Der Krieg in Mali gefährdet auch die Elefanten des Landes

von Stefan Simanowitz

 

Während sich der militärische Konflikt in Mali weiter in den Norden ausbreitet, kümmert sich kaum jemand um die Auswirkungen der Krise auf die Gourma-Elefantenherden, die schon seit Jahrhunderten durch Malis Wüsten ziehen. Sie sind Afrikas nördlichste Elefanten. Sie sind die Nachfahren riesiger Herde, die einst einen großen Teil Westafrikas beheimateten. Nun sind die Gourma-Elefanten vom Aussterben bedroht.

Zur Zeit überleben die Mali-Elefanten das raue, trockene Klima der Sahel, indem sie einer Migrationsroute nach Burkina Faso folgen und dabei ein Gebiet von rund 32.000 Quadratkilometern nach Futter und Wasser absuchen.

Dank einer Kombination aus der Abgeschiedenheit der Gegend, der elefantenfreundlichen Bevölkerung, Bemühungen beim Naturschutz und dem Umstand, dass ihre Stoßzähne zu klein und wertlos für den Elfenbeinmarkt sind, wurden die Gourma-Elefanten von afrikanischen Jägern verhältnismäßig verschont. Trotzdem reduziert sich die Anzahl der Tiere aufgrund von Dürre, Klimawandel und einer verstärkten Konkurrenz beim Wasserzugang durch die lokale Bevölkerung und deren Vieh. 

 

Die politische Krise in Mali gefährdet ihr Überleben nun zusätzlich

 

m letzten Jahr wurde bereits ein erschreckender Anstieg der Wilderei verbucht, als islamistische Kämpfer und Tuareg-Rebellen den Norden Malis besetzten. „Vor letztem Jahr hatten wir keine Wildereivorfälle, bis dann sechs Elefanten ermordet worden sind“, erklärt Dr. Susan Canney, die Projektleitern des Mali Elephant Project. „Wilderei wird verstärkt praktiziert, damit die Rebellen durch den Verkauf von Elfenbein und Fleisch ihre Kassen aufstocken können. Nach dem Staatsstreich im März sind staatliche Förster und Polizisten abgezogen worden. Hoffentlich kommen sie bald zurück, damit die Jäger nicht die Grenze von Burkina Faso überqueren, weil da Elefantenfleisch gegessen wird.“

Vor dem Putsch gründeten die Regierung und das Mali Elephant Project ein höchst effektives Anti-Wilderei-Projekt, bei dem Förster mit Bürgerwehrnetzwerken, bestehend aus jungen, männlichen Freiwilligen der regionalen Gemeinden, kooperierten. Da die Förster nun weg sind, spielen die Gemeinschaften der Bürgerwehr eine größere Rolle bei der Überwachung der Elefantenherden in ihrem Umfeld, sind jedoch machtlos, wenn es zur Abschreckung von bewaffneten Wilderen kommt. Seit französische und malische Truppen die Gebiete der Elefantenherde in den letzten Wochen sicherten, hofft man darauf, dass die Bürgerwehr wieder ihrer Arbeit nachgehen kann.

Neben der Wilderei können die andauernden Kämpfe die Elefanten auch auf andere Art gefährden. Gourma-Elefanten haben einen sehr ausgeprägten Geruchssinn und besitzen die Fähigkeit, Infraschall wahrzunehmen. Das ermöglicht es ihnen, kilometerweit entfernte Wasser- und Futterquellen aufzuspüren, in der Wüste zu kommunizieren und potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen.

Der Kriegt bedroht die Elefanten

 

Laut Dr. Canney sind die Gourma-Elefanten zur Zeit in Zentralmali zwischen Douentza, Timbuktu und Goa zerstreut. Auch wenn dieser Bereich noch unbedenklich scheint, so ist die Herde dennoch sehr nah am oder gar auf dem Weg um Kampfgebiet. In Anbetracht der Truppen, Jets, Bomben und jeglicher Flugkörper ist die Sorge um die Elefanten auch in Bezug auf eine Störung ihrer gewohnten Migration groß.

Der Projektverantwortliche des Mali Elephant Project, Ganame Nomba, erkennt bereits eine Beunruhigung der Elefanten durch die Hubschraubergeräusche, wodurch sich die Gourmas mehr als gewöhnlich bewegen.

„Viele Islamisten flüchten zu Fuß und verstecken sich im Dickicht, dem bevorzugten Lebensraum der Elefanten“, erklärt Dr. Canney. „Es ist schwer, die Auswirkungen der flüchtenden Kämpfer vorauszusehen, aber kurzfristig wird es höchst  wahrscheinlich zu einer Störung im Herdenbestand kommen.“ Es sind jedoch die langfristigen Konsequenzen für die Elefanten, die größere Sorgen bereiten. Schätzungen zufolge gibt es nur noch knapp 550 Gourma-Elefanten. Die andauernde Gewalt könnte die Spezies an die Grenzen ihrer Existenz bringen.

In den ersten drei Wochen der „Opération Serval“, dem militärischen Eingriff in Mali, wurden die islamistischen Kämpfer erfolgreich aus ihren Hochburgen Gao und Timbuktu immer weiter in die Wüste gedrängt. Serval steht jedoch erst am Anfang. Die islamistischen Kämpfer sind nach wie vor eine Bedrohung für die Elefanten. Die Produktion von immer schwereren Waffen bringt zunehmend Unruhe in das sonst friedliche Leben der Gourma-Elefanten.

Laut Dr. Cannery hätte es im letzten Jahr ohne die regionalen Gemeinden deutlich mehr Elefantenmorde gegeben. „Die malische Regierung muss nicht nur weiter die regionalen Gemeinden mit Anti-Wilderei-Teams unterstützen, sondern der lokalen Bevölkerung auch Wege aufzeigen, ihre Ressourcen nachhaltig anzubauen und zu nutzen, weil ihre Existenz und die Zukunft der Gourma-Elefanten davon abhängen.“

 


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