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Ein Sommer voller sturzbesoffener britischer Touristen

„Dazu hat man ein falsches Bild von den Briten: Ich wurde während der ganzen Jahre nur ein einziges Mal ins Gesicht geschlagen."

von Jamie Clifton
08 Juli 2015, 4:00am

Alle Fotos: bereitgestellt von Peter Dench

Der große europäische Besäufnis-Urlaub: Oftmals können sich Teenager hier zum ersten Mal der Aufsicht ihrer Eltern länger als ein „Wir bringen unsere Ehe wieder in Ordnung"-Wochenende entziehen und nutzen diese Gelegenheit natürlich, um sich ins Delirium zu trinken, um sich beschissene Tattoos stechen zu lassen oder um irgendwelchen Schweinekram zu machen, der hier für ziemlich viele arrogante Zeitungsartikel und in den betroffenen Urlaubsländern für von der Polizei durchgesetzte Vorschriften gegen Sittenlosigkeit sorgt.

Der Fotograf Peter Dench dokumentiert nun schon seit über einem Jahrzehnt die britischen Touristen im Ausland und hat mithilfe seiner Bilder eine Buch-Trilogie geschaffen: Alcohol and England, England Uncensored und The British Abroad. Für das letztgenannte Werk hat Dench einen ganzen Sommer in den vier beliebtesten Party-Hochburgen Europas verbracht, nämlich in Agia Napa, am bulgarischen Sonnenstrand, auf Ibiza und in Magaluf. Während seiner Reise wollte er einfach nur aufzeichnen, was manche Urlauber so treiben, wenn sie aus dem Flugzeug steigen und sich dann sechs Liter Farbverdünner-Wodka ins Gesicht stellen.

Vor Kurzem habe ich mich mit Peter getroffen, um mit ihm über seine Erfahrungen und Erlebnisse beim Fotografieren von betrunkenen und ekelhaften britischen Touristen zu plaudern.

VICE: Hi Peter. Für dein Buch The British Abroad hast du Monate damit verbracht, britische Touristen zu fotografieren. Was hast du dabei über sie gelernt?
Peter Dench: Das ist jetzt schon mein drittes Buch über dieses Thema und durch das letzte—das zwischen 1998 und 2008 entstandene Alcohol and England—habe ich gelernt, dass uns bereits Bilder aus dem Jahr 2001 etwas über diesen Zeitraum erkennen lassen: Die Engländer fangen früher mit dem Trinken an, geben dafür weniger Geld aus und lassen sich dabei so sehr gehen wie noch nie zuvor. Ich glaube, mir war das schon damals klar, aber diese Annahmen wurden seitdem nur noch weiter bestätigt. Ich hoffe, dass sich The British Abroad ähnlich entwickeln wird und wir diesen Zeitabschnitt vor allem mit günstigen Reisen in Verbindung bringen und so in Erinnerung behalten.

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Wo hast du die ersten Fotos für dieses Projekt geschossen?
Am Anfang war das Ganze noch ein Projekt für das Magazin New Yorker und die haben mich ins kroatische Poreč geschickt. Danach ging es weiter nach Agia Napa, an den Sonnenstrand in Bulgarien und nach Ibiza. Ich wollte das Projekt dann in Magaluf zu Ende bringen, weil ich als kleiner Junge dort immer im Urlaub war.

Wo ging es am wildesten zu?
In Sant Antoni de Portmany auf Ibiza war es am schwierigsten, Bilder zu machen, weil die Leute dort Alkohol und Drogen mischen. Ich weiß, wie sich betrunkene Leute verhalten und ich weiß, wie sich zugedröhnte Leute verhalten, aber ich kann nie einschätzen, was Leute im Schilde führen, wenn sie beides sind. Ich habe dort zum Beispiel einmal neun Typen aus Coventry kennengelernt, die sich irgendetwas eingeschmissen und das Ganze dann mit neun Liter Wodka runtergespült hatten. Ich konnte wirklich nicht sagen, ob sie mir meine Kamera entreißen, mich erstechen oder mich einfach nur umarmen wollten.

Am Sonnenstrand schienen mir die jungen Urlauber hingegen viel naiver zu sein.

Du hast bereits erwähnt, dass das der dritte Teil deiner fotografischen Studie Englands ist. Was hat sich über die Jahre hinweg verändert?
Meiner Meinung nach ist man den wirtschaftlichen Umständen gegenüber jetzt offener. Die Leute reden über ihre Armut, weil sie sich dafür nicht mehr schämen. Ich finde auch, dass es nicht mehr zwangsläufig ein Gefälle zwischen dem Norden und dem Süden Englands gibt. Dazu hat man ein falsches Bild von den Briten: Ich wurde während der ganzen Jahre nur ein einziges Mal ins Gesicht geschlagen. Ich bin der Meinung, dass dort sehr viel Toleranz herrscht.

Wie äußert sich das dann an einem Ort wie Magaluf?
Ich war richtig erstaunt, weil ich eigentlich dachte, dass man dort alles mit dem Handy filmen würde, um dann später seine Kumpels richtig dumm dastehen zu lassen. Aber so ein Verhalten konnte ich eigentlich nirgendwo beobachten. Man hat in der Gruppe eher viel mehr aufeinander aufgepasst. Ich will damit jetzt nicht sagen, dass alles Friede, Freude, Eierkuchen war, aber es flogen auch definitiv nicht so viele Fäuste, wie ich es erwartet hätte.

Peter (Mitte) beim Magaluf-Urlaub im Jahr 1989

Es folgen nun noch einige weitere Bilder aus The British Abroad:

Ein Bild aus einer Fotoreihe, für die Peter alles fotografiert hat, was von der vorhergegangenen Partynacht am Strand liegengeblieben ist