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Fotos von einem der dreckigsten Orte der Welt

Der Schnee ist hier schwarz, die Luft ist voller Schwefel, die Plattenbauten sind verfallen und die Bewohner haben ein kurzes Leben: Willkommen in Norilsk

von Elena Chernyshova
12 Juli 2016, 6:30am

Norilsk ist nicht direkt malerisch. Zerfallene Plattenbauten, leerstehende Wohnungen, Schornsteine, die schwarzen Qualm in die kalte Luft blasen. Die Stadt befindet sich 300 Kilometer nördlich des Polarkreises in Sibirien. Im Jahresdurchschnitt liegt die Temperatur bei -10,2°. Die Lebenserwartung liegt zehn Jahre unter der im restlichen Russland. Norilsk wurde wegen der riesigen Nickelvorkommen 1935 als Straflager gegründet und von Gulag-Häftlingen gebaut. Heute leben hier 175.000 Menschen, die fast alle für Norilsk Nickel arbeiten, dem weltweit größten Produzenten für Nickel.

Das macht Norilsk zwar sehr reich, aber auch sehr dreckig. Immer wieder ist die Stadt auf Listen der schmutzigsten Orte der Welt. Der Schnee, der in Norilsk fällt, ist deswegen auch mal schwarz, das Risko an Krebs zu erkranken, doppelt so hoch wie im restlichen Russland.

Die Fotografin Elena Chernyshova verbrachte sieben Monate in Norilsk und erlebte dort sowohl den Polartag als auch die Polarnacht. Ihre Bilder ermöglichen einen Einblick in diese fast schon apokalyptische Welt und die Herausforderungen, mit denen sich die Bewohner Norilsks täglich konfrontiert sind.

Mehr Fotos von Elena gibt es hier.

Norilsk erreicht man im Winter nur mit dem Flugzeug

Das sogenannte "Große Norilsk" besteht aus drei Städten (Norilsk, Talnach und Kajerkan), alle in einem Radius von 30 Kilometern und durch Landstraßen miteinander verbunden

Laut einer 2010 durchgeführten Volkszählung leben im Ballungsraum Norilsk 175.300 Menschen. Davon wohnen 105.800 direkt in Norilsk, 47.175 in Talnach, 22.334 in Kajerkan und 888 in Sneschnogorsk

Schon vor über 6.000 Jahren lockten die reichen Bodenschätze Menschen in die Region um Norilsk. Archäologen konnten Spuren dieser Menschen sicherstellen

Der Tagebau "Medvejii Ruchei" gehört unter anderen zum Unternehen Norilsk Nickel, dem weltweit führenden Palladium-Produzenten

Die Arbeitsbedingungen sind hart. Als Kompensation bekommen die Arbeiter 90 Urlaubstage im Jahr und können mit 45 in den Ruhestand gehen

Gas hält die Schmelztiegel am Laufen. Die Arbeiter atmen dabei entweder durch Masken oder durch an Sauerstofftanks angeschlossene Schläuche

Die Fabriken und Minen stehen niemals still. Die Angestellten arbeiten hier im "Drei Tage Arbeit, ein Tag frei"-Rhythmus.

Die Auswirkungen auf die Umwelt sind katastrophal. Schwefeldioxid gelangt in die Atmosphäre. Dazu kommen dann noch Blei-, Kupfer- und Kobalt-Partikel

Während des Sommers ist die Luftverschmutzung noch gravierender. Die Temperaturunterschiede in den verschiedenen Atmosphärenschichten verhindern den Rauchabzug, was wiederum dazu führt, dass sich in den Straßen von Norilsk Smog bildet

Die Industrie-Emissionen verursachen Lungen-, Darm- und Krebserkrankungen. Des Weiteren kommen häufig Allergien, Asthma, psychische Krankheiten sowie Herz-Kreislauf-Störungen vor

Häftlinge von NorilLag entwickelten im Jahr 1940 den Stadtplan von Norilsk

In den 60ern folgte dann der nächste Bauschritt, mit den in der UdSSR weit verbreiteten Plattenbauten

Trotz des Reichtums hat man in Norilsk damit zu kämpfen, die Gebäude intakt zu halten. Schuld daran sind die dicken Schichten Permafrost

Bei Schneestürmen fahren die öffentlichen Verkehrsmittel in Korsos. Ein Zug von 15 bis 20 Bussen bringt die Arbeiter von der Stadt zu den Fabriken. Wenn ein Bus liegenbleibt, steigen die Passagiere einfach in den nächsten

In Norilsk herrscht ein extrem subarktisches Klima. Die Kälteperiode erstreckt sich dabei über gut 280 Tage im Jahr. Dazu kommen an 130 Tagen noch Schneestürme

Die Architekten haben die Stadt so gestaltet, dass die Bewohner vor den peitschenden Winden geschützt sind. So bilden viele Gebäudegruppen zusammen quasi komplett abgeschlossene Innenhöfe

Der Winter ist für die Psyche eine ziemliche Herausforderung. Die extremen Bedingungen machen fast alle Außenaktivitäten unmöglich

Eisschwimmen gehört bei den Bürgern von Norilsk zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen—selbst dann, wenn die Temperaturen unter die Minus-40-Grad-Marke fallen

Sport ist eine beliebte Möglichkeit, sich fit zu halten. Mehrere russische Turn-, Eiskunstlauf- und Ski-Champions stammen aus Norilsk

Einmal im Monat veranstaltet eine Gruppe Freiwilliger die "Mechanika"-Partyreihe und erschafft damit die einzige Möglichkeit, zu moderner Musik zu tanzen

Während des Polartag-Zeitraums verschwindet die Sonne nicht hinterm Horizont. Das Ganze dauert von Ende Mai bis Ende Juli und bringt neben gutem Wetter auch angenehme Temperaturen

In den meisten Gebäuden gibt es keine Vorhänge zur Verdunkelung der Schlafzimmer

Der Dolgoe-See befindet sind am Rand von Norilsk und trennt das Industriegebiet von der Stadt. Am Ufer entlang hat man Kühlsysteme installiert, die Wasser durch Verteiler sprühen, um das Hauptkraftwerk nicht überhitzen zu lassen

Mit Outdoor-Aktivitäten heißen die Bewohner von Norilsk jedes Jahr den Sommer willkommen. Die verschiedenen Teams haben dabei eigene Mottos, eigene Hymnen sowie eigene Uniformen