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Mein Treffen mit einem Fussfetischisten, der mich auf Facebook angeschrieben hat

Es war regnerisch und ich war irgendwie dankbar, geschlossene Schuhe tragen zu können.

von Nadja Brenneisen
10 August 2016, 9:00am

Von links nach rechts: Füsse, Füsse, Füsse, Füsse | Foto von Unsplash

Die Erlebniswelt Facebook bestimmt meine subjektive Wahrnehmung einigermassen stark, sodass ich seit letztem Jahr davon überzeugt bin, dass es auf der Welt von Fussfetischisten wimmelt. Dies, weil ich immer wieder Facebook-Anfragen von Männern bekomme, die sich Fussbilder von mir wünschen, mir Geld dafür bezahlen wollen, dass ich die von ihnen ausgesuchten Schuhe trage oder ihre wilden Fussfantasien ungefragt mit mir teilen.

Google bestätigt meinen Verdacht: Immerhin gibt es in der Schweiz Partys, zu denen nur Fussfetischisten geladen werden, um trautes Beisammensein zu feiern. Oder eine auf Fussfetisch spezialisierte Seite, die dem Zuschauer Schweissfüsse in höchster sexueller Aktion liefert. Da mich die Vorstellung davon, dass wildfremde Männer meine Füsse massieren, ablecken oder als Handersatz zweckentfremden, nicht sonderlich erquickt, bin ich bisher nicht auf allfällige Anfragen eingegangen. Bis mich ein selbsternannter Fussfetischist zur moralischen Werteinstanz auserkor: Ich sollte bewerten, ob es OK ist, Frauen auf der Strasse anzusprechen und darum zu bitten, ihre Füsse zu prostituieren.

Es folgten ein kurzes Gespräch und eine längere Nachdenkphase über diesen doch noch stigmatisierten Fetisch. Ich beschloss, mir einen Interviewpartner zu suchen, der mir aus seiner persönlichen Erfahrung und Wahrnehmung erzählen kann, wie es sich anfühlt, einen Fussfetisch zu haben. So traf ich mich also mit Kevin, der seinen echten Namen lieber nicht publiziert sehen möchte und mich letztes Jahr angeschrieben hatte. Wir verabredeten uns in einer Cafékette am Zürcher Hauptbahnhof. Es war regnerisch und ich war irgendwie dankbar, geschlossene Schuhe tragen zu können.

Ein Auszug aus meinem Archiv an Facebook-Nachrichten | Grafik von VICE Media

VICE: Hallo Kevin. Toll, dass du mir von deinem Fussfetisch erzählen willst.
Kevin: Ich schäme mich ja nicht dafür. Fotos darfst du trotzdem keine machen.

Wieso nicht?
Ich habe halt eine spezifische sexuelle Vorliebe, für die ich mich zwar nicht schäme, die ich aber auch nicht unbedingt an die grosse Glocke hängen will. Ich meine, du sagst ja auch nicht: 'Hallo, ich bin die Nadja und steh drauf, dass man mir den Hintern versohlt.' Ich entscheide lieber selber, wer über meinen Fetisch Bescheid wissen soll. Meiner Ex habe ich es erst nach einem Monat gesagt.

Und wie hat deine Ex darauf reagiert?
Naja, ihr war es schon ein bisschen unangenehm. Also sie war halt überfordert und wusste nicht, was sie darauf antworten sollte, ohne mich zu verletzen. Ich habe ihr dann gesagt, dass wir ja einfach mal rumexperimentieren könnten und sie sagen soll, was und ob es ihr gefällt.

Hat es?
Zuerst schon. Oder sie hat es einfach behauptet. Aber mitgemacht hat sie schon. Ich meine, viel machen musste sie auch nicht. Ich habe ja die Hauptarbeit übernommen. Und nach ein paar Monaten war es dann eh aus mit uns. Ich glaube, dass sie sich mit der Zeit ein bisschen über meinen Fetisch genervt hat.

Inwiefern?
Ihre Füsse haben halt die Hauptrolle in unserem Sexleben gespielt. Also, ich weiss jetzt auch nicht, wie sehr ich ins Detail gehen soll. Aber auf jeden Fall hat sie gemerkt, dass mich ihre anderen Körperteile nicht sonderlich interessieren. Sie hat sich sozusagen auf ihre Füsse reduziert gefühlt. Wenn sie Sex wollte, ohne dass ihre Füsse eine Rolle spielen, dann konnte ich plötzlich nicht mehr. Also physisch.

