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Cannabis

Studie ergibt, dass Alkohol schädlicher ist als Cannabis

Trotzdem warnen die Forscher vor zu viel Euphorie.

von VICE Staff
22 Februar 2018, 1:59pm

Symbolfoto: Imago | Enters

Fast jeder dritte Mensch in der Schweiz hat in seinem Leben schon mal gekifft – bei den 20- bis 35-Jährigen hatte über die Hälfte bereits einen Joint im Mund. Das sind ziemlich viele, wenn man bedenkt, dass sich jeder einzelne davon strafbar gemacht hat. Der letzte Versuch, Cannabis in der Schweiz zu legalisieren (die Volksintiative "für eine vernünftige Hanf-Politik mit wirksamem Jugendschutz") scheiterte 2008 mit über 60 Prozent Nein-Stimmen beim Volk. Trotzdem steht die Schweizer Drogenpolitik nicht still. 2013 wurde die "geringfügige Menge" an Cannabis, die laut Gesetz straffrei ist, erstmals auf 10 Gramm definiert – die Umsetzung dieser Regel beschäftigt die Verwaltung und Gerichte allerdings bis heute. Aktuell arbeitet der Verein "Legalize it!" an einer neuen Initiative, um Gras zu legalisieren. Und hat die Wissenschaft auf seiner Seite.

Eine aktuelle Studie aus den USA hat etwa ergeben, dass Cannabis "keinen Einfluss auf die Hirnstruktur" habe – im Gegensatz zu Alkohol. Die Forscher der University of Colorado Boulder verglichen dafür die Auswirkungen von Cannabis auf das Gehirn mit denen von Alkohol. Für die im Fachmagazin Addiction veröffentlichte Studie wurden 853 Hirnscans von Erwachsenen und 439 Scans von Jugendlichen ausgewertet. Alkohol soll demnach, anders als Marihuana, das Volumen der weissen als auch grauen Hirnsubstanz reduzieren. Die graue Substanz steuert die Gehirnfunktion, die weisse die Kommunikation zwischen den Nerven im Gehirn. "Während Marihuana auch einige negative Folgen haben kann, sind die definitiv nicht so ausgeprägt wie die negativen Folgen von Alkohol", sagte Co-Autor Kent Hutchison der Medical News Today.


Auch bei VICE: Wie das Cannabisverbot in Grossbritannien versagt


Hutchison und seine Kollegen wollten mit der Studie ein Loch schliessen. "Über Alkohol wissen wir seit Jahrzehnten, dass er für das Gehirn schlecht ist", so Hutchison. In der Cannabis-Forschung gebe es seit Jahren hingegen unterschiedliche Forschungsergebnisse. "Eine Studie berichtet, dass der Marihuana-Konsum mit einer Verringerung des Volumens des Hippocampus zusammenhängt", so Hutchison. "Die nächste Studie sagt, der Gebrauch von Marihuana bezieht sich auf Veränderungen im Kleinhirn." Laut Hutchison habe es bisher in all diesen Studien keine Übereinstimmungen hinsichtlich der tatsächlichen Gehirnstrukturen gegeben. Das liegt nun vor.

Forschungen rund um Cannabis sind in Deutschland noch immer selten. Erst gerade stieg die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität aus einem Modellprojekt der Stadt aus, die den legalen Konsum von Cannabis ermöglichen soll. Der Uni gab es zu wenig Planungssicherheit, weil ein ähnliches Projekt in Münster nach der Ablehnung des Antrags durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gescheitert war. Die Studie der Forscher der University of Colorado Boulder könnte vielleicht auch in Deutschland einige Politiker zum Umdenken bewegen.

Die Forscher aus Colorado warnen aber vor zu viel Euphorie. Vor allem über die positiven Auswirkungen von Cannabis müsse laut Hutchison noch weiter geforscht werden: "Über Cannabis wissen wir so wenig."

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.