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Vielleicht solltest du dir besser keine Glitterkapseln in die Vagina stecken

Nicht nur gesundheitliche Gründe sprechen dafür, die Finger von den Dingern zu lassen.

von Allison Tierney
07 Juli 2017, 1:32pm

Foto: Screenshots von Facebook und YouTube

Für einen Moment habe ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt. Ja, ich gebe es zu: Ich wollte mir wirklich Glitter in die Vagina stecken. Die Facebook-Seite "Passion Dust" hatte für ein Produkt geworben, das "deine natürlichen Vaginalflüssigkeiten ... zum Glitzern bringt und mit einem Hauch Süsse verfeinert". Der Spass sollte zwischen 12 und 20 US-Dollar kosten und laut Hersteller gesundheitlich unbedenklich sein. Ein weiterer Post der Seite, auf dem eine funkelnde Fleshlight und ein Tumblr-Meme zu sehen sind, wurde mehr als 40.000 Mal geteilt. Inzwischen sind die Kapseln angeblich ausverkauft.

Ich schrieb die Seite an, um vielleicht doch noch eine kostenlose Probe zu ergattern. Weil jetzt mal ernsthaft: Ihr wollt mich wohl verarschen? Aber nein, keine Antwort.

Nachdem ich erfolglos versucht hatte, auch nur eine ernstgemeinte Produktkritik auf Passion Dusts Facebookseite zu finden, konnte ich endlich eine Kundin ausfindig machen, die die "Intimkapseln" bestellt und erhalten hatte. Ausprobiert hatte sie sie allerdings noch nicht. Sie war so nett, mir ein Foto davon zu schicken. Das Zeug war also echt. Nichtsdestotrotz will ich euch dringend davor warnen, euer Geld dafür aus dem Fenster zu werfen.


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Nicht nur ist dieses ganze Konzept der Vagina-Aufhübschung von vornherein fragwürdig. Die Frauenärztin Jen Gunter schreibt auf ihrem Blog auch, dass das auf Stärke basierende "Einhorn-Ejakulat" eigentlich nichts anderes ist als Zucker – und "Zucker lässt in deiner Vagina die schädlichen Bakterien durchdrehen". Darüberhinaus könnte der Glitter deine Schleimhäute reizen und eine Kontaktdermatitis auslösen. Auch die guten Vaginalbakterien würden unter dem Fehenstaub leiden, was das Risiko einer Infektion oder einer Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit ungemein erhöht. Eine weitere Frauenärztin bestätigte gegenüber dem Independent, dass die Kapseln Infektionen wie bakterielle Vaginose verursachen und nicht zuletzt auch den Geschlechtsverkehr selbst schmerzhaft machen können.

Aber nicht nur für Frauen sei das Produkt kritisch, ergänzt sie. Klar, manche Männer mag es reizen, ihren Penis "wie einen goldenen 24 karätigen Zauberstab", schimmern zu sehen, wie es in der Eigenbeschreibung heisst. Aber dann wiederum: Wer hat eigentlich Bock auf Glitter in der Harnröhre?

Das Unternehmen ist mehr als fragwürdig

Wenn dich das alles immer noch nicht davon abhält, dir Glitter in deine Vagina schieben zu wollen, dann habe ich hier noch mehr. Nicht nur ist das Produkt selbst fragwürdig, sondern auch das Unternehmen dahinter – vor allem, wenn du ihm so etwas Wertvolles wie die Gesundheit deines Intimbereichs anvertraust.

Die Domain "prettywomaninc.com", über die Passion Dust verkauft wird, ist auf eine Person namens Lola-Butterflie Von-Kerius registriert. Bei Facebook gibt es einen Account gleichen Namens, auf dem die gleichen MS-Paint-artigen Grafiken zu finden sind wie auf der Passion-Dust-Seite.

Screenshot von Locash Resources bevor die Seite vom Netz genommen wurde

Interessanterweise steht in der Facebook-URL des Accounts "locashres", was eine Kurzform des Namens der Website Locash Resources sein dürfte (die kurz nach einer Anfrage für diesen Artikel vom Netz genommen wurde). Darauf konnte man gefälschte Urkunden wie Lohnabrechnungen, Mietverträge und ärztliche Bescheinigungen erwerben. Der Lola-Butterflie-Von-Kerius-Account hat seine Dienste auch in einer Reihe von Facebook-Gruppen angeboten – mehrheitlich in Houston, Texas. Mindestens in einer dieser Gruppen wurden vom gleichen ominösen Facebook-Account auch die Glitterkapseln beworben.

Der Q&A-Bereich der Passion-Dust-Seite selbst liest sich wie ein halbherzig über Google zusammengeklautes Potpourri aus Texten über Frauenheilkunde gepaart mit Märchenbegriffen für Vaginen: "Der Geschmack ist süss wie Bonbons, aber nicht übertrieben süss. Es ist gerade genug, um deinen Lover spüren zu lassen, dass deine Yara (Water-Lady oder kleiner Schmetterling) so ist, wie alle Vaginen aussehen, sich anfühlen und schmecken sollten: weich, süss, und magisch!"

Nach der VICE-Recherche sind plötzlich alle Seiten offline

Die gesundheitlichen Risiken, der zweifelhafte Charakter des Unternehmens und nicht zuletzt die Bezeichnung Yara (ernsthaft?!) für Vagina sollten abschreckend genug sein, sich diese Kapseln jemals in irgendwelche Körperöffnungen stecken zu wollen. Ich jedenfalls schäme mich dafür, Interesse für dieses Produkt gezeigt zu haben. Als glitterliebende Vaginabesitzerin passte ich allerdings auch perfekt in die Zielgruppe.

Passion Dust hat auf diverse Anfragen von VICE nicht reagiert – weder per E-Mail, noch per Facebook. Mit ihren vergangenen Dienstleistungen – den besagten Urkundenfälschungen – durch VICE konfrontiert, wurden die Passion-Dust-Facebook-Seite, der Facebook-Account von Lola-Butterflie Von-Kerius und die Locash Resources Website innerhalb weniger Stunden entweder deaktiviert oder komplett vom Netz genommen. Der Twitter-Account ist mittlerweile auf Privat gestellt und das Instagram-Profil deaktiviert. Die Seite prettywomaninc.com ist zwar noch online, allerdings seien die glitzernden Vaginakapseln bis auf Weiteres ausverkauft.

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