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Wir waren im besetzten Haus in Basel, das kurz vor der Räumung steht

Seit dem 1. April ist das Haus an der Türkheimerstrasse besetzt. Die Immobilienverwaltung will das nicht länger dulden.

von Susan Reznik
08 April 2017, 4:15pm

Alle Fotos von David Zehnder

Seit dem 1. April ist an der Basler Türkheimerstrasse im Iselin-Quartier eines von vier seit Jahren leerstehenden Häusern besetzt. Bunte Transparente hängen am orangefarbenen Haus. Innen zieren Motive, die hauptsächlich von Kindern des Quartiers und jungen Erwachsenen gemalt wurden, die Wände. Einzelne gut erhaltene Möbel stehen auf den drei Stockwerken verteilt. Das Haus scheint hell und wirkt im guten Zustand zu sein. Vor dem Haus sitzen Menschen, die einer auf dem Balkon spielenden Band zuhören.

Das besetzte Haus soll ein Quartiertreffpunkt werden. Hinter der Besetzung steckt eine lose Gruppe von jungen Baslern, welche nicht einsehen wollen, warum in Zeiten der Diskussion um Wohnungsknappheit Häuser leer, anstatt für die Öffentlichkeit offen stehen.

Die Besetzer sagen uns, dass sie das Quartier beleben und einen Ort für alle schaffen wollen. Das besetzte Haus soll bewusst kein Partyort sein, sondern ein Freiraum für jeden und ein belebter Raum mitten im Wohnquartier. Von Anfang an hätten sie die Nachbarn mit einbezogen und zum Dialog aufgemuntert. "Wir haben an möglichst jede Türe einen Brief mit Infos und einer Einladung zum vorbeischauen geklebt. Es sind auch viele vorbeigekommen. Viele sind neugierig, offen und finden es cool", teilt uns Socken-Bob mit. Die Socke Bob vertritt in der Öffentlichkeit die Anliegen der Besetzer. Bis jetzt gebe es, bis auf wenige Negativstimmen, nur positives Feedback aus der Nachbarschaft. "Jeden Tag gibt es einen Mittagstisch und wenn irgendjemand aus dem Quartier oder aus der Stadt eine Idee hat, soll er doch unbedingt vorbeikommen und sich hier verwirklichen." Die drei noch immer leerstehenden Häuser nebenan wurden kurz nach der Besetzung des Hauses zugemauert.

Die Geschichte des Hauses an der Türkheimerstrasse zieht sich seit mehreren Jahren hin. Der Besitzer der Häuser mit Baujahr 1893 und 1896, die Yatu Immobilien AG, will diese durch einen vierstöckigen Wohnblock mit Cafés ersetzen. Aus der Nachbarschaft sind rund hundert Beschwerden gegen das Vorhaben eingegangen. "Leider blockiert die Firma jeglichen Kontakt zu uns", sagt der Mediensprecher der Besetzer. "Wir haben es auf allen Kanälen versucht. Wir stehen total für einen Dialog bereit, doch unsere E-Mails und Briefe wurden einfach ignoriert. Wir haben selbst Leute vorbeigeschickt, aber auch ihnen wurde der Austausch verwehrt." Am Donnerstagabend stellte die Yatu Immobilien AG den Besetzern ein VICE vorliegendes schriftliches Ultimatum: "Wir dulden die Hausbesetzung an der Schlettstadterstrasse 18 nicht mehr. Verlassen Sie das Haus bis morgen Abend 17:00 Uhr." Doch die Besetzer wollen der knapp formulierten Aufforderung nicht nachkommen: "Darum haben wir uns heute alle hier versammelt, pünktlich um 17:00 Uhr, und hören gute Konzerte", sagt ihr Mediensprecher.

Aus Protest gegen das Vorgehen der Immobilienverwaltung, beschliessen ein paar der Besetzer, ein Zeichen zu setzen, gehen zum Haus der Verwaltung und hängen ein Transparent auf. Die friedliche Aktion soll ein klares Statement setzen. "Wir sind hier, um Basel zu beleben", sagt der Mediensprecher der Besetzer. Wie es im hin und her zwischen dem Anliegen der Besetzer, einen offenen Quartiertreffpunkt zu bieten, und jenem der Immobilienfirma, einen Neubau ins Quartier zu pflanzen, ist noch unklar. Sicher ist aber: Die Besetzer werden im Haus bleiben, bis dieses von der Polizei geräumt wird. In einem Mediencommunique schreiben sie: "Wir geben dem Druck nicht nach, wir lassen uns nicht vertreiben!"