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Sport

Ficken, wo andere flexen: Diese Menschen haben Sex im Fitnessstudio

"Nach diesem Vorfall haben wir das Sexverbot eingeführt."

von Mish Barber Way
02 September 2019, 8:03am

Titelbild: imago images / Westend61 | Bearbeitung von VICE

Stöhnen, Schweiss, enge Sport-Tops und knappe Muscle Shirts: Ganz abwegig ist es nicht, dass Menschen im Fitnessstudio vögeln. Eine vielzitierte Umfrage – vielleicht auch, weil es die bislang einzige zu diesem Thema ist – der britischen Sexshop-Kette Ann Summers ergab, dass 25 Prozent der 2.000 Befragten es schon einmal zwischen Chest Press und Stepper getrieben haben. Die meisten davon – ein Fünftel der Befragten – gaben an, sogar mit ihrem Personal Trainer oder ihrer Trainerin geschlafen zu haben. So lebensnah können also Pornos sein.

Als ich meinen eigenen Personal Trainer darauf anspreche, erzählt er mir von einer Frau aus dem Studio, in dem er früher selbst trainierte. Sie war mit einem muskelbepackten Pumper verheiratet. Bei den Betriebsfeiern versuchte sie immer, die neuen, jungen Trainer abzuschleppen. "Einmal hat sie sich auch an mich rangemacht", erzählt er mir, "aber das Risiko, von ihrem Typen dafür den Arsch voll zu kriegen, war mir die Sache nicht wert."


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Aber auch zwischen Otto Normalpumpenden funkt es hin und wieder. "Ich hatte einmal Sex im Fitnessstudio und es war total random", sagt John*, ein Bodybuilder aus Nordkalifornien. "Ich bemerkte diese Frau, die in engen Leggings Squats machte. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie sie mich von oben bis unten musterte. Eins führte zum anderen und weil es spät am Abend war, sind wir für eine schnelle Nummer in die Umkleide gegangen. Viel geredet haben wir nicht. Ich bin danach unter die Dusche, sie auch."

Für John ist es naheliegend, dass viele Leute im Fitnessstudio Sex haben. "Die Studios sind ja voll mit durchtrainierten Menschen mit hohen Testosteron-Leveln", sagt er. "Natürlich wird da auch gevögelt. Fitness-Leute haben eine krasse Libido. Wenn du als Bodybuilder Hunderte Kilo am Tag stemmst, kann dein Sexdrive schon mal durch die Decke gehen."

Der Vorfall, nach dem das Sexverbot eingeführt wurde

Tommy arbeitet seit fast zwei Jahren als Geschäftsführer eines Fitnessstudios in San Francisco. "Das bedeutet, dass ich die einzige Person hier bin, die lesen kann", sagt er. Alle Trainer in seinem Studio sind Amateurboxer. Einer von ihnen, Brandon*, war der Grund, warum das Studio eine "kein Sex mit der Kundschaft"-Regel einführte.

"Brandon war ein Gigolo. Er hatte was mit diversen Kundinnen, lauter reiche Frauen aus der Tech-Industrie", sagt Tommy. "Eines Tages stürmte eine schnurstracks in seinen Kurs und schrie ihn an: Was für ein Lügner er sei, wie sehr sie ihn hasse und dass sie hoffe, dass er seine ganzen anderen Schlampen richtig schön durchficke … Du verstehst schon. Ich musste sie beruhigen und aus dem Studio bringen. Nach diesem Vorfall haben wir dann das Sexverbot eingeführt."

Brandon habe ausserdem die Angewohnheit, sich hinter dem Empfangspult umzuziehen. "Ich habe seinen Penis gesehen", sagt Tommy. "Den könnte ich mir um den Arm wickeln."

Tommy hat in seinem Studio auch schon einige Leute beim Masturbieren erwischt. "Einmal entdeckte ich hinter einer Tür einen schmierigen Widerling. Der hat beim Wichsen so angestrengt auf sein iPhone gestarrt, dass ich dachte, es würde zerspringen", sagt Tommy. Allerdings: "Es passiert öfter, dass sich Menschen beim Boxen nach einem heftigen Treffer in die Hose scheissen." In dem Ring habe sein Boss nach einer durchzechten Nacht übrigens auch mal eine After-Hour-Orgie veranstaltet.

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Foto: Julien L. Balmer | Stocksy

Manche Studios sind als Baggerbuden berüchtigt. "Die Duschen im 24 Hour Fitness im Schwulenviertel Castro sind voller Typen, die sich einen runterholen. Jeder weiss das", sagt Tommy und lacht.

Wenn man sonst keine Möglichkeiten hat

Manchmal ist das Fitnessstudio aber auch der einzige Ort, um überhaupt jemanden kennenzulernen. Ricky Paul* wuchs in einer Kleinstadt an der kanadischen Ostküste auf. Als Jugendlicher hing er high in der Sauna und den Duschen des örtlichen Fitnessstudios ab – auf der Suche nach Sex mit Männern. "Schwule sind aus Notwendigkeit gut im nonverbalen Cruising", erklärt Paul. "Unsere Sexualität ist stigmatisiert und wurde viele Jahre kriminalisiert."

"Ich entwickelte schon früh einen ungeheuren Sexualtrieb, aber hatte mich in meinem Freundeskreis noch nicht geoutet", so Paul. "Im Gegensatz zu allen anderen konnte ich an der Schule mit niemanden anbändeln. Das Fitnessstudio ist ein öffentlicher Ort, an dem viele Schwule abhängen. In den Umkleiden hast du sogar eine gewisse Privatsphäre, es gibt Dampfbäder und Saunen – manchmal sogar blickdichte Duschvorhänge, die bis zum Boden reichen." Heute trainiert Paul regelmässig in einem Studio im Schwulenviertel seiner Stadt. Ein "richtiger Fleischmarkt" sagt er. "Aber wenn du nicht auf der Suche bist, bekommst du davon nichts mit."

Jake* glaubt auch, dass die meisten Mitglieder gar nicht mitbekommen, was sich alles um sie herum abspielt. Er selbst hatte bislang nur einmal Sex beim Pumpen. Eine intensive Erfahrung, sagt er: "Es ist unglaublich, wie man sich vollkommen auf diesen Moment konzentrieren kann, damit alles schnell über die Bühne geht und die Angst, erwischt zu werden, nicht den Augenblick ruiniert".

Studiobetreiber Tommy sagt zwar, dass er schon an allen Orten Sex hatte, zu denen er jemals einen Schlüssel besessen hat, an seinem aktuellen Arbeitsplatz allerdings nur einmal, mit seiner Freundin und der Laden war geschlossen. "Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung, wie irgendjemand während der Öffnungszeiten hier vögeln kann", sagt er. In seinem Studio gebe aber auch keine Gruppendusche. "Dafür bin ich täglich dankbar."

*Namen geändert.

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This article originally appeared on VICE US.