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So wohnst du, wenn du jung und pleite bist

Scheiß auf das Alter deiner Mitbewohner, zieh in Städte mit Leerstand oder fülle Formulare aus.

von Sofia Faltenbacher
04 August 2016, 10:38am

Schlecht drauf, weil du keine Wohnung findest? | Foto: imago | imagebroker

In San Francisco ist ein Typ in eine Box, nicht größer als eine Hundehütte gezogen, weil die Mieten dort so absurd hoch sind. In Berlin lebt eine junge Frau in einer 2,4 Quadratmeter großen Gästetoilette, weil sie keine Lust auf anstrengende WG-Castings hat und nicht bereit ist, Unsummen für eine Wohnung auszugeben. Auch in Österreich sind das durchaus vorstellbare Szenarien: Die Mietpreise sind in den vergangenen fünf Jahren um 16,5 Prozent gestiegen. Bei neu abgeschlossenen Mietverträgen liegt der Durchschnittspreis, inklusive Betriebskosten, zurzeit bei 9,7 Euro pro Quadratmeter.

Darauf zu warten, dass die Mietpreise irgendwann sinken, könnte lange dauern und bis dahin, sind wir nicht mehr jung, pleite und wohnungssuchend, sondern nur noch pleite und wohnungssuchend. Was können wir also jetzt machen? Wir haben da ein paar Tipps.

Sei vor Ort: Geh Bier trinken

Vor deinem Computer wird es auch nicht besser | Fotos: pexels, wenn nicht anders angegeben

Egal, wo du eine Wohnung suchst, verzweifle nicht vorm PC und hör auf, dich von einem teuren Angebot zur nächsten unsympathischen Ausschreibung auf WG-Gesucht zu klicken. Ziehe einfach in die Stadt, in die du willst, sei es auch erst mal zu Freunden oder Bekannten. Du kennst noch niemanden? Wir haben 2016. Geh Couchsurfen. Mit jedem Mal Rausgehen, mit jedem Menschen, den du kennenlernst, erhöhen sich die Chancen, jemanden zu treffen, bei dem ein WG-Zimmer frei wird. Oder bei seiner Tante, dazu kommen wir jetzt:

Suche erweitern: Zieh zu deiner Oma

Auch Menschen über 70 können cool sein | Foto: von der Autorin

Die Autorin dieses Texts hat das tatsächlich gemacht, als sie erstaunt vor den Mietpreisen zurückschreckte. Was aber gemeint ist: Wenn du über 40-jährige Mitbewohner nicht kategorisch ausschließt, erleichtert das die Suche erheblich. Wenn dir jetzt die Horror-Geschichte des WG-Castings der Freundin einer Freundin in den Sinn kommt, geht es dir wie mir: "Ein altes Hippie-Paar, das den ganzen Tag nackt herumläuft und dasselbe auch von mir erwartet hat." Ja, es gibt diese Storys. Aber ganz ehrlich, wie viele der vernünftigen Mittfünfziger da draußen sind Nudisten? Manche freuen sich eher, dass du Leben in die triste Wohnung bringst. Wenn es zu trist ist und du beim WG-Casting schon Probespülen musst, brauchst du gar nicht erst einzuziehen. Aber das würdest du schließlich auch nicht, wenn 23-Jährige dich das fragen würden.

Platz schaffen: Ein kleines Zimmer reicht—wenn du ein besetztes Haus hast

Auto ist Auto

Nein, VICE rät dir nicht, in ein leerstehendes Haus zu gehen und dort zu schlafen. Aber erstens gibt es in ganz Österreich (und vor allem in Wien) einen ziemlich hohen Wohnungsleerstand, den wir hiermit nur mal erwähnt haben wollen. Und zweitens gilt: Je mehr Orte du hast, an denen du dich wohl fühlst, desto kleiner—und damit billiger—kann dein Zimmer sein. Klar gibt es in Wien besetzte Häuser und linke "Autonome Häuser", in denen du dich kiffend über die Gentrifizierung auslassen kannst. Schimpfen hilft aber weder dir, und es löst auch nicht dein Wohnungsproblem.

Wie immer muss man, damit etwas passiert, auch etwas tun. Zum Beispiel bleiben. Oder etwas Neues hochziehen, wie damals die Arena. Und wie immer wird in Österreich irgendwann fast alles geduldet, wenn es nur lange genug bleibt. Das geht nur in Bezirken, wo nicht an jeder Ecke Bürotürme aus dem Boden schießen, sobald etwas frei wird. Dort sind übrigens auch die Mieten billiger.

Formulare ausfüllen: Hol dir einen Schein, der zeigt, dass du pleite bist

Du willst aber Großstadtluft riechen? OK, wenn du wenig verdienst, kannst du schauen, ob du Wohnbeihilfe bekommst. Die kriegst du zwar erst, wenn du bereits eine Wohnung hast, aber immerhin kann es dir dabei helfen, diese längerfristig zu finanzieren, sollte sie nicht zu Tode gekürzt werden. Dafür musst du nur deinen Staatsbürgerschaftsnachweis, deine Geburtsurkunde, deinen Einkommensnachweis und einige andere Dokumente besorgen. Wenn dir das zu viel ist, versuche Punkt 3. Aber auch da wirst du an Formularen und Verträgen nicht vorbeikommen.

Fahrrad besorgen: Der Sommer ist lang

Stadtmitte kriegst du wahrscheinlich nicht. Das U-Bahn-Ticket ist teuer. Hol dir ein Fahrrad. Wenn du dir St.Pölten ausgesucht hast, besorg dir ein müllartiges Regencape dazu.

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