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Das Vermächtnis des weißen Katers
Foto mit freundlicher Genehmigung von Jim McCrary/Lawrence.com

William S. Burroughs mit seiner Katze Ginger im Garten seines Hauses in Lawrence, Kansas
In seinem Buch The Cat Inside erklärt der Schriftsteller William S. Burroughs seine Liebe zu Katzen; er nennt sie darin „Seelengefährten“ und intuitive „Staatsfeinde“. Kurz vor seinem Tod schreibt er in seinem letzten Tagebucheintrag, die Liebe sei das ultimative Heilmittel. Dieses Zitat kommt auch in meinem Dokumentarfilm William S. Burroughs: A Man Within (burroughsthemovie.com) vor. Was ich in dem Film verschweige, ist, dass er hier die Liebe zu seinen Katzen meinte. Der vollständige Tagebucheintrag lautet:
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Konflikte sind nur mit Liebe zu lösen, wie ich sie für Fletch und Ruski, für Spooner und Calico empfinde. Reine Liebe. Was ich für meine Katzen empfinde, in der Gegenwart und der Vergangenheit. Liebe? Was ist das? Das natürlichste Schmerzmittel, das es gibt. LIEBE. |
Burroughs hatte viele Jahre ein Abonnement für Cat Fancy und bewahrte Hunderte von Ausgaben in seiner privaten Bibliothek auf. Im Mai 2010 schickte er über seinen Manager James Grauerholz dem miezenfreundlichen Magazin einen Pitch für eine Geschichte über die unerschütterliche Liebe des Schriftstellers zu seine Kätzchen. Auf die Zeitschriftenredakteure dürfte er recht wunderlich gewirkt haben, er begann folgendermaßen:
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Während William S. Burroughs Ansehen als einer der wichtigsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts stetig wächst, wird sein künstlerisches Genie häufig von Geschichten seines ungesetzlichen Lebenswandels überschattet: Gründer der Beat-Bewegung, seine Drogensucht und Homosexualität, der Unfalltod seiner Frau bei einer Wilhelm-Tell-Nummer in betrunkenem Zustand und in fortgeschrittenerem Alter sein inoffizieller Status als Pate der Punkrock-Bewegung. Von all den wilden Geschichten um Burroughs Leben kam die beste (und geheimste) zum Schluss: Er fand vor seinem Tod in der Tat Liebe und Rettung—durch seine Katzen. |
Die Zeitschriftenredakteure bekundeten (dummerweise) Desinteresse, und damit hatte es sich. Es scheint jedoch, als habe Burroughs zuletzt gelacht. Eine schnelle Internetsuche nach dem Sitz von Cat Fancy führte zu der Adresse 3 Burroughs Drive im kalifornischen Irvine (der Autor glaubte, die Zahl drei habe besondere Kräfte).
Als ihr beider Lebensabend nahte, fragte der Dichter Allen Ginsberg Burroughs einmal, ob er geliebt werden wollte. „Kommt darauf an … von wem oder was“, antwortete dieser. „Von meinen Katzen ganz bestimmt.“ Solchen Aussagen nach zu urteilen, ist es nicht verwunderlich, dass er sich in seinem Haus in Lawrence, Kansas, im Laufe der Jahre um Generationen von Katzen gekümmert hatte. Als er sich einmal mit einem jungen Liebhaber über die Möglichkeit eines Atomangriffs unterhielt, meinte Burroughs, er sorge sich am meisten darum, was nach einem Fallout aus seinen Katzen werden möge.
Neben der Zuneigung zu seinen vierbeinigen Freunden liebte Burroughs alles, was mit Naturwissenschaften zu tun hatte, das Okkulte, die Magie und die Subversionen von Tradition und Kontrollsystemen. Er studierte an der Harvard University und besuchte für kurze Zeit die medizinische Fakultät in Wien, brach dann aber sein Studium ab, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Roger Holden, der ebenfalls in Lawrence lebt und gut mit Burroughs befreundet war, ist von Beruf Erfinder und teilt die Liebe des Schriftstellers zu Katzen, der Wissenschaft und unkonventionellen Ideen. Rogers Interesse für die Wissenschaft wurde durch Computer geweckt, genauer gesagt, durch die „audio-digitale Soundsynthese und praktische Erfahrung mit dem weltweit ersten Videobildspeicher auf Basis eines Silicon-Chip-Speichers (d. h. durch das digitale Fernsehen)“. Daraufhin erfand er ein robotergesteuertes Trickkamerasystem, das eingesetzt wurde, um die in der Kindersendung Reading Rainbow vorgestellten Bücher abzufilmen, außerdem arbeitet er schon seit Jahren an einem R2D2-inspirierten holografischen Projektionssystem, das er hofft, noch vor Ende 2012 der Öffentlichkeit präsentieren zu können.
Als der Schriftsteller in Kansas lebte, arbeiteten die beiden an ein paar gemeinsamen Projekten, dazu zählten die 3D-Stereogramme (die später als Magic-Eye-Bilder bekannt wurden—ein in den 1990er Jahren allgegenwärtiges Phänomen), die 1996 schließlich in der Kunstausstellung Ports of Entry im Los Angeles County Museum of Art gezeigt wurden. Noch wichtiger für ihre Freundschaft war jedoch, dass Roger, als Burroughs’ geliebter weißer Kater Marigay erkrankte, nicht auf die Schulmedizin vertraute, sondern mit alternativen Heilmethoden das Leben des Tieres, das für Burroughs „heilig“ war, zu retten versuchte.






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