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Ecstasy: Es gibt eine neue Pillenwarnung für "Donald Trump"

In dieser Woche warnen Drug-Checking-Institute vor drei extrem hoch dosierten Pillen, eine ist verdächtig orange. Forscher haben derweil herausgefunden, dass MDMA kooperativer machen kann.

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23 November 2018, 2:03pm

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Spätestens wenn sich die vermeintliche Flamme nach einem durchgeravten Wochenende nicht mehr meldet, weiss man, dass MDMA kein wirklicher Liebesersatz ist. Dass Konsumierende das dennoch für eine Nacht lang glauben, liegt daran, dass Ecstasy den Körper mehr Serotonin ausschütten lässt. Man verspürt Euphorie und zeigt mehr Empathie gegenüber seinen Mitmenschen – und man verhält sich kooperativer, wie eine neue Studie aus Grossbritannien nahelegt.

Forscher und Forscherinnen des King's College in London haben die Kooperationsbereitschaft von Menschen unter MDMA-Einfluss untersucht. Dabei verabreichten sie 20 Männern entweder 100 Milligramm MDMA oder ein Placebo. Die mussten anschliessend verschiedene Spiele absolvieren, bei welchen es um die Zusammenarbeit mit anderen ging. Die Studie ergab, dass sich die MDMA-Teilnehmer deutlich kooperativer verhielten, aber das auch nur dann, wenn sie ihr Gegenüber als vertrauenswürdig einschätzten. Die Teilnehmer auf MDMA vertrauten also anderen Menschen nicht einfach blind, wenn es keinen Grund dazu gab. Diese Wirkung macht MDMA noch interessanter für die Behandlung von psychischen Erkrankungen wie Posttraumatischen Belastungsstörungen.

Doch nur weil eine Droge bei Studien eingesetzt wird, ist ihr privater Konsum nicht zu unterschätzen. Schwere Nebenwirkungen können bereits ab 120 Milligramm MDMA auftreten und verunreinigte oder überdosierte Pillen mit unvorhersehbaren Risiken verbunden sein. Deshalb testen Drug-Checking-Institute in ganz Europa regelmässig Ecstasy-Pillen und wir fassen die Ergebnisse zusammen. Analysiert wurden die Pillen von The Loop in Grossbritannien, Eurotox in Belgien, dem niederländischen Trimbos Institut, "Checkit!" von der Suchthilfe Wien, Drogenarbeit Z6 in Innsbruck, Energy Control auf Mallorca, dem Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) und der Drogeninfo Bern Plus (DIB+).

Die folgenden Pillenwarnungen wurden in den letzten sieben Tagen veröffentlicht. Alle Warnungen seit Mai dieses Jahres – einschliesslich der neuen – haben wir in diesem Artikel zusammengefasst. Jede Pille ist entweder hoch oder extrem hoch dosiert, oder sie enthält gar kein oder nicht nur MDMA. Wenn eine Pille nicht gelistet ist, heisst das nicht, dass sie rein und niedrig dosiert ist. Der Artikel enthält zudem eine Reihe sogenannter Safer-Use-Regeln, um unnötige Risiken und mögliche Schäden durch Ecstasy-Konsum zu reduzieren. Wir erklären dort auch, warum wir überhaupt Pillenwarnungen veröffentlichen.

Die Seite pillen.sauberdrauf.com der bayerischen Drogenberatungsstelle mindzone und das Drug-Checking-Tool von saferparty.ch listen viele weitere und ältere Pillentests. Saferparty veröffentlicht im Laufe des Wochenendes regelmässig zusätzlich neue Warnungen und Meldungen.

Die Pillenwarnungen der vierten November-Woche 2018

Rosafarbene oder pinke Erdbeere

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Bereits im Juni geteteste pinke Erdbeeren enthielten nicht nur MDMA, sondern zusätzliche unbekannte Substanzen. Ein solches Früchtchen wurde Mitte November in Zürich getestet und enthielt ausser 145 Milligramm MDMA auch ein Synthesenebenprodukt. Das DIZ warnt zu dem Stoff: "Es liegen uns keine Informationen betreffend Risiken, Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit MDMA vor." Konsumierende seien so einem noch grösseren Gesundheitsrisiko ausgesetzt.

