VICEhttps://www.vice.com/de_chRSS feed for https://www.vice.comdeWed, 12 Dec 2018 16:07:30 +0000<![CDATA[Wir haben die meistgegoogelten Fragen 2018 beantwortet]]>https://www.vice.com/de_ch/article/pa5vem/google-trends-deutschland-2018-fragen-beantwortetWed, 12 Dec 2018 16:07:30 +0000Während die Statistiken von Pornhub in diesem Jahr die bemerkenswerte Verbreitung von Fortnite- und Comicfiguren-Fetischen dokumentieren, zeigen die deutschen Google-Trends von 2018 ein Land in tiefster Verunsicherung. Die Hitze, die verkorkste Fussball-WM, der Sohn von Bibi, der Absturz von Bitcoin und der Tod von Daniel Küblböck – all das tauchte dieses Jahr als Trend in den Suchanfragen auf.

Wir haben uns einige der Suchanfragen geschnappt und beantworten sie. Damit ihr nie mehr googeln müsst, wie ihr beim Roulette gewinnt und euch vor Wespen und giftigen Raupen schützt.

Wie alt ist Prinz Harry?

Die Leute scheinen wirklich jeden erfundenen Quatsch über Prinz Harry zu lesen. Nur so kann man erklären, wie lange es dauert, zwischen all den Boulevard-Meldungen sein Alter zu finden. Daher hier die kurze Antwort: Prinz Harry ist am 15. September 1984 geboren. Wenn dieser Artikel erscheint, ist er also 34.

Wir sehen in dieser Frage jedoch noch eine zweite Ebene, die eine etwas längere Antwort erfordert: Wie alt ist Prinz Harry wirklich? Diese Frage stellte sich unter anderem, als er bei einem Besuch in Nordirland unter einem grauen Sakko einen blauen Pullover trug, unter dem ein weisser Hemdkragen hervorspitzte. Ein klarer Hinweis darauf, dass Harry eigentlich ein 50-jähriger Mathematikprofessor ist, gefangen im Körper eines Prinzen. Doch gleichzeitig erinnern wir uns alle noch lebhaft daran, als Prinz Harry 2013 bei einer Südpol-Expedition Champagner aus einer Beinprothese trank. Dieser visionäre Einfall konnte nur einem mindestens zehn Jahre jüngeren Geist entspringen, noch frei von den Begrenzungen und Zwängen des Alters. Wir hätten es heute also mit einem Prinz Harry zu tun, der die Schnittmenge aus einem 24-jährigen Gehirn in den Klamotten eines 50-Jährigen bildet. Sein wahres Alter liegt also bei 37. Und wenn ihr jetzt sagt, was für ein Bullshit das sei, dann haben wir zumindest die These belegt, dass die Leute wirklich jeden Quatsch über Harry lesen.

Wie heisst die Mutter von Niki Lauda?

Elisabeth. Sein Vater heisst übrigens Ernst-Peter, der wiederum der Sohn von Hans Lauda ist, seines Zeichens Sohn des Wasserbautechnikers und k.k. Sektionschefs Ernst Ritter von Lauda, der 1859 als Sohn von Adolf Lauda geboren wurde. Dieser war Direktor der Kaiserin Elisabeth-Bahn, die nach Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern und besser bekannt als Sissi, benannt wurde. Und deren Cousine war Eugénie de Beauharnais, die Prinzessin von Leuchtenberg, die niemand Geringeres war als die Stiefenkelin Napoleon Bonapartes. Whoa, mama halblang!

Wo ist die ISS?

Während wir diesen Text schreiben, rauscht die Internationale Raumstation ISS gerade über Zentraleuropa. Weil sie aber mit 28.800 km/h unterwegs ist, könnte sie am Ende dieses Textes … ja, da donnert sie schon über China hinweg. In 400 Kilometer Höhe braucht das Weltraumlabor nur 90 Minuten, um die Erde einmal zu umrunden. Und wenn ihr wirklich leicht zu unterhalten seid oder euch Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands zu wild sind, könnt ihr die ISS auf der Seite der Europäischen Weltraumorganisation ESA direkt verfolgen.


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Was hilft gegen Wespen?

Diesen Sommer machten viele Medien den Eindruck, gegen Wespen helfen vor allem gute Anwälte. Bis zu 50.000 Euro müsse man zahlen, wenn man eine Wespe erlegt, schrieb etwa der Merkur. Wie eine Nachfrage von Correctiv bei den Landesbehörden ergab, entspricht das nicht der Realität. Es werden höchstens mal Bussgelder im zweistelligen Bereich vergeben, wenn jemand ein ganzes Nest zerstört – aber quasi nie, wenn nur eine Wespe im Handstaubsauger verschwindet. Wenn von den schwarz-gelben Picknick-Crashern eine Gefahr ausgeht, etwa für Allergiker, dürfen sie auch getötet werden. Dann können Notdienste die Nester umsetzen oder vernichten – wobei man sich hier vor Abzockern hüten soll, rät der MDR. Und wer jetzt schon einen Zementsack bestellt, um nächsten Sommer Wespen einzubetonieren und in einem Fluss zu versenken – es genügt auch, ein Glas Cola aufzustellen und dabei zuzusehen, wie die Idioten in die Falle fliegen.

Was hat Maassen gemacht?

Hans-Georg Maassen, ehemaliger Präsident des Verfassungsschutzes, war eine der "Persönlichkeiten" in den Google Trends des Jahres. Immer wenn der Verfassungsschutz in der Öffentlichkeit steht, dann verheisst das in der Regel nichts Gutes. Was hat Maassen also gemacht? Es folgt die Kurzfassung.

Maassen verwehrte 2006 dem in Deutschland geborenen Murat Kurnaz, der ohne Anklage jahrelang im Gefangenenlager von Guantanamo sass, die Wiedereinreise nach Deutschland. Seine Behörde arbeitete 2013 mit dem US-Geheimdienst NSA zusammen, um deutsche Bürger auszuspionieren. Er stellte 2015 Anzeige wegen Landesverrats gegen die Plattform netzpolitik.org. Er bezeichnete Edward Snowden als Verräter. Er bestritt 2017, von einem Verfassungsschutz-Spitzel im Umfeld des islamistischen Terroristen Anis Amri gewusst zu haben. Er traf sich regelmässig mit AfD-Politikern wie Frauke Petry und Alexander Gauland und soll ihnen dabei mutmasslich gute Ratschläge erteilt haben. Er verneinte, dass es in 2018 in Chemnitz eine Hetzjagd gab, und warf stattdessen Medien die Verbreitung falscher Informationen vor. Trotz all dieser Verfehlungen wäre er fast ins Innenministerium befördert worden, hat dann aber in einer Rede von "linksradikalen Kräften in der SPD" gesprochen und wurde stattdessen in den Ruhestand versetzt. Was er immerhin (noch) nicht machen will: der AfD beitreten.

Wie muss Deutschland spielen, um weiterzukommen?