Und deshalb ist es auseinandergegangen?
Im Endeffekt schon. Sie hatte weniger Spass an unserem Sexleben als ich und ich konnte Sex nur auf diese Art geniessen. Ich habe ihr auch gesagt, dass ich das brauche und von ihr erwarte, wenn sie mich wirklich liebt. Das war vielleicht der Fehler. Ich habe dann auch angefangen, mir Gedanken darüber zu machen, ob das vielleicht nicht ein bisschen oberflächlich von mir war.

Kein Screenshot aus einem Fussfetischistenporno, sondern ein Symbolbild | Foto von How-Soon ngu | Unsplash | CC0

Und zu welchem Schluss bist du gekommen?
Mich stört es schon, dass ich mir meine Frauen aufgrund ihrer Füsse aussuche. Das Gesicht oder auch der Körper interessiert mich nicht. Aber ich kann halt nichts dagegen machen, dass ich total auf Füsse stehe. Frauen mit ungepflegten Füssen interessieren mich nicht, in die kann ich mich auch emotional nicht verlieben. Ich habe kürzlich eine Frau kennengelernt, die war ganz schön korpulent und hatte dann diese leichten, aber für die Körperfülle ganz schön schlanken X-Beine. Die Füsse waren total klein und zierlich und sie trug ein herziges Fusskettchen. Das hat mich total angemacht.

Hast du sie angesprochen?
Nein. Ich mache mich nur selten an Frauen ran. Und wenn, dann bin ich meistens betrunken in einem Club und sehe die Füsse nicht. Zuhause wird man dann sehr wahrscheinlich enttäuscht. Deshalb habe ich eine neue Strategie gefunden, die mich befriedigt.

Und die wäre?
Ich zahle. Also ich bestelle mir Prostituierte nach Hause oder Studentinnen, die sich etwas dazu verdienen wollen. Ich glaube, dass die meisten von den Damen ziemlich froh sind, bei mir gelandet zu sein, weil ich ja keinen klassischen Sex mit ihnen will.

Wissen die Frauen, auf was genau sie sich einlassen?
Klar. Ich bespreche das im Detail. Ich meine, ich muss ja abchecken, ob das in Ordnung ist. Auf eine Anzeige habe ich keinen Bock. Willst du wissen, wie das abläuft?

Klar.
Also zuerst reden wir bei mir zuhause und ich erzähle ihnen, was ich mir wünsche. Sie müssen eigentlich nur auf meinem Bett chillen. Ich massiere zuerst ihre Füsse mit Öl. Das dauert dann schon eine Weile und macht mich schon ziemlich hart. Die Frauen müssen auch nicht zuschauen, wenn sie nicht wollen, aber aus meiner Erfahrung kann ich dir sagen: Die Frauen finden das total toll, wenn sie sehen, wie sehr es mich anmacht, nur ihre Füsse zu verwöhnen. Dann fange ich an, die Füsse mit meinem Mund zu verwöhnen. Die Frauen sollten also nicht kitzlig sein, das ist eine Voraussetzung. Wenn es OK ist—ich zahle dann auch mehr—muss sie mir dann einen Toejob machen.

Ist das so wie ein Handjob aber mit dem Fuss?
Nein. Das ist ein riesiger Unterschied. Ich stehe nicht auf Footjobs. Also das wäre dann das, was du gerade beschrieben hast. Der Toejob wird nur mit den Zehen gemacht. Das ist ganz wichtig. Ich geniesse es total, wenn ich sehe, wie sich die kleinen Zehen bei der Bewegung abspreizen und so.

Und wie oft "gönnst" du dir so einen Heimbesuch?
Schätzungsweise drei bis vier Mal im Monat. Es ist nicht so einfach, Studentinnen zu finden. Und die habe ich lieber als Prostituierte. Hey, vielleicht kennst du ja jemanden, der die Erfahrung machen will?

Ich glaube nicht, dass meine Freundinnen da mitmachen. Aber ich denke an dich, wenn jemand seine Füsse zur Verfügung stellt. War nett, mit dir zu plaudern.

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Foto von Kris Atomic | Unsplash | CC0