Orangefarbene Trump

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So unvorhersehbar wie Trumps Twitter-Account ist auch sein Pillenabbild. In Zürich enthielt ein orangener Trump Mitte November eine extrem hohe Dosis von von 243 Milligramm MDMA. Auf der Rückseite der untersuchten Pille waren sechs Sterne, "TRUMP" und "NL" gepresst. In Belgien tauchte im Juli ebenfalls eine extrem hoch dosierte Trump mit mehr als 200 Milligramm MDMA auf. Ende Oktober testete Z6 eine ähnliche Pille mit 177 Milligramm MDMA.

Beigefarbene runde Pille ohne Logo oder Namen

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Eine Pille ohne Prägung in Beige erreichte in Zürich Mitte November eine hohe Dosis von 175 Milligramm MDMA. "Checkit!" in Wien analysierte eine solche Pille im Oktober. Doch diese Pille enthielt kein MDMA, sondern 2C-B. Das zeigt: Nur weil Pillen gleich aussehen, heisst das nicht, dass auch das Gleiche drin ist.

Blaue runde Pille ohne Logo oder Namen

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Eine solche Pille wurde Ende Oktober beim DIZ in Zürich zur Analyse abgegeben. Das Ergebnis: eine hohe Dosis von 131 Milligramm MDMA. Mitte November erreichte eine ebenfalls hoch dosierte blaue, runde Pille 152 Milligramm MDMA.

Beigefarbene oder braune "Philipp Plein"

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Der Totenkopf auf der Rückseite einer braunen Philipp Plein spricht für sich: In einer solchen Pille wurde Mitte November in Zürich eine Dosis von 244 Milligramm MDMA gefunden. Das ist eine extrem hohe Dosis. Auf der Vorderseite der getesteten Pille war das "PP" Logo von "Philipp Plein" gepresst. Andere beigefarbene PPs waren ebenfalls extrem hoch dosiert und erreichten bei Tests in Wien und Zürich MDMA-Werte von 236 und 282 Milligramm.

Beigefarbener oder brauner Pilz *KEIN MDMA

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Die Pilzform oder ein Pilzmotiv können ein Hinweis darauf sein, dass in einer Pille gar kein MDMA steckt, sondern sie halluzinogen wirkt. Wie bei einer braunen, runden Pille mit Pilzprägung, die Mitte November beim DIZ abgegeben wurde. Im Labor fand man statt MDMA eine hohe Dosis 2C-B. Die Wirkung von 2C-B tritt später ein als die von MDMA. Die Gefahr einer Überdosierung ist hoch. Ab 10 Milligramm kommt es zu einer halluzinogenen Wirkung. Die getestete Pille enthielt 11 Milligramm 2C-B. In einem blauen Pilz fand Checkit! im November die psychedelische Substanz 5-MeO-MiPT.

Lilafarbener Affe "no see"

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Die drei Affen, die nichts sehen, hören oder sagen, gehen auf ein japanisches Sprichwort zurück. Mittlerweile sind sie nicht nur ein beliebtes Motiv in WhatsApp-Chats, sondern auch auf Ecstasy-Pillen. Ein lilafarbener Affe, der sich die Augen zuhält, wurde in Zürich Mitte November untersucht und war mit 175 Milligramm MDMA hoch dosiert.

Lilafarbener Affe "no speak"

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In einem weiteren lilafarbenen Affen fanden die Forscher und Forscherinnen des DIZ eine hohe Dosis von 179 Milligramm MDMA. Anstatt den Augen, hält sich der aufgeprägte Affe den Mund zu.

Lilafarbene "Red Bull"

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Immer wieder steht die Marke "Red Bull" aufgrund der politischen Aussagen des Konzern-Chefs Mateschitz in der Kritik. Pillenproduzierende scheint das nicht zu stören. Das Red-Bull-Logo findet sich regelmässig auf Pillen in Rosa, Rot und Blau mit extrem hohen Dosen von bis zu 253 Milligramm MDMA. Mitte November wurde in Zürich eine lilafarbene, eckige "Red Bull" zur Analyse gegeben. Der Test hatte eine hohe Dosis von 167 Milligramm MDMA zum Ergebnis.

Wenn du schon einmal ambulant behandelt werden musstest, nachdem du Drogen genommen hast, (oder Freunde von dir) und du mit VICE über deine Erfahrung sprechen möchtest, erreichst du unseren Redakteur Thomas Vorreyer per E-Mail oder Twitter-DM.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.