Das macht Kokain mit deinem Penis und deinen Spermien

Ein schmerzhafter Dauerständer, der dich ins Krankenhaus bringt, ist noch nicht mal die schlimmste Folge.

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Aug. 10 2018, 11:49am

Links: Pshere | CC0; Rechts: Indiapicture | Alamy Stock Photo

Männer, die schon mal MDMA und Kokain genommen haben, haben vermutlich beobachtet, wie ihr Penis daraufhin schrumpfte. Die Substanzen verengen die Adern, die Blutzufuhr ist gehemmt. Das Paradoxe an der Sache ist, dass Kokain viele Menschen auf die Idee bringt, Sex zu haben. Das klappt aber nur bedingt, wenn der Penis sich schon fast ins Körperinnere flüchtet. Aber es gibt auch noch andere Gründe, warum Sex auf Drogen keine gute Idee ist.

"In einer neuen Studie hat man festgestellt, dass Menschen auf Kokain mehr Lust auf Sex haben, aber auch seltener Kondome verwenden", sagt Mary Samplaski, eine führende Expertin für männliche Fruchtbarkeit am Institut für Urologie der University of Southern California. Alle Männer seien zwar verschieden, aber für viele führe Kokain zu funktionellen Sexualstörungen. Der Geist ist willig, aber die Geschlechtsteile spielen nicht mit.

Und das liegt nicht nur am berüchtigten Grössenproblem. "Kokain kann zu Schwierigkeiten beim Ejakulieren und einer geringeren Menge Ejakulat führen", erklärt die Medizinerin Mandy Tozer von CARE Fertility London, einer Privatklinik für Fruchtbarkeit. Ausserdem könne Koks-Konsum zum Priapismus führen, einer schmerzhaften, anhaltenden Erektion, die oft medizinisch behandelt werden muss. "Das ist sehr ernst, es kann dem Penis dauerhaft schaden", sagt Tozer.

Dass Kokain schädlich ist, sollten eigentlich alle wissen, aber die sexuellen Auswirkungen bei Männern klingen zusammengefasst schon extrem unglamourös: Du willst unbedingt Sex, aber kriegst keinen hoch, oder du kriegst zwar einen hoch, aber bist mit höherer Wahrscheinlichkeit leichtsinnig und nimmst kein Kondom. Jetzt bist du sehr anfällig für Geschlechtskrankheiten und stösst einfach ewig vor dich hin, weil du keinen Orgasmus kriegen kannst. Als Bonus könntest du dann noch einen schmerzhaften Dauerständer bekommen, der so schlimm ist, dass du damit ins Krankenhaus musst. Falls das alles noch nicht reicht, um dich abzuturnen: Am Ende produzierst du weitaus weniger Spermien und hast dich vielleicht unfruchtbar gemacht.

Tozer zufolge hat man bei Männern, die längerfristig Kokain nehmen, eine geringere Spermienkonzentration festgestellt. Hinzu kommt, dass die meisten Kokser auch Alkohol trinken, die Raucher und Gelegenheitsraucher unter ihnen können im Rausch Kette rauchen. Von Alkohol und Zigaretten ist ebenfalls bekannt, dass sie sich negativ auf die Zahl der Spermien auswirken.

Wer noch jung ist und gern feiern geht, kann sich heute vielleicht nicht vorstellen, mal Kinder zu wollen. Aber wenn ein Mann, der Kokser war oder ist, trotz allen Hindernissen ein Kind zeugt, könnte immer noch viel schiefgehen. "Es gibt nicht genug Informationen darüber, inwiefern Kokainkonsum bei Männern zu Geburtsfehlern beim Kind führen kann", sagt Tozer. "Aber bei Mäusen hat man nachgewiesen, dass Spermien Kokain auch in ein Ei transportieren können."

Ob es bei Menschen der Fall ist, muss noch untersucht werden. Der Andrologin und Expertin für männliche reproduktive Medizin Mary Samplaski zufolge können Babys von Müttern, die während der Schwangerschaft Kokain genommen haben, schwere neurologische Schäden und andere Geburtsfehler haben. Im Alter von 12 Monaten sind die motorischen und kognitiven Fähigkeiten solcher Kinder deutlich schlechter ausgeprägt als bei gesunden. Ein grosses Hindernis für die Forschung bei Menschen ist laut der Expertin, dass viele Patientinnen und Patienten ihren Drogenkonsum nicht zugeben.

Laut Sucht Schweiz haben hierzulande 4.2 Prozent der Bevölkerung bereits Kokain konsumiert. An den Wochenenden wird europaweit nur in Barcelona mehr konsumiert als in Zürich, wie eine Abwasseranalyse der europäischen Drogenbehörde zeigt. In den Top 10 Europas liegen neben Zürich auch St. Gallen, Genf, Basel und Bern. Ob deswegen auch weniger oder schlechter entwickelte Kinder zur Welt kommen, werden die kommenden Jahre zeigen.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE UK.

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