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Diese Fotografin zeigt, wie Frauen Nackt-Selfies machen

Mit ihrem Projekt 'Sex in the Digital Age' zeigt Dora Papanikita, wie Technologie unser Sexleben beeinflusst.

von Chris Bethell
08 Januar 2019, 11:54am

Alle Fotos von Dora Papanikita

Die britische Fotografin Dora Papanikita ist der Meinung, dass Smartphones unsere sexuelle Kommunikation verändert haben. Die technologische Entwicklung beeinflusse unsere Bedürfnisse. Gleichzeitig habe sie neue Möglichkeiten geschaffen, wie wir diese Bedürfnisse befriedigen können, und erlaubt uns, sexuelle Beziehungen mit Menschen am anderen Ende der Welt zu führen.

Ihr neues Projekt Sex in the Digital Age konzentriert sich auf die weibliche Seite dieser Beziehungen und betrachtet, welche Auswirkungen Apps wie Snapchat und Instagram auf unser Sexleben haben.


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VICE: Wie bist du auf dieses Thema gestossen?
Dora Papanikita: Ich wollte schon länger etwas dazu machen und habe mit einigen Freundinnen darüber gesprochen. Eine Geschichte hat mich aber besonders inspiriert: Eine Freundin befand sich in einer exklusiven Beziehung mit einer Person, die in der gleichen Stadt lebte, aber sie haben sich nie getroffen. Ihre Beziehung fand nur durch ihre Smartphones statt. Es hat mich einfach erschüttert, wie sehr Technologie nicht nur unser normales Leben, sondern auch unser Sexleben beeinflusst.

Das Projekt geht noch ein Stück weiter und befasst sich mit dem Nackt-Selfie. Kann es das Selbstwertgefühl aufwerten? Machen Mädchen es gerne oder weil sie glauben, es machen zu müssen? Wie beeinflusst es die sexuelle Kommunikation zwischen Partnerinnen und Partnern – insbesondere, wenn zwischen ihnen eine grössere Distanz liegt?

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Inwiefern hat die Technologie unsere Kommunikation geändert?
In unserer Generation herrscht jetzt ständige Kommunikation. Es ist heutzutage kaum noch möglich, jemanden zu vermissen. Du kannst täglich die Stimme einer Person hören, ihr Gesicht sehen, ihre Worte lesen. Die Distanzen schrumpfen. Es macht keinen Unterschied, ob deine Freunde oder Partner in einer anderen Stadt oder sogar auf einem anderen Kontinent leben. Die Art der Kommunikation bleibt die gleiche.

Durch Social Media wissen wir heute ausserdem fast immer, was andere tun. Das kann auch zu Problemen führen. Wenn du dich mit jemandem unterhältst, habt ihr euch vielleicht nicht mehr viel zu sagen. Ihr wisst schliesslich beide schon, was euer Gegenüber die letzten Tage gemacht hat. Genauso kannst du dich heute jederzeit sexuell mit jemandem austauschen – egal, wie weit ihr voneinander entfernt seid. Es ist kaum noch möglich, deinen Partner oder deine Partnerin sexuell zu vermissen. Smartphones machen uns einfach alles sehr leicht.

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Gibt es einen Grund, warum du dich bei deinem Projekt ausschliesslich auf Frauen konzentriert hast?
Nein. Ich wollte mich einfach auf eine Seite der Kommunikation beschränken. Ich habe die weibliche Seite gewählt, weil ich selbst eine Frau bin und die Geschichten erzählen wollte, die ich erlebt und mitbekommen habe. Mit Männern habe ich mich noch nicht eingehend darüber unterhalten.

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Siehst du im technologischen Fortschritt vor allem positive oder negative Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen?
Beides. Technologie ist grossartig und ein wichtiger Teil unseres Lebens. Wenn man uns plötzlich unsere Handys und unser W-LAN wegnehmen würde, wüssten wir erst mal gar nicht, wie wir funktionieren sollen. Aber es hängt davon ab, wie du sie einsetzt. Ich denke, sie kann die sexuelle Kommunikation eines Paares bereichern. Du solltest es nur nicht übertreiben.

Seit der Einführung des Smartphones werden wir pausenlos von einer Bilderflut bombardiert. Wenn ihr euch jeden Tag sexuelle Fotos zuschickt, stumpft ihr irgendwann ab. Das gilt auch für alles andere – Fotografie, Mode, Menschen.

Die Technologie hilft dabei, Menschen zusammenzubringen. Gleichzeitig kann sie aber auch dazu führen, dass Menschen schnell genug voneinander haben. Es ist wichtig, jemanden vermissen zu können.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE UK.