Wir vermuten, es ging um die Fussball-WM (worauf die Antwort wäre: Ein Sieg gegen Südkorea hätte die Chancen verbessert), aber hinter der Frage steckt ja eigentlich viel mehr. Sie spiegelt die ultimative Existenzangst des Kleinbürgertums ("Deutschland schafft sich ab") mit dem spielerischen Wunsch nach Erfolg ("Wir sind wieder wer!") und lässt sich auf so vieles anwenden: Klimawandel, Nazis, EU, Koalitionskrise, Industrie 4.0 und die Weltmeisterschaft im Hallen-Halma – was muss Deutschland tun, um weiterzukommen? Reicht es, Merkel auszuwechseln und der Kohleenergie die rote Karte zu zeigen? Braucht es eine neue Breitbandoffensive und sollte Mesut Özil an die Spitze der CSU stürmen? Was wir wissen: Ein Jahr hat 365 Tage und ein Halma-Kegel ist rund.

Was sind Permanenzen?

Deutschland ist offenbar eine Nation von Roulette-Spielern. Dort bezeichnet die Permanenz eine statistische Aufzeichnung der zuvor gefallenen Zahlen und dazugehörigen Farben an einem Roulette-Tisch. Manche glauben, anhand der Permanenzen vorhersagen zu können, welche Zahlen und Farben als nächstes kommen. Ist ja klar: Wenn an einem Tisch neunmal in Folge schwarz fällt, muss das zehnte Mal bestimmt rot sein, oder? Nee, muss es natürlich nicht. Das ist ein klassischer Spielerfehlschluss, denn wenn nicht gerade der Tisch fehlerhaft ist, sind die vorherigen Spielergebnisse irrelevant für das nächste. Das akribische Mitkritzeln im Casino könnt ihr euch deshalb sparen, ihr seht mit euren Notizzetteln unter dem Sakkoarm ohnehin aus wie Trottel.

Wie lange bleibt die Hitze und was dagegen tun?

Schlechte Nachrichten: Die Hitze geht nicht mehr weg, jedenfalls nicht weltweit. In diesen Tagen findet im polnischen Katowice die UN-Klimakonferenz statt und UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einer "Frage von Leben und Tod", wenn die Versprechen des Pariser Klimaabkommens nicht eingehalten würden. Es sieht leider nicht danach aus, als könnte die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden. Ihr solltet euch deshalb darauf einstellen, dass Jahrhundertsommer auch in Deutschland künftig eher im 10-Jahres-Rhythmus auftreten und dass das Bier im Sommer im Park immer schon nach zehn Minuten warm ist. Was ihr dagegen tun könnt? Schneller trinken. Und euch informieren, was ihr selbst gegen den Klimawandel tun könnt. Weniger Fleisch essen und mehr Rad fahren zum Beispiel.

Eichenprozessionsspinner was tun?

Was zur Hölle ist ein Eichenprozessionsspinner, fragt ihr euch gerade, während ihr auf einem Elektro-Mietroller euer Hoverboard in die Werkstatt bringt. Aber dort, wo das echte Deutschland ist, in tausendjährigen Eichenhainen und Brandenburger Kleingärten, ja, dort war das 2018 eine essentielle Frage. Die Raupen des Nachtfalters verbreiteten sich im Frühjahr wieder in halb Deutschland prächtig. Und der Kontakt mit ihnen ist ziemlich unangenehm. Deshalb beschäftigte sich der wichtige Sender WDR in Hier und heute in einem Beitrag damit. "Sie machen Hautreizungen, richtige Quaddeln, Knoten können das werden", hiess es darin. Die Tiere könnten ausserdem Schleimhäute reizen, die Atemwege belasten, eine Bindehautentzündung oder allergische Reaktion hervorrufen. Also: Was tun?

In Hessen, Brandenburg und NRW versprühten Hubschrauber ein Insektenvernichtungsmittel über befallenen Eichen. Ausserdem kann man die Tiere beim Gesundheitsamt oder Ordnungsamt melden. Dann entscheiden die Kommunen, ob sie eingreifen. Kommt man mit den Raupen in Kontakt, sollte man sich gründlich waschen und bei allergischen Reaktionen einen Arzt aufsuchen.

Wo ist Martin Schulz?

Das Faszinierende an dieser Frage ist, dass sie am vergangenen Sonntag zuerst beantwortet und dann erneut in den Raum geworfen wurde. Als der ehemalige Kanzlerkandidat Martin Schulz bei Anne Will zu Gast war, konnten viele die Frage abhaken. Martin Schulz lebt also noch. Und er hatte sich offenbar nicht für immer in eine geheime Kolonie für gefallene SPD-Politiker zurückgezogen, die die Partei womöglich irgendwo in einem ehemaligen Kohlebergwerk betreibt. Doch dann kam es zu einer dramatischen Wendung.

Um 22:30 Uhr verliess Martin Schulz plötzlich die Runde, die gerade über Annegret Kramp-Karrenbauer sprach. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer fragten sich wahrscheinlich, ob er kurz raus musste, um vorgefertigte Sätze der Illuminaten entgegenzunehmen. Jedenfalls fragte sich halb Deutschland: Wo ist Martin Schulz? Schulz war nur kurz auf der Toilette, teilte sein Büro mit. Dieses Büro hat Martin Schulz übrigens, weil er nach wie vor Bundestagsmitglied ist. Deshalb ist Martin Schulz auch im Parlament häufig anzutreffen.

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<![CDATA[Das Beispiel Russland zeigt, was eine repressive Drogenpolitik anrichten kann]]>https://www.vice.com/de_ch/article/qvqxd7/das-beispiel-russland-zeigt-was-eine-repressive-drogenpolitik-anrichten-kannWed, 12 Dec 2018 14:29:46 +0000Im November verurteilte ein Moskauer Gericht die Andrei-Rylkow-Stiftung zu einer Geldstrafe von 800.000 Rubel – etwa 10.600 Euro. Das Vergehen der Nichtregierungsorganisation? Sie soll "Drogenpropaganda" verbreitet haben.

Bei dem strittigen Material handelt es sich um einen Artikel mit Safer-Use-Hinweisen für synthetische Cathinone, besser bekannt als Mephedron oder "Badesalze", die die Rylkow-Stiftung in einem Newsletter für Drogenkonsumierende veröffentlicht hatte. Anstatt den Gebrauch der Droge zu propagieren, enthielt der Artikel jedoch die üblichen Ratschläge zur Schadensminimierung: mit kleinen Dosen starten, genügend Wasser trinken und ausreichend Vitamin C zu sich nehmen.

Ähnlich wie die Leipziger Drugscouts oder der Berliner Verein "eclipse" verfolgt die Rylkow-Stiftung den Ansatz der akzeptierenden Drogenarbeit. Sie gehen nicht davon aus, Menschen vom Drogenkonsum abhalten zu können, also versuchen sie, den Konsum für Betroffene sicherer zu machen. Die Rylkow-Stiftung verteilt in Moskau saubere Nadeln, Kondome und Naloxon – ein Notfallmittel, das im Fall einer Opioid-Überdosis Leben retten kann.


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Durch die Geldstrafe ist die Stiftung allerdings bedroht. Amnesty International bezeichnete das Urteil als "erdrückend". Wenn die Stiftung das Geld bis Weihnachten nicht zusammen hat, ist das ihr Ende. Darunter würde vor allem der Teil von Moskaus Bevölkerung leiden, der ohnehin am stärksten gefährdet ist. In Russlands Hauptstadt ist die Rylkow-Stiftung weit und breit die einzige Organisation ihrer Art – eine Handvoll Menschen im Kampf gegen die AIDS-Epidemie.

"Wenn wir weg sind, wird es kein Harm-Reduction-Angebot in Moskau mehr geben", sagt Anya Sarang, Präsidentin und Mitbegründerin der Stiftung. "Die staatlichen Organisationen weigern sich, diese Angebote bereitzustellen. Diese widersprechen nämlich der russischen Drogenpolitik, die sich explizit gegen den Ansatz der Schadensminimierung ausspricht. Drogenkonsumierende sind die am stärksten von HIV betroffene Gruppe, aber weder Staat noch Stadt haben ein Budget für die HIV-Prävention in den betroffenen Bevölkerungsgruppen."

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Öffnung des Eisernen Vorhangs ist Russland zum grössten Heroinmarkt der Welt geworden. Die Droge kommt aus Afghanistan ins Land und wird von Gangs und Verbrechersyndikaten verbreitet. Korrupte Eliten und das russische Militär haben ebenfalls ihre Finger mit im Spiel. Das Teilen benutzter Nadeln ist eine der Hauptursachen für die aktuelle HIV-Krise.

Und es wird noch schlimmer: Dem AIDS-Programm der Vereinten Nationen zufolge kam es in Russland zwischen 2010 und 2015 zu über 80 Prozent aller HIV-Neuinfektionen in Zentralasien und Osteuropa. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der Ansteckungen in Europa und Nordamerika zurück. Ein Viertel aller Menschen, die Drogen injizieren, lebt in Osteuropa – russische und ukrainische Heroinkonsumierende bilden darin die mit Abstand grösste Gruppe. Ausserhalb von Afrika breitet sich AIDS in keinem Land so schnell aus wie in Russland. Bis 2017 gab es etwa 1,16 Millionen diagnostizierte Fälle im Land.

Das ist aber noch nicht alles. Jetzt scheint sich auch noch das extrem potente synthetische Opioid Fentanyl auszubreiten. "Vergangenes Jahr ist die Zahl der Überdosen stark nach oben gegangen, wir vermuten wegen Fentanyl", sagt Sarang. "Weil es keine offiziellen Zahlen gibt, können wir das nicht mit Sicherheit sagen, aber wir hatten etwa doppelt so viele Anrufe von Menschen, die uns erzählt haben, dass sie Naloxon einsetzen mussten. Es gibt also definitiv mehr Überdosen."

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE UK.

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<![CDATA[Video: Irene ist 102 – und jetzt die älteste Fallschirmspringerin der Welt]]>https://www.vice.com/de_ch/article/xwj777/video-irene-osheas-weltrekord-102-jahrige-ist-alteste-fallschirmspringerinWed, 12 Dec 2018 13:41:11 +0000Am Samstag hat die 102-jährige Irene O'Shea ihren Gehstock zur Seite gelegt und einen Weltrekord geknackt. Wie der TV-Sender ABC News berichtet, ist die Australierin O'Shea jetzt die älteste Skydiverin der Welt. Mit ihrem Sprung aus über 4.000 Metern Höhe lässt die Rentnerin den Rest von uns wie ziemlich langweilige Loser wirken. Und O'Shea hat mit ihrer waghalsigen Aktion auch Geld für einen guten Zweck gesammelt.

Dabei handelte es sich bei der Aktion gar nicht mal um O'Sheas ersten Fallschirmsprung. Den hakte sie an ihrem 100. Geburtstag ab. Jetzt wollte es die alte Dame noch mal wissen – vor allem deswegen, weil sie auf die Motor Neurone Disease Association of South Australia aufmerksam machen will. Die gemeinnützige Organisation engagiert sich gegen Krankheiten, die das Nervensystem – und insbesondere den Bewegungsapparat des Körpers – angreifen und schädigen, etwa ALS. O'Sheas Tochter war daran erkrankt und starb.

"Mit einem Alter von 102 Jahren und 194 Tagen ist Irene jetzt die älteste Fallschirmspringerin der Welt", schreibt SA Skydiving, das Unternehmen hinter dem Sprung, bei YouTube. Was SA Skydiving in der Beschreibung nicht erwähnt: O'Shea trug bei ihrem Sprung einen niedlichen Strickpullover und grinste bis über beide Ohren. So sieht eine Frau aus, die ihr Leben richtig auskostet.

Wie in dem Video zu sehen ist, blieb O'Shea selbst kurz vor ihrem Sprung aus einem Flugzeug ganz cool. Später sagte sie gegenüber der Zeitung The Advertiser, dass sie sich während des freien Falls "ziemlich normal" gefühlt habe und dass "die gleichen jungen Herren wie beim letzten Mal" zusammen mit ihr im Flugzeug gewesen seien.

"Dort oben hatten wir klare Sicht, das Wetter war gut. Mir war bloss sehr kalt", erzählte die rüstige Frau. Hoffentlich vergisst sie nicht, bei ihrem nächsten Sprung noch einen weiteren Strickpullover anzuziehen.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE US.

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<![CDATA[Alles, was wir über den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Strassburg wissen]]>https://www.vice.com/de_ch/article/a3mybk/alles-was-wir-uber-den-anschlag-auf-den-weihnachtsmarkt-in-strassburg-wissenWed, 12 Dec 2018 11:10:42 +0000Seit Dienstagabend ist Frankreich im Alarmzustand: Nachdem ein Mann in der Strassburger Altstadt das Feuer eröffnete und nach aktuellem Kenntnisstand zwei Menschen getötet hat, befindet sich der Täter zur Zeit noch auf der Flucht. Die Identität des Mannes ist bereits bekannt: Es ist der 29 Jahre alte gebürtige Strassburger Chérif C., der eigentlich am Dienstagmorgen hätte verhaftet werden sollen – aber offenbar nicht zu Hause war, als die Polizei kam. So berichtet es der französische Innenminister Christophe Castaner.

C. tauchte stattdessen gegen 20 Uhr in der Strassburger Altstadt nicht weit vom zentralen Weihnachtsmarkt auf und eröffnete das Feuer. Neben den zwei Getöteten wurden dabei 14 Menschen verletzt, davon acht schwer. Zwischenzeitlich hatten lokale Behörden auch von drei Toten berichtet. In der Stunde nach seinem tödlichen Angriff lieferte C. sich zweimal Schusswechsel mit Sicherheitskräften. Dabei soll er von einem Soldaten verletzt worden sein, bevor er in einem gestohlenen Taxi fliehen konnte.

Polizisten kontrollieren den Grenzübergang zwischen Frankreich und Deutschland
Deutsche Polizisten am Grenzübergang | Foto: imago | 7aktuell

Noch in der Nacht wurden weite Teile der Innenstadt zeitweise abgeriegelt und erst am Mittwoch wieder geöffnet. Auch das Europaparlament wurde abgeriegelt, mehrere Abgeordnete verbrachten die Nacht im Gebäude, durften mittlerweile aber gehen. Dafür wird an der Grenze zu Deutschland bei Kehl aktuell jedes Auto kontrolliert. Zur Zeit fahnden Hunderte Einsatzkräfte und mehrere Hubschrauber nach dem Flüchtigen.

Wie verschiedene Medien berichten, sass der Täter Cherif C. bis letztes Jahr in Deutschland in Haft. Das Amtsgericht Singen hatte ihn wegen schweren Diebstahls verurteilt. Insgesamt, berichtet die französische Zeitung Le Figaro, sei C. bereits 20 Mal vorbestraft worden, jedes Mal wegen Einbrüchen. Nachdem er die Strafe in Deutschland abgesessen hatte, schob man ihn nach Frankreich ab. Falls es sich bei C. um einen EU-Bürger handelt, würde die Abschiebung bedeuten, dass die deutschen Behörden damals davon ausgingen, dass eine "tatsächliche und hinreichend schwere Gefährdung" vorlag.

In jedem Fall wurde C.s Akte nach seiner Ankunft in Frankreich mit einer sogenannten "Fiche S" versehen. Die Behörden sahen ihn damit als Risiko für die nationale Sicherheit an – und sie stuften ihn als islamistischen Gefährder ein. "Während seiner Zeit im Gefängnis wurde eine Radikalisierung in seiner religiösen Praxis festgestellt", erklärte der Staatssekretär im Innenministerium Laurent Nunez. "Deshalb wurde er überwacht." Auf einen islamistischen Hintergrund für die Tat will sich die französische Regierung allerdings noch nicht endgültig festlegen.

Um 11 Uhr wurde am Mittwoch in mehreren Regierungsgebäuden eine Schweigeminute eingelegt. Die Strassburger Universität bleibt geöffnet, genauso wie die Schulen. Allerdings könnten Eltern, die sich Sorgen machen, ihre Kinder zu Hause lassen, sagte Innenminister Christophe Castaner. Die Weihnachtsmärkte bleiben jedoch geschlossen.

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<![CDATA[Wir haben Schweizer Unis nach Hässlichkeit sortiert]]>https://www.vice.com/de_ch/article/vbapx4/schweizer-unis-im-vergleich-haesslichkeit-universitaet-studium-studierenWed, 12 Dec 2018 09:29:16 +0000Bevor man das erste Mal eine Universität von Innen gesehen hat und sich bewusst geworden ist, dass drei Jahre Soziologie- oder Philosophiestudium der Karriere wohl mehr schaden als helfen, waren Unis noch etwas Glamouröses. Man stellte sich prunkvolle Bauten vor, sachbezogene Diskussionen mit Mitstudierenden oder glaubte daran, dass man den Bachelor in drei Jahren im Sack haben würde.

Je nachdem an welcher Uni du dann landest, kriegt die Vorstellung schnell einen ziemlichen Bruch. Erstens wirst du das prunkvolle Hauptgebäude eh selten betreten, einerseits wegen deines neuen Hobbys – Teilzeit-Alkoholismus – und andererseits weil diverse Unis keinen Platz mehr haben für alle ihre Studis und du dir die Vorlesungen in irgendwelchen über die Stadt verteilten Büro-Gebäuden reinziehen musst.

Wir haben uns ein bisschen umgesehen und mit Studis gequatscht, um auf hochwissenschaftlicher Basis die fünf hässlichsten Unis der Schweiz zu krönen.

5. Universität St. Gallen (HSG) – ein zu grosses Sitzungszimmer

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Foto: Imago | GFC Collection

Gib jedem Kind einer Primarschulklasse den Auftrag, ein Gebäude für eine Mars-Kolonie zu zeichnen, wähl dir davon zufällig ein paar heraus, wirf sie an den Rand des Genfersees und voilà: Du hast den Gestaltungsplan der ETH Lausanne rekonstruiert – sollte es so etwas wie einen Plan jemals gegeben haben. Denn der Campus ist vornehmlich eine Spielwiese für die Sorte berühmter Architekten und Architektinnen, die man nur kennt, wenn man zufälligerweise in einem Gebäude studiert, dass sie gebaut haben. Gemeinsam mit ein paar Grosskonzernen haben diese in Lausanne ein Zwitterwesen aus deprimierend pseudo-avantgardistischer Betonwüste und Marvin, dem noch viel deprimierteren Roboter aus Per Anhalter durch die Galaxis geschaffen. Namen wie "Rolex Learning Hall" erinnern uns dabei konstant daran, dass unser Bildungssystem nicht nur auf den Markt abzielt statt auf Wissen, sondern ohne Sponsoring durch die Marktwirtschaft auch keine Zukunft haben dürfte.

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<![CDATA[Warum sich Frankreichs Gelbwesten in ihrer Wut nicht stoppen lassen]]>https://www.vice.com/de_ch/article/pa5m79/warum-sich-frankreichs-gelbwesten-in-ihrer-wut-nicht-stoppen-lassenTue, 11 Dec 2018 14:32:50 +0000Seit Wochen sehen wir Bilder der Gewalt aus Frankreichs Hauptstadt: Tränengas, das die Strasse verdeckt. Pflastersteine, die auf Wasserwerfer prallen. Und Menschen in leuchtend gelben Warnwesten, die auf behelmte Hundertschaften treffen.

Aber was ist passiert? Heftige Ausschreitungen haben in Paris eine gewisse Tradition, doch die aktuellen Vorkommnisse scheinen eine andere Dimension zu haben. Mit den sogenannten Gilets Jaunes, den Gelbwesten, ist ein neuer Akteur auf Frankreichs politischer Bühne aufgetaucht, der mit den üblichen Protesten von Gewerkschaften, Studierenden und Anarchistinnen wenig zu tun hat.

Gekleidet in gelben Warnwesten, die man in Frankreich genauso wie in Deutschland immer im Auto haben muss, sind im ganzen Land Tausende Menschen gegen Präsident Emmanuel Macron auf die Strasse gegangen. Der wollte die Steuern auf Benzin weiter erhöhen. Chaos und Scharmützel mit der Polizei. Die Demonstrierenden haben brennende Autos mit Gabelstaplern in Mautstellen gerammt und Paris' Strassen in schwarzen Rauch gehüllt. Mittlerweile haben sich selbst Schüler und Schülerinnen dem Aufstand angeschlossen.

Macron hat der Protestbewegung am Montagabend einige Zugeständnisse gemacht – ob die Demonstrierenden sich davon beschwichtigen lassen, ist allerdings fraglich. Wir haben uns mit der Pariser Aktivistin und Akademikerin Aurelie Dianara unterhalten, um die Ereignisse in Frankreich besser zu verstehen.

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Foto: Alexandros Michailidis | Alamy Live News

Wie sieht die aktuelle wirtschaftliche Situation in Frankreich aus und wie hat diese zur Entstehung der Gelbwesten beigetragen?
Es ist ziemlich offensichtlich, dass es einen wachsenden, wenn auch unsichtbaren Teil der französischen Bevölkerung gibt, der insbesondere seit der Finanzkrise 2008 stark gelitten hat. Die sozial- und finanzpolitischen Reformen, die Macron und seine Vorgänger umgesetzt haben, haben die Ungleichheit im Land nur verstärkt. Diese Ungleichheit spüren die Menschen sehr, auch wenn sich die Regierung dessen wohl nicht vollends bewusst war. In den grösseren Städten ist das nicht so deutlich sichtbar, aber in den Vorstädten fällt es schon auf. Es herrscht ein Gefühl der Verzweiflung, man befürchtet den Verfall des eigenen Lebensstandards. Das hat die Menschen zu der Explosion getrieben, die gerade über Frankreichs Strassen fegt.

Wenn die Gelbwesten also keine typischen Demonstrierenden sind, wie setzt sich die Gruppe dann zusammen?
Diese Frage stellt sich jeder seit dem 17. November, als dieser bislang unsichtbare Teil von Frankreich beschloss, gelbe Westen anzuziehen und sichtbar zu werden. Die Bewegung scheint aus sehr unterschiedlichen Menschen zu bestehen: Arbeiter in prekären Arbeitsverhältnissen, Teilzeitarbeitende, Arbeitslose, Rentnerinnen, Lehrer, Kleinunternehmerinnen und Künstler. Viele Frauen tragen die gelben Westen und nehmen an Strassenblockaden bei, denn Frauen sind eine besonders gefährdete Gruppe in der aktuellen Wirtschaftslage. Die Demonstrierenden kommen sowohl aus dem linken als auch dem rechten politischen Lager, doch ursprünglich bestand die Bewegung aus Leuten, die sich als unpolitisch bezeichneten – eine Bürgerbewegung; Menschen, die noch nie zuvor demonstriert hatten und stolz darauf waren. All diese Menschen haben eines gemeinsam: Am Monatsende reicht ihr Geld nicht.

In den französischen Medien erklären sie jetzt, dass sie dann kein Essen mehr im Kühlschrank haben und zu viele Steuern und Rechnungen zahlen müssen. Sie erzählen, dass sie ihre Kinder nicht ernähren können oder dass ihnen nur 50 Euro im Monat bleiben, um Kleidung und andere Dinge zu kaufen. In den letzten Wochen haben wir erstaunlich viele Stimmen gehört, die sonst nicht zu Wort kommen.


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Die CO2-Steuer wurde von Macron als umweltfreundliche Massnahme dargestellt. Er hat doch Recht damit, dass Leute nicht mehr so viel Auto fahren sollen. Warum haben die Leute ihn nicht unterstützt?
Das stimmt: Die Regierung hat die erhöhten Benzinpreise als Massnahme verkauft, die die Energiewende mitfinanzieren soll. Studien haben aber gezeigt, dass diese Steuer die unteren Schichten fünfmal stärker belasten würde als die oberen Schichten. Es ist nicht so, dass die Gelbwesten gegen den Umweltschutz sind oder dass er ihnen egal ist. Es geht darum, dass sie nicht über die Runden kommen und glauben, dass das Geld woanders herkommen sollte.

Zu Beginn war die Öffentlichkeit von den Gelbwesten sehr irritiert, weil man sie als Bewegung sah, die noch mehr Treibstoff verbrennen und die Umwelt weiter verschmutzen will. Doch als die Bewegung sich in den nächsten Tagen und Wochen organisierte – auch wenn die Organisation nach wie vor undurchsichtig ist –, haben sich ihre Forderungen erweitert.

Nach dem 17. November hörte man bei jedem Protest Rufe, Macron solle zurücktreten. Dann wurden Forderungen laut, die weit über Benzinpreise und Abgase hinausgehen. Sie wollen, dass die Steuern für Arme gesenkt werden und der Mindestlohn gleichzeitig angehoben wird. Sie fordern, dass die Reichensteuer wieder eingeführt wird und Steuergelder neu verteilt werden. Sie wollen, dass Bürgerversammlungen eingerichtet werden und öfter Volksentscheide auf lokaler und nationaler Ebene stattfinden. Ich kann nur empfehlen, die 40 Forderungen der Gelbwesten-Bewegung zu lesen – sie schliessen inzwischen einige Menschengruppen ein, die auf den ersten Blick nichts mit der CO2-Steuer zu tun haben. Die erste Forderung lautet, das Problem der Obdachlosigkeit sofort zu lösen. Die Menschen wollen eine Erhöhung des Mindestlohns. Die Mieten sollen reguliert werden. Bahnhöfe, Postämter, Schulen und Krankenhäuser sollen nicht weiter geschlossen werden. All diese Punkte fordern natürlich die bestehende Ordnung heraus.

Warum sind die Franzosen so kämpferisch?
[Lacht] Die Franzosen haben einen Ruf als revolutionäres Volk. Ich weiss nicht, ob das mehr Mythos als Realität ist. Doch obwohl es in den letzten Jahrzehnten zahlreiche soziale Bewegungen und Strassenproteste gab, wurde nichts erreicht. All die Proteste gegen Arbeitsgesetze, die Privatisierung der Bahn, Bildungsreformen – sie alle waren sehr stark und haben viele Leute mobilisiert, brachten aber keine Ergebnisse. Bei den Gelbwesten scheint es anders zu sein.

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<![CDATA[Foto zeigt Paar bei Sex auf Cheops-Pyramide – jetzt ermitteln die Behörden]]>https://www.vice.com/de_ch/article/nep9ez/foto-zeigt-paar-bei-sex-auf-cheops-pyramide-jetzt-ermitteln-die-behordenTue, 11 Dec 2018 12:37:48 +0000Andreas Hvid hat ordentlich Staub aufgewirbelt – sowohl metaphorisch als auch wortwörtlich. Vor Kurzem kletterte der dänische Fotograf nachts mit einer jungen Frau auf die berühmte Cheops-Pyramide in Ägypten. Oben angekommen genossen die beiden die spektakuläre Aussicht – und liessen anschliessend die Hüllen fallen. Das hat jetzt wohl ein Nachspiel.

Vergangenen Freitag veröffentlichte Hvid ein Video und mehrere Bilder der Aktion. Gerade das Foto, auf dem der Fotograf und die junge Frau augenscheinlich Sex haben, kommt nicht gut an – weder bei der Bevölkerung Ägyptens noch bei den Behörden des afrikanischen Landes. Laut der Zeitung Ahram Online hat Ägyptens Antikenminister Khaled El-Anany die Staatsanwaltschaft damit beauftragt, die Echtheit der Bilder zu überprüfen und zu ermitteln, ob Hvid und seine Freundin wirklich "ein explizit pornografisches Video" auf der Pyramide gedreht haben.

Ein Ex-Beamter deutete gegenüber dem TV-Sender NBC an, dass die Aufnahmen ein Fake sein könnten. Es sei nämlich quasi unmöglich, nachts auf das Pyramidengelände zu gelangen. Zudem soll die Grösse der Steine nicht passen. An dieser Stelle ist allerdings zu erwähnen, dass es andere Leute auch schon geschafft haben, auf die Pyramide zu klettern: 2016 wurde zum Beispiel ein Deutscher genau deswegen von der ägyptischen Polizei festgenommen. Die antiken Bauwerke zu besteigen, ist natürlich verboten und kann mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden.

Auf unsere Bitte einer Stellungnahme hat Hvid noch nicht reagiert, aber der dänischen Zeitung Ekstrabladet hat er bereits ein ausführliches Interview gegeben. Darin sagt er, dass die Fotos echt seien und dass er erstmal nicht mehr nach Ägypten reisen werde – das Risiko einer Festnahme sei zu gross.

Hvid sagt, er habe sich schon seit Jahren in den Kopf gesetzt, die Aktion durchzuziehen. Ende November soll es dann soweit gewesen sein: Der Fotograf und seine Partnerin seien über einen Zaun auf das Grundstück geklettert und hätten sich langsam bis zu den Pyramiden vorgearbeitet. Dabei hätten sie sich zeitweise lange verstecken müssen, bis alle Wachen ausser Sicht waren und sie ungestört zu den Monumenten vordringen konnten.

Die Besteigung der Cheops-Pyramide soll dann nicht mal eine halbe Stunde gedauert haben. Hvid beschrieb das Gefühl auf der Spitze des Bauwerks als "euphorisch", die Aussicht sei "magisch" gewesen. In dem Video von der Aktion sieht man, wie das Pärchen im Schutz der Dunkelheit still auf der Pyramide herumkraxelt. Am Ende zieht die unkenntlich gemachte Frau ihr Top aus und blickt auf das vor ihr liegende Kairo. Anschliessend schoss das Pärchen das Foto, auf dem es sich offensichtlich seinen Trieben hingibt.

Dieses Foto scheint die Öffentlichkeit nun gleich doppelt aufzuregen: Zum einen sind die Leute sauer, weil Hvid illegalerweise auf eine der Pyramiden von Gizeh geklettert ist, und zum anderen, weil der Fotograf dort oben wohl Sex hatte. "Im Namen aller Historiker und Archäologinnen hoffe ich, dass ihr beide im Knast landet", schrieb ein User unter das YouTube-Video.

Gegenüber der dänischen Zeitung sagte Hvid, dass das Foto ein Statement zur westlichen Gesellschaft sei: "Etwas Dümmeres ist mir nicht eingefallen. Privilegierte junge Menschen aus der westlichen Welt, die auf alles scheissen. Eigentlich fehlen da nur noch ein Joint und eine Flasche Wodka."

Der Fotograf habe aber nicht erwartet, dass die Leute so wütend reagieren. Er habe sich ja an die Regeln der Urban Exploration gehalten – also nur Fotos geschossen und lediglich Fussspuren hinterlassen.

Bei der Pyramiden-Aktion handelt es sich nicht um Hvids ersten illegalen Ausflug. In seiner Biografie heisst es, dass der 23-jährige Fotograf schon seit über zehn Jahren Urban Exploration betreibt. Auf seiner Website ist zu sehen, dass er schon in Tschernobyl unterwegs war und auf einige Wolkenkratzer geklettert ist. Zudem scheint Sex an ungewöhnlichen Orten ein beliebtes Motiv des Dänen zu sein.

Im Interview mit Ekstrabladet gibt Hvid allerdings zu, dass er und seine Freundin nicht wirklich auf der Cheops-Pyramide gebumst hätten. Das Foto sei gestellt. Tja, da muss der Fotograf wohl einen anderen Weg finden, in den "Nile High Club" aufgenommen zu werden.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE CA.

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<![CDATA[Ein 16-Jähriger ist an einem Stromschlag durch seine Kopfhörer gestorben]]>https://www.vice.com/de_ch/article/pa5mng/ein-16-jahriger-ist-an-einem-stromschlag-durch-seine-kopfhorer-gestorbenTue, 11 Dec 2018 10:51:03 +0000Vergangene Woche ist ein Teenager durch einen Stromschlag getötet worden, als er mit In-Ear-Kopfhörern über sein Mobiltelefon Musik hörte, während es an der Steckdose hing. Mohd Aidi Azzhar Zahrin aus der malaysischen Stadt Rembau lag regungslos auf dem Boden seines Zimmers, als ihn seine Mutter am darauffolgenden Tag entdeckte. Seine Ohren waren blutüberströmt. So berichtet es die malaysische Zeitung New Straits Times.

Erste medizinische Untersuchungen ergaben, dass der Körper des 16-Jährigen abgesehen von Verbrennungen am linken Ohr keine weiteren Wunden oder Verletzungen aufwies. Bei der späteren Autopsie fand man die Todesursache heraus: Stromschlag. Die Behörden gehen davon aus, dass der Teenager den Akku seines Handy auflud, während er Musik über das Gerät hörte. Laut dem australischen Nachrichtenmagazin 7 News bekam der Bruder des Opfers ebenfalls einen kleinen Schlag ab, als er das Ladekabel berührte. Es könnte also ein Materialfehler gewesen sein. Der Hersteller und das genaue Gerätemodell sind nicht bekannt.


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Mohd ist mindestens die vierte Person, die 2018 aufgrund eines Stromschlags ums Leben gekommen ist, der durch Kopfhörer übertragen wurde. Im Februar wurde die brasilianische Schülerin Luiza Pinheiro ebenfalls tot aufgefunden. Ein heftiger Stromstoss war über ihr Handy in ihren Körper geleitet worden und soll sogar ihre In-Ear-Kopfhörer zum Schmelzen gebracht haben. So schreibt es die australische Nachrichtenseite News.com.au.

"Die Grossmutter der Teenagerin sagte dem Arzt, dass sie ihre Enkelin bewusstlos aufgefunden hätte und dass das Mädchen Kopfhörer in ihren Ohren gehabt habe", zitiert das Nachrichtenportal G1 einen Krankenhausmitarbeiter. "Sie glauben, dass die junge Frau einen Stromschlag abbekommen hat, weil ihr Handy aufgeladen wurde und geschmolzen war."

Im Mai starb eine 46 Jahre alte Frau aus dem indischen Dorf Kanathur an einem Stromschlag, nachdem sie beim Musikhören eingeschlafen war. Der Zeitung Times of India zufolge gibt die örtliche Polizei einen Kurzschluss als mögliche Ursache an. Einen Monat später hörte ein 22-Jähriger aus dem indischen Dorf Pandyo über sein gerade ladendes Handy Musik. Zu dem Zeitpunkt gab es einen temporären Stromausfall. Als der Strom zurückkehrte, bekam der junge Mann durch seine Kopfhörer einen elektrischen Schlag ab und starb. Das berichtete der indische Fernsehsender NDTV.

Das Problem der Stromschläge über ladende Mobiltelefone existiert aber auch ausserhalb von Entwicklungs- und Schwellenländern: 2014 wurde eine 28 Jahre alte Australierin tot bei sich zu Hause aufgefunden, nachdem sie über ein USB-Kabel einen tödlichen Stromschlag erhalten hatte. Auch sie hatte über Kopfhörer Musik gehört. In diesem Fall schrieben die Behörden die Schuld zumindest teilweise einem fehlerhaften Ladegerät zu, so der australische TV-Sender ABC.

Auch in Deutschland gab es bereits einem ähnlichen Fall. Eine 25-jährige Frau wollte beim Telefonieren eigentlich nur den Akku ihres Smartphones aufladen, als plötzlich ein starker Stromschlag ihren Körper durchfuhr und schwer vernarbte. Schuld daran war ein gefälschtes, fehlerhaftes Ladekabel, das der jungen Frau als Original-Zubehör verkauft worden war.

Genau aus diesem Grund solltest du immer genau darauf achten, dass es sich bei gekauftem Elektrozubehör nicht um Fälschungen handelt. Zu erkennen ist das an der richtigen Marke, der korrekten Modellnummer und dem aufgedruckten CE-Siegel. Leider sind die Kopien inzwischen oft kaum mehr vom Original zu unterscheiden. Deswegen solltest du dein Smartphone beim Laden am besten immer im Blick haben und in der Zeit auch nicht nutzen. Klingt nervig, kann aber lebensgefährliche Situationen vermeiden.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE AU.

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<![CDATA[Wir haben die Handlungsstränge in 'Dogs of Berlin' nach Dämlichkeit sortiert]]>https://www.vice.com/de_ch/article/4397k9/wir-haben-die-handlungsstraenge-in-dogs-of-berlin-nach-daemlichkeit-sortiert-netflixTue, 11 Dec 2018 09:26:21 +0000Eines vorweg: Dogs of Berlin ist eine Serie, die so schlecht ist, dass es frech ist. Die zweite deutsche Netflix-Produktion nach Dark soll die Hauptstadt als "Pulverfass" zeigen, das nach dem Mord an einem deutschtürkischen Fussballstar jeden Moment hochgehen könnte. Was es natürlich auch tut und, weil darunter macht man's nicht, in einem "Rassenkrieg" gipfelt. Dafür wirft Regisseur und Drehbuchautor Christian Alvart Neonazis, arabische Clans, Wettmafia-Paten, sexy Superanwältinnen, Rockergangs, korrupte Polizisten, alkoholkranke Sozialhilfeempfängerinnen, rappende Teenager und frustrierte Ehefrauen in einen Topf, spuckt nochmal rein und fertig ist eine zehnstündige Dramaserie, die sich guckt wie ein Troll-Mash-up von 4 Blocks meets RTL-Nachmittagsprogramm meets Til-Schweiger-Tatort. Und genau das ist seit Freitag für alle Netflix-Kundinnen und -Kunden international verfügbar und soll zeigen, dass auch Deutschland Serien kann. Na herzlichen Dank.

Keine der dutzenden Hauptfiguren hat irgendeine Tiefe, beim Grossteil wird nicht einmal ersichtlich, warum sie eingeführt werden und es sie überhaupt gibt – schliesslich haben sie wahlweise überhaupt keine Auswirkung auf die Story, oder verschwinden nach wenigen Szenen wieder. Jeder YouTube-Star hat einen besseren Greenscreen zu Hause als das, was uns Dogs of Berlin als Szenen aus einem echten Fussballstadion verkaufen will. Der Ton ist in manchen Momenten nicht synchron mit den Lippenbewegungen der sprechenden Figuren. Wenn der seltene Fall eintritt, dass ein Dialog mal nicht so klingt, als sei er von einem Twitter-Bot geschrieben, wird er dadurch kaputt gemacht, dass die Kamera willkürlich dramatisch auf Gesichter zoomt. Und sollten wir als Zuschauende vergessen haben, was eine Szene vorher passiert ist, bekommen wir aus dem Off nochmal die Gesprächsfetzen eingespielt, die die Person dazu gebracht haben, das zu tun, was sie gerade tut. Der absolute Gipfel sind allerdings die Storylines.

Wer die Serie komplett unvorbelastet gucken will, sollte jetzt nicht weiterlesen. Grosse Plot-Twists verraten wir allerdings nicht.

6. Der Mord am Fussballstar

Orkan Erdem (Cino Djavid), deutscher Fussballstar mit türkischen Wurzeln, liegt tot in einem Gebüsch in Marzahn. Sein Mord soll der Auslöser dafür sein, dass Berlin eine Woche später in Flammen steht. Für eine junge Polizistin und ihren Kollegen ist er aber nur irgendein Unbekannter, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Sie erkennen den bekanntesten Fussballspieler Deutschlands nicht, der am nächsten Tag im Länderspiel gegen die Türkei auf dem Platz stehen soll und deswegen in allen Medien ist. Auf die Idee, den Geldbeutel des Toten aufzuheben und nach seinem Personalausweis zu suchen, kommt niemand. Nur der korrupte LKA-Beamte Kurt Grimmer (Felix Kramer), der zufällig in der Nähe war und mit dem Baby seiner Geliebten Biene (Anna Maria Mühe) auf dem Arm am Tatort vorbeischaut. Er nutzt die Chance, den Fall an sich zu reissen, die Tat vorerst geheim zu halten und sehr viel Geld darauf zu setzen, dass Deutschland gegen die Türkei verliert. Nur eine Sache macht ihm so ein bisschen Sorgen: Wird die Öffentlichkeit nicht misstrauisch, wenn Erdem ein Wochenende lang nichts auf Instagram postet?

Anscheinend nicht, denn auch dieses Problem verschwindet einfach, niemand nimmt mehr darauf Bezug. Stattdessen taucht ein anderes Problem auf: Erdem ist anscheinend gar nicht mehr der beste Spieler der Nationalelf, sein Ausfall hat keinerlei Auswirkung darauf, dass Deutschland die bessere Mannschaft hat. Hätte sich Grimmer darüber informieren sollen, bevor er viel Geld setzt? Ja. Wundert es, dass er es natürlich nicht getan hat? Nein. Sonst hätten Dogs of Berlin schliesslich mehrere dramatische Kamerafahrten und sinnlose Autofahrszenen unter Zeitdruck gefehlt.

5. Die Neonazis aus Marzahn

Um Geld auf die Niederlage Deutschlands setzen zu können, braucht Kurt Grimmer Geld. Und er hat keins, deswegen stattet er seinem Bruder Ulf (Sebastian Zimmler) einen Besuch ab. Der ist nach wie vor Teil der Neonazi-Bruderschaft, aus der Kurt vor Jahren ausgetreten ist, und soll ihm Geld aus der Vereinskasse leihen. Was er … tut. Seine Nazikumpels sind darüber nicht sonderlich erfreut, was einen weiteren ungenügend auserzählten Konflikt aufmacht. Wem fühlen wir uns mehr verpflichtet: Unserem eigenen Fleisch und Blut oder der Familie, die wir uns selbst gewählt haben?

Unerklärt bleibt auch, was die Neonazi-Bruderschaft eigentlich den ganzen Tag so tut, wenn sie sich nicht gerade über den Inhalt der Vereinskasse streitet. Ist sie eine tatsächliche Bedrohung für Berlin? Welche konkreten Ziele verfolgt sie? Veranstaltet sie Mahnwachen oder Kundgebungen, bedroht sie Menschen mit Migrationshintergrund und linke Politiker? Keine Ahnung. Nach dem verlorenen Länderspiel wird sich lose zum Randalieren verabredet, theoretisch könnten die Mitglieder aber auch ein rassistischer Fussballfanclub oder ein Bastelverein für verfassungsfeindliche Flaggen sein. Welche Funktion Kurt in der Vereinigung hatte und welche Rolle seine Nazi-Mutter Eva (Katrin Sass) nun genau spielt, wird auch nicht erklärt. Dafür erfahren wir, was die schlimmste Strafe ist, die es für Verräter in Heil-Hitler-Kreisen gibt: Tritte in die Eier.


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4. Der erfundene Problembezirk

Eine Sache muss man der Nazi-Storyline zugute halten: Sie spielt in einem realen Berliner Bezirk. Marzahn gibt es, liegt tatsächlich im Osten und hat ein ganz reales Problem mit rechter Gewalt und Perspektivlosigkeit. Das ist, bei aller Überzeichnung, authentisch. Umso unverständlicher, dass grosse Teile von Dogs of Berlin in einem vermeintlichen Problembezirk spielen, den sich die Verantwortlichen einfach ausgedacht haben. "Kaiserwarte" soll das sein, was Neukölln für 4 Blocks ist. Ein Beispiel für eine Parallelgesellschaft, in der Clans regieren und es No-Go-Areas gibt, die von der Polizei nicht betreten werden dürfen. Und weil das "Überschreiten einer Linie", einer "Grenze" so eine schöne Metapher ist, die man dramatisch inszenieren kann, ist die No-Go-Area mit roter Sprühfarbe markiert. Ja, wirklich.

Warum "Kaiserwarte" und nicht Kreuzberg, wo doch viele Szenen ganz offensichtlich dort gedreht wurden? Das müsst ihr Serienmacher Christian Alvart fragen. Ähnlich relevant ist die Frage, wie sich das denn nun genau darstellt, so ein Aufwachsen in der No-Go-Area. Grimmers Polizeipartner Erol Birkan (Fahri Yardım) spricht zwar ständig darüber, es dort rausgeschafft zu haben, warum man da aber unbedingt weg muss, ausser dass es dort wie überall in Berlin Kriminalität gibt, erfahren wir nicht. Der konstruierte Kiez bleibt abstrakt – und selbst die obligatorischen Shisha-Bar-Szenen sehen nicht aus, als wären sie in einer echten Shisha-Bar gedreht worden.

3. Der rappende Teenager

Serien über Gangs brauchen Deutschrapper. Auch das hat 4 Blocks vorgemacht, indem sie Veysel eine Hauptrolle gaben und Leute wie Gzuz zumindest mal böse guckend durchs Bild laufen durften. In Dogs of Berlin bekommt der Themenkomplex Rap aber gleich einen eigenen Handlungsstrang. Murad Issam (Mohammed Issa) ist 15 und wird von den Tarik-Amirs als Laufbursche genutzt. Sein eigentlicher Traum ist es aber, Rapper zu werden. Denn er hat krasse Flows und tighte Rhymes und so weiter, und deswegen hängen in seinem Kinderzimmer auch überall A4-Papierseiten mit Graffitischrift. Durch seine Connections zum Clan schafft er es bei einem Auftritt seines Idols Haftbefehl auf die Bühne und darf einen ganzen Part mitrappen.

Erst stockt er, wird panisch, bekommt kein Wort raus. Wir kennen das aus 8 Mile. Dann traut sich Murad schliesslich doch noch, stolpert beeindruckend unbeeindruckend über den Beat (das kennen wir nicht aus 8 Mile) und die Menge vor der Bühne rastet komplett aus. Reale Situationen, in denen eine Rap-Crowd, die wegen Haftbefehl gekommen ist, auf einen schlechten Part irgendeines Typen aus dem Publikum ausgerastet ist: null. Nada. Nie. Ganz abgesehen davon, dass das Konzert schon lief, als Murad und sein Clan-Kumpel die Location betreten haben, während draussen aber noch sehr viele Leute in der Schlange standen. Gibt es nicht zumindest ein Thema, bei dem die Leute hinter Dogs of Berlin ein Mindestmass an Authentizität zusammenkratzen konnten?

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.

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<![CDATA[Bei dieser Clan-Hochzeit hat sich die Polizei selbst eingeladen]]>https://www.vice.com/de_ch/article/zmdwpa/bei-dieser-clan-hochzeit-hat-sich-die-polizei-selbst-eingeladenTue, 11 Dec 2018 09:23:54 +0000Zu den Gästen einer Hochzeit gehören normalerweise gute Freunde und Familienangehörige und keine Hundertschaft der Polizei. Was klingt wie ein Plottwist der Serie 4 Blocks, war am Sonntagabend Realität: Ein Grossaufgebot der Polizei kontrollierte in Mülheim an der Ruhr eine Hochzeit zweier libanesischer Familienclans.

Statt Küssen, Tanzen und friedlichem Feiern, rechneten die Beamten mit gefährlichen Machtdemonstrationen und Tumulten. "Wir wollten alles strikt unterbinden, was die Bevölkerung und die Gäste beeinträchtigt hätte", sagte ein Polizeisprecher im Gespräch mit VICE. "Dazu gehört, dass Pyrotechnik abgebrannt wird, Auto-Corsos den Verkehr lahmlegen oder auch Waffen abgefeuert werden."

Denn tatsächlich standen auf der Gästeliste Leute, deren Vorstrafenregister umfassender erscheint als so manches Ehegelübde. "Wir haben erfahren, dass 800 bis 1.000 Gäste bei dieser Hochzeit erwartet werden, darunter auch straffällige Personen", sagte der Pressesprecher.


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Der Einsatz sei kurz zuvor bei den Familien angekündigt worden. Rund 600 Beamte riegelten die Strassen um eine Eventhalle im Mülheimer Stadthafen ab und kontrollierten circa 160 Fahrzeuge der Anreisenden. Drei Gäste verpassten die Feierlichkeiten und mussten mit auf die Wache. Eine Person soll Drogen dabei gehabt haben, eine andere Waffen und bei einer dritten "stimmte etwas mit dem Führerschein nicht", wie der Polizeisprecher mitteilte. Auch ein per Haftbefehl gesuchter 38-jähriger Mann wurde gefasst.

Die Braut soll die Tochter von Mahmoud Al-Zein sein, der als "Präsident von Berlin" bekannt ist. Bei den Gästen von Braut und Bräutigam waren deshalb viele Mitglieder der zwei grössten libanesischen Clans vor Ort, die Verbindungen in alle Bundesländer und ins Rocker-Milieu haben sollen. Die Polizei Essen twitterte den Einsatz unter dem Hashtag #NullToleranz, was teil einer gross angelegten Strategie ist. "Im gesamten Land Nordrhein-Westfalen verfolgen wir die Null-Toleranz-Strategie in Bereichen, in denen möglicherweise Grossfamilien oder kriminelle Gruppen polizeiliche Arbeit erschweren. Das heisst wir kontrollieren sehr kleinlich und sehr genau", sagte der Pressesprecher zu VICE. Die Polizei sei zu allen Tages- und Nachtzeiten dauerhaft präsent und könne direkt auf "respektloses Verhalten" und Straftaten reagieren.

Die Hundertschaften sollen aus Sicht der Polizei die Hochzeit nicht gestört haben, auch wenn es für die Polizei Essen neu war, eine Hochzeitsparty zu kontrollieren. Da es kein Feuerwerk gab, bot die Polizei den Gästen zumindest gratis Blaulicht.

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