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      Der Feind aller Hausverwaltungen ist in Haft

      Von Markus Lust

      Editor-in-Chief VICE Alps

      March 6, 2014

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      So, wie es aussieht, könnte diesmal Puber selbst der Angeschmierte sein: Der Sprayer, der sich selbst als „Staatsfeind Nummer 1" feierte und privat anscheinend auch mal Windel mit der Aufschrift „Ich bin Gott, du schwuler..." am Kopf trug, wurde vermeintlich am heutigen Donnerstag um 11:00 Uhr vormittags von der Wiener Polizei verhaftet. Das berichten uns zumindest seine beiden Mitbewohner exklusiv im VICE-Interview. Es gilt die Unschuldsvermutung.

      „Um 10:30 Uhr stand die Polizei vor der Türe und fragte nach drei verschiedenen, ähnlich klingenden Namen, die wir alle noch nie gehört hatten", erzählen die beiden kurz nach der mittäglichen Polizei-Action. „Ein Foto, das bei der Identifizierung geholfen hätte, zeigten sie uns zu diesem Zeitpunkt nicht. Trotzdem ließen wir sie rein. In der Wohnung fanden sie recht schnell Pubers Zimmer—immerhin war es ja nicht versteckt oder abgehängt. Wahrscheinlich wäre das Ganze auch nicht so eindeutig verlaufen, wenn er nicht seinen Reisepass im Zimmer liegen lassen hätte."

      Erst dann legten die Beamten auch Facebook-Bilder des Gesuchten vor und drohten den Mitbewohnern mit Anzeigen: „Sie machten Druck, weil wir ihn angeblich versteckt hätten. Dabei wussten wir bis dahin nichts vom Ausmaß ihrer Suche und auch nicht vom vorliegenden Haftbefehl. Der Name, den sie uns in mehreren Abwandlungen genannt hatten, war ebenfalls neu für uns."

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      Nachdem die Polizei angeblich sämtliche elektronischen Geräte beschlagnahmen wollte, dann aber auf die Forderung nach Bestätigungen für jedes Device doch von ihrem Plan abließen, zogen die Beamten wieder ab. „Nur wenige Minuten später kam Puber zurück. Wir erklärten ihm, dass die Polizei gerade da gewesen ist, also zog er sich zuerst mal eine ordentliche Hose an, packte ein paar Sachen ein und wollte übers Dach fliehen. Anscheinend sind die Polizisten aber die ganze Zeit über in der Nähe geblieben. Irgendwo auf dem Weg von der Wohnung auf's Dach erwischten sie ihn dann."

      Ganz der Medienmensch gab der Festgenommene seinen Mitbewohnern noch ein paar schnelle Anweisungen: „Wir sollten Kontakt zu seinem Vater und zu seiner Schwester aufnehmen, noch schnell ein Foto von ihm in Handschellen machen und dann zu euch gehen, um ein paar Sachen über ihn klarzustellen."

      Weshalb die Polizei erst jetzt in die Wohnung kam, verstanden die Mitbewohner nicht restlos, denn: „die Polizei hatte schon vor dem Winter Kontakt zu ihm. Sie wussten also schon längst, wer er war. Damals wollten sie eigentlich nur drei Dinge von ihm: Seine Meldeadresse, seine Arbeitsstelle und dass er mit dem Sprayen aufhört." Ganz so einfach fiel ihm der Rückzug aus der Öffentlichkeit aber angeblich nicht—vor allem nicht angesichts der nicht abreißenden Berichterstattung.

      „Er machte wesentlich weniger als zuvor, aber ganz aufhören konnte er einfach nicht. Jeder neue Zeitungsbericht hat sein Ego gepusht", erzählen die beiden Mitbewohner weiter. „Was da stand, war ihm egal—Hauptsache, er war in den Medien. Wenn ein neuer Artikel erschienen ist, hat er jedes Mal gejubelt und meinte ‚Jetzt bin ich sogar Staatsfeind Nummer 1!'" Nur den Artikel in The Gap konnte er anscheinend nicht so einfach mit Schulterzucken abtun. „Dass er hier ins rechtsradikale Eck gestellt wurde, war ihm nicht egal. Spätestens da hat er beschlossen, auch sie zu taggen."

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      „Hinzu kommt natürlich sein milder Gottkomplex", sagt einer der beiden lächelnd.

      Die meiste Berichterstattung rund um Pubers Vandalismus war einhellig negativ—an den meisten Gerüchten sei aber trotzdem nichts dran: „Wie immer sind zirka 70 % von dem, was man über ihn gelesen hat, einfach nur Blödsinn. Er hat keine Kinder ausgeraubt, keinen alten Frauen die Tasche gestohlen und auch keine Schwulen verprügelt." Die beiden gestehen zwar ein, dass er auf Anmachen von Männern „wahrscheinlich nicht zu gut reagiert hätte"—gleichzeitig habe er aber beim Mister Bear Contest mitgearbeitet und Gewinner damals als „total coolen Typen zum Partymachen" bezeichnet.

      „Dass er manchmal ein ‚schlimmer Finger' war, ist gar keine Frage. Er macht halt gerne nächte- und tagelang Party. Dass da nicht nur Gutes rauskommt, ist klar." Die einzig positive Publicity bekam Puber in der „Großen Sommerlochsendung" des Anarchistischen Radios.

      Hier wurde er—zumindest von einigen politischen Programmmachern—geradezu als Künstler kanonisiert und ernsthaft diskutiert. „Das hat uns natürlich alle sehr amüsiert, weil wir genau wussten, was er mit seinen Sachen wirklich sagen wollte. Es gab einfach keine tiefere Botschaft." Die Sendung des Anarchistischen Radios hatte scheinbar dennoch eine Sonderstellung für ihn: „Jedes Mal, wenn er traurig war, hat er sich die Sendung angehört", erklären seine Mitbewohner abschließend.

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      Der Artikel wurde am 25. März 2014 upgedated, um folgende Änderungen zu beinhalten:

      Bei der Einleitung wird nun der Konjunktiv verwendet (statt der Feststellung „Diesmal ist Puber der Angeschmierte"). Weiters ist im ersten Absatz nun von der „vermeintlichen Verhaftung" des Sprayers, der hinter dem Puber-Tag steht, die Rede. Darüber hinaus wurde ein Hinweis auf die nach wie vor geltende Unschuldsvermutung des Festgenommenen eingebaut. Alle Aussagen, die auf Erzählungen des beziehungsweise über den Verhafteten basieren und dessen Identität als jene des Sprayers Puber nahelegen, wurden mit dem Zusatz „vermeintlich" ergänzt.

      Themen: Puber, graffiti, Wien, Zurich, festnahme, polizei

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