex war klasse. Aber abgesehen davon hat das Erlebnis einfach das Ende meiner Beziehung besiegelt. Mir ging auf, dass es viel mehr Spass machte, mit diesen Kerlen einen Eiffelturm zu bauen, als mich von meinem Freund emotional missbrauchen zu lassen. Das war einfach der letzte Sargnagel für die Beziehung und ich bereue nichts.

Wie wurdest du erwischt?
Ich war mit meinem Freund und einigen Kumpels in einer Bar und habe die Geschichte richtig laut erzählt. Die Typen von der Orgie waren auch da. Irgendwie habe ich einfach total vergessen, mich da zu zensieren. Vielleicht war das ja unterbewusst beabsichtigt, aber ich hatte echt nicht vor, meinem Freund zu erzählen, wie mich zwei Typen gebumst haben. Das war schon ziemlich gemein von mir. Ich bin froh, dass ich nicht mehr mit ihm zusammen bin, aber dass ich fremdgegangen bin und es hinterher rausposaunt habe, das hätte ich mir rückblickend sparen können.


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"Ich betrog meinen Freund ein halbes Jahr lang mit zwei Typen. Es war ein Spiel mit dem Feuer."

VICE: Erzähl uns von deinem Seitensprung.
Nora, 30: Ich war in einer Langzeitbeziehung. Zuerst hatte ich eine Affäre mit einem Arbeitskollegen. Wir haben uns viel über WhatsApp und Facebook unterhalten und beim Trinken mit Kollegen oder auf Büropartys lief dann was. Dann war ich ein bisschen später noch mit einem anderen untreu. Wir haben uns auch vor allem in Bars und auf Partys gesehen. Mein Freund lebte einen Teil der Zeit im Ausland, aber es gab mindestens einen Monat, in dem sich alle Beteiligten in einem Radius von ein, zwei Kilometern befanden.

Wir wurdest du erwischt?
Ich kann nicht fassen, dass es nicht früher passiert ist. Ein halbes Jahr lang habe ich mit dem Feuer gespielt. Am Ende kam es auf mehrere Arten raus. Den einen Seitensprung habe ich auf eine Party mitgenommen, wo ich sicher war, dass keine gemeinsamen Freunde dort sein würden. Als wir Händchen haltend ankamen, stand aus unerfindlichen Gründen der beste Kumpel meines Freunds da und stotterte: "Hey ... Wer is'n der Typ?" Er sagte es sofort meinem Freund. Ich behauptete, das wäre nur ein Kumpel, aber er glaubte es mir nicht.

Bereust du es?
Ehrlich gesagt nicht. Ich machte gerade eine echt traumatische Familiensituation durch und mein Freund war unfassbar scheisse und unterstützte mich nicht. Das Fremdgehen war also eher so ein Mittelfinger, weil er sich nicht um mich scherte. Ich war auch nicht mit dahergelaufenen Fremden untreu, sondern mit den männlichen Freunden, die mich wirklich unterstützt haben und die mir sehr am Herzen liegen. Vielleicht hätte ich nichts Körperliches daraus machen sollen, aber ich kam kaum noch klar und nahm eine Menge Drogen, um meinem Leben zu entkommen. Ich habe das damals gebraucht.

Würdest du beim nächsten Mal besser aufpassen?
Ich glaube ehrlich nicht, dass ich nochmal fremdgehen werde. Das war ein Symptom meines chaotischen Lebens damals. Ich habe jetzt alles viel besser im Griff und bin seit drei Jahren in einer rundum glücklichen Beziehung. In der Zeit ist mir Fremdgehen noch nicht mal in den Sinn gekommen. Ich glaube nicht an den Spruch: "Einmal untreu, immer untreu".

"Mein Freund sperrte sich ins Bad und reaktivierte auf meinem Handy Tinder."

VICE: Also, was hast du ausgefressen?
Nadia, 26: Ich war in einer Fernbeziehung und nutzte heimlich Tinder – für Sex, zum Daten oder um zum Essen eingeladen zu werden. Immer wenn mein Freund mich besuchen kam, löschte ich Tinder vorher gewissenhaft. Er lebte im Ausland und kannte nur wenige Leute aus meiner Gegend, also hielt ich das Ganze für ziemlich risikoarm. Aber ich lag falsch – er hatte einen Riecher dafür wie ein Spürhund vom Zoll.

Wie hat er es denn erfahren?
Eines Sonntags stand ich in der Küche und machte uns Rührei, währenddessen schaffte er es irgendwie, mein Handy zu entsperren. Er schloss sich damit ins Bad und downloadete Tinder neu. Sofort prasselten die Matches auf ihn ein. Aber das reichte ihm noch nicht. Er schrieb in meinem Namen früheren Dates, um mich dann mit unumstösslichen Beweisen zu konfrontieren.

Wie lief die Konfrontation ab?
Ich war so schockiert darüber, wie er meine Privatsphäre missachtet hatte, dass mir nur langsam aufging, was eigentlich gerade passierte. Ich bin sonst nicht auf den Mund gefallen, aber in dem Moment war ich sprachlos. Zu dem Zeitpunkt hätte ich wohl ohnehin kaum noch was zu meiner Verteidigung sagen können. Er hielt die Beweise ja in der Hand. Wir haben uns dann direkt getrennt.

Wie fühlst du dich rückblickend?
Na ja, später fand ich raus, dass er selbst ein ziemlich mieser Fremdgeher war – was natürlich seine messerscharfe Intuition erklärt. Er kannte sich auf dem Gebiet eben aus.

"Er sass in Boxershorts in meinem Zimmer. Es war wohl ziemlich eindeutig."

VICE: In was für einer Beziehung warst du, als du untreu wurdest?
Emily, 20: Wir waren 17 und seit zwei Jahren zusammen. Er war ein ganz lieber Kerl, ausserdem superheiss und 1,93 Meter gross. Aber eben auch nicht der Hellste und er hatte Erektionsstörungen. Er machte alles für mich und passte auf mich auf, wenn ich Scheisse baute. Ich habe ihn sehr geliebt, meine Familie hatte ihn auch gern. Meine Ma liebt grosse Männer, und dann war er auch noch Kadett, das fand sie gut. Meine Oma gab uns immer Geld für Dates – wir gingen dann in den Park trinken.

Wie kam es zu deinem Seitensprung?
Ich war mal mit einem Haufen Leuten im Park, die ich nicht so gut kannte. Es war gleich nach dem Schulabschluss und wir haben mit Pillen gefeiert. Dabei habe ich mich dann irgendwie in diesen Jungen verliebt. Er war seltsam und wunderschön. Ist er heute noch. Damals hatte ich nicht den Eindruck, überhaupt eine richtige Wahl zu haben. Das Gefühl war einfach so stark. Ich kann es immer noch fühlen. Er kam mit mir nach Hause und blieb dann einfach ewig.

Wie wurdest du erwischt?
Der Kadett machte einen Überraschungsbesuch. Er war einen Tag früher als geplant von einer Reise zurück. Vielleicht wollte er auch versuchen, mich zu erwischen? Er hatte hin und wieder eine verdächtige SMS mitbekommen. Der Pillenjunge sass in Boxershorts in meinem Zimmer. Ich schätze, es war wohl ziemlich eindeutig.

Bist du seitdem noch mal fremdgegangen?
Ja. Ich scheine das nicht abstellen zu können. Ich habe mir früher geschworen, dass ich das nie mache, weil ich mitansehen musste, wie mein Vater das meiner Mutter immer wieder angetan hat. Aber die Antwort lautet Ja. Und ich war auch nicht immer betrunken oder auf Pillen. Das Ganze als "Erbsünde" zu sehen erscheint mir zwar wie eine dumme Ausrede. Aber bei jedem Seitensprung muss ich irgendwie auch sofort an meine Kindheit denken, also vielleicht gibt es da ja einen Zusammenhang?

Alle Namen und wenige Details, die zur Identifizierung der Personen führen könnten, wurden geändert.

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