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So findest du deine Freunde auf einem Festival wieder

Wir haben die praktischen Suchstrategien von Profis (und Haien) auf das Szenario eines Musikfestivals angewendet.

von Joost Mollen
06 Juli 2015, 8:24am

Foto: Johannes Brugger

Im Allgemeinen sind Freunde für den Spaßfaktor eines Festivals extrem wichtig. Deswegen ist es auch so schade, dass du dir jedes Jahr nicht die Frage stellst, ob du deine Entourage verlieren wirst, sondern wann. Bevor du überhaupt eine Chance hast, die Worte „Links neben den Boxen der Main Stage" rauszupressen, sind alle deine Freunde schon von der riesigen Menge der Festivalgänger absorbiert worden.

Wenn du deine Freunde dann wiederfinden willst, musst du dir ab jetzt nicht mehr jedes Mal etwas Neues einfallen lassen. Leute, die sich ihren Lebensunterhalt mit dem Auffinden von verschollenen Menschen verdienen, oder hungrige Haie auf Beutejagd wenden nämlich bereits die effizientesten Suchstrategien überhaupt an. Wir haben uns von diesen Profis ein paar Tricks und Kniffe abgeschaut und verraten euch hier fünf Möglichkeiten, die nervige und einsame Wanderung über das Festivalgelände so kurz und schmerzlos wie möglich zu gestalten.

DER ROBOTER

Illustrationen: Father Futureback

Hey, wir schreiben das Jahr 2015, lass doch einen Roboter die Suche übernehmen. Der MAVRIC ist zum Beispiel ein selbstständiger Suchroboter, der vor allem bei der Erforschung von tierischen Futtersuch-Mustern eingesetzt wird. Sein eigenes Suchmuster kommt dem verwirrten und unsicheren Gang des durchschnittlichen Festivalbesuchers wohl am nächsten und wurde von den Wissenschaftlern als der „betrunkene Matrose" bezeichnet.

Startpunkt ist der Geländeeingang: Von dort aus suchst du dir irgendeine Richtung aus, watschelst los und lässt dich dann einfach von deiner Stimmung lenken. Gib auch ab und zu mal ein bisschen der Schwerkraft nach, damit du von rechts nach links abdriftest, und behalte dabei das Festivalgelände immer genau im Auge. Diese Taktik wendest du dann so lange an, bis du deine Freunde gefunden hast. Allerdings musst du sichergehen, dass du sie zuerst erblickst, denn wenn sie dich dabei beobachten, wie du vormittags wie ein Pinguin auf GHB durch die Gegend watschelst, dann werden sie dich wohl sofort beim nächstbesten Erste-Hilfe-Zelt abliefern—und du bist wieder allein.

DER HAI

Lass dich von den wunderschönen Korallenriffen nicht blenden: Die Weltmeere sind eigentlich riesige, unbelebte Feuchtgebiete—quasi wie ein Festival-Campingplatz nach einem heftigen Regenschauer. Aber in genau dieser Umgebung hatten Haie 420 Millionen Jahre Zeit, um ihre Strategie zur Nahrungssuche zu perfektionieren. Normalerweise bewegen sich die Tiere mehr oder weniger willkürlich durch den Ozean, aber wenn längere Zeit keine Beute in Sicht ist, dann wechseln sie von den normalen Schwimmwegen zum koordinierten Chaos über—genauer gesagt zu einer Kombination aus längeren Geraden und kurzen, zufälligen Ausbrüchen.

Als Erstes schaust du dich genau in deiner direkten Umgebung um. Vielleicht befinden sich deine Freunde ja zufällig am gleichen Ort wie du. Wenn dem nicht so sein sollte, dann lauf erstmal geradeaus los und wiederhole das Ganze nach einer Weile. Wenn du dieses Suchmuster immer wieder anwendest, wirst du deine Crew (wahrscheinlich) finden.

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DER KRIMINALTECHNIKER

Kriminaltechniker, die sich auf Forensik spezialisiert haben (also im Grunde die Typen aus CSI) haben ein ganzes Repertoire an unterschiedlichen Suchtaktiken zum Auffinden und Sammeln von Beweismaterial. Eine dieser Taktiken ist die Spiralen-Suchmethode, die zum Beispiel bei Brandstiftung Anwendung findet: Dabei läuft man in immer kleiner werdenden Kreisen vom Rand des Tatorts bis hin zur Mitte. Bei Explosionen oder bei Leichen kann dieser Vorgang auch umgekehrt ablaufen.

In unserem Festivalszenario musst du also folgendermaßen vorgehen: Fange dort an, wo du deine Freunde das letzte Mal gesehen hast, und laufe von dort aus in immer größer werdenden Kreisen nach außen. Irgendwann wirst du dann auf deine Freunde treffen—und mit etwas Glück ist dir vorher noch nicht schwindelig geworden.

DER RETTUNGSHELIKOPTER

Für die meisten von uns ist die Suche nach einzelnen Personen eigentlich eher so mühselig, dass sie einen total runterzieht. Es gibt aber auch Menschen, die das Ganze so schön finden, dass sie es zu ihrem Beruf gemacht haben—diese Menschen nennen wir Rettungskräfte. Und falls man bei einer Schifffahrt über Bord gegangen ist oder von einer Lawine verschüttet wurde, dann ist man froh darüber, dass es solche Leute gibt. Eines der Suchmuster von Rettungsteams hat die Form eines Propellers bzw. von drei Dreiecken.

Für dieses Muster musst du dir zuerst mal einen leicht erkennbaren Startpunkt suchen (bei Festivals sind Dixie-Klos, Flutlichtmasten oder farbenfrohe Kotzpfützen dafür hervorragend geeignet). Vor dort aus gehst du geradeaus los, drehst dich nach einer Weile um 120 Grad nach links und wiederholst das Ganze anschließend noch einmal. So läufst du ein Dreieck und kommst wieder beim Startpunkt an. Jetzt beginnst du ein neues Dreieck und so weiter. Wenn es Rettungsteams mithilfe dieser Methode schaffen, verschüttete Langläufer zu finden, dann solltest du so eigentlich auch wieder auf deine Freunde treffen.


DER ZIEGELSTEIN

Was würde ein Ziegelstein in deiner Situation machen? Er würde sich nicht selbst auf die Suche begeben, sondern einfach nur darauf warten, gefunden zu werden. Also lege dich irgendwo ins Gras und lass deine Freunde die Arbeit machen. Die Chance, dass sie dabei erfolgreich sind, ist übrigens ziemlich gering. Gehen wir mal davon aus, dass bei dem Festival 60.000 Leute anwesend sind und du vier Freunde verloren hast. Da du einfach nur daliegst und alle Festivalbesucher an dir vorbeilaufen, besteht für jede Person die gleiche Chance, einer deiner Freunde zu sein. Somit ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von 0,00166678% (1 / (60.000 - 4)), dass einer deiner Freunde wirklich über dich drüber steigt. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass viele der Festivalbesucher mehrmals an dir vorbeigehen werden, dann kommt man nach noch mehr komplizierten Rechnungen zu folgendem Ergebnis: Raff dich auf und mach dich selbst auf die Suche nach deinen Freunden, du faules Arschloch.

DIE SICHERSTE METHODE

Es geht auch viel einfacher: Verliere deine Freunde einfach nie!